Wie viel Mut braucht es, um den sicheren Job aufzugeben und der eigenen Leidenschaft zu folgen? In dieser Folge spricht Katrin mit Content Creator Felix Gabel über seinen Weg vom Marketingmanager in die Selbstständigkeit. Es geht um Selbstzweifel, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, was Erfolg wirklich bedeutet. Außerdem erzählt Felix, wie Social Media unser Selbstbild beeinflusst und warum es sich lohnt, den eigenen Weg zu gehen.
Felix Gabel: Also ich kann mal so ein Beispiel geben, wie mein Alltag aussah. Also ich bin so 8 Uhr aus dem Haus. Dann habe ich gearbeitet. Oft waren es auch nicht nur 8 Stunden im Beruf als Marketingmanager. Ihr kennt es ja sicherlich auch schon. Das ist teilweise auch ein sehr anspruchsvoller Beruf. Bin dann so gegen 8 Uhr abends nach Hause gekommen, nach 12 Stunden Arbeit, und habe dann noch so bis 0 Uhr an Instagram gearbeitet und nächsten Tag ging es weiter. Und das dann wirklich über Jahre, halt auch keinen Tag Urlaub genommen generell. [...] Und dann hatte ich mich irgendwann dazu entschlossen, den Job zu kündigen. Klingt jetzt einfacher als es ist. Da waren natürlich viele Stimmen in meinem Kopf, die gegeneinander gesprochen haben. Oder auch kurz danach dachte ich, was hast du gemacht? Du hast dein Leben in den Müll geschmissen, auf Deutsch gesagt. Also, ja, genau, da waren schon viele Emotionen und viele Ängste mit verbunden, die dann erstmal verarbeitet werden mussten.
Katrin: Stell dir vor, es ist kurz vor Mitternacht. Du bist um acht aus dem Haus gegangen, zwölf Stunden Arbeit liegen hinter dir, und statt endlich ins Bett zu gehen, setzt du dich noch mal hin, für die Sache, die eigentlich nur ein Hobby ist.
Ein paar Wochen hält man das aus. Bei unserem heutigen Gast ging das über Jahre. Kein Tag Urlaub, jeden Abend dasselbe, und irgendwann steht die Frage im Raum, die man sich lieber nicht stellt: Was, wenn ausgerechnet das Hobby die richtige Richtung ist und der sichere Job die falsche?
Und irgendwann kündigt er. Und fragt sich danach wochenlang, ob er gerade den größten Fehler seines Lebens gemacht hat.
Heute geht es genau um diesen Moment. Warum uns so wichtig ist, was andere über unsere Entscheidungen denken. Und was eigentlich passiert, wenn man einmal nicht das tut, was alle erwarten.
Zu Gast ist Felix Gabel. Er hat in Berlin BWL studiert und danach als Marketingmanager bei einem Personal-Styling-Service für Männer gearbeitet, während er nebenbei jahrelang seine Outfits auf Instagram hochgeladen hat, bis daraus sein Beruf wurde. Heute ist er Content Creator und Mode-Enthusiast, er hat eine Ausbildung zum Mentaltrainer gemacht, und er redet mindestens genauso gern über Selbstwert und Gedankenkarussells wie über Anzüge.
Es geht um den Moment, in dem man den sicheren Weg verlässt, und um die Frage, wie viel von unserem Leben wir eigentlich selbst entscheiden und wie viel wir einfach von anderen übernehmen. Und wir fangen ganz vorne an, Felix: Wie hat dein Berufsweg eigentlich angefangen?
Felix: Genau, also ich habe 2012 mein Abi ganz normal in Berlin gemacht. Allerdings gab es damals noch Instagram, Influencer, Content Creation etc. in der Form noch nicht, wie es die heute gibt. Da hat Instagram ganz frisch gestartet, 2010. Und dementsprechend kam die jetzige Berufswahl oder meine jetzige Berufswahl natürlich noch nicht in Frage. Dann habe ich mich entschlossen, BWL zu studieren. Auch nicht aus absoluter Leidenschaft, aber auch nicht aus, okay, ich mach das nur, weil ich nichts anderes weiß. Das hatte mir in der Schule so am meisten Spaß gemacht. Meine Mutter meinte im Hintergedanken, ja, du suchst ja auch einen Job aus, wo du keine Uniform tragen musst, damit du dich immer fresh stylen oder gut anziehen kannst auf Arbeit. War vielleicht sicherlich auch ein Hintergrundgedanke. Auf jeden Fall habe ich dann BWL an der FU in Berlin studiert. Und nach meinem Studium wollte ich dann in dem Beruf tätig werden. Und dort hat sich meine Leidenschaft für Mode, die ich schon seit ich klein bin habe, durchgesetzt, dahingehend, dass ich die Firma ausgewählt habe, die auch in der Modebranche tätig war. Ich habe dort bei Outfittery gearbeitet, das ist ein Personal Styling Service für Männer, und da hatte ich wenigstens zumindest von dem Produkt, was ich vermarktet habe, schon mit meiner Leidenschaft zu tun. Und ja, das war mein Job vor der Content Creation.
Katrin: Ich hab ja auch ne Notiz, dass deine Mama auch mal erzählt hat, dass du gerne schon im Anzug zum Kindergarten wärst. Was hat es denn damit auf sich?
Felix: Genau, meine Eltern haben erst geheiratet, wo ich schon auf der Welt war. Da war ich noch recht klein, so eins ungefähr, eins, zwei. Und da durfte ich zu der Hochzeit von den beiden einen Anzug tragen. Das hat mir dann so gut gefallen, dass ich jeden Tag in den Kindergarten und generell immer nur noch Anzüge anziehen wollte, was halt ziemlich komisch für ein Kind ist. Aber schon da anscheinend hat es mich so interessiert oder hat mir so viel Spaß gemacht, mich gut zu kleiden.
Katrin: Jetzt ist ja die ganze Medienwelt ein doch recht umkämpfter Jobmarkt. Also es gibt ja dieses geflügelte, jeder will irgendwas mit Medien machen. Und hattest du das Glück, in Berlin was mit Medien machen zu können und hast aber trotzdem deinen sicheren Beruf und deinen sicheren Stand für was Riskanteres eingetauscht. Warum?
Felix: Also dazu passend muss ich erstmal noch mal erzählen, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass ich dann wirklich mit Instagram begonnen habe. Das war so, also ich mochte Mode immer sehr gerne schon, hab mich auch dementsprechend immer sehr gerne gut angezogen fürs Office, und dann kam eines Tages unsere Social Media Managerin auf mich zu und meinte, hey Felix, kann ich mal ein paar Fotos von dir machen für die Outfitery Instagram Kanäle? Du magst ja Mode gerne. Und ich so, ja klar, können wir mal ausprobieren. Und dann hat sie Bilder von mir gemacht und es hat mir auch überraschenderweise sehr viel Spaß gemacht. Ich stand vorher persönlich nie vor der Kamera, und die Bilder wurden dort hochgeladen und sind auch recht erfolgreich angekommen, und da habe ich so meine erste Motivation gefasst. Ach, warum machst du das nicht mal, probierst du es mal aus und lädst täglich oder alle zwei, drei Tage mal dein Outfit hoch und guckst, was dabei rumkommt. So ist das Ganze entstanden. Über die Jahre habe ich das immer weiter professionalisiert, mit einer professionellen Kamera versucht immer mehr zu geben, immer besser zu werden in dem, was ich mache. Dann kamen irgendwann nach ein, zwei Jahren ungefähr die ersten Kooperationen dazu. Und dann hat es sich so bisschen verselbstständigt. Es wurde immer mehr Aufwand. Gleichzeitig war ich ja noch vollzeittätig als Marketingmanager. Und irgendwann wurde das Arbeitspensum auch so hoch, dass es eigentlich auf Dauer nicht mehr tragbar war. Also ich kann mal so ein Beispiel geben, wie mein Alltag aussah. Also ich bin so 8 Uhr aus dem Haus. Dann habe ich gearbeitet. Oft waren es auch nicht nur 8 Stunden im Beruf als Marketingmanager. Ihr kennt es ja sicherlich auch schon. Das ist teilweise auch ein sehr anspruchsvoller Beruf. Bin dann so gegen 8 Uhr abends nach Hause gekommen, nach 12 Stunden Arbeit, und habe dann noch so bis 0 Uhr an Instagram gearbeitet und nächsten Tag ging es weiter. Und das dann wirklich über Jahre, halt auch keinen Tag Urlaub genommen generell. Da denke ich jetzt heutzutage, wo ich in meinen 30er bin so, zum Glück habe ich das in meinen 20ern gemacht, weil da hätte ich noch die Energie; heutzutage hätte ich das Pensum wahrscheinlich gar nicht mehr abspulen können. Aber es war natürlich auch die Leidenschaft in einem, die so angetrieben hat, dass es einem so Spaß macht, dass man das von sich aus machen will und nicht aufgrund irgendeiner Verpflichtung oder ich muss das jetzt machen, was halt auch diese extra Energie gegeben hat. Aber wie angesprochen kam halt irgendwann der Punkt, warum ich mich entscheiden musste. Auch lag es daran, dass ich dann schon näher an der 30 dran war, was jetzt, heutzutage würde ich sagen, ist jetzt kein Entscheidungsgrund, dass du dich selbstständig machen musst oder nicht, aber zu dem Zeitpunkt war es ein Punkt für mich, weil ich dachte, jetzt ist noch leichter, ich bin nicht verheiratet, ich habe keine Kinder, etc., jetzt kann ich noch diesen Wechsel leichter vollziehen. Und dann hatte ich mich irgendwann dazu entschlossen, den Job zu kündigen. Klingt jetzt einfacher als es ist. Da waren natürlich viele Stimmen in meinem Kopf, die gegeneinander gesprochen haben. Oder auch kurz danach dachte ich, was hast du gemacht? Du hast dein Leben in den Müll geschmissen, auf Deutsch gesagt. Also, ja, genau, da waren schon viele Emotionen und viele Ängste mit verbunden, die dann erstmal verarbeitet werden mussten.
Katrin: Was hat denn so dein Umfeld dazu gesagt? Gerade auch so Eltern, Freundinnen, Freunde?
Felix: Also ich muss sagen, dass ich mit meinen Eltern echt super viel Glück hatte. Die haben mich da super unterstützt und fanden das auch toll. Meint, nein, du sollst das machen, was dir Spaß macht. Natürlich haben die auch gesehen, wie hart ich dafür arbeite, dass ich mich dahinterklemme, und gleichzeitig auch gesehen, dass mich das halt schon wesentlich glücklicher macht als mein Hauptberuf in dem Fall. Aber eigentlich die Reaktion auf die komplette Selbstständigkeit ist gar nicht so groß aufgefallen im Vergleich zu der Reaktion, wo ich angefangen habe, mein erstes Bild hochzuladen. Da wird man schon öfter mal belächelt oder, keine Ahnung, kriegt Sachen, okay, hier, was bildet der sich ein? Ist ja immer so, wenn man was neu startet, dass man dann erst mal Gegenwind bekommt, weil man ja natürlich nicht vom Startpunkt an direkt erfolgreich ist. Genau.
Katrin: Warum ist es uns denn so wichtig, was andere denken? Gerade dieses Belächeln, das zwingt bestimmt andere Leute auch in die Knie bei neuen Sachen.
Felix: Ja, ja, es ist natürlich, man bewegt sich immer im Spannungsfeld der Gesellschaft, der anderen Menschen oder auch der Familie, Verwandten, und es ist, glaube ich, auch ein menschliches Bedürfnis, da gemocht zu werden, also das Ego mag es, gemocht zu werden, anerkannt zu sein, respektiert zu sein, und wie gesagt, das ist, glaube ich, ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Dennoch muss man halt immer für sich entscheiden oder gucken, okay, entspricht der Weg, den ich gerade gehe, meinen eigenen individuellen Bedürfnissen, und muss ich mich wirklich abhängig machen von der Meinung von anderen? Das ist ja gerade so, das hat auch mich damals betroffen. Wenn du ein bisschen geringeres Selbstwertgefühl hast, dann ist die Meinung anderer Menschen oft sehr bedeutsam für dich, weil du sozusagen deinen Wert auch darüber definierst, und da fällt es einem natürlich oft noch schwerer, diesen Erwartungen der anderen zu widersprechen. Aber da kann ich auch aus Erfahrung sagen, man muss dann gewisserweise durch die Angst durchgehen, und dann merkt man, okay, wenn ich mal nicht der Erwartung der anderen widerspreche, passiert gar nichts so Schlimmes, und da macht man das weiter und weiter und hast du das als Routine etabliert und es fällt dir nicht mehr so schwer. Aber klar, die ersten Schritte sind mir sehr, sehr schwergefallen und natürlich anderen Menschen auf jeden Fall kann ich das voll nachvollziehen und in gewisser Weise ist es halt auch ein natürliches Bedürfnis des Menschen, dass er von seinen Liebsten gemocht wird.
Katrin: Das heißt, deine Strategie war einfach Augen zu und durch?
Felix: Genau, so gesehen. Also natürlich erlebst du eine emotionale Reise von, wie gesagt, hatte gesagt, im ersten Moment, nachdem ich auf Arbeit gesagt habe, ich kündige, habe ich erst gedacht, okay, du hast alles falsch gemacht. Ich habe noch Wochen danach, dachte ich, was hast du hier getan? Was war dann so? Und irgendwann stellte sie sich dann darüber ein, nach einer Zeit, dass ich dachte, okay, du machst es jetzt einfach, und wenn es nicht klappt, gehst du wieder zurück. Dann hast du vielleicht ein paar coole Monate, paar coole Jahre gehabt, wo du dich damit beschäftigt hast. Wenn es nicht klappt, gehst du einfach wieder in deinen Hauptberuf zurück. [...] Man muss dazu sagen, ich hatte damals auch noch, ich habe dann mit einer Ex-Freundin zusammengewohnt, und unsere Warmmiete war sehr gering. Also wir haben 550 Euro Warmmiete gezahlt, geteilt durch zwei. Das heißt, ich konnte mir schon ausrechnen, okay, eine Kooperation pro Monat reicht, um meine Fixkosten zu decken, und dadurch war ich noch bisschen entspannter, sagen wir mal, nicht die riesigen Umsatzzahlen zu erfüllen am Anfang. Das hat den Einstieg auch etwas leichter gemacht, muss man sagen.
Katrin: Ja, es ist ja auch nicht so, dass man direkt auf der Straße landet, wenn es dann doch nicht klappt. Man malt sich ja dann so Horrorszenarien aus und sucht sich die nächste Brücke aus, unter der man dann künftig lebt.
Felix: Ne, genau, das ist so, also man denkt natürlich auch, wenn man in diesen Angstgedanken drin ist, ja, finde ich dann überhaupt noch einen Job, ich würde dann vielleicht bei dem Arbeitgeber ersetzt und dann kriege ich einen viel schlechteren Job, also wenn das Gedankenkarussell einmal am Rattern ist, dann treibt man sich ins Negative. Aber wie gesagt, ich glaube, das gehört auch einfach dazu, das ist total menschlich, dass man diese Gedanken hat und wichtig ist halt, dass man denen jetzt nicht den großen Glauben schenkt, sondern sich bewusst macht, okay das sind nur Gedanken, das ist nicht die Realität, das sage ich jetzt, in dem Moment war es mir damals nicht bewusst. Heutzutage weiß ich, dass es so ist. Und dann trotzdem seinen Weg geht und versucht das Beste daraus zu machen.
Katrin: Ja. Das wäre jetzt auch so meine nächste Frage. Was würdest du denn Menschen raten, die sich das Anhören und in einer ähnlichen Situation stecken?
Felix: Also ich kann jetzt sagen, natürlich ist es immer besser, das zu machen, was einen wirklich erfüllt. Einmal natürlich auch aus Gründen, halt wirklich in etwas gut zu sein, musst du ein Experte sein. Und um Experte zu sein, musst du dich, keine Ahnung, mindestens 10.000 Stunden mit etwas beschäftigen. Und das macht man eigentlich nur wirklich, wenn man daran Spaß hat. Oder wenn man sich dafür begeistern kann. Durch den Job, wenn du einen Vollzeitjob hast, der dir vielleicht so mittelmäßig Spaß macht, wirst du ja auch in gewisser Weise gezwungen Experte da zu werden, aber es ist natürlich nicht das gleiche Gefühl, wenn du einen Bereich machst, der dich absolut glücklich macht. Das ist erstmal als erster Punkt meiner Erfahrung, wo ich auch gemerkt habe, okay, es ist ein ganz anderes Lebensgefühl, wenn du dich wirklich tagtäglich mit Sachen beschäftigst, die dich erfüllen und die dir Spaß machen. Nichtsdestotrotz, natürlich fällt auch nicht alles vom Himmel, und ich mach die Entscheidung, ich mach mich selbstständig und dann läuft alles. Muss man sich hinter klemmen, man sollte schon einen Bereich haben, wo man Experte ist, wo man wirklich sich mehr auskennt als der Durchschnitt und wo man auch wirklich Leuten helfen kann. Und dann kann man sich auf eine Reise begeben mit Höhen und Tiefen. Das ist wie im normalen Leben auch mit der Selbstständigkeit. Es kommen Tiefen, kommen Höhen und aber nachhinein wie gesagt zahlt es sich aus.
Katrin: Du hast dich ja jetzt thematisch viel auf Mode, was ja so deine Leidenschaft ist, spezialisiert, aber beschäftigst dich ja auch immer zu Themen wie Psychologie und Lebensforschung und Persönlichkeitsarbeit und hast sogar eine Ausbildung zum zertifizierten Mentaltrainer gemacht. Woher kommt denn da dein Interesse?
Felix: Also es gibt verschiedene Gründe, warum ich mich dafür sehr interessiert habe. Der erste Grund liegt in meiner Kindheit. Hier muss ich nochmal sagen, das ist jetzt nur meine persönliche Erfahrung und keine generalisierte Empfehlung. Aber als ich klein war, also auch schon direkt nachdem ich auf die Welt kam, hatte ich einige Krankheiten, zum Glück nichts Lebensbedrohliches, aber ich hatte Neurodermitis, Asthma, Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten, Entwicklungsstörungen, Sprachstörungen, also recht viele Sachen, und dementsprechend waren meine ersten Lebensjahre halt vor allem Arztbesuche, Krankenhausbesuche etc., und habe sehr viele Medikamente, Cremes etc. bekommen, aber nichts hat wirklich geholfen. Dann waren meine Eltern immer sehr verzweifelt und haben mal was Unkonventionelles ausprobiert. Sie sind mit mir zu einem chinesischen Wunderheiler gegangen. Klingt ein bisschen abgespaced, aber der Wunderheiler hat mir so eine andere Perspektive auf die Sachen gemacht. [...] Wie gesagt, das ist nur meine Erfahrung, keine Empfehlung. Ich würde jetzt niemandem raten, geht zum chinesischen Wunderheiler oder solche Sachen. Aber der hat mir gezeigt, dass du durch mentale Übungen Sachen besser machen kannst. Stärkste Erkenntnis für mich war, ich bin gar nicht das Opfer meiner Umstände, das Opfer meiner Erkrankungen, der Situation, in der ich bin, sondern ich habe dadurch, indem ich mich mental verändere und meine Einstellung zu Sachen verändere, die Möglichkeit, das auch positiv zu beeinflussen. Das war natürlich, als Kind denkt man darüber gar nicht, da bist du ja gerade geboren, also da war ich vielleicht so 10 rum ungefähr, aber da hat man ja dieses Bewusstsein gar nicht. Und das hat mir dann gezeigt, wow, okay, das hilft ja, wenn ich diese Übung mache. Dadurch hatte ich erst mal so eine grundlegende Offenheit für mentale Sachen, Psychologie etc. Dann habe ich später, besonders wo Corona angefangen hat, habe ich sehr viel angefangen zu lesen. Also da hatten wir auch Teilzeit und da konnte man natürlich auch mal rausgehen mit dem Fahrrad fahren und da ist so eine große Leidenschaft für mich entstanden. Ich habe ganz, ganz viele Bücher gelesen von älterer Literatur, von Philosophen, aber auch von neuer Literatur und Psychologie und so ist dann auch der Wunsch entstanden, okay ich mache mal eine Ausbildung zum Mentaltrainer, zum Fernstudium. Muss aber dazu sagen, das war nicht jetzt so mein Wunsch, okay, ich werde Leute therapieren, sondern ich habe das vor allem für mich gemacht, mich und meine Persönlichkeit anzuschauen, mich zu hinterfragen, mich zu reflektieren, warum handele ich so, wie ich handele, warum bin ich so, wie ich bin, warum nehme ich Situationen so wahr, wie ich bin und einfach an sich selbst zu arbeiten und deswegen war es mir sehr wichtig, dieses Wissen zu haben. Auch generell würde ich auf Social Media gar nicht sagen, ich bin jetzt jemand, der den Leuten sagt, okay, so, und so machst du das, sondern ich erzähle aus meinen Erkenntnissen und im besten Fall kann ich als positive Inspiration dienen. Dennoch weiß ich natürlich, jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Probleme zu gehen, genau. Und deswegen würde ich mir da nie anmaßen zu sagen, okay, ich bin jetzt derjenige, ich zeige es euch, wie es geht, weil das ist auf jeden Fall nicht die Realität.
Katrin: So, bevor Felix uns gleich erzählt, was Social Media mit unserem Selbstbild macht, lasst uns kurz sammeln, was aus diesem ersten Teil hängen bleibt.
Lifehack 1: Richtig gut wird man nur in dem, was man freiwillig macht. Felix sagt, für echte Expertise braucht es ungefähr zehntausend Stunden, und die investiert man eigentlich nur in etwas, das einem Spaß macht. Es lohnt sich also, ehrlich hinzuschauen, womit man seine Abende verbringt.
Lifehack 2: Es lohnt sich, einmal auszurechnen, was das eigene Leben im Monat wirklich kostet. Bei Felix waren es 550 Euro Warmmiete, geteilt durch zwei. Er wusste dadurch ziemlich genau, dass eine Kooperation im Monat reicht, und das hat ihm den Einstieg leichter gemacht als jede Motivationsrede.
Lifehack 3: Ein Gedanke ist noch keine Realität. Wenn das Gedankenkarussell einmal läuft, findet man nur noch Katastrophen. Felix macht sich in so einem Moment bewusst, dass das eben nur Gedanken sind, und geht dann trotzdem seinen Weg.
Und damit zurück zu Felix, denn jetzt geht es um Social Media. Erst darum, warum es tröstet, wenn ein Problem plötzlich einen Namen hat. Und dann darum, wo es richtig ungemütlich wird.
Es hilft ja oft schon, wenn man im Internet sieht, dass man nicht die einzige Person ist, die mit solchen Themen struggled im Moment.
Felix: Absolut, das merke ich auch. Das ist auch wirklich einer, wir werden ja sicherlich vielleicht auch noch mal über negative Seiten von Social Media sprechen, aber eine der positiven Seiten ist auf jeden Fall, dass du viele Sachen siehst, wo du immer denkst, okay, ich bin der Einzige, der dieses Gefühl oder dieses Problem hat, aber dann merkst du, okay, das haben ja ganz, ganz, ganz viele andere Menschen und dann siehst du auch, wie die damit umgehen oder wie offen die damit umgehen und das nimmt oft sogar auch die Angst vor manchen Sachen. Also das ist definitiv eine der positiven Eigenschaften von Social Media, finde ich auch.
Katrin: Es ist schon weniger erschreckend, wenn das Kind mal einen Namen hat, finde ich. Also ich hab Mitte 20 auch so bisschen gestruggelt. [...] Und dann bin ich irgendwann über den Begriff Quarterlife-Crisis gestolpert und dachte mir, krass, das ist ein Ding. Ich bin gar kein Versager, das ist ja schön.
Felix: Ja absolut, und ich würde das auch voll bestätigen mit der Quarterlife-Crisis. Das war ja bei mir auch mit meinem Ende meines 20er, und ich glaube, das geht sehr vielen Leuten so, auch aus meinem Bekanntenkreis. Merke ich, dass gerade die Millennial-Generation, die ist ja mit einem ganz anderen Versprechen aufgewachsen, als es jetzt heutzutage Realität ist. Also ich kann jetzt nur von mir sprechen. Ich dachte immer, okay, du bist fleißig in der Schule, du machst Leistung, dann bist du fleißig im Studium, fleißig im Beruf, und dann zahlt sich das komplett aus. Was dann aber, muss ich natürlich sagen, auch nicht hundertprozentig war, weil sich die Welt natürlich verändert hat. Das war die Erziehung unserer Eltern dadurch. Und viele Leute merken dann, oder werden jetzt merken: Ah okay, dieser Karriereweg erfüllt mich doch nicht so, wie ich im anderen Vorhinein gedacht habe. So war es auf jeden Fall bei mir. Und da will ich doch lieber was suchen, was mir mehr Spaß macht oder egal, ob ich da jetzt weniger Geld kriege oder andere, weniger Ansehen von der Gesellschaft. Hauptsache, ich mache das, was mich wirklich erfüllt.
Katrin: Also warum sollte man sich dann 30, 35 Jahre, wie es ja auch früher war, für eine Firma aufarbeiten? Jetzt mal so ein Millennial-Gehirn raus. Wenn es, also wozu? Meine Gesundheit für was?
Felix: Genau, ja, das ist ja auch immer der Punkt. Natürlich sind jetzt alles gesellschaftliche Sachen, sehe ich auch genauso. Aber im Grunde genommen sehe ich jetzt aus einer anderen Perspektive, wenn du auch was machst, wo du wo du nicht 100 % dastehst, was sich nicht 100 % erfüllt, kannst du auch gar nicht deine beste Leistung bringen, und kannst du auch gar nicht die höchste Lebenszufriedenheit, sagen wir mal, erreichen. So dass es auch für mich sogar, wenn du jetzt sagen würdest, ja, aber nicht jeder kann ihr Influencer sein, die Gesellschaft braucht auch Leute, die bestimmte Berufe machen, kann ich sagen, ja, aber da macht es ja am meisten Sinn, wenn jeder das macht, wo er seine größten Stärken hat und was ihn am meisten erfüllt, weil er da natürlich die beste Leistung bringen kann. Anders als wenn ich jetzt irgendeinen Beruf machen würde, an dem ich gar nicht interessiert bin, wo ich gar nicht gut drin sein kann, dann kann ich auch nicht so hohen Mehrwert schaffen, sagen wir mal.
Katrin: Das stimmt natürlich auch. Du hast vorhin schon bisschen angesprochen, dass es ja auch negative Seiten von Social Media gibt. Klar kennen wir die Diskussionen über dieses Thema, aber worauf beziehst du dich da ganz konkret?
Felix: Also was ich glaube, was besonders für jüngere Menschen heutzutage sehr schwer ist, ist der ständige Vergleich, den du durch Social Media hast. Du siehst da halt oft auch ein künstliches Leben. Leute verreisen, kaufen sich ein Traumauto, Traumhaus etc. und leben da ein wirklich märchenhaftes Leben. Wahrscheinlich auch noch mit märchenhaften Körperaussehen etc. Und gerade junge Menschen, die noch dieser Reflexionsprozess fehlt, denken dann automatisch, okay, ich muss auch so sein, um überhaupt ein valider Teil der Gesellschaft sein zu können. Das ist natürlich ein hoch toxisches Denken, weil dann Leute, die jetzt diesem vermeintlichen Schönheitsideal nicht entsprechen, sich einfach nicht wert fühlen, und das ist auf jeden Fall eine sehr, sehr negative Seite. Und halt wie gesagt, die ständig vergleiche ich hab ja Glück oder wir als Millennials, wir sind ja schon ein bisschen reifer in dieses Social Media Game eingestiegen, was aber auch nicht heißt, dass wir davon komplett uns gar nicht betrifft, aber zumindest ich kann jetzt mittlerweile mehr reflektieren und sagen, okay, das ist bei den Menschen gar nicht so, auch weil ich ja als Creator sowieso die Einsicht habe, dass jeder da auch ein Leben mit Höhen und Tiefen lebt und dass da kein Mensch perfekt ist und oft es auch vielleicht gar nicht so übertrieben erstrebenswert ist. Aber ja, gerade für die jungen Menschen ist das halt sehr schwierig. Dieses ständige Vergleichen, ich will mir das auch gar nicht vorstellen, wie es dann vielleicht in der Schule ist oder ähnliches. Das ist auf jeden Fall eine große Gefahr und negative Seite.
Katrin: Das ist ja dann auch ein Thema, das nicht frei von Neid ist, wenn man sich da die anderen anschaut. Da hab ich mal einen ganz guten Hack gelesen. Der ist, wenn du Leute beneidest und quasi das Leben tauschen willst, musst du es aber auch mit allen Ecken und Kanten tauschen. Also nicht nur das Gute, sondern auch mal überlegen, was schwingt da vielleicht mit? Was muss die Person so für Arbeit zum Beispiel investieren oder für Gegenwind? Wir haben ja vorhin schon kurz drüber gesprochen. Und ich finde, dann relativiert sich schon oftmals sehr schnell.
Felix: Genau, ich hätte auch mal, wenn ich als Kind darüber gedacht habe, hätte ich gerne das Leben von Cristiano Ronaldo oder sowas. Aber dann, wenn man dann ganz genau nachdenkt, dann sagt man, nee, okay, mein Leben stimmt eigentlich schon so, wie es ist. Wie gesagt, alle Erfahrungen, Erlebnisse, die ich hatte, haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Egal, ob sie jetzt angenehm waren oder unangenehm waren, aber es hatte alles einen Sinn und da würde ich auch nicht gerne tauschen wollen.
Katrin: Also wie finden denn junge Menschen, was sie wirklich antreibt? Ich fand das auch wahnsinnig schwierig. Du wirst nach dem Abi so in die Welt rausgeschmissen und dann, ja, jetzt wähl mal was, was deine Leidenschaft bis zum Ende deines Lebens ist. Das ist gar nicht so einfach. Hast du da einen Trick dafür? Oder was hat dir da geholfen, außer einen Anzug zu wählen?
Felix: Also generell muss ich sagen, wie du schon sagst, es ist wahnsinnig schwer für junge Menschen. Ich wusste das auch gar nicht. Ich hab während meiner Uni Zeit so Workshops besucht, wo du das halt herausfinden konntest. Da sollte man seine Stärken auflisten und dann was einem gerne Spaß macht, und dann zieht man so Pfeile rüber. Also man sagt irgendwie die ersten drei Stärken und die ersten drei Sachen, die einem am meisten Spaß machen, da sind die meisten Überkreuzungen. Aber das ist halt alles sehr theoretisch, und das kannst du eigentlich im Vorhinein gar nicht wissen, wenn du noch gar nicht die Erfahrung gemacht hast in dem Beruf. Ist ja alles so theoretisch, denkst du, okay, das könnte mir Spaß machen, das könnte mir liegen. Aber ohne halt diese praktische Erfahrung gemacht zu haben, kann man das auch gar nicht beurteilen. Ich finde es auch generell sowieso allgemein schwierig, sich jetzt mit 21, 22, 23 festzulegen, was will ich den Rest meines Lebens machen? Vor allem, weil auch das Gehirn ja noch gar nicht ausgereift ist. Ist ja im Regelfall zwischen 25 bis 27, beziehungsweise neuere Studien sagen sogar zwischen 32 und 34 erst komplett ausgereift. Dass du halt wirklich Sachen auch richtig komplett beurteilen kannst. Deswegen finde ich das auch gar nicht schlimm. Die jungen Leute sollen so viele Sachen ausprobieren, wie sie möchten, dann halt wirklich herauszufinden, was liegt mir wirklich? Wir hatten es ja schon angesprochen, in früheren Generationen war das ja immer so bisschen verpönt, den Arbeitgeber zu wechseln, hat einer als faul dargestellt, sondern da war es normal 40 Jahre bei demselben Unternehmen. Aber da bin ich glücklich, dass wir das Millennials als erste Generation und jetzt Gen Z ganz stark verändert haben, dass man sagt, etwas stimmt für mich nicht, tut mir nicht gut, dann wechsle ich das und nehme das, was besser zu mir passt.
Gerade ich jetzt mit den Sachen, die ich gelesen habe, und bei meiner Mentaltrainer-Ausbildung weiß ich auch, dass das Gehirn sozusagen, wie ein Muskel ist, eigentlich wie mein Bizeps und dass man den auch richtig entsprechend trainieren, einstellen muss wie ein Computersystem. Und ich glaube, das wird jetzt auf jeden Fall in den nächsten Jahrzehnten uns noch mehr begleiten. Da werden wir auch noch in der Schule und überall anders auf jeden Fall einen anderen Umgang mit wählen.
Katrin: Weil wenn ich dann auf TikTok oder Insta ein bisschen hänge und mir diese ganzen Quatschvideos anschaue, deins natürlich ausgenommen, dann merke ich auch, wie mein Hirn immer matschiger wird. Ich denke mir, ja, als würde ich den ganzen Tag nur Fastfood essen. Das ist ja nichts anderes. Das hat auch Auswirkungen auf meinem Körper. Genauso hat dieser Content. Irgendeiner hat in einem Reel gesagt, war Werbung für so eine Brain-Rot-App. Meinte der, kannst du dich an das Reel erinnern, dass du zwei Videos vor dem gesehen hast? Und ich denk mir, nope. Und das was richtig ist, spukt mir richtig im Kopf rum. Dann hab ich mir mal wieder ein Buch rausgelegt.
Felix: Das passt nämlich sehr gut. Ich hatte Ende letzten Jahres einen Bandscheibenvorfall. Und da war ich dann einige Monate halt sehr an zu Hause gebunden und konnte jetzt nicht sportlich aktiv sein oder andere Sachen machen. Und dann war so meine Routine. Ich wach auf, gehe erst mal an's Handy, gehe erst mal zu TikTok rein und hatte gleich erst mal schlechte Laune. Weil heutzutage, Content hat sich auch in gewisser Weise verändert. Zumindest mein Empfinden nach, besonders auf TikTok, dass da viel diese Rage-Bait-Videos sind. Also du sagst, was provokativ ist, was die Leute emotional aufwühlt. Das hat dann natürlich viel höhere Chancen, viral zu gehen. Also sehr viele Sachen, aber dann konsumierst du es, konsumierst du es, und dann wunder ich mich, warum hab ich so schlechte Laune, warum seh ich alles so scheiße, warum denk ich, die ganze Welt ist böse irgendwie gefühlt. Aber ist auch kein Wunder, weil du ja die ganze Zeit diese negativen Sachen reinziehst. Auch wenn du es jetzt, du sagst, vielleicht gar nicht bewusst hast, weil du dich nicht mehr an das Video von vor zwei Scrolls erinnern kannst, ist ja trotzdem so, dass es das Unterbewusstsein enorm beeinflusst. Und man sagt ja schon, wenn du jetzt, keine Ahnung, Tagesschau guckst, dann sind da von zehn Nachrichten sieben negativ. Und ich will gar nicht wissen, wie das bei Social Media ist. Da ist, da ist auch sicherlich ein ähnliches Verhältnis. Und dann habe ich gesagt, okay, nein, das geht nicht mehr so und habe gesagt, okay, morgens erstmal nicht mehr ans Handy gehen und erstmal ein paar Seiten Buch lesen. Und das wirkt wirklich wunderbar. Du hast eine ganz andere Einstellung, du gehst ganz anders in den Tag, viel positiver, viel leichter, als wenn du direkt schon zum Frühstück irgendwelche negativen Sachen reinziehst. Und da muss man auch echt aufpassen, weil wie du schon sagst, das beeinflusst einen sehr, wenn du das tagtäglich jeden Tag vier Stunden dir was Negatives reinziehst. Ist die Chance klein, dass du ein positiver Mensch bist, sagen wir mal so.
Katrin: [...] Wie schafft man es trotzdem, sich in diesem Negativstrudel selber treu zu bleiben, vielleicht einen positiven Content, der nicht ganz so wild viral geht, zu kreieren und da irgendwie sich selbst treu zu bleiben?
Felix: Vorab, ich muss erstmal dazu sagen, ich als Content Creator kann da so bisschen hinter die Kulissen schauen und muss erstmal sagen, also Leute, die vielleicht auch sehr viel Rage-Bait-Content machen oder halt auch sehr große Reichweite dadurch generieren, verdienen oft gar nicht Geld damit oder nicht viel Geld damit, weil einmal schon für Markenpartner bist du gar nicht so interessant. Viele Marken wollen ja generell gar nichts mit Negativität zu tun haben. Es ist halt auch einfach niemand mit jemandem werben, der die ganze Zeit negative Energie verbreitet. Das heißt auch, die Leute erscheinen erfolgreich durch ihre Abonnentenschaft eventuell, aber sind vielleicht gar nicht monetär erfolgreich oder können davon gar nicht erst leben, weil sie gar nicht die entsprechenden Partnerschaften haben. Zweiter Punkt ist daran: Die Frage ist ja auch, wie nachhaltig ist sowas? Sagen wir, dein Erfolg geht darüber, dass du sehr Rage Bait, sehr provokante Inhalte machst, dann greifst du vermutlich auch gerade Sachen auf, die aktuell im Trend sind oder die aktuell die Leute beschäftigen. Das ist aber in meiner Erfahrung nach kein nachhaltiges Konzept. Du kannst da vielleicht zwei, drei Jahre mal sehr erfolgreich sein, und dann bist du aber auch irgendwann wieder weg vom Fenster, wenn sich der gesellschaftliche Fokus verschiebt. Deswegen ist es viel nachhaltiger, wenn du ein bestimmtes, konkretes Thema hast, wo du Leidenschaft für hast, wo du ein Experte bist und wo die Leute dir auch gerne zuhören, weil du das authentisch rüberbringen kannst. Da kommen wir nämlich zu dem von dir angesprochenen Punkt Authentizität. Also es bringt nichts, wenn jetzt junge Leute sagen würden, ich will Influencer werden, damit ich berühmt und reich werde und mein Content ist ich als Person. Das wird vermutlich über lange Zeit nicht so erfolgreich sein, sondern du brauchst ein bestimmtes Thema und eine bestimmte Nische, wo du eine Leidenschaft hast, wofür du dich auskennst und meinst, dass du da als positive Inspiration dienen kannst, und darüber kommt dann Langfristigkeit, die Abonnenten, die Follower etc. Und da bist du dann gleichzeitig auch die authentischste Version deiner selbst, weil du dich ja mit Sachen beschäftigst, die dir wirklich Spaß machen und die Leute abkaufen können. Nichtsdestotrotz hast du ja auch in gewisser Weise recht. Man muss sich auch immer vermarkten oder schauen, dass man zumindest so vermarktenstechnisch auftritt. Aber das ist auch pauschal, würde ich sagen, jetzt nicht negativ. Zum Beispiel ich habe für mich die Regel, ich will auf meinem Account nichts Negatives teilen, nichts Politisches, weil ich denke mir, die Leute werden schon an so vielen anderen Stellen damit konfrontiert, dann sollen die jetzt nicht auch noch bei meinem Account mit dem Thema und so konfrontiert werden. Und natürlich könnte man sagen, okay, das ist jetzt Selbstvermarktung, aber ich will bei mir, Instagram, das Thema, was ich habe, präsentieren und jetzt nichts weiter Negatives drum herum an die Leute verkaufen.
Katrin: Gibt's da Videos oder Themen, die du früher gepostet hast, die du heute nicht mehr so aufnehmen würdest?
Felix: Was ich jetzt heutzutage nicht mehr machen würde. Früher habe ich halt viel so diesen Lifestyle vertreten mit sei produktiv, sei fleißig. Ich habe mich halt zum Beispiel in der Story gezeigt, wie okay, ich habe jetzt hier schon acht Stunden gearbeitet, jetzt mache ich noch mal vier Stunden, was ich heutzutage gar nicht mehr promoten wollen würde. Das war halt so dieses auch gewisserweise diese Millennial-Erziehung. Du bist was wert, wenn du was leistest, wenn du produktiv bist. Und da war man halt noch, wenn man jünger war, voll in diesem Mindset gefangen. Das würde ich jetzt gar nicht mehr so machen wollen. Und vielleicht, was ich auch nicht, wenn man jünger war und noch öfter feiern gegangen ist, hat man vielleicht manchmal so, wie es, keine Ahnung, hier, wir trinken jetzt unseren vierten Drink und sowas. Das würde ich jetzt auch gar nicht mehr so Alkohol in dem Form so promoten. Natürlich war man jünger, und das ist natürlich auch die Lebensrealität vieler junger Menschen, dass man auch mal feiern geht und einen über den Durst trinkt. Aber das würde ich auch nicht mehr promoten wollen bei mir, genau.
Katrin: So, bevor wir weitermachen, lasst uns kurz sammeln, was bis hierhin hängen geblieben ist. Drei Sachen, die ich mir aus diesem Gespräch mitnehme.
Lifehack 1: Reichweite ist nicht gleich Einkommen. Felix sagt, wer mit Rage-Bait riesige Reichweite macht, verdient damit oft trotzdem wenig, weil Marken nichts mit Negativität zu tun haben wollen. Was von außen nach großem Erfolg aussieht, rechnet sich also manchmal überhaupt nicht.
Lifehack 2: Die ersten Minuten des Tages gehören nicht dem Handy. Felix ist morgens direkt auf TikTok gegangen und hatte direkt schlechte Laune. Seit er stattdessen ein paar Seiten liest, geht er anders in den Tag, und das ist ziemlich wenig Aufwand für so einen Unterschied.
Lifehack 3: Mit 22 muss man noch nicht wissen, wo es hingeht. Felix sagt, das Gehirn sei erst Mitte 20 richtig ausgereift, manche Studien nennen sogar Anfang 30. Ausprobieren ist also kein Zeitverlust, sondern ziemlich genau das, was in dem Alter dran ist.
Und damit zurück zu Felix, denn jetzt wird es grundsätzlich. Es geht um die Frage, was Erfolg für ihn heute überhaupt noch bedeutet, und seine Antwort ist heute eine andere als am Anfang.
Was bedeutet für dich persönlich dein Erfolg?
Felix: Also die Definition hat sich natürlich im Laufe der Zeit gewandelt. Wenn ich mal von früher ausgehe, keine Ahnung, in der Schulzeit gute Noten, keine Ahnung, fleißig sein oder auch, keine Ahnung, im privaten Leben zum Sport gehen, da diszipliniert sein etc. Dann später dachte man, ok, beruflicher Erfolg, Karriere machen, bis dann halt das Learning eingetreten ist, ok, Erfolg bedeutet für mich jetzt, jeden Tag das machen zu können, was mir wirklich Spaß macht, was mich wirklich erfüllt. Und ganz neu würde ich sogar Erfolg ganz anders definieren, weil man kann ja zum Beispiel zwischen inneren und äußeren Erfolg unterscheiden. Äußerer Erfolg würde jetzt genau solche Sachen sein wie Karriere, keine Ahnung, Statussymbole oder andere Sachen. Aber mir ist auch immer mehr der innere Erfolg wichtig. Das bedeutet, dass ich in meiner Innenwelt, in meinem mentalen Zustand kontinuierlich mich wohlfühle in mich selbst, mich gut fühle. Die beste Version meiner selbst, klingt jetzt auch wieder sehr performance-orientiert, aber ich meine, positivste, lebensfrohste Version meiner selbst sein kann. Das heißt, zum Beispiel, wenn jetzt irgendwas passiert, was vermeintlich negativ ist, was nicht meinen Erwartungen entsprochen hat, dass ich trotzdem bei mir selbst bleibe und mich nicht ärgere, sondern das Beste aus der Situation mache. Und das ist so meine aktuellste Definition von Erfolg, was ich versuche auch am meisten umzusetzen. Also wie gesagt, der Fokus von äußerem Erfolg auf inneren Erfolg ist so die Entwicklung, die bei mir vollzogen ist, wenn du über Erfolg sprichst.
Katrin: Hast du da so Mantras oder Sprüche, die du dir immer wieder sagst, wenn du merkst, du hängst ein bisschen durch?
Felix: Ja, also man muss natürlich immer schauen, wenn man schon einmal in diesem Gedankenkarussell drin ist, ist es ziemlich schwer wieder rauszukommen. Dann sag ich immer, okay, das ist jetzt der Tag heute und morgen startet ein neuer Tag. Wenn du aber so gerade am Anfang bist, kannst du das oft noch mal ein bisschen abschwächen. Also ich hab eine Technik, die hilft mir sehr gut. Das ist auch halt auch aus der Psychologie-Mental-Training. Das startet eigentlich mit so einer Meditation. Da stellst du dich vor, dass du auf einer Wolke bist, fühlst dich richtig wohl, alles ist super. Und von dieser Wolke betrachtest du aus eine weitere Wolke, die am Horizont kommt, und dort bildest du deine Gedanken ab. Sagen wir mal, du beschäftigst dich mit einem Thema und das wühlt dich emotional auf. Bevor du ganz tief reingehst, stellst du dich vor auf dieser Wolke, und dann guckst du dir die Wolke oben an, wo der Gedanke, den du hast, drin hat. Keine Ahnung, Existenzangst, sagen wir jetzt mal zum Beispiel. Und dann bist du, fühlst du dich auf dieser Position und erkennst, okay, das ist mein Gedanke, das ist nicht die Realität. Jetzt habe ich die Wahl, gehe ich in diesen Gedanken rein oder lasse ich die Wolke einfach vorbeiziehen, bis was Neues kommt. Und so machst du dir aber immer wieder bewusst, okay, das ist jetzt ein Gedanke, das ist nicht die Realität, und hast so die Möglichkeit zu wählen. Worüber denke ich nach? Worüber denke ich jetzt nicht nach? Das natürlich funktioniert nicht beim ersten Mal. Das muss man trainieren, regelmäßig machen, wie ich schon angesprochen hatte mit Bizeps und Gehirn, das sind Muskeln. Die trainierst du über die Wiederholung, bis du es zu einer Gewohnheit etablierst, aber das hilft mir sehr. Ansonsten versuche ich generell immer als Ziel zu haben, dass ich gute Laune habe, dass ich sympathisch bin und dass ich mich halt in mir selbst wohlfühle. Das sind so meine drei Eckpfeiler, wo ich sage, ok, wenn ich in dieser, sagen wir mal, Schwingung bin, da läuft es am optimalsten. Und das versuche ich kontinuierlich aufrechtzuerhalten, egal ob jetzt was schlecht vermeintlich schlechtes passiert, keine Ahnung, ich da was verliere, die Bahn nicht kommt, etc. Sondern ich sage, ok, das sind die Umstände, aber die Umstände beeinflussen nicht meine innere Welt und meine Ausstrahlung, genau.
Katrin: Das heißt, du bist so ein kleines Leuchten in der stürmischen Welt. Du versuchst, dein eigenes Ding so ein bisschen zu beschützen.
Felix: Genau, versuche ich. Wie gesagt, es klappt nicht immer, das ist eine Übungssache. Aber das sind so die Sachen, mit denen ich mich jetzt beschäftige, worüber ich jetzt meinen Erfolg definiere. So ist es ja auch eigentlich. Da könnte ich jetzt wieder unzählige Sprüche bringen aus den Büchern, aber es ist egal, wie der Wind weht. Es geht nur darum, wie man die Segel setzt. Und im Grunde genommen ist es aber auch wirklich so, und man merkt, auch viele Sachen sind gar nicht so schlimm, sondern einfach auch die Gedanken und die Bewertung des Urteils, was man darüberstülpt, machen es erst richtig schlimm. Im Grunde genommen ist jede Sache, wie sie ist, ob sie jetzt gut oder schlecht, das ist nur das Urteil, was du machst, und ich versuche halt diesen Urteiler wegzulassen, einfach das Beste daraus zu machen aus der Situation. Wenn jetzt irgendwas nicht Stimmendes ist, gucke ich, okay, wie sollte es denn stattdessen sein? Wie wäre es dann? Gibt es irgendwas in meinem Machtbereich, was ich machen kann, dass das eintritt? Oder geht es vielleicht einfach nur darum, dass ich meine Einstellung dazu ändern muss? Oft ist es ja auch gar nicht so, dass du sagst, okay, ich muss jetzt direkt was machen, sondern ich muss einfach anders mit der Situation umgehen, eine andere Einstellung dazu entwickeln. Das sind so die Punkte, die ich versuche umzusetzen.
Katrin: Ja, klingt sehr vernünftig. Man muss immer mit den Karten spielen, die man auf der Hand hat, nutzt. Für dich ist ja egal, was der links und rechts hat.
Felix: Das Gleiche habe ich auch gemerkt, wenn du sehr streng zu dir selbst bist. Ich war immer sehr streng zu mir selbst und nie gut genug hat man sich gefühlt. Ich glaube, das ist auch etwas, das sehr, sehr viele Leute haben. Und generell auch Erwartungen. Da macht man sich so den Lebenskorridor sehr, sehr eng, weil man sagt, okay, ich habe ein bestimmtes Ergebnis im Kopf, so und so soll es eintreten. Und wenn das nicht ist, bin ich unglücklich. Aber es gibt ja unzählige Varianten, wie das Leben passieren kann. Und selbst wenn es dann sogar wirklich mal genauso eintritt, wie ich es erwarte, bin ich gar nicht so übertrieben glücklich, weil ich es ja so erwartet habe. Deswegen sind Vergleiche, Erwartungen etc. nicht so positiv. Nur auf sich schauen. Man kann sagen, ok, heute würde ich ein Stück besser sein als gestern. Aber jetzt ohne diesen Druck, wie ich jetzt mit den Selbstoptimierungen etc. Das sind so die Punkte. Aber ja, wie gesagt, Vergleiche nicht gut, aber habe ich auch jetzt erst realisiert. Also ich werde es hier nicht tun, als ob ich schon auf die Welt gekommen bin und dachte, okay, das ist schlecht, das ist gut. Das sind alles Erfahrungen, Erkenntnisse, die man im Laufe des Lebens sammelt.
Katrin: Das heißt, wenn ich dich jetzt frage, ob du irgendwas anders gemacht hättest rückblickend, kannst du da klar mit Nein drauf antworten?
Felix: Ja, wie gesagt, den Punkt, den ich mir vielleicht gesagt hätte, nicht so streng zu dir sein oder nicht immer so hart zu dir sein. Ich weiß auch, dass das viele ältere Menschen sagen, die sagen, hätte ich das Leben mal nicht so schwer genommen, hätte ich mal nicht so viele Sorgen und Ängste gemacht, am Ende wird ja doch das meiste wieder gut. Das sagt man sich, aber ich glaube, das ist halt auch, wie gesagt, ein normaler Teil der Entwicklung eines jeden Menschen, dass man auch diese Emotionen fühlt. Genau. Aber grundlegend würde ich jetzt nichts anders machen, aus den angesprochenen Gründen.
Katrin: Hast du dir denn, bevor du diesen Schritt gewagt hast, so einen Rahmen gesetzt, so was wie, wenn es in einem halben Jahr nicht so und so gut läuft, Erfolg haben wir jetzt gerade schon bis so bisschen definiert, dann gehe ich den Schritt zurück oder war das einfach laufen lassen und mal gucken, was rumkommt?
Felix: Kriterien habe ich mir nicht gesteckt. Ich hatte ja angesprochen, dass ich ja dann dachte, okay, am Anfang, das ist jetzt erstmal nur für ein paar Monate oder Jahre, wenn es nicht läuft, und dann gehe ich wieder zurück in meinem Beruf. Ich hatte auch ehrlicherweise so ganz am Anfang das Denken, dass ich dachte, okay, dieses Influencer Instagram Ding wird vielleicht so zwei, drei Jahre sein und dann wird das vorübergehen wie andere Social Media Netzwerke, wie zum Beispiel MSN, was gab es früher, ICQ, Yappi, NetLog. Da dachte ich auch ähnlich, und meinten auch übrigens auch viele meiner Freunde damals so. Deswegen war ich gar nicht darauf eingestellt, okay, das ist jetzt wirklich was Langfristiges, sondern ich habe mir dann eher gedacht, ja, okay, dann hast du nochmal zwei, drei schöne Jahre so. Aber es scheint sich doch anders zu entwickeln alles. Aber generell, auf deine Frage zurückzukommen, nee, ich hatte jetzt keine speziellen Kriterien. Natürlich klar, wenn es mit dem Geld knapp geworden wäre, dann hätte ich mir auf jeden Fall auch was suchen müssen. Aber ich habe jetzt nicht gesagt, sechs Monate probiere ich aus und dann gehe ich wieder zurück, sondern alles oder nichts in gewisser Weise.
Katrin: Aber trotzdem mit so einem kleinen Plan B im Hinterkopf.
Felix: Genau. Genau, ich wusste ja, wie gesagt, ich habe das fertige Studium, fünf Jahre Berufserfahrung. Ich werde auch wieder zurückgehen können. Und ja, das war auf jeden Fall auch schon wichtig. Ob es jetzt absolut nötig ist, das kann ich nicht sagen. Es ist von Mensch zu Mensch individuell unterschiedlich. Es gibt auch Leute, die gar nichts haben und dann trotzdem es schaffen. Also ich würde jetzt nicht zwangsläufig sagen, dass du das unbedingt haben musst.
Katrin: Ja, da gibt es ja verschiedenste Typen, welche einfach ins kalte Wasser springen. Manche brauchen vielleicht noch mal ein Netz drunter oder zumindest so Leitplanken links und rechts, zwischen denen das Risiko liegt, aber man kann nicht von der Klippe runterfallen. Da vielleicht mal gucken, was man für ein Risikotyp ist.
Felix: Genau, das muss man gucken. Aber ich hatte auch letztens auf einem Event jemanden kennengelernt. Der hat mir eine sehr inspirierende Geschichte erzählt. Und zwar hat der mit 21 zu Corona-Zeiten sich selbstständig, also kurz vor Corona, selbstständig gemacht mit Tanzstudios und hatte dafür einen Kredit von 100.000 Euro aufgenommen. Dann kam Corona, die Tanzstudios waren auch nicht mal fertig, komplett pleite mit 21, 22, 100.000 Euro Schulden. Und er meinte, er hat einige Jahre nur Reis gegessen und die ganze Zeit gearbeitet, aber er hat sich da raus gearbeitet. Jetzt hat er eine Agentur, die sehr erfolgreich ist, verdient sehr viel Geld und er meinte, es war sehr unangenehm, aber jetzt weiß ich, egal was mir im Leben passiert, ich werde die Situation meistern. Das kommt auch wieder zu diesem angesprochenen mit den Fehlern. Das war der Erkenntnisgewinn aus dem und deswegen ist es alles typabhängig. Aber ich habe den festen Glauben daran, dass wenn man wirklich jeden Tag sein Bestes gibt, dann zeigt das Leben einem auch den Weg aus solchen vermeintlich verheerenden Situationen heraus.
Katrin: Ja, und viele Sachen sind auch einfach nicht so deep. Also, wenn man manchmal einen Schritt zurückgeht und sich ein bisschen entspannt, also, wenn ich jetzt ein paar Jahre zurückblick, für welche Situation ich mich teilweise wirklich verrückt gemacht hab, denke ich mir jetzt, Junge, also, manchmal hilft wirklich so, das Ganze mit ein bisschen Abstand zu betrachten.
Felix: Ja absolut, das sagt man ja auch immer, okay, wird es dich in fünf Jahren noch jucken, wird es dich in zehn Jahren noch jucken, wenn man an einer Situation denkt, aber ja klar, wenn man so in diesem Gedankenkarussell gefangen ist, dann ist es schwer, so dass man da wirklich wieder rauskommt. Aber das kenne ich auch von mir, Sachen, die mich früher krass beschäftigt haben oder so was, sind halt mit zunehmend Alter, kann man da halt durchschauen und sagen, okay, das ist jetzt so und so, das ist so, das ist der Grund so und so. Ist ja auch generell, wenn man jetzt irgendwie so Verhalten von anderen Menschen als beleidigend für sich selbst empfindet, kann man heutzutage, also zumindest bei mir so, kann man heutzutage viel mehr da durchschauen, okay, die Person hat vielleicht einen schlechten Tag oder das ist ihre Erfahrung, die sie damit ausdrückt, und bezieht es gar nicht so direkt immer auf mich. Wo ich jünger war, hat man sowas Kritik oder andere Sachen sofort so voll auf sich bezogen, dass es so voll am Selbstwert kratzt. Aber je mehr man reflektiert ist und sich selbst auch ehrlich anschaut, desto mehr kann man auch Kritik annehmen und gucken, okay, trifft das zu? Gibt es da was, was ich an mir ändern kann, sollte? Oder, nee, das trifft nicht zu. Das entspricht einfach nur der persönlichen Wahrnehmung der Person, die mir das mitgeteilt hat. Genau.
Katrin: Als würde jemand deine blauen Haare kritisieren.
Felix: Genau, ja, so ist es. Ja, in der Psychologie sagt man ja immer: Kritik ist nur verletzend, wenn man sie selber als wahr empfindet. Also wenn jetzt jemand zu mir sagen würde, Felix, du hast gar keine Ahnung von Mode, würde ich das vielleicht nicht so verletzend empfinden, wie wenn jetzt jemand sagen würde, du, das und das stylst du immer falsch oder sowas. Und wenn ich das dann selber glauben würde, dann würde es mich verletzen. Aber wenn ich sage, das ist so abstrakt, das ist nicht zutreffend, berührt es einen auch gar nicht so.
Katrin: Hast du noch irgendeinen Life Hack für unsere HörerInnen?
Felix: Also generell, meiner ist vielleicht kein Lifehack und nichts Deepes, aber ich habe gemerkt: Trauen zahlt sich aus über die Langzeit. Wenn sich eine Tür schließt, öffnen sich oft viele andere Türen, was im Vorhinein gar nicht vorstellbar ist. Deswegen auch: Egal wie groß die Angst ist, einfach mal ausprobieren. Das Leben ist kurz, man hat mehrere Chancen, man kann viele Sachen machen, man kann auch scheitern. Wie schon angesprochen: Scheitern ist nichts Schlimmes. Das ist etwas völlig Normales. Und deswegen, man hat nur ein Leben, man sollte das machen, was einem gerne Spaß macht. Also du weißt im Vorhinein eigentlich auch schon viele Sachen über dich, was dir besser liegt, was dir Spaß macht, was nicht so gut ist. Aber man vertraut diesem Bauchgefühl nicht, sondern hört eher auf diese Gedanken, die dann in alle Richtungen schwirren. Aber ich habe gemerkt, ein Bauchgefühl weiß schon vieles vorher, bevor ich es weiß.
Katrin: So, was bleibt hängen von diesem Gespräch? Bei mir vor allem ein Bild: ein kleiner Junge, der unbedingt im Anzug in den Kindergarten will, weil ihm das einfach Spaß macht. Und Jahre später ist genau diese Sache das Unvernünftigste, was man beruflich machen kann.
Und dann ist da dieser eine Satz, der bei mir noch nachhallt: Das sind nur Gedanken, das ist nicht die Realität. Ich finde, das kann man sich ruhig öfter mal sagen, wenn nachts das Kopfkino anspringt und einem erzählt, wie alles schiefgehen wird.
Was ich mitnehme: Mut heißt bei Felix nicht, keine Angst zu haben. Er hat nachgerechnet, er hatte ein Studium und fünf Jahre Berufserfahrung im Rücken, und trotzdem hat er sich wochenlang gefragt, ob er gerade alles falsch gemacht hat. Beides gleichzeitig ist offenbar völlig normal.
Wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert ERGO Lifehacks gern und empfehlt uns weiter. Und falls ihr gerade eine Entscheidung vor euch herschiebt: Hört mal kurz auf euren Bauch, der weiß es meistens vorher. Macht es gut und bis zur nächsten Folge.
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*Dieses Transkript kann leicht von der Podcast Folge abweichen.