Existenzgründung – selbstständig machen

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Existenzgründung – selbstständig machen

Alle Informationen zum Thema Existenzgründung

Im Jahr 2016 gab es laut Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) 378.000 Gründungen im Vollerwerb und 249.900 im Nebenerwerb. Ungefähr 90 % aller Existenzgründungen sind Unternehmensneugründungen. Die restlichen sind Unternehmensübernahmen durch Erbfolge oder Kauf.

Über die Hälfte aller Gründungen findet im Dienstleistungssektor statt. Auffällig ist, dass viel weniger Frauen als Männer den Weg in die Selbstständigkeit wagen.

Die wichtigsten Fakten über die Selbstständigkeit:

  • Unter Existenzgründung versteht man die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit. Selbstständige sind auf eigenen Namen und eigene Rechnung erwerbswirtschaftlich tätig.
  • Selbstständige sind nicht weisungsgebunden. Sie können über Tätigkeit, Arbeitsort und Arbeitszeit frei entscheiden.
  • Eine Möglichkeit ist die Selbstständigkeit als Einzelperson. Doch man kann sich auch mit Mitarbeitern selbstständig machen.
  • Eine selbstständige Tätigkeit kann haupt- oder nebenerwerblich ausgeübt werden.

Generell folgen Gründungsaktivitäten einem antizyklischen Verlauf. Das bedeutet: Je besser die konjunkturelle Lage, desto niedriger die Anzahl von Gründungen. Weitere Faktoren, die die Gründungsanzahl beeinflussen: Traditionen, bürokratische Gründungshemmnisse und der Grad der Risikofreude.

Momentan ist der Trend rückläufig. Die Gründe: sinkende Arbeitslosigkeit und die demografische Entwicklung. Allerdings steigt die Überlebenschance von Unternehmen. Denn vermehrt wagen Gründer mit einer überzeugenden, chancenorientierten Idee den Weg in die Selbstständigkeit.

Gründe für eine Selbstständigkeit

Laut Forschern des Statistischen Bundesamts steigt der Wunsch nach einer selbstständigen Beschäftigung mit dem Grad des Bildungsabschlusses.

Das wichtigste Motiv für eine Gründung war im Jahr 2016 mit 46 %: Überzeugung. Nur 25 % gründeten eine Firma aus der Not heraus, weil sie keine Erwerbsalternativen hatten. Weitere Gründungsmotive: der Wunsch nach Selbstverwirklichung und die Zunahme freier Berufe.

Rentner sehen in einer Existenzgründung oft die Möglichkeit, ihre Alterseinkünfte zu erhöhen. Für Migranten gibt häufig die fehlende Anerkennung ihres Berufsabschlusses den Impuls. Studenten hingegen gründen Existenzen meistens, um sich auszuprobieren oder um während des Studiums eine Einkommensquelle zu haben.

4 Schritte in die Selbstständigkeit: eine Firma gründen

Für den Start in die Selbstständigkeit gibt es keinen Masterplan. Allerdings gibt es zahlreiche Hilfsangebote, die Sie nutzen können. Hier bekommen Sie einen Überblick über die Gründungsphasen und erfahren, was Sie bei den einzelnen Schritten in die Selbstständigkeit beachten sollten.

1. Die Orientierungsphase

In der ersten Phase setzen Sie sich mit der Idee der Selbstständigkeit auseinander. Sie prüfen, ob Ihr Vorhaben realistisch ist. Informieren Sie sich dazu gründlich. Nutzen Sie das breite Spektrum an Medien, egal ob Buch oder Internet. Nehmen Sie außerdem die Hilfe von Experten in Anspruch. Über die unterschiedlichen Beratungsmöglichkeiten informiert der Artikel „Existenzgründungsberatung – Sicherheit durch Beratung und Coaching“.

Die Entscheidung für oder gegen eine Unternehmensgründung

Stellen Sie sich die Frage, ob Sie für eine Selbstständigkeit geeignet sind. Anders als abhängig Beschäftigte arbeiten Selbstständige oft 48 Stunden und mehr pro Woche. Dazu tragen sie häufig eine höhere Verantwortung. Fragen Sie sich, ob Sie persönlich, fachlich und unternehmerisch fit für die Selbständigkeit sind. Dabei helfen Meinungen von erfahrenen Gründern. Zusätzlich können Sie Gründertests machen. Überlegen Sie auch:

  • Wollen Sie mit einem neuen Produkt oder einer neuen Dienstleistung an den Markt gehen?
  • Treten Sie bei einem bestehenden Unternehmen die Nachfolge an?
  • Oder nutzen Sie ein Franchise-Konzept?

Prüfung der Geschäftsidee

Prüfen Sie, ob Ihr Vorhaben das Potenzial für eine erfolgreiche Geschäftsidee hat. Gibt es eine ausreichend große Zielgruppe? Was unterscheidet Sie von den Wettbewerbern? Am besten lassen Sie sich von einem professionellen Gründungsexperten unterstützen.

2. Planung und Vorbereitung einer Existenzgründung

Wenn eine Selbstständigkeit für Sie infrage kommt, beginnen Sie mit der detaillierten Planung Ihres Geschäftskonzepts. Denn eine intensive Vorbereitung ist das A und O. Jedes Unternehmen braucht eine Strategie und einen Plan. Denken Sie nicht kurzfristig, sondern an die Zukunft. Nur mit gründlicher Planung erzielen Sie den gewünschten Erfolg. Und: Vom Erfolg oder Misserfolg Ihres Vorhabens, eine Firma zu gründen, hängt Ihr Einkommen ab.

Planung

Erstellen Sie einen Businessplan. Ein Businessplan dokumentiert die unterschiedlichen Aspekte eines Gründungsvorhabens. Neben der Finanzierung werden z. B. der Markt, der Standort und der Wettbewerb analysiert. Dieses Dokument öffnet Ihnen beim Selbstständigmachen die Türen zu Banken oder Investoren. Außerdem haben Sie so Ihr Geschäftskonzept stets griffbereit.

Finanzierung

Berechnen Sie das benötigte Kapital. Überlegen Sie dann, welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie nutzen wollen. Wie viel eigenes Kapital können Sie einbringen? Mit welchen Summen von externen Kapitalgebern können Sie rechnen? Beachten Sie auch unterschiedliche Fördermöglichkeiten.

3. Die Umsetzungsphase

Das Abenteuer beginnt. Ab nun stehen Sie vor einem großen Risiko – und großer Verantwortung: In der dritten Phase setzen Sie Ihre Unternehmensgründung in die Realität um. Nach vielen intensiven Gesprächen und wahrscheinlich anstrengenden Verhandlungen eröffnen Sie tatsächlich Ihr Unternehmen bzw. gehen damit online.

Außerdem starten Sie mit der Kundenakquise. Scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheiten und Problemen Beratungsangebote zu nutzen.

Behördengänge beim Selbstständigmachen

Nun können Sie Ihre Firma beim Gewerbeamt anmelden. Handelsunternehmen müssen sich zusätzlich ins Handelsregister eintragen.

Eventuell besteht für manche Tätigkeiten eine Erlaubnis- oder Meisterpflicht. Oder Sie müssen bestimmte Qualifikationen nachweisen.

Vorsorge und Pflichten

Informieren Sie sich über Steuern und sonstige Pflichten gegenüber dem Finanzamt. Beispielsweise müssen Sie eine Steuernummer beantragen. Kümmern Sie sich außerdem um die nötigen Versicherungen.

Hilfe und Beratung

Lassen Sie sich auch nach Ihrem Unternehmensstart professionell begleiten. Suchen Sie nach neuen Strategien und anderen Möglichkeiten, um die Qualität Ihres Unternehmens zu verbessern. Bleiben Sie informiert! So vermeiden Sie Fehlentscheidungen.

4. Unternehmensführung: Stabilität und Wachstum

Die ersten Schritte zur Selbstständigkeit sind geschafft.

Jetzt müssen Sie und Ihr Geschäft sich am Markt behaupten. Dazu müssen Sie viel Energie und Aufwand in Ihr Unternehmen stecken. Nur wenige Ihrer Bemühungen werden gleich auf Anhieb erfolgreich sein. Lassen Sie sich auch von Rückschlägen und schweren Zeiten nicht abschrecken. Behalten Sie stets Ihr Ziel im Auge. Wenn Sie unsicher oder ratlos sind, holen Sie sich Unterstützung.

Zeitplan Existenzgründung – von der Idee bis zum Notartermin

Machen Sie einen Zeitplan, damit Sie während Ihrer Existenzgründung stets den Überblick über Aufgaben und Termine behalten. Ein Zeitplan bringt Struktur in Ihr Vorgehen. Wenn Sie nicht wissen, was bis wann erledigt sein muss, lassen Sie sich von Profis beraten. Setzen Sie sich Meilensteine, um Ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Versicherungen für Selbstständige – nötig und angeraten

Sichern Sie sich gleich zu Beginn der Selbstständigkeit gegen die größten Risiken ab.

Versicherung für persönliche Risiken

Im Gegensatz zum abhängigen Beschäftigungsverhältnis besteht bei einer selbstständigen Tätigkeit keine Versicherungspflicht. Das bedeutet auch: Bei Arbeitslosigkeit sind Sie nicht versichert. Die Altersvorsorge liegt bei Ihnen selbst, denn Sie sind nicht gesetzlich rentenversichert. Davon ausgenommen ist seit dem 1. Januar 2009 die Kranken- und Pflegeversicherung. Diese müssen Sie abschließen. Die Beiträge dafür zahlen Sie aus eigener Tasche.

Sie entscheiden selbst, ob Sie sich gesetzlich oder privat versichern wollen. Vergleichen Sie unbedingt Leistungen und Kosten. Zusätzlich sollten Sie über diese Versicherungen nachdenken:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Unfallversicherung
  • Rentenversicherung
  • Freiwillige Arbeitslosenversicherung

Absicherung gegen betriebliche Risiken

Machen Sie sich die Risiken Ihres Geschäftsmodells bewusst. Und wählen Sie danach die Versicherungen aus. Für betriebliche Risiken kommen je nach Branche unterschiedliche Versicherungen für Selbstständige infrage. Zu den wichtigsten Versicherungen zählen die Betriebshaftpflichtversicherung und die Berufshaftpflichtversicherung. Während die Betriebshaftpflichtversicherung für den Schutz des eigenen Betriebes sinnvoll ist, schützt die Berufshaftpflichtversicherung vor Vermögensschäden bei möglicher Fehlberatung. Ein erhöhtes Fehlberatungsrisiko haben z. B. Anwälte, Ingenieure oder Ärzte.

Außerdem können Sie sich gegen Sach- und Ertragsausfälle versichern. Zur Wahl stehen Versicherungsbausteine wie:

  • Einbruchdiebstahl
  • Feuer
  • Glas
  • Betriebsunterbrechungsversicherung

Oft ist eine Rechtsschutzversicherung unabdingbar. Diese trägt die Kosten, wenn es zu Rechtsstreitigkeiten kommt.

Fazit

Sie nehmen den steinigen Weg der Existenzgründung auf sich? Dann bereiten Sie alles gründlich vor. Am besten lassen Sie sich von Experten helfen. Und keine Angst vor Rückschlägen: Jeder Gründer muss die individuellen Hindernisse seines Geschäftskonzepts überwinden. Nur wenn Sie nach dem Hinfallen wieder aufstehen, können Sie mit Ihrer Selbstständigkeit langfristig erfolgreich sein.

Damit Sie auf Ihrem Weg keine wichtige Station vergessen, finden Sie in diesem PDF eine Zusammenfassung und eine Checkliste.

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