Zahnprothese

Wenn viele Zähne fehlen

Je mehr Zähne in einem Gebiss fehlen, desto wahrscheinlicher wird der Einsatz einer Zahnprothese.

Zahnprothese

Was ist eine Zahnprothese?

Eine Zahnprothese dient als künstlicher Zahnersatz, wenn die eigenen Zähne nicht mehr erhalten werden können und die Lücken zu groß sind, um sie mit Brücken zu schließen. Sie wird individuell nach dem Gebissabdruck des Patienten in einem Dentallabor hergestellt. Der Träger soll damit wieder problemlos beißen, kauen und sprechen können – und der ästhetische Aspekt spielt natürlich auch eine große Rolle.

Wann wird eine Zahnprothese notwendig?

Eine Zahnprothese kann aus den unterschiedlichsten Gründen notwendig werden. Meist ist der Verlust einzelner oder mehrerer Zähne altersbedingt. Aber auch in jungen Jahren kommt der Verlust von Zähnen vor, z. B. nach einem Unfall. Ungeachtet des Alters führen häufig schwerer Kariesbefall oder starke Parodontitis dazu, dass der Zahnarzt eine Zahnextraktion vornehmen muss.

Provisorische Zahnprothese nach Zahnextraktion

In Fall einer notwendigen Zahnextraktion kann der Zahnarzt vor dem Eingriff eine provisorische Zahnprothese anfertigen, die sofort nach der Extraktion der schadhaften Zähne eingesetzt wird. Der Patient muss dann während der Heilungsphase nicht komplett auf Zähne verzichten – wenn auch mit eingeschränktem Tragekomfort. In der Regel tragen Patienten so ein Provisorium ca. 2 bis 3 Monate. Übrigens spricht nichts dagegen, die Interimsprothese auch nachts zu tragen. Natürlich nur, wenn sie keine Probleme oder Schmerzen bereitet – und gut gereinigt wurde.

Wie lange dauern die Anfertigung einer Zahnprothese und die Gewöhnung daran?

Je nach Art der Prothese müssen etwa 4 bis 5 Termine beim Zahnarzt eingeplant werden. Je aufwendiger die Behandlung und die Laborarbeiten sind, desto mehr Termine beim Zahnarzt werden benötigt.

Dabei müssen zuerst Schäden an den Zähnen bzw. die Zähne selbst entfernt werden, um das Gebiss für die Prothese vorzubereiten. Im nächsten Schritt folgt die analoge oder digitale Erstellung von Abdrücken. Um den Zahnersatz zu planen und anschließend zu erstellen, müssen Materialien ausgewählt werden. Auch eine Farbnahme ist nötig. Ein weiterer Termin ist erforderlich, um den Zahnersatz anzuprobieren und Änderungen vorzunehmen. Passt alles perfekt, folgt das Einsetzen der Prothese.

Trotz immer besserer Materialien und Techniken werden sich die Dritten nie wie das natürliche Gebiss anfühlen. Auch wenn sie optisch kaum noch davon zu unterscheiden sind. Und auch wenn der Zahnersatz in Form einer Prothese maßgeschneidert ist, handelt es sich um einen Fremdkörper im Mund. Das Tragen ist sicher anfangs gewöhnungsbedürftig, doch die meisten Patienten gewöhnen sich nach 3 bis 4 Wochen an das neue Gefühl.

Was hilft bei der Gewöhnung an eine Zahnprothese?

Mit diesen Tipps und etwas Geduld ist die Eingewöhnung machbar: Gerade zu Beginn sollten Patienten vor allem weiche Lebensmittel essen, um das Zahnfleisch zu schonen. Eine vermehrte Speichelbildung und anfängliche Druckstellen sind normal. Mundspülungen mit warmem Salzwasser können helfen. Auch das Sprechen will geübt werden. Warum also nicht mal laut in der Zeitung lesen?

Aus welchem Material bestehen Zahnprothesen?

In der Regel bestehen Vollprothesen aus einem rosafarbenen Spezialkunststoff (PMMA), der oft im medizinischen Bereich verwendet wird. Die künstlichen Zähne sind meist aus Kunststoff, manchmal auch aus Keramik. Für die Herstellung herausnehmbarer Teilprothesen wird auf Metalllegierungen zurückgegriffen, um die Stabilität des Gerüsts und der Klammern zu gewährleisten.

Alles essen mit Zahnprothese?

In der Anfangsphase wird das Essen mit einer Zahnprothese zur Übungsaufgabe. Mundraum und Muskulatur müssen sich erst mal den neuen Bedingungen anpassen. Das erste Menü besteht daher besser aus Hackfleisch mit Kartoffeln statt aus Steak mit Rohkost. Nach der Eingewöhnungszeit sollte der Genuss am Essen keine Grenzen mehr kennen.

Welche Arten von Zahnprothesen gibt es?

Zahnprothesen können als Voll- oder Teilprothesen eingesetzt werden. Als Vollprothese bezeichnet man die Standardversorgung bei einem zahnlosen Kiefer, also wenn keine eigenen Zähne mehr vorhanden sind. Umgangssprachlich wird die Vollprothese auch „dritte Zähne“ genannt.

Anders sieht es aus, wenn noch eigene Zähne erhalten sind, die jedoch nicht ausreichen, um festsitzenden Zahnersatz wie z. B. Brücken zu befestigen. Dann wird eine Teilprothese angeraten. Voll- und Teilprothesen gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen.

Zahnprothese

Vollprothesen

Es gibt 3 Arten von Vollprothesen:

  • Vollprothese mit Gaumenplatte: Durch die natürliche Saugwirkung der Kunststoffplatte am Gaumen und mithilfe von Haftcreme hält die Prothese sicher an ihrem Platz.

  • Vollprothese ohne Gaumenplatte: Da keine eigenen Zähne mehr vorhanden sind, müssen zur Befestigung der Vollprothese Zahnimplantate als künstliche Zahnwurzeln in den Kieferknochen verankert werden.

  • Vollprothese nach Prof. Gutowski: Damit die Vollprothese perfekt sitzt, muss sie möglichst genau auf den Zustand des Kiefers abgestimmt werden. Bei der Gutowski-Methode werden aufwendige Messungen und zahlreiche Anpassungsschritte vorgenommen, um einen stabilen Sitz und hohen Komfort zu gewährleisten. Meist ist das Tragen der Prothese dann ohne Haftcreme möglich.

Teilprothesen

Bei Teilprothesen unterscheidet man die beiden folgenden Varianten:

  • Teilprothese mit Klammern: Wie ein Puzzleteil wird die Teilprothese passgenau zwischen die echten Zähne gesetzt und mit kleinen Metallklammern befestigt. Die Klammerprothese, auch Modellgussprothese genannt, gehört zur Standardversorgung der gesetzlichen Krankenkasse.

  • Teilprothese ohne Klammern oder Gaumenplatte: Da viele Patienten Gaumenplatte oder Klammern als unangenehm empfinden, können Teilprothesen auch ohne hergestellt werden. Für diesen Fall kommt eine Kombination aus festsitzendem und herausnehmbarem Zahnersatz infrage. Sogenannte Geschiebeprothesen oder Teleskopprothesen bieten einen hohen Tragekomfort, sind aber kostspielig. Denn zur Befestigung der Teilprothese müssen an den angrenzenden Zähnen spezielle Kronen mit Verbindungselement befestigt werden.

Zahnprothesen für Kinder

Sind bei kleinen Kindern die Milchzähne zerstört und die bleibenden Zähne noch in weiter Ferne, kann eine Teil- oder Vollprothese Abhilfe schaffen. Die Herstellung einer Zahnprothese für Kinder erfolgt im Prinzip wie bei einem Erwachsenen. Sie besteht aus rosafarbenem Kunststoff und speziellen Kunststoff-Milchzähnen. Aufgrund des kindlichen Wachstums muss die Prothese immer wieder neu gefertigt werden, doch auch Dehnschrauben kommen zum Einsatz.

Zahnprothesen richtig reinigen

Für die optimale Reinigung einer Zahnprothese braucht es mehr als ein Wasserglas und eine Reinigungstablette: Auch die Dritten müssen gründlich geputzt werden, um schädliche Beläge und Zahnstein zu vermeiden.

Grundsätzlich sollte der künstliche Zahnersatz nach jeder Mahlzeit unter fließendem Wasser abgespült werden. Die Pflege vor dem Schlafengehen wird dann schon aufwendiger: Mit einer speziellen Prothesenbürste und einem Spritzer Spülmittel oder Flüssigseife wird die Prothese im Wasserbad gründlich abgebürstet und anschließend gut abgespült. Über Nacht wird sie dann wieder eingesetzt.

Achtung: Verwenden Sie zum Reinigen keine Zahnpasta, da die darin enthaltenen Schleifpartikel den Zahnersatz zerkratzen. Essig und Zitronensäure sind ebenfalls ungeeignet, da diese scharfen Mittel den Kunststoff angreifen.

Für die Entfernung von hartnäckigen Kalkablagerungen, Zahnstein oder Verfärbungen durch Nikotin, Kaffee und Tee gibt es spezielle Gebissreinigungstabletten. Oder ein einfaches und günstiges Hausmittel: Backpulver. Das darin enthaltene Natron setzt in Verbindung mit Wasser CO2 frei – die entstehenden Bläschen sorgen für strahlende Sauberkeit. Einfach einen Teelöffel Backpulver in einem Glas lauwarmem Wasser vollständig auflösen. Prothese für etwa 30 Minuten einlegen, danach mit klarem Wasser abspülen. Natron pur funktioniert natürlich auch.

Zahnprothesen richtig aufbewahren

Wer nachts die Prothese nicht tragen möchte, legt sie einfach in ein Reinigungsbad; trocken sollte sie keinesfalls liegen. Dekorative Dosen für ein Reinigungsbad gibt es günstig in jedem Drogeriemarkt.

Wenn die Zahnprothese nicht hält

Auch wenn die Zahnprothese anhand eines möglichst exakten Abdrucks des Kiefers angefertigt wird, ist das keine Garantie für einen festen Sitz. Für Stabilität und guten Prothesenhalt sorgen dann Adhäsionskräfte: Dabei bildet sich ein leichter Unterdruck zwischen Prothesenunterseite und Zahnfleisch. Leiden Patienten unter Mundtrockenheit, kann die Prothese sich nicht richtig ansaugen und sitzt locker. Das führt wiederum zu Schmerzen, Druckstellen oder Entzündungen. In diesem Fall helfen Kaugummis, Bonbons und ausreichende Trinkmengen, um den Speichelfluss anzuregen. Wer nachhelfen möchte, greift zu Haftcremes. Die gibt es in jeder Drogerie zu kaufen.

Hilft das alles nicht, bleibt nur der Gang zum Zahnarzt. Er prüft, ob eine Anpassung der Prothese nötig ist. Bilden sich Druckstellen oder gar Entzündungen, sollte man den Zahnarzttermin nicht lange aufschieben.

Zahnprothese unterfüttern – was kostet das?

Eine Möglichkeit, Halt und Sitz einer Zahnprothese zu optimieren, ist die Unterfütterung. Je nach Aufwand kann der Zahnarzt sie direkt während eines Termins unterfüttern oder an ein Dentallabor schicken. Dabei entstehen Kosten zwischen 100 und 300 €. Der Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse beträgt etwa 50 €, manche Kassen übernehmen auch mehr.

Zahnprothese während einer OP tragen?

In der Regel muss eine Zahnprothese während einer Operation herausgenommen werden. Denn sonst besteht die Gefahr, dass sich die Prothese während der Narkose lockert und der Patient sie verschluckt. Dies sollte vor einer OP immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Was kostet eine Zahnprothese? Und was davon übernimmt die gesetzliche Krankenkasse?

Je nach Art der Prothese variieren die Kosten dafür sehr stark. Einen ersten Überblick gibt diese Auflistung.

Die Krankenkasse gesetzlich Versicherter übernimmt für Zahnersatz einen festgelegten Zuschuss für die sogenannte Regelversorgung. 60 % der Kosten sind damit abgedeckt, den Rest zahlt der Patient aus eigener Tasche. Mit einem lückenlos geführten Bonusheft können Versicherte den Festzuschuss ihrer Krankenkasse bis auf 75 % erhöhen.

Garantie für Zahnprothesen – wie lange?

Nicht immer sind Patienten mit ihrer Zahnprothese zufrieden. Einige haben damit Probleme. Gesetzlich Versicherte sind in diesem Fall auf der sicheren Seite, denn während der ersten 2 Jahre haben sie Gewährleistungsansprüche gegen den behandelnden Zahnarzt. Stellen Patienten also innerhalb von 2 Jahren nach dem endgültigen Einsetzen der Prothese einen Mangel fest, muss der Zahnarzt diesen beseitigen. Unterstützung erhalten Patienten bei ihrer Krankenkasse.

Wie lange hält eine Zahnprothese?

Eine Aussage über die Haltbarkeit von Zahnprothesen ist schwer zu treffen. Schon durch das ständige Einsetzen und Herausnehmen der Prothese ist mit Verschleiß zu rechnen. Außerdem verändert sich der Kiefer mit der Zeit durch das Tragen der Prothese. Dadurch muss sie unter Umständen öfter nachbearbeitet bzw. unterfüttert werden. Je nach Material und Pflege geht man von einer Haltbarkeit von 10 bis 15 Jahren aus.

Wer zahlt, wenn die Zahnprothese kaputt oder verloren geht?

Geht eine Zahnprothese kaputt oder verloren, muss eine neue angefertigt werden. Der Zahnarzt erstellt dafür einen Kostenvoranschlag, den der Patient bei seiner Krankenkasse einreichen muss. Diese prüft die Umstände genau und entscheidet, welche Leistungen übernommen werden. Liegt der Fehler z. B. beim Zahnarzt oder Dentallabor, müssen diese im Normalfall die Kosten für die neue Versorgung tragen. Ist jedoch eindeutig der Patient schuld, muss er auch für den Schaden aufkommen.

Ergibt sich die Beschädigung oder der Verlust durch einen Unfall, übernimmt möglicherweise die private Unfallversicherung den Schaden. Ist ein Dritter involviert, tritt dessen Haftpflichtversicherung ein.

Gibt es Alternativen zu Zahnprothesen?

Zahnbrücken können eine Alternative sein. Allerdings müssen dafür ausreichend gesunde Zähne erhalten sein. Denn diese werden als Brückenpfeiler benötigt, um die Zahnbrücke zu befestigen. Eine andere Möglichkeit besteht in der Einbringung festsitzender Zahnimplantate. Diese werden fest im Kieferknochen verankert und darauf werden künstliche Zähne angebracht.

Das könnte Sie auch interessieren:

Ähnliche Beiträge: