Ganz gleich, ob Zahnmedizin oder Kieferorthopädie – mit einer eigenen Praxis tragen Sie viel Verantwortung. Eine Gewerbehaftpflichtversicherung ist daher sinnvoll.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kieferorthopädie ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin und beschäftigt sich mit der Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen.
- „Kieferorthopäden“ bzw. „Fachzahnärzte für Kieferorthopädie“ sind ausgebildete Zahnärzte, die eine dreijährige Vollzeitausbildung mit abschließender Prüfung vor der Zahnärztekammer absolviert haben.
- Als Kieferorthopäde behandeln Sie die unterschiedlichsten Fälle, von Zahnfehlstellungen über Zahnschutz bis zur Schnarchtherapie. Mit eigener Praxis und festem Patientenstamm können Sie monatlich rund 15.000 € brutto verdienen.
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Was ist Kieferorthopädie?
Die Kieferorthopädie (KFO) ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin, das sich mit Zahnstellungen, dem Kieferzusammenbiss und der Kiefergelenkfunktion beschäftigt. Kieferorthopäden erkennen Zahn- und Kieferfehlstellungen und behandeln sie mit Hilfsmitteln wie z. B. Zahnklammern und Zahnspangen. Eine Behandlung beim Kieferorthopäden kann aber auch helfen, solchen Fehlstellungen vorzubeugen.
Die Spezialisierung zum Kieferorthopäden kann auf unterschiedlichen Ausbildungswegen erreicht werden. Sie erfordert handwerklich-technisches Geschick sowie soziale Kompetenzen, da viele Patienten eine umfassende und einfühlsame Beratung benötigen.
Gewerbe- Haftpflichtversicherung
Gut abgesichert im Praxisalltag
Die ERGO Gewerbe-Haftpflichtversicherung schützt Ihre kieferorthopädische Praxis vor den finanziellen Folgen von Personen- oder Sachschäden.
Fachärzte für Kieferorthopädie sorgen nicht nur für optisch schöne Zähne, sondern auch dafür, dass die Patienten von einer Zahn- oder Kieferfehlstellung nicht gesundheitlich beeinträchtigt werden.
Checkliste
- Kieferorthopädische Behandlungen beugen Fehlentwicklungen vor und korrigieren unregelmäßige oder gestörte Gebissentwicklungen. Schiefe Zähne werden wieder in den Zahnbogen eingeordnet und Fehlentwicklungen des Gebisses ausgeglichen.
- Kieferorthopädische Behandlungen finden hauptsächlich im Kindesalter statt. Aber auch Zahnkorrekturen bei Erwachsenen werden häufig durchgeführt.
- Für jeden Patienten werden ein Behandlungsplan und die benötigten Apparaturen individuell angefertigt. Man unterscheidet dabei festsitzende und herausnehmbare Behandlungsgeräte wie z. B. Zahnspangen oder Zahnschienen.
- Des Weiteren fertigen Kieferorthopäden zum Schutz vor Zahn- und Mundverletzungen beim Sport individuelle Mundschutze aus Silikon an.
- Es gibt auch Kieferorthopäden, die mit anderen Fachärzten wie HNO-Ärzten in der Schnarchtherapie zusammenarbeiten. Bei Bedarf passen sie z. B. Schnarchschienen für die Patienten an.
Gut zu wissen
1. Studium der Zahnmedizin
Wenn Sie Kieferorthopäde werden möchten, müssen Sie zunächst ein vollständiges Studium der Zahnmedizin absolvieren. Dieses Zahnarztstudium dauert i. d. R. 11 Semester. Während der Ausbildung erwerben Sie fundiertes Wissen darüber, wie Sie Zahnerkrankungen vorbeugen, therapieren und auch operativ behandeln. Außerdem lernen Sie, wie Sie mit kieferorthopädischen Geräten umgehen und Zahnersatz herstellen.
2. Allgemeines zahnärztliches Jahr
Im Anschluss an das Studium müssen Sie in den meisten Bundesländern mindestens ein Jahr Erfahrung als Zahnarzt sammeln, bevor Sie sich spezialisieren können. Nach dem allgemeinen zahnärztlichen Jahr ist eine theoretische und praktische Weiterbildung im Fachgebiet der Kieferorthopädie möglich. Die Ausbildung umfasst Behandlungstechniken und die Versorgung von Zahnprothesen.
3. Zahnärztliche Zusatzausbildung
Die zahnärztliche Zusatzausbildung dauert für gewöhnlich 3 Jahre. Sie können die komplette Ausbildung in der kieferorthopädischen Abteilung einer Universitätszahnklinik absolvieren. Oft verbringen Sie jedoch nur ein sogenanntes „Klinikjahr“ in der Universität. Die restlichen 2 Ausbildungsjahre arbeiten Sie i. d. R. in einer Praxis mit Weiterbildungsberechtigung unter Aufsicht eines berechtigten Arztes.
4. Facharztprüfung
Die ganztägige und hauptberufliche Weiterbildung zum Kieferorthopäden beenden Sie mit einer Facharztprüfung vor einer unabhängigen Prüfungskommission der jeweiligen Zahnärztekammer. Nach bestandener Prüfung dürfen Sie den Titel „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ führen.
Alternative Ausbildung zum Kieferorthopäden: Der Master of Science Kieferorthopädie
Da die Studiengänge und -abschlüsse in Europa vereinheitlicht wurden, bieten ausländische Privatuniversitäten nun auch in Deutschland die Ausbildung zum „Master of Science (MSc) Kieferorthopädie“ an.
Checkliste
- Sie können die Weiterbildung zum Kieferorthopäden an einer privaten Universität nebenberuflich absolvieren.
- In 1 bis 3 Jahren besuchen Sie verschiedene Lehrveranstaltungen, legen eine Prüfung ab und schreiben eine wissenschaftliche Abschlussarbeit. Anschließend erwerben Sie den Mastertitel.
- Die Kieferorthopädieausbildung erfordert meist 45 bis 50 Präsenztage an der jeweiligen Universität.
- Diese zahnärztliche Weiterbildung ist eine überwiegend theoretische Ausbildung. Vollständige Patientenbehandlungen unter der ständigen Aufsicht von Instruktoren entfallen meist.
- Im Vergleich zu einer Vollzeitausbildung erlangen Sie im Master of Science Kieferorthopädie daher kaum praktische Erfahrung.
- Wichtig zu wissen: Mit einem Masterabschluss in Kieferorthopädie können Sie keine Fachzahnarztprüfung bei der Zahnärztekammer ablegen.
Was ist ein Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie?
Zahnärzte mit Schwerpunkt Kieferorthopädie sind praktizierende Zahnärzte, die sich zusätzlich mit Kieferorthopädie beschäftigen. Im Vergleich zu einem Kieferorthopäden hat ein solcher Zahnarzt keine explizite Ausbildung in diesem Bereich abgeschlossen. Bereits einige Wochenendkurse und wenige kieferorthopädische Behandlungen reichen aus, um den Titel „Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie“ zu führen.
Die fachliche Qualifikation des betreffenden Zahnarztes wird nicht überprüft. Diese Berufsbezeichnung gilt daher als Selbsteinschätzung des jeweiligen Zahnarztes.
Zahnklinik
Nachdem Sie das Zahnmedizinstudium im Fachbereich Kieferorthopädie beendet haben, beginnt die Facharztzeit, die Sie in einer Zahnarztklinik absolvieren können. Hier liegt das Einstiegsgehalt bei 2.000 bis 3.000 € pro Monat. Das Einstiegsgehalt nach der Assistenzzeit liegt bei ca. 7.500 € und nach 5 Jahren Berufserfahrung kann es auf 9.000 bis 11.000 Euro/Monat steigen.
Facharztpraxis
Die andere Möglichkeit ist, die Facharztzeit in einer Facharztpraxis zu absolvieren. Dann erwartet Sie ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 3.000 bis 4.500 € monatlich. Nach der Facharztzeit kann mit einem Gehalt zwischen 7.000 und 9.000 €/Monat gerechnet werden. Nach 5 Jahren im Beruf verdienen Kieferorthopäden zwischen 9.000 und 12.000 €.
Eigene Praxis
Als Kieferorthopäde mit einer eigenen Praxis und einem festen Patientenstamm können Sie monatlich gut 15.000 € brutto verdienen. Allerdings tragen Sie die Kosten der Praxiseröffnung und des Betriebs selbst. Zusätzlich übernehmen Sie die soziale und finanzielle Verantwortung für Ihre Angestellten.
Eigene Praxis mit umfassenden Behandlungsansätzen
Eine Voraussetzung für einen Topverdienst als Kieferorthopäde sind ständige Weiterbildungen. Wenn Sie Ihren Patienten umfassende und innovative Behandlungsansätze bieten, können Sie einen monatlichen Spitzenverdienst von über 15.000 € erreichen.
Mit einer eigenen kieferorthopädischen Praxis sind bestimmte Versicherungen unverzichtbar. Vergleichen Sie unbedingt mehrere Angebote hinsichtlich Kosten und Leistungen, bevor Sie sich entscheiden.
Betriebshaftpflicht
Die gewerbliche Haftpflichtversicherung deckt Personen- und Sachschäden ab, die in Ihrer Praxis entstehen – etwa wenn ein Patient im Wartezimmer ausrutscht oder wenn Sie bei der Behandlung seine Brille beschädigen. Achten Sie auf eine ausreichend hohe Deckungssumme. Sinnvoll ist eine Absicherung von 3 Mio. €.
Berufshaftpflicht
Die Berufshaftpflichtversicherung sichert Personen- und Sachschäden ab, die durch falsche Beratung oder Behandlung entstehen. Sie wird für alle Mediziner und für viele beratende Berufe dringend empfohlen.
Rechtschutz
Eine Rechtsschutzversicherung schützt Sie vor Verfahrenskosten, etwa wenn ein Patient falsch behandelt wurde oder bei ausstehenden Zahlungen.
Betriebsunterbrechung
Versichern Sie außerdem Ihr Praxisinventar und schützen Sie sich vor dem Risiko einer Betriebsunterbrechung, etwa bei einem Stromausfall oder bei einem Cyberangriff.
Nachhaftungsversicherung
Eine Nachhaftungsversicherung sichert Sie auch im Ruhestand gegen mögliche Schadensersatzforderungen von Patienten ab.
Fazit: Kieferorthopädie ist ein anspruchsvolles und vielseitiges Berufsfeld mit Zukunft
Der Beruf des Kieferorthopäden erfordert weit mehr als fachliches Know-how. Neben psychologischen, kommunikativen und sozialen Kompetenzen sind handwerkliches Geschick sowie der sichere Umgang mit Praxisgeräten unerlässlich. Besonders im Umgang mit meist jungen Patienten sind Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt.
Die Berufsbezeichnung „Kieferorthopäde“ bzw. „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ darf nur führen, wer eine mehrjährige, hauptberufliche Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen und die Prüfung vor der Zahnärztekammer bestanden hat. Diese dreijährige Vollzeitausbildung stellt das höchste Ausbildungsniveau in der Kieferorthopädie dar und vermittelt umfassende Kenntnisse in Diagnostik und Therapie.
Stand: 17.02.2026
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