In dieser Podcast-Folge geht es darum, warum radikale Ernährungstrends mehr schaden als nutzen – und weshalb der Schlüssel zu gesunder Ernährung darin liegt, den eigenen Körper zu verstehen statt ihn zu kontrollieren. Zu Gast ist Dr. Daniela Kielkowski, Ärztin und Ernährungsmedizinerin, die seit über 20 Jahren Menschen begleitet, bei denen „alle Diäten“ nicht mehr helfen. Sie erklärt, warum „weniger essen“ kein Stoffwechselproblem löst, wieso Kohlenhydrate wichtig für unser Gehirn sind und weshalb unverarbeitete Lebensmittel, regelmäßige Mahlzeiten und ein entspannter Umgang mit Essen oft wirksamer sind als jede neue Diät oder Supplement-Mode.
Daniela: Alles was radikal ist, halte ich für gefährlich. Viele Trends wirken erst mal komplett gesund, weil sie Disziplin und Kontrolle vermitteln. Problematisch wird es immer dann, wenn Ernährung Angst und Unsicherheit erzeugt. Wenn Menschen anfangen ganze Lebensmittelgruppen zu verteufeln oder ständig das Gefühl haben etwas falsch zu machen. Und was mich in dem Zusammenhang zusätzlich beschäftigt ist, viele Menschen optimieren heute permanent ihren Körper, obwohl sie eigentlich noch gesund sind. Und Gesundheit bedeutet aber nicht, den Körper permanent zu kontrollieren, sondern ihm einfach wieder zu vertrauen.
Katrin: Du öffnest Instagram – und innerhalb von zwei Minuten hat dir jemand erklärt, dass Kohlenhydrate dein Feind sind, jemand anderes schwört auf Intervallfasten, und ein dritter verkauft dir Supplements, ohne die du angeblich nie gesund wirst.
Und du denkst: Was stimmt denn jetzt eigentlich? Was ist gesund – für mich?
Wir leben in einer Zeit, in der Ernährung fast zur Ideologie geworden ist. Jede Lebensmittelgruppe hat Fans und Gegner. Jede Diät klingt wissenschaftlich. Und trotzdem wissen die wenigsten von uns wirklich, was ihr eigener Körper braucht. Genau das wollen wir heute ändern.
Daniela Kielkowski ist Ärztin, Ernährungsmedizinerin, Autorin, Speakerin und Coach. Seit über 20 Jahren betreut sie in ihrer Berliner Praxis Menschen, die wirklich alles schon ausprobiert haben – und einfach nicht weitergekommen sind. Ihre Überzeugung: Das Problem liegt selten im Willen, sondern fast immer im Verständnis.
Heute sprechen wir darüber, was Ernährungstrends wirklich mit uns machen – und warum der Schlüssel zu gesunder Ernährung in dir steckt, nicht im Internet.
Katrin: Wie hat denn dein Weg ausgeschaut? Wie bist du denn dahin gekommen, wo du jetzt gerade sitzt?
Daniela: Ich bin so dahin gekommen, dass ich mein Abitur auf einen zweiten Bildungsweg gemacht habe, weil in der DDR hätte ich das Abitur nicht machen können. Das war sehr, privilegiert. Das heißt, es durften immer nur zwei Schüler pro 30-köpfiger Klasse Abitur machen und es wurde staatlich reglementiert, wer das durfte und wer das nicht durfte. Und insofern habe ich Krankenschwester gelernt. Und während meiner Ausbildung fiel die Mauer. Und ich wollte früher Schauspielerin werden und habe an der Schauspielschule auch wirklich alles bestanden, was man bestehen konnte. Aber dann fiel die Mauer und dann hatte ich Angst, dass ich als Schauspieler auf der Straße leben muss. Und ich das ganze Leben lügen muss, was mein Alter betrifft. Und da mir, ja wirklich, ohne Quatsch. Und dann habe ich in der im Krankenhaus in Intensivmedizin mein Staatsexamen gemacht und habe dann gedacht, also ach so, was vielleicht auch noch, das darf ich aber nicht senden, ich mochte die Stationsschwestern nicht. Das waren alles irgendwie ganz komische Drachen und gleichzeitig fand ich die Professoren immer super nett. Und ich habe mich entschieden, dass wenn mir jemand was im Leben zu sagen hat, dann die und nicht die Stationsschwestern. Und dann habe ich nach der Krankenschwesternausbildung mein Abitur nachgeholt. Und da ich überhaupt keine Ahnung von Naturwissenschaften hatte, habe ich alles an Naturwissenschaften abgewählt, was man abwählen konnte, nur um am Ende das Medizinstudium zu bekommen. Und das fiel mir natürlich hart auf die Füße, weil im Physikum musst du nur Naturwissenschaften können. Physiologie, Biochemie und ähm... Ich habe als Krankenschwester gearbeitet und nebenbei neben dem Studium und habe sehr gut Geld verdient und habe mir dann glatt einen Biochemiker als Nachhilfelehrer geleistet. Das muss man einfach mal sagen. Der war, ich war damals noch echt gut aussehend, der hatte aber null Interesse an mir, sondern nur für sein Fach und das war für mich ein echter Segen. Weil der hat mit mir überhaupt gar kein persönliches Wort ausgetauscht. Sondern nur die Biochemie. Und da mein Gehirn sich nur auf Biochemie fokussieren musste, habe ich das Stück für Stück wirklich verstanden und mir öffnete sich echt eine neue Welt. Und zwar die der Naturwissenschaften. Und dann bin ich voll eingestiegen. Physik, Physiologie, Biochemie. Ich fand's einfach so grandios und ich fand auch die Art, wie man denkt als Naturwissenschaftler, grandios. Nicht immer dieses ganze emotionale Bauchgefühl, sondern einfach diese analytische, differenzierte Art zu denken, hat mir sehr, sehr gefallen. Und die habe ich mir zu eigen gemacht. Und ich habe schon im Studium erkannt, dass Low-Carb-Hungern nicht zwangsläufig die Fettverbrennung ankurbelt. Und ja, später in der Fahrradsausbildung habe ich in der Orthopädie so ein Jahr Fahrradsausbildung gemacht. Und da hat ich ja viel mit übergewichtigen Menschen zu tun, die schwere Schmerzen hatten. Und meine Kollegen haben immer zu denen gesagt, da müssen sie weniger essen. Essen sie nur die Hälfte. Und dann haben die Patienten immer gesagt, aber ich esse kaum noch, Herr Doktor. Und dann haben meine Kollegen immer, dann würde es ja nicht so aussehen. Und dann habe ich gesagt, Freunde, die haben Recht. Wer soll sich denn fünf Tafeln Schokolade reinziehen, wenn er jeden Tag unter Schmerzen leidet? Und dann habe ich gesagt, ich kümmere mich die. Und so bin ich da reingehutscht.
Katrin: Das ist natürlich ein guter Ansatz von dem Ganzen, dass man sich das mal bisschen genauer anschaut, statt immer die naheliegendste Lösung zu favorisieren.
Daniela: Ja, und dann war mir einfach klar, dass sie teilweise mehr essen müssen und mir war auch klar, dass sie mehr Kohlenhydrate brauchen, damit der Körper überhaupt in die Fettverbrennung kommt. Und so habe ich meinen Weg beschritten und auch immer erfolgreicher Menschen betreut durch mehr Essen, weniger Bewegung und natürlich haben sich bei mir die Patienten oder die Menschen eingefunden, die wirklich alles ausprobiert haben die einfach nicht weitergekommen sind, die Jahrzehnte gegen ihr Gewicht ankämpfen und einfach nichts mehr funktioniert.
Katrin: Und was ist dann für dich oftmals so dieser Schlüsselmoment? Mir ist klar, dass es wahrscheinlich von Person zu Person unterschiedlich ist. Aber was ist so ein Fehler, der dir da immer wieder begegnet?
Daniela: Der größte Fehler ist, und der wird ja leider auch noch von sehr vielen meiner Kollegen, das klingt jetzt auch bescheuert, der größte Fehler ist, dass man einen Stoffwechsel, der einfach nicht mehr richtig arbeitet, der sozusagen schon bereits Übergewicht hat, der zeigt ja eigentlich, dass er dysreguliert funktioniert. Und jedes Übergewichtsthema wird am Ende immer mit dem perfekten Stoffwechsel verglichen. Das heißt, wenn du Übergewicht hast, dann werden dir Ratschläge gegeben, die eigentlich nur funktionieren, wenn du einen perfekten Stoffwechsel hast. Also wenn du einen perfekten Stoffwechsel hast und du isst weniger, dann bezahlt dein Körper die Energiedefizite aus deinem Körperfett. Hast du aber eine Adipositas, dann ist das kein Schimpfwort, sondern das heißt übersetzt pathologische Fettspeicherkrankheit, sprich deine Fettverbrennung funktioniert nicht mehr. Dann kannst du nicht einfach sagen, iss weniger, damit sie besser funktioniert. Weil wenn sie richtig funktionieren würde, würden Menschen keine Adipositas entwickeln. Weil es gibt genug Menschen, die auch sehr sehr viel essen und überhaupt gar nicht auf ihre Ernährung achten müssen, einfach immer schlank bleiben. Und das ist eigentlich der größte Mythos, der mir immer wieder begegnet. Das starre Kaloriendefizit Modell, als wäre der Stoffwechsel ein Taschenrechner. Und das funktioniert einfach nicht.
Katrin: Wie kriegt man einen Stoffwechsel, der mal so aus den Fugen geraten ist, sagen wir in die eine oder in andere Richtung, wieder auf die richtige Bahn?
Daniela: Das kommt ganz darauf an, weshalb er aus den Fugen geraten ist. Also wir haben einfach ganz ganz viele Ursachen, weswegen man Übergewicht entwickeln kann. Und die eine ist natürlich, dass ich in der Tat deutlich mehr Energie zu mir nehme, als ich verbrauche. Ja, das können auch Menschen sein, die sehr sehr viel kalorisch essen. Aber selbst dann gibt es eine Essstörung. weil dann haben die ein schlecht reguliertes Hunger- und Sättigungsgefühl. Also selbst dann kann man nicht 100 Prozent von Willensschwäche und Schuld sprechen. Man kann Übergewicht entwickeln, weil man körperliche Probleme hat, wie eine Schilddrüsenerkrankung, genetische Defekte, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Darmerkrankungen hat. Das heißt, die Resorption von Nährstoffen nicht mehr richtig funktioniert. Man kann Übergewicht entwickeln, weil man sich permanent zu dick gefühlt hat. Oder wenn man mal zunimmt, weil man ein Kind bekommt. Oder weil man vielleicht auch mal einen Unfall hatte und eine Weile immobil ist, dass man dann komplett falsch gegenreguliert. Indem man dann sozusagen anfängt, krass dem Körper die Energie zu entziehen. Sodass der Körper unter Stress gerät. Und das Gehirn einfach entscheidet, dass Energie gespeichert, anstatt freigegeben wird. Das heißt, man muss die Ursache für das Übergewicht finden. Und dafür muss man als Therapeut schon echt ein Trüffelschwein sein, zum einen. Und zum anderen muss man sich einfach in der Biochemie auskennen.
Katrin: Biochemie ist ein sehr leidiges Thema für viele. Du hast dich dann quasi auch mit deinen Büchern, die du geschrieben hast, so ein bisschen auf das Thema spezialisiert und stellst ja immer wieder die Frage, wovon bezahlt dein Körper sein Leben? Was meinst du denn damit genau?
Daniela: Also anlehnend an das, was wir eben schon gesagt haben, dass die meisten Menschen denken, ich muss einfach nur wenig essen, als ich verbrauche, dann muss ich einfach abnehmen und wer nicht abnimmt, der isst einfach zu viel oder isst undiszipliniert, sage ich immer zu meinen Patienten und ich erwähnte ja schon, dass das Menschen sind, die wirklich lange krasse Diäten hinter sich haben. Intervallfasten, jahrelang Ketodiät. Angst vor Kohlenhydraten haben, deren Stoffwechsel vermesse ich ja immer. Das heißt, man kann spirometrisch einfach feststellen, ob ein Körper A, Fett verbrennt. In Ruhe, weil jeder Stoffwechsel, funktioniert, hat in Ruhe eine gute Ruhefettverbrennung und man kann mit der Spirometrie auch den Verbrauch eines Körpers messen. Und bei meinen Patienten sieht man in der Regel immer, dass sie erstens eine sparsame Fettverbrennung haben, auch, dass sie schon eine extrem reduzierte Leistung haben. Das heißt, der Grundumsatz hat sich schon massiv verringert. Der Körper gibt kaum noch Energie her. Und meinen Patienten zu erklären, dass sie auch deutlich mehr essen müssen, damit der Stoffwechsel erstmal wieder arbeitet, benutze ich immer das Beispiel, wir bekommen unsere Lebensenergie nicht aus der Steckdose. Das heißt, ich vergleiche das immer mit unserem Smartphone. Selbst wenn wir unser Smartphone nur liegen lassen und nicht benutzen für Nachrichten, E-Mails, etc. pp. verbraucht es in Ruhe Energie. Der Akku wird trotzdem verbraucht, zwar über eine lange Zeit, aber er verbraucht sich und den können wir in einer Steckdose aufladen. Unser Körper verbraucht auch permanent Energie, auch im Schlaf. Wir haben noch nie kostenlos geatmet, gedacht, gehört, gesehen, gefühlt. Unsere Organe sind seit unserer Geburt noch nicht eine einzige Sekunde ohne Energiezufuhr gelaufen. Und das versuche ich meinen Patienten als Bild darzustellen. Und wenn man sich dann vorstellt, dass wir eben nicht wie unser Smartphone an die Steckdose gehen können, dann kann man unser System wie so ein selbstfinanziertes Unternehmen betrachten, was permanente Ausgaben hat, die letztendlich gedeckt werden müssen. Wir können noch nicht mal kostenlos mit den Augen klimpern. Und das ist doch ein Bild, was meine Patienten sehr gut annehmen können. Und dann sage ich immer meinen Patienten, wenn der Körper nur Energie herstellen könnte, wenn wir essen, dann hätten es unsere Vorfahren nicht am Säbelzahntiger vorbei geschafft. Weil, wir sind auch in der Lage, Hungerperioden zu überstehen. Wir haben ein Gehirn, was zwar nur ein ganz kleines Organ ist, was aber die meiste Energie verbraucht. Und selbst wenn wir hungern, ist unser Gehirn nicht bereit zu sparen. Sondern unser Gehirn holt sich die Energie aus unserem Körper. Egal woher. Wenn wir nichts gegessen haben, holt sich das Gehirn unsere Energie aus dem Fett, aber auch aus der Muskulatur. Oder das Gehirn reguliert den Verbrauch des Körpers runter, spart an Systemen, die für das direkte Überleben nicht verantwortlich sind. Also wenn er einen Körper spart, kann er ja nicht sparen, indem er jeden zweiten Herzschlag ausfallen lässt oder jeden zweiten Atemzug. Sondern er reguliert Systemen runter wie...das Immunsystem, Regenerationsprozesse, Resorptionsprozesse, Entgiftungsprozesse, alles was viel Energie verbraucht, aber nicht direkt fürs Leben gebraucht werden. Und so schaffe ich es meinen Patienten klarzumachen, dass die Nahrung die beste Energiequelle für unser Gehirn ist, alle Systeme perfekt versorgen zu können.
Katrin: Bevor wir weitermachen – drei Dinge, die du dir jetzt schon merken kannst:
Lifehack 1: Weniger essen löst kein Stoffwechselproblem. Wer Jahrzehnte gekämpft hat und nicht weiterkommt, hat meistens kein Disziplinproblem – sondern ein System, das Unterstützung braucht, keinen Entzug.
Lifehack 2: Dein Körper ist kein Taschenrechner. Kalorien allein sagen nichts darüber aus, wie gut dein Stoffwechsel arbeitet. Schlaf, Stress, Hormone und Darmgesundheit spielen genauso rein.
Lifehack 3: Nahrung ist keine Belohnung – sie ist Energie. Dein Gehirn läuft rund um die Uhr, auch im Schlaf. Wer dauerhaft zu wenig gibt, bringt das System in den Sparmodus.
Weiter geht's – mit dem, was das alles konkret für deine Ernährung bedeutet.
Katrin: Das heißt, haben jetzt gelernt, Nahrung ist wichtig und einfach nur die Nahrung zu reduzieren bringt nicht unbedingt den gewünschten Effekt. Jetzt kommt es aber natürlich auch ganz arg darauf an, welche Nahrung. Und ich finde, gesund ist uns allen klar, aber gesund ist auch wahnsinnig weiter Begriff. Und gerade wenn wir auch im Internet mal ein bisschen unterwegs sind, auf TikTok, auf Instagram und so weiter, hat ja doch jeder und jede eine andere Definition von gesund und eine andere Idee, wie es denn richtig ist. Da wollte ich dich jetzt mal fragen, wie definierst du das denn für dich?
Daniela: Wie definiere ich gesunde Ernährung? Ja, also Ernährung ist ja heute, wie du es jetzt schon sagst, fast wie so ein Statussymbol geworden. Also es wird ja sehr oft emotional und teilweise auch identitätsstiftend beurteilt. Tatsache ist, und das gehört zur Wahrheit dazu, wir wissen wissenschaftlich bis heute nicht, bis ins letzte Detail, kausal und als Naturwissenschaftlerin weißt du was kausale Evidenzen sind, was gesunde Ernährung ist. Zumindest für Übergewicht. Weil wir diese kausalen Studien überhaupt nicht machen können. Wenn wir Ernährung im Bezug auf Menschen beurteilen können, dann können wir meistens immer nur Beobachtungsstudien machen oder kurze Interventionsstudien. Aber uns fehlen erstens die Langzeitdaten für viele Dinge und Beobachtungsstudien beziehen sich ja sehr oft über Fragebögen, über eine lange Zeit. Das heißt, es können ja ganz, ganz viele Einflussfaktoren Einfluss auf unsere Gesundheit und auf unseren Stoffwechsel haben. Und ich versuche meinen Patienten und auch in der Öffentlichkeit immer dafür zu sensibilisieren, dass Ernährung nur ein Teil für einen gesunden Stoffwechsel ist. Dass der Stoffwechsel niemals nur über die Ernährung identifiziert werden kann. Stoffwechsel bedeutet Regulation von Stress, Schlaf, von sozialer Stabilität, von Hormonabhängigkeiten, von Immunsystemabhängigkeiten. Das heißt, man kann heute sagen, wir wissen zum Beispiel bei der Ernährung mittlerweile viel mehr, was Ernährung für Gesundheit oder in welcher Form Ernährung für Gesundheit verantwortlich ist, aber nicht unbedingt, welche Ernährung schlank, schön und jung. Und deswegen ist es immer so, dass man sich natürlich aus allen Hypothesen und auch aus der Erfahrung in der klinischen Versorgung von Patienten schon sozusagen bestimmte Dinge ableiten kann. Und was ich finde, was zu gesunder Ernährung gehört, ist, dass es unverarbeitete Lebensmittel sind. Ja, weil wenn man sich das Lebensmittelgesetz anschaut, dann muss ein Hersteller, du lachst jetzt, weil es am Ende ja auch deine Profession ist, du kennst das Lebensmittelgesetz. Viele Hersteller müssen einfach nicht alles drauf schreiben, was drin ist und vieles, was drauf steht, ist so verschlüsselt, dass ein normaler Endverbraucher ja überhaupt nicht erfassen kann, was er da am Ende zu sich nimmt. Und deswegen, und in hochverarbeiteten Lebensmitteln, die ja immer Geschmack haben müssen, sozusagen, die müssen ja am Ende schmecken, wird sehr viel mit Fett gearbeitet, auch mit Transfetten gearbeitet, wir wissen, dass die schädlich sind, es wird sehr viel mit Zucker, aber auch mit Süßstoffen gearbeitet und insofern bin ich immer ein Freund von unverarbeiteten Lebensmitteln. Das bedeutet aber natürlich auch, dass man sich die Zeit nehmen muss, Lebensmittel zuzubereiten.
Katrin: Und da ist, glaube ich, schon so bisschen Knackpunkt. Es ist zum einen die Zeit, weil ich glaube, das kennt jede und jeder, der uns da heute zuhört. Man kommt nach Hause von der Arbeit, von der Uni, von der Schule und hat Hunger jetzt. Und sich dann was zu überlegen, was könnte ich kochen? Nimm ich mir jetzt noch die Zeit hier, 40 Minuten irgendwas zu schnippeln und zuzubereiten und zu rühren? Und habe ich überhaupt die Idee dazu? Und habe ich überhaupt die Skills dazu? Da kommen ja ganz, ganz viele Faktoren zusammen und dann ist es vielleicht manchmal einfach leichter, eine Tiefkühlpizza, übrigens ein Beispiel für ein hochverarbeitetes Lebensmittel, in den Ofen zu schieben.
Daniela: Also ich finde am Ende macht ja immer die Dosis das Gift. Also ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn man sich mal die Tiefkühlpizza zubereitet. Das größte Missverständnis um gesunde Ernährung ist wahrscheinlich, dass gesunde Ernährung für jeden Menschen gleich aussieht und das stimmt nicht. Der Stoffwechsel ist einfach hochindividuell. Menschen reagieren aber auch unterschiedlich auf bestimmte Ernährungsformen, aber auch auf Stress, auf Schlafmangel und auf Ernährung. Man kann übrigens diesen typischen, du hast jetzt eine typische Situation beschrieben, man kommt abends nach Hause, ist ausgehungert und denkt sich, was mache ich jetzt? Aber wenn Menschen zum Beispiel regelmäßig essen und das sehe ich jeden Tag in der Praxis, wenn Menschen morgens und mittags wirklich sich die Zeit nehmen zu essen, kommen sie sehr selten abends in die Situation, aus Heißhunger schnelle Entscheidungen treffen zu müssen. Weil da kommen wir wieder zum Beispiel aus der Steckdose. Ich sage immer zu meinem Patienten, bezahlt ist bezahlt. Wenn das Gehirn und es geht am Ende die Regulationsstressachsen des Gehirns.
Wenn der Körper und das Gehirn regelmäßige Einnahmen verzeichnen und somit nicht permanent im Energiedefizit sind, dann werden auch Hungersignale einfacher und natürlicher reguliert. Und dann nimmt man sich vielleicht doch am Abend mal die Zeit zu sagen, ich bereite mir was zu. Und dann muss man natürlich auch sagen. Es ist auch nicht mehr wie in meiner Kindheit, dass Kochen wirklich ewig lang gedauert hat. Es gibt heute so unfassbar viele kreative, innovative, gute Ideen, aus ganz wenig, ganz schnell eine vollwertige Mahlzeit zu machen. Dafür gibt es auch ganz tolle, auch viele Bücher. Und es gibt sogar auch ganz tolle Bücher, die zeigen, wie man mit sehr wenig Geld sich tolle Nahrungsmittel schnell zubereiten kann. Das ist also nicht die Ausrede. Und trotzdem ist gegen die Pizza mal am Abend, wenn man kein Gewichtsproblem hat, überhaupt nichts einzuwenden.
Katrin: Wie würdest du denn jetzt vorgehen, wenn jemand sagt, ich würde mich wirklich gerne besser auskennen mit Lebensmitteln? Was bringt mir was? Was hat vielleicht welche Vitamine? Was machen die Vitamine überhaupt? Was muss ich wie zu... Also wo fange ich denn am besten an?
Daniela: Also wenn ich schon mal einen guten Zugang zu natürlichen Nahrungsmitteln finde, auch zu saisonalen Nahrungsmitteln, dann kann ich ganz viel Unsicherheit schon mal überspringen. Ja, das muss man einfach sagen. wenn man zum Beispiel, also erstens ist man heute, da muss man auch sagen, es ist ein Vorteil von Social Media oder überhaupt von der Öffentlichkeit, dass man sehr, sehr schnell Lösungen finden kann. Wichtig ist natürlich nur, dass man auch lernt, Lösungen plausibel einschätzen zu können. Aber wir wissen heute alle, dass Obst und Gemüse sehr, sehr viel Mineralien hat, Vitaminen hat, sekundäre Pflanzenstoffe hat, eine gute Matrix hat. Wir wissen auch, dass Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis, Pasta absolut nicht ungesund sind. Wir wissen, dass Obst viel Gemüse hat. Wir wissen, dass Nüsse, Kerne, Saaten gute Nahrungsquellen sind. Ich sage immer, es gibt ein paar Lebensmittel, das ist sozusagen der Superfood. Und wenn man diese Lebensmittel, ich sage gleich welche das sein könnten, zum Beispiel zu Hause hat, dann ist man eigentlich schon extrem gut aufgestellt, was Nährstoffe und Vitaminabdeckung betrifft. Ganz oben Hülsenfrüchte. Ich fange jetzt mal durcheinander an, okay? Die Hülsenfrüchte. Ist ein Superfood. Haben tolle Proteine, haben super coole Kohlenhydrate, haben wahnsinnig viele Nährstoffe, Vitamine, Mineralien. Haferflocken, Nüsse, Kürbiskerne, Vollkornbrot. Ich bin durchaus ein Fan von gutem Fisch, auch von Fleisch, wenn man das nicht mag, haben wir Tofu, Tempeh, Zaitan. Ich bin auch ein großer Fan von Milchprodukten. Joghurt, fermentierte Milchprodukte, Kefir, Buttermilch, Joghurt, gute Proteinquellen wie Mager-Quark, was alles noch unter natürlichen im Nahrungsmittelfeld, ja? Und dann natürlich Obst und Gemüse. Dann ist man schon sehr, sehr gut aufgestellt. Reis, Vollkornreis, Bulgur, Couscous. Und das sind heute Dinge, die können Sie wahnsinnig, die kannst du ganz schnell zubereiten. Und du kannst übrigens auch sagen, gib bei Chat GPT ein: ich hab Hülsenfrüchte zu Hause, ich hab Haferflocken zu Hause, ich hab Nüsse zu Hause, ich hab Leinsamen zu Hause, ich hab Fisch, Tofu, Tempeh zu Hause, was kann ich tun? Dauert 10 Sekunden, kriegst du einen Vorschlag. Also ich will damit sagen, es ist heute viel einfacher, sich auch mit gesunder Ernährung zu beschäftigen und sich da viel schneller zu informieren, als es noch zu meiner Zeit war.
Katrin: Ja, gibt ja auch allein schon wahnsinnig viele Apps. Also mir hat es damals zum Beispiel geholfen, ich hatte so eine App zum Kalorienzählen, nicht zum Abnehmen, sondern Gefühl dafür zu kriegen, was ist denn überhaupt wo drin? Und wenn man dann mal sieht, so eine Weißmehl-Semmel, die hat ja gar nichts. Also die hat ja nichts außer Kalorien, keine vernünftigen Kohlehydrate, keine Langketten. Das sind so diese Klassiker. Aber da muss man halt auch erst mal draufkommen. Oder dass es gute Fette gibt und schlechte Fette und so weiter.
Daniela: Absolut! Ja, absolut, aber nun bist du ja auch Profi und vom Fach, das ist ja sozusagen dein Interessengebiet, du studierst das und so ist es ja auch bei mir. Aber, also erstmal die Kalorien, ich hab noch nie meiner, noch nicht ein einzigen meiner Patienten Kalorien zählen lassen, in ganzen 20 Jahren, ich schwör's, weil ich davon überhaupt gar nichts halte. Weil erstens kann man den realen Verbrauch eines Menschen nicht wirklich einschätzen. Der variiert aufgrund von Stresssituation, Hormonsituation, Alter, Zyklus eigentlich fast stündlich. Das heißt, Kalorien zählen, kann auch am Ende den Stoffwechsel immer mehr verlangsamen und letztendlich dazu führen, dass man selbst mit wenigem Essen mehr Fett aufbaut. Aber wenn ich meinen Patienten mal die Kalorien zähle, oder eine Kalorien-App empfehle, dann meistens aus zwei Gründen. Erstens, damit Sie erst mal kapieren, wie viel Nahrungsmittel eigentlich das ist, was alleine Ihr errechneter Grundumsatz ausmacht. Das ist für viele Menschen, die ständig gegen das Dickwerden kämpfen, schon richtig viel Essen. Und das Zweite ist, wenn ich dann zum Beispiel bei meinen Patienten merke, dass sie bei sie zum Beispiel vegan oder vegetarisch leben, zu wenig Proteine haben.
Dann empfehle ich auch immer mal gerne eine App, damit Sie einfach nur Ihren Proteinhaushalt sozusagen kontrollieren können und ausreichend Proteine essen.
Katrin: Ja, jetzt gibt es ja wahnsinnig viele Trends da draußen. Ich habe ja schon raus, du bist ein großer Kohlehydrat-Fan. Aber es gibt ja auch so eine Low-Carb oder No-Carb-Bewegung. Es gibt Keto-Diäten, das hatten wir vorhin auch schon mal kurz. Da gibt es Leute, die schwören auf Intervallfasten. Was ist das Gesündeste ist? Die nächsten, wenn wir schon beim Fasten sind, sagen, du musst unbedingt Heilfasten, deinen Körper hier mal auf Null zu setzen. Also es gibt wahnsinnig viele Meinungen da draußen. Gibt's da was, was du auch wirklich als gefährlich siehst?
Daniela: Alles was radikal ist, halte ich für gefährlich. Viele Trends wirken erst mal komplett gesund, weil sie Disziplin und Kontrolle vermitteln. Das ist ja ganz oft sozusagen bei Menschen, sehr auf ihre Ernährung achten, durchaus ein ganz wichtiger Aspekt. Problematisch wird es immer dann, wenn Ernährung Angst und Unsicherheit erzeugt. Wenn Menschen anfangen ganze Lebensmittelgruppen zu verteufeln oder ständig das Gefühl haben etwas falsch zu machen. Und was mich in dem Zusammenhang zusätzlich beschäftigt ist, viele Menschen optimieren heute permanent ihren Körper, obwohl sie eigentlich noch gesund sind. Und Gesundheit bedeutet aber nicht den Körper permanent zu kontrollieren, sondern auch ihm einfach wieder zu vertrauen. Und ja, du hast es angesprochen, für mich sind die Kohlenhydrate ganz wichtig, aber warum? Das Institut für Ernährungsforschung hat schon vor 40 Jahren gesagt, dass wir 40 bis 60 Prozent unserer täglichen Versorgung in Kohlenhydraten zu uns nehmen sollen. Das hat sich ja gar nicht die Kielkowski ausgedacht. Aber parallel entstand der große Mythos, dass Low-Carb in jedem Fall schlank macht. Und wenn man dann, und das wissen die wenigsten Menschen, obwohl das auch kein Geheimnis ist und sich das die Kielkowski auch nicht ausgedacht hat, die wenigsten Menschen wissen, dass unser Gehirn, was den höchsten Energieverbrauch hat, ausschließlich Zucker bevorzugt. Und zwar mindestens 130 Gramm pro Tag. Reine Glucose. Das Gehirn kann gar nicht direkt Fett oder Eiweiß verstoffwechseln. Außer, es sei denn es ist im absoluten Hungerstoffwechsel, dann kann es die sogenannten Ketone verstoffwechseln. Aber ansonsten, wenn sich das Gehirn aussuchen kann, was es haben möchte, ist es reine Glucose. Jetzt würden und glaube mir, dafür werde ich oft beschimpft. Jetzt würden natürlich meine Kollegen sofort aus den Ecken kommen und sagen, der Körper kann ja auch aus Fett Zucker herstellen. Stimmt. Ist aber ein aufwendiger Weg. Man muss einfach wissen, wir bezahlen ja unser Leben nicht mit dem Brotkrümel, sondern unser Stoffwechsel muss aus Nahrung Energie herstellen. Und wenn ich natürlich gute Kohlenhydrate zu mir nehme, dann kann ich natürlich das Gehirn auch am schnellsten und am effektivsten versorgen. Wenn ich jetzt aber keine Kohlenhydrate zu mir nehme, dann bekommt das Gehirn durchaus relativ schnell über seine Messung, man muss sich vorstellen, das Gehirn kann Glukose nicht speichern und ist permanent am Messen, wie viel Energie überhaupt im Körper vorhanden ist, dann kann der Körper aus Fettsäuren, aus Laktat und aus Aminosäuren Glucose herstellen. Das ist aber ein aufwendigerer energetischer Weg, als würde der Körper aus zugeführter Glucose oder Kohlenhydraten Glucose herstellen. Und wenn ein Gehirn einen Mangel empfindet, dann wird es durchaus darüber nachdenken, ob es den teuren Weg geht oder ob es in einen Sparmodus geht und der Sparmodus heißt, aus Eiweißen Zucker herzustellen, sprich unsere Muskeln zu verbrennen. Und der sparsame Weg heißt dann auch, Leistung verringern, Ausgaben verringern, die Leistung eines Stoffwechsels runterzufahren. Das heißt, ein gesunder Stoffwechsel, der sich super versorgt fühlt, der wird auch immer gut aus Fetten Zucker herstellen können. Aber ein Körper, der permanent unter Energieknappheit leidet, der wird an seine Bank nicht rangehen. Ich sage zu meinen Patienten immer, der Körperfettanteil ist unsere Bank, ist unser Konto, ist unser größter Energiespeicher. Wer geht denn permanent an sein Konto, wenn die Einnahmen miserabel sind? Und der Punkt ist auch, das ist auch immer ein recht krasses Beispiel, aber ich versuche meinen Patienten ja Bilder zu vermitteln, damit sie einfach verstehen, worum es geht. Wenn der Körper immer Fett verbrennen würde, nur weil wir nichts oder wenig essen, dann hätten wir heute nicht einen einzigen Zeitzeugen aus Kriegsgefangenschaft. Diese Menschen haben jahrelang weniger zugeführt, als sie täglich verbraucht haben. Das muss man einfach sagen. Sie haben sehr wenig Essen bekommen und mussten eine Chance zu haben zu überleben, zehn Stunden körperlich schwere Arbeit verrichten. Und es sind viele Menschen daran gestorben, aber es haben Gott sei Dank auch viele überlebt. Das heißt so simpel ist der Stoffwechsel nicht. Und ich sage auch immer, wir haben nicht unsere Vorfahren haben nicht evolutionär überlebt, weil wir stärker waren als der Säbelzahntiger oder schneller oder höher springen konnten, sondern weil wir ein Gehirn hatten, was in der Lage war, jeder Zeit Strategien und Überlebenskonzepte sich zu überlegen.
Katrin: Ja, das stimmt. Wie stehst du denn zu diesem ganzen Supplement? Wenn es dann heißt, gesunde Ernährung, aber dazu brauchst du ja noch das und das und am besten noch so ein kleines Proteinpulver und hier so ein Geschmackstütchen in dein stilles Wasser und dann kannst du dir eigentlich hier das Frühstück sparen und hier sind so und so viele Vitamine drin. Also wie siehst du, was braucht sowas für eine gesunde Ernährung?
Daniela: Hmm... Also...
Das muss man auch ein bisschen differenzierter sehen. Grundsätzlich stört mich an Supplements. Gesundheit ist biologisch ja erstmal was sehr, sehr einfaches. Wenn man es mal runterbricht. Immerhin besteht unser Stoffwechsel nicht erst seit ein paar Jahren, sondern seit ein paar hunderttausend bis Millionen Jahre. Der hat also auch schon ganz andere Zeiten überlebt. Und zwar bevor wir über Biohacking und Longevity überhaupt geredet haben. Und ich sage immer, Gesundheit ist biologisch erstmal etwas sehr Einfaches. Regelmäßiger Schlaf, Bewegung, soziale Sicherheit, Stressregulation, eine stabile Ernährung haben wahrscheinlich viel mehr Einfluss auf den Stoffwechsel als die meisten teuren Trends. Der Punkt ist, Social Media vermittelt sehr oft, dass Gesundheit ein Luxusprojekt ist mit 100 Supplements, Eisbaden, Hightech-Tracking. Aber wie gesagt, der Stoffwechsel besteht seit Millionen Jahren und nicht erst seitdem es Smartwatches gibt. Und was mich am meisten bei Supplements stört, ist die Regulierung, die gesetzliche, wir haben es vorhin schon mal angesprochen, Supplements unterliegen dem Lebensmittelgesetz und der Hersteller muss erstens niemals die Wirkung beweisen. Er kann selbst bei den Konzentrationen bis zu 50 Prozent schwanken. Das heißt, du weißt nie bei dem, was draufsteht, ob das jetzt 50 Prozent weniger oder 50 Prozent mehr ist. Und dann, auch was Verunreinigungen betrifft, was Zulassungsverfahren in Deutschland für Supplements betrifft, bin ich sehr, sehr skeptisch. Und deswegen sage ich immer, wenn ich die Entscheidung habe, ist natürlich eine gesunde Ernährung, eine ausgewogene Ernährung die Grundlage für einen richtig guten Stoffwechsel. Und man muss einfach auch sagen, wenn ich zum Beispiel einen chronisch gestressten Stoffwechsel habe, dann resorbiere ich auch nicht mehr sehr gut meine Nahrung. Da kann ich extrem gesund essen. Es kommt überhaupt nicht mehr alles an, was ich sozusagen zu mir nehme. Und das würden die Supplements ja nicht ausgleichen. Trotzdem leben wir in einer Welt, in dem sehr, sehr viele Menschen sich doch sehr einseitig ernähren, sehr unter Stress stehen und sich eigentlich in unserer Vorstellung sehr ungesund ernähren. Und es ist einfach so, dass wir heute uns viel weniger bewegen. Ja, bestes Beispiel Vitamin D. Das heißt, Menschen können Defizite entwickeln. Vegane Menschen, ich sage immer, vegan ist die Ernährungsform, in der man sich eigentlich am meisten auskennen muss, wirklich sich gesund zu ernähren. Nur alle tierischen Produkte wegzulassen, kann sehr schnell in einen Nährstoffmangel fallen, was Eisen betrifft, was B-Vitamine betrifft. Und das sind alles Themen, wo ich sage, jawohl, da muss man möglicherweise supplementieren. Das kann man aber auch sehr gut mit guten Laborparametern feststellen.
Katrin: Kurzer Zwischenstopp – drei Dinge, die du mitnehmen kannst:
Lifehack 1: Iss echt. Unverarbeitete Lebensmittel muss man nicht zählen. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse – wer diese Dinge zu Hause hat, ist besser aufgestellt als mit zehn Supplements.
Lifehack 2: Trau keinem Trend, der eine ganze Lebensmittelgruppe verbietet. Was radikal ist, erzeugt langfristig Stress. Und Stress ist das Gegenteil eines gesunden Stoffwechsels.
Lifehack 3: Gesundheit ist kein Luxusprojekt. Schlaf, Bewegung, Stressregulation und echtes Essen haben mehr Einfluss als die teuerste Supplement-Box.
Und jetzt zum praktischsten Teil dieser Folge.
Wobei man ja aber auch sagen muss und korrigiere mich da gerne, wenn ich falsch leg, aber meines Wissens nach wird B12 auch den Tieren zugefüttert. Also Leute, die Fleisch essen erhalten das ja auch nur, weil es den Tieren zugefüttert wird.
Daniela: Ja, aber natürliches Rindfleisch zum Beispiel hat auch einen hohen Vitamin B12-Anteil auch ohne Zufütterung zum Beispiel. Wir finden das natürlich immer überall mit drin. Wir haben die B Vitamine ja auch zum Beispiel in Melone in bestimmten Obstsorten drin, aber sie reichen dann oftmals nicht aus. Ich will einfach nur sagen, es gibt Situationen im Leben, auch Schwangerschaft, Folsäure. Dafür haben wir ja mittlerweile wirklich auch Daten, dass es sozusagen sinnvoll ist zu supplementieren. Auch wenn ich einen Eisenmangel habe, wenn ich schuppige Haut habe, wenn ich mich schlapp fühle, wenn ich Haarausfall habe, dann sind das alles Indikationen, Symptome, wo man wirklich auch mal auf Nährstoffmangelsuche geht. Aber so einfach ist es mit dem Labor ja auch nicht, weil wir erfassen zwangsläufig oftmals ja nicht die Speiche und es ist natürlich auch so, dass diese Laborparameter sehr schwanken können. Und das ist aber auch der Grund, warum es natürlich der Supplement-Industrie sehr, sehr einfach gemacht wird, weil es eben auch die schnelle Lösung verspricht. Aber man muss eben ganz klar sagen, wir wissen gar nicht, wie, die Supplements wirken, es sei denn, man entscheidet sich wirklich für zertifizierte Präparate. Es gibt auch Mineralien und Nährstoffe wirklich als Medikamenten als Medikament, wie zum Beispiel Vitamin D. Das kann man heute auch zink gibt es als Medikament, auch Magnesium gibt es als Medikament, Eisen gibt es als Medikament. Also wenn man wirklich Angst hat unter einem Mineralstoff Defizit zu leiden, dann beschäftigt man sich ja schon mit seiner Gesundheit. Das ist ja schon eine sehr differenzierte Frage und ich finde dann lohnt sich der First Blick auf die Ernährung.
Katrin: Wie beug ich denn am besten so Heißhungerattacken oder so was vor? Wir haben jetzt vorhin gesagt, na ja, wenn man schon immer was ... Also, nicht nur Heißhunger, sondern auch dieses, ich komm abends irgendwie in den Stress. Das vorhin mal gesagt, es macht Sinn, wenn man immer so einen Grundstock an gesunden Lebensmitteln daheim hat. Dass man quasi nicht immer erst mal einkaufen gehen muss und aus so ein paar Sachen sich möglichst gut und unkompliziert was zusammenwürfeln kann. Ein Essensplan oder Meal, dass man sich schon Gedanken macht, die Woche, was möchte ich essen, dass man abends nicht in den Stress kommt, könnte auch helfen.
Daniela: Sowieso, aber Heißhungerattacken werden ja auch auf Social Media und überhaupt sehr, sehr unterschiedlich bewertet. Weil Heißhungerattacken sind ja auch immer ein sehr gutes Thema, Produkte zu verkaufen. ja, also Heißhungerattacken, entweder ist es eine Charakterschwäche, Willenlosigkeit oder es sind die Wechseljahre. Heißhungerattacken sind physiologisch erstmal ein Signal des Körpers für Energieknappheit. Heißhunger, Stress, Zucker. Heißt, in meiner Energiebilanz stimmt etwas nicht. Oder ich habe nur hormonelle Dysbalance in meinem Körper. Zum Beispiel immer erhöhte Kortisolwerte im Blut, sodass automatisch immer Heißhunger generiert wird. Woher die im Einzelnen kommen, muss man als guter Therapeut wie ein Trüffelschwein wieder rausbekommen. Aber ich möchte mal, ich bin ja nun wirklich Ärztin, die jeden Tag in der Praxis arbeitet und jeden Tag mit betroffenen Menschen. Und ich kann nur sagen, weit über 90 Prozent meiner Patienten kommen zum ersten Termin und essen entweder kein Frühstück, weil sie Intervallfasten machen und da man ja abends die Hauptmahlzeit hat, ist man morgens satt und kann ja noch am besten auf Nahrung verzichten. Dann morgens schon ganz viel Stress, nur einen Kaffee und raus aus dem Haus und das heißt, ich erwarte von meinem Körper, dass er in der Phase des Tages, wo er die meiste Energie benötigt, nicht nur physiologisch, sondern auch, weil wir mit unserem Tageswerk beginnen, verlange ich von meinem Körper, dass er sich das aus der Substanz holt. Und irgendwann zeigt einem das Gehirn auch mal den Mittelfinger und sagt, mach ich nicht und reagiert mit Heißhunger. Und meine Patienten zum Beispiel fangen an, dass sie richtig frühstücken. In der Regel essen sie viel mehr als jemals zuvor. Die zweite Hausaufgabe ist, dass sie es schaffen, bis 14 Uhr richtig Mittag zu essen. Weil weder vom Frühstück noch vom Mittag kann man dick werden. Weil nämlich in der Zeit der Körper noch so im Leistungsschub ist, dass er Nahrungsenergie wirklich auch sinnvoll verwerten kann. Und dann kommen über 90 % meiner Patienten nach vier Wochen wieder und sagen, sie können es nicht fassen, der Heißhunger ist weg. Denn ich schreibe nämlich meinen Patienten immer jeden zweiten Tag bis 16 Uhr süß auf. Entweder Kuchen, Eis oder Schokolade. Und du kannst dir nicht vorstellen, wie viele meiner Patienten sagen, das habe ich gar nicht gemacht, weil ich es nicht mehr brauchte. Das heißt, wenn ich unregelmäßig esse und dann Heißhunger habe, würde ich als allererstes an meine Mahlzeitenstruktur rangehen und nicht in Heißhungerattacken eine Zuckersucht unterstellen, eine Hormonentgleisung unterstellen oder ich bin einfach schlecht und willenslos und charakterschwach unterstellen.
Katrin: Sehr gut. Das ist ein wunderschöner Abschluss. Daniela, vielen lieben Dank. Wenn du noch irgendwas unseren Zuhörerinnen zu sagen hast, gerne. Ansonsten freue ich mich, dass du da warst.
Daniela: Ja, also ein ganz großer Ratschlag ist und das ist auch immer der Inhalt meiner Bücher, dass man seinen Stoffwechsel selber kennenlernt, dass man seinen eigenen Stoffwechsel versteht. Das ist heute möglich. Das kann man, wenn es einen wirklich interessiert. Und dass man dann erst eine Entscheidung dafür trifft, welcher Weg für einen selber der Richtige ist und sich nicht ständig verunsichern lässt mit neuen Trends oder von der Nachbarin, die mit irgendwas ganz besonders gut abgenommen hat und dann muss es auch bei mir funktionieren. Und immer erst das Verständnis und sozusagen das Wissen aneignen und dann plausibel drüber nachdenken. Das gebe ich in der heutigen Zeit, wo wir permanent aus allen Ecken beschossen werden mit Neuigkeiten. Das gebe ich einfach jedem zu bedenken und in die Hand, weil die Zeiten werden rauer. Auch was Gesundheit betrifft, auch was den Gesundheitsmarkt betrifft, auch was unsere Gesundheitsversorgung betrifft, werden wir als Endverbraucher viel mehr Verantwortung übernehmen müssen. Und je besser ich mich selber weiterbilde, desto mehr tue ich für meine eigene Gesundheit.
Katrin: Daniela hat heute etwas gesagt, das ich nicht so schnell vergessen werde: Dein Körper ist kein Taschenrechner. Er ist ein hochkomplexes, individuelles System – und er verdient es, verstanden zu werden, nicht kontrolliert.
Was ich mitnehme: Es geht nicht darum, perfekt zu essen. Es geht darum, regelmäßig zu essen. Echt zu essen. Und aufzuhören, sich von jedem neuen Trend verunsichern zu lassen.
Wenn du irgendwo anfangen willst: Frühstück. Jeden Tag. Richtig. Und dann schau, was passiert. Daniela würde sagen: Lass deinen Körper erst wieder ankommen – bevor du anfängst, ihn zu optimieren.
Mehr von Daniela findest du unter daniela-kielkowski.de – und ihre Bücher dort, wo es gute Bücher gibt. Danke fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge.
*Dieses Transkript kann leicht von der Podcast Folge abweichen.