Weiberfastnacht: Schlips in Gefahr

Spaß oder Ärgernis?

In vielen Regionen müssen sich die Herren heute in Acht nehmen. Doch was kann passieren, wenn der Krawattenträger keinen Spaß versteht?

Weiberfastnacht: Schlips in Gefahr

Rechtsfrage des Tages:

Zum Brauch an Weiberfastnacht gehört es ja, Krawatten abzuschneiden. Kann ein Mann, der diesen Spaß nicht versteht, eigentlich Schadenersatz für seinen Schlips fordern?

Antwort:

Die fünfte Jahreszeit ist bereits im Gange. Und zum Brauchtum in vielen Regionen gehört es, dass Frauen an Weiberfastnacht eine besondere Narrenfreiheit genießen. Aber nicht jeder versteht Spaß, wenn die Krawatte plötzlich kürzer als vorher ist. Rein rechtlich können Sie sich dadurch sogar wegen Sachbeschädigung strafbar machen. Auch Schadenersatzforderungen können Ihnen ins Haus stehen, greifen Sie zur Schere und treffen auf einen humorlosen Zeitgenossen.

Einwilligung entscheidend

Ob Ihnen böse Folgen drohen, hängt von der Einwilligung des betroffenen Herrn ab. Natürlich verdirbt es den Spaß, wenn Sie vor dem Schnitt höflich um Erlaubnis fragen. Daher stellen die Gerichte auf die regionalen Besonderheiten ab. Sind Sie in einer der Karnevalshochburgen wie Köln, Mainz oder Aachen unterwegs, gehen die Richter meist von einer stillschweigenden Einwilligung aus. Ist ein Herr an Weiberfastnacht mit einem Schlips unterwegs, müsse er damit rechnen, dass er diesen nicht mehr im Ganzen mit nach Hause bringen wird.

Was ist Sitte?

In Regionen mit nicht derart ausgeprägter Karnevalskultur müssen Sie da schon vorsichtiger sein. Gehen Sie morgen in Hannover in eine Bank und schneiden einem nichts ahnenden Angestellten die Krawatte ab, müssen Sie schon eher mit einer Schadenersatzforderung rechnen.

Genau hinschauen

Allerdings kann das Abschneiden von Krawatten auch im Rheinland ins Auge gehen. Ist beispielsweise Ihr Chef erst vor Kurzem zugezogen, dürfen Sie nicht stillschweigend von einer Einwilligung ausgehen. Vielleicht ist er Karnevalshasser und missbilligt die Sitten und Bräuche. Das Amtsgericht Essen hat beispielsweise einem ortsfremden Krawattenträger Schadenersatz zugesprochen, dessen Schlips in einem Reisebüro dran glauben musste (AG Essen, Urteil vom 03.02.1988, Aktenzeichen 20 C 691/87). Die Beklagte hätte in diesem Fall nicht von einer stillschweigenden Einwilligung ausgehen dürfen. Für ein Mitverschulden durch das provokante Tragen einer Krawatte sah das Gericht ebenfalls keinen Raum.

Immer strafbar?

Grundsätzlich stellt das Abschneiden einer Krawatte eine Straftat dar, wenn der Geschädigte nicht eingewilligt hat. Allerdings wird diese Straftat nur verfolgt, wenn der Geschädigte einen Strafantrag gestellt hat oder die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse annimmt. Letzteres dürfte eher unwahrscheinlich sein, büßt ein Herr an Weiberfastnacht seine Krawatte ein. Vergessen Sie aber nicht, dass eine strafrechtliche Verfolgung keine Voraussetzung für die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen ist.

Rücksicht ist angesagt

Schauen Sie sich die Leute daher gut an, deren Krawatten Sie "einen Kopf kürzer" machen wollen. Und wehrt sich das Opfer vehement, sollten Sie die Schere lieber wieder einstecken. Auch sollten Sie in Zeiten von Corona akzeptieren, dass viele Menschen auf die Einhaltung des Mindestabstands Wert legen. Respektieren Sie daher, dass die meisten sich noch nicht wieder gern auf den Pelz rücken lassen wollen.

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