In dieser Podcast-Folge sprechen wir darüber, wie schnell aus einem Brief im Postkasten ein echter Rechtsstreit werden kann – und wie du dann einen kühlen Kopf behältst, ob du wirklich eine Anwältin oder einen Anwalt brauchst und welche Möglichkeiten du hast, auch ohne großes Budget zu deinem Recht zu kommen.
Christian: Dafür braucht ihr keine Anwälte. Spart euch das Geld. Am Ende freuen sich nur die Anwälte. Ihr streitet euch bis aufs Messer miteinander. Und eigentlich müsst ihr euch nur mal zusammensetzen. Das kommt wirklich häufig vor, dass ich das Gefühl habe, eigentlich ist das nichts für einen Anwalt. Bei vielen ist es aber eben auch so. dass es Rechtsschutzversicherungen gibt im Hintergrund und dann ist den Leuten vielleicht auch manchmal langweilig oder sie wollen eben auch ihr Recht einfach durchsetzen, was man ja auch verstehen kann. Und dann nur so nach dem Motto, ich habe ja eine Rechtsschutzversicherung, jetzt lass uns auch mal bisschen streiten.
Katrin: Du kommst nach Hause. Im Briefkasten liegt ein Brief – Absender: dein Arbeitgeber. Oder dein Vermieter. Oder eine Nummer, die du gar nicht kennst.
Du machst ihn auf – und auf einmal ist dein ganz normaler Tag ein Stressfall. Eine Kündigung. Eine Forderung. Eine Frist, von der du noch nie gehört hast. Und niemand hat dich darauf vorbereitet.
Plötzlich geht alles ganz schnell. Ignorieren oder reagieren? Selbst regeln oder sofort zum Anwalt? Und was kostet mich das eigentlich – an Geld, an Zeit, an Nerven?
Genau darüber reden wir heute. Darüber, wie aus einem kleinen Ärger ein echter Rechtsstreit wird – und wie du den Kopf behältst, wenn es so weit ist.
Zu Gast ist Christian Klages. Christian ist Rechtsanwalt für Miet-, Wohnungseigentums- und Arbeitsrecht – und auf Social Media als „So geht Recht" bekannt, wo er hunderttausenden Menschen erklärt, welche Rechte sie wirklich haben. Verständlich, alltagsnah und ohne Paragrafen-Kauderwelsch.
Wie du dich verhältst, wenn der Alltag plötzlich zum Rechtsfall wird – und wann du wirklich einen Anwalt brauchst.
Katrin: Wie kam es, dass du dich dann auf Mietrecht und Arbeitsrecht und Wohneigentum spezialisiert hast? Ich glaube, die meisten, die so Anwalt hören, die sehen so Strafverteidiger vor sich wahrscheinlich.
Christian: Ja, das ist natürlich auch das, so am meisten catchy ist. Das ist ja auch am spannendsten. Ich finde dasselbe auch spannend, das Strafrecht. Deswegen mache ich ja auch hier meinen eigenen Podcast, wo wir uns ja auch mit True Crime und so beschäftigen. Aber ich bin ins Arbeitsrecht gerutscht, weil ich während des Referendariats einen Fachanwaltslehrgang gemacht habe. Bei uns Juristen und Anwälten ist das ja so ein bisschen so wie bei den Ärzten. Da gibt es die Fachärzte für weiß nicht, Radiologie, Chirurgen, Orthopäden und sonst irgendwie sowas. Und da gibt es bei uns die Fachanwaltschaften. Und ich hatte einen Fachanwalt für Arbeitsrecht gemacht. Und bin dann auch von Anfang an im Arbeitsrecht tätig gewesen. Und der zweite Fachanwaltstitel, den ich da gemacht habe, das Miet- und Wohnungseigentumsrecht, das hat sich einfach so ergeben, weil ich gemerkt habe, dass da Bedarf ist während meiner Tätigkeit. Und dann habe ich den zweiten Fachanwaltstitel noch nachgeholt, nicht nachgeholt, sondern auch noch gemacht.
Katrin: Wie kann man sich die Leute so vorstellen, die zu dir kommen? Sind das dann die großen Firmen oder ist es eher so ein David gegen Goliath Prinzip? Jemand, der sich das vielleicht nicht bieten lassen möchte, irgendeine Ungerechtigkeit und dann Hilfe braucht.
Christian: Ja, also wir vertreten beide Seiten. Also wir vertreten Firmen, aber auch Arbeitnehmer und genauso vertreten wir Vermieter und Mieter. Die ganz großen Firmen, also irgendwelche DAX-Konzerne oder so, die haben wir nicht. Die sind dann bei irgendwelchen Großkanzleien. Aber so mittelständische Unternehmen haben wir einige und auch einige gewerbliche Vermieter. Aber eben auch private, Privatmandanten, Arbeitnehmer. Mieter. Und dann ist das tatsächlich manchmal so ein bisschen David gegen Goliath und das macht natürlich auch Spaß, wenn man Goliath ein bisschen ärgern kann. Allerdings ist man ja manchmal dann auch auf der anderen Seite und ist dann Goliath und wird von den anderen Davids geärgert. Ja, genau. es ist ganz gut, dass man auch beide Seiten kennt, denn weiß man genau, wie so die andere Seite tickt. Und das ist psychologisch manchmal gar nicht so verkehrt, wenn es Verhandlungen so geht.
Katrin: Da gab es bestimmt auch mal so ganz absurde Streitfälle, wo du dir dachtest, setzt euch mal zusammen, das könnt ihr bei dem Kaffee klären.
Christian: Das kommt ganz häufig vor. Mittlerweile sage ich das den Leuten auch. dafür braucht ihr keine Anwälte. Spart euch das Geld. am Ende freuen sich nur die Anwälte. Ihr streitet euch bis aufs Messer miteinander. Und eigentlich müsst ihr euch nur mal zusammensetzen. Das kommt wirklich häufig vor, dass ich das Gefühl habe, eigentlich ist das nichts für einen Anwalt. Bei vielen ist es aber eben auch so. dass es Rechtsschutzversicherungen gibt im Hintergrund und dann ist den Leuten vielleicht auch manchmal langweilig oder sie wollen eben auch ihr Recht einfach durchsetzen, was man ja auch verstehen kann. Und dann nur so nach dem Motto, ich habe ja eine Rechtsschutzversicherung, jetzt lass uns auch mal bisschen streiten.
Katrin: Gibt's da einen Fall, dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Christian: Ja, also ich bin generell kein großer Meister, was das Gedächtnis angeht, aber so einige Sachen sind mir doch in Erinnerung geblieben. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Fall, da haben wir einen Vermieter vertreten, allerdings keinen gewerblichen Großvermieter, sondern auch einen privaten Vermieter, ein Haus sich gekauft hatte und das vermietet hatte. Und Irgendwann kam der Vermieter zu mir und sagte, der Mieter zahlt keine Miete mehr. Irgendwas stimmt da nicht. Er wohnte auch an einem anderen Ort. Dieses Haus war im Osten und er wohnte irgendwo im Ruhrgebiet oder so. Ich weiß es nicht mehr genau, jedenfalls örtlich weit entfernt. Und dann haben wir ganz normal losgelegt, haben die Miete aufgefordert. Hier zahl mal bitte deine Miete. Keine Reaktion und auch keine Miete. Sodass dann der nächste Schritt ist, da muss man die Miete einklagen und dann muss man eben kündigen und auch eine Räumungsklage machen. Und als wir das dann alles durchgezogen hatten, was ja auch Monate dauert, bis man das dann vor Gericht durchgesetzt hat, stellte sich heraus, dass dieser Mieter gar nicht in dem Haus gewohnt hat, sondern das ganze Haus von oben bis unten voller Cannabisplantagen war. Also das war richtig professionell angelegt. Der ganze teure Parkettboden war mit Folien ausgelegt. Darauf standen die Pflanzen. Die ganzen Decken waren mit so leuchtend beleuchtet. Die Fensterscheiben waren mit schwarzer Folie zugeklebt. Und es war eine riesige Plantage, auch offenbar eine gewerbliche Cannabis-Plantage. Da hat jemand richtig Geld verdient mit. Der Schaden war riesig. Der ganze Parkettboden war kaputt. Dieses ganze Haus musste kernsaniert werden. Das ist mir in Erinnerung geblieben, weil mir auch der Vermieter wirklich leidgetan hat. Das war kein besonders reicher Mensch. Der hatte einfach diese Immobilie, sich bei der Bank dafür Geld geliehen und das verkauft. Und dann fehlte nicht nur monatelang die Miete, sondern es war eben auch noch dieser Riesenschaden da. Das ist mir schon in Erinnerung geblieben.
Katrin: Hat er da irgendwas zurückbekommen?
Christian: Nein, diese Leute sind dann über alle Berge. Da hat man zwar einen wunderbaren Titel, da steht dann drauf, der schuldet mir, weiß ich nicht, 120.000 Euro. Aber diesen Titel, den kann man sich einrahmen und irgendwo an die Wand hängen. Wir haben es natürlich probiert, das auch zu vollstrecken. Aber diese Leute sind einfach auch nicht mehr auffindbar. Ich weiß nicht, sie sind irgendwo im Ausland oder sonst wo runtergetaucht. Da war nichts mehr zu holen.
Katrin: Gott, Arme. Das ist ziemlich furchtbar. Da kriegt man schon Recht, was ja auch nicht selbstverständlich ist. Nein, du wirst mir wahrscheinlich Recht geben. Nicht jeder, der Recht hat, auch Recht automatisch.
Christian: Ja, man kennt das ja auch. Vor Gericht oder auf hoher See ist man in Gottes Hand, sagt man so. Ich mag diesen Spruch eigentlich gar nicht so gerne, weil ich finde, dass man sich auf unser Rechtssystem eigentlich ganz gut verlassen kann. Hier hat ja auch nicht unser Rechtssystem versagt, hier war eher das Problem, dass man es nicht voll schrecken konnte. Aber sein Recht hat dieser Vermieter ja bekommen. Es konnte eben nur nicht durchgesetzt werden. Das ist aber nicht etwas, wo die Justiz etwas für kann.
Katrin: Ich verstehe. Du machst ja jetzt auch ganz viel Content auf TikTok und auf Instagram mit „So geht Recht“. Wie bist du dazu gekommen, mit deinem Arbeitsinhaltshör an die Öffentlichkeit zu gehen und Aufklärungsarbeit zu leisten?
Christian: Ja, auch das war wie so vieles bei mir ein bisschen zufällig und auch gar nicht beabsichtigt. Ich bin da auch so, ich sage mal, versehentlich reingerutscht. Wir haben damals in der Kanzlei überlegt, ja, was können wir denn machen, uns am Markt zu präsentieren. Wie können wir Mandanten für uns gewinnen? Und dann haben wir angefangen mit YouTube-Videos damals und das waren ganz schlechte Videos irgendwo. In der hintersten Ecke saß so kleiner Anwalt mit Schlips und Krawatte und hat irgendwas ganz Langweiliges über Miet- und Wohnungseigentumsrecht erzählt. wenn ich mir diese Videos heute anschaue, das ist wirklich peinlich. Aber wir haben gemerkt, dass selbst bei diesen Videos Leute den Weg zu uns in die Kanzlei finden. Und deswegen haben wir das weiter gemacht und irgendwann sagte eine Nachbarstochter zu mir, als wir so über das Thema gesprochen haben, ja, hier YouTube, das ist doch was für alte Menschen, ihr müsst TikTok machen. Und ich kannte TikTok aber nur von, eigentlich kannte ich es gar nicht, ich hatte das selber noch nie gesehen und das, ich so gehört hatte, war das, was man so als Vorurteil über TikTok hat und da sind irgendwelche tanzenden Teenager oder so. Na ja gut, okay, sie sagte, das müsst ihr machen. Wir junge Leute, wir informieren uns sogar darüber. Und ich hatte damals weder Instagram noch TikTok. Ich hatte irgendwo noch einen alten Facebook-Account. Ich bin ja schon ein etwas älteres Semester. Selbst Facebook, damit bin ich nicht aufgewachsen. Das kam erst, als wir auch schon, weiß ich nicht, Mitte 20 waren oder so. Na ja, jedenfalls sagte sie, ihr müsst mit TikTok anfangen.
Und dann habe ich mich mal versucht, ich weiß noch genau, wie ich mich da unten an den Reihen gestellt habe und da irgendwie so TikTok-Videos gemacht habe. Auch die ganz schlecht und hat sich auch keine Sau für interessiert. Der Aufwand für mich war riesig und keine Sau hat das geguckt. Und dann habe ich also zu ihr gesagt, danke für den Tipp, aber das funktioniert ja gar nicht. Das guckt sich ja niemand an. Ich habe hier einen Riesenaufwand. Das lasse ich jetzt mal schön bleiben wieder. Sie sagte, nein, dann musst du dranbleiben. Irgendwann funktioniert das. Gut, dann habe ich mir noch mal einen Ruck gegeben, habe noch mal ein paar Videos gemacht. Dann kam mir auch die Corona-Zeit zu Hilfe. Denn damals gab es ganz viel Rechtsunsicherheit bei allen darüber. Was darf man denn jetzt eigentlich und was darf man nicht? Es gab irgendwelche Ausgangssperren. und irgendwelche Kontrollen und so was. Und dann habe ich dazu ein, zwei Videos gemacht. Und die sind plötzlich durch die Also man kann wirklich sagen, durch die Decke gegangen. Also es war teilweise so, dass ich abends ein Video hochgeladen habe. So nach dem Motto, hier Polizeikontrolle, Ausgangssperre. Ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber irgendwie so ein Thema war das. Und dann habe ich es abends eingestellt und am nächsten Morgen reingeguckt und ich hatte plötzlich 200.000 Follower mehr auf TikTok. Also wegen eines Videos, das war wirklich verrückt. Ja und dann fängt man natürlich Feuer, dann denkt man so, ach cool, es funktioniert ja. Und dann habe ich das eben weitergemacht und so bin ich dann auch dabeigeblieben und irgendwann haben wir in der Kanzlei überlegt, ja gut, es gibt ja aber nicht nur TikTok, es gibt ja auch Instagram und dann haben wir gesagt, ja gut, ich mache TikTok, dann müsst Ihr Kollegen, Ihr müsst dann jetzt Instagram machen. Dann haben die Kollegen damit angefangen, das hat nicht ganz so funktioniert und dann haben wir uns irgendwie bisschen anders organisiert und haben wir gesagt, dann mache ich jetzt auch noch Instagram und dann hat das auch irgendwann ganz gut funktioniert und so ist man dann auch bei der Plattform geblieben und mittlerweile spiele ich alle drei Plattformen, also YouTube Shorts, Instagram und auch TikTok. Und so bin ich dazu gekommen und jetzt hänge ich irgendwie drin in dem Game.
Katrin: Kurzer Stopp – drei Dinge, die du dir aus dem ersten Teil schon mal mitnehmen kannst:
Lifehack 1: Ein Urteil ist noch kein Geld. Selbst wenn du vor Gericht recht bekommst, heißt das nicht automatisch, dass die Gegenseite zahlt – oder zahlen kann. Recht haben und Recht durchsetzen sind zwei verschiedene Dinge.
Lifehack 2: Lass wichtige Post nie liegen. Offizielle Briefe und Fristen lösen sich nicht in Luft auf, wenn du sie ignorierst. Ungeöffnet in der Schublade wird daraus nur ein teureres Problem.
Lifehack 3: Versuch, die andere Seite zu verstehen. Bevor du in den Streit gehst – frag dich, was dein Gegenüber eigentlich will. Oft steckt ein Missverständnis dahinter, kein böser Wille.
So, und jetzt zurück zu Christian – jetzt wird's praktisch: Was tust du eigentlich, wenn es dich selbst erwischt?
Es würde wahrscheinlich auch immer wieder passieren, dass Leute in die DMS sliden mit irgendwelchen privaten Geschichtchen, die sie gerade haben. Gibt's du dann so rechtlichen Rat zwischen Tür und Angel und so aus der Hüfte geschossen oder geht es dann ganz formal mit, ne, mach bitte einen Termin, dann können wir drüber sprechen?
Christian: Eigentlich weder noch. Tatsächlich kommen viele persönliche Nachrichten und Anfragen an mich über alle verschiedenen Plattformen. Ich kann das aber gar nicht handeln. Ich kann selbst dieses Management, bitte wende dich an die Kanzlei oder so, selbst das wäre ein Aufwand. Wahrscheinlich gibt es mittlerweile irgendwelche KI's oder so, die das machen. Aber das kann ich gar nicht Hand haben. Also wenn ich alle Nachrichten beantworten würde, dann würde ich eine Vielzahl meiner Tageszeit dafür hergeben und die Zeit habe ich überhaupt nicht. Deswegen bleiben leider viele Anfragen auch unbeantwortet. Ich kann es aber leider nicht ändern. Ich glaube, die Leute, die wirklich sagen, wir brauchen aber jetzt Hilfe dringend, die finden dann auch den Weg über meine Homepage oder über meinem Sekretariat in der Kanzlei, also den herkömmlichen Weg. Deswegen ist es leider so, dass viele Anfragen auch unbeantwortet bleiben. Und ich kann es auch, selbst wenn ich wollte, kann man über so eine kurze Insta-Nachricht keine seriösen Rechtsauskünfte geben. Das macht keinen Sinn, finde ich auch unseriös.
Katrin: Wenn ich jetzt in einen Rechtsstreit komme, sagen wir, mein Arbeitgeber hat mir mein Lohn einfach nicht gezahlt. Oder die Kündigung steht plötzlich im Haus. Was ist denn dann mein erster Schritt? Würdest du sagen?
Christian: Also der erste Schritt ist aus meiner Sicht immer, nicht direkt zum Anwalt zu laufen, sondern durchaus auch mal das Gespräch suchen mit der Arbeitgeberseite. Was ist denn da los? Manchmal steckt ja auch irgendwie nur ein Versehen dahinter. Häufig wickeln die Steuerberater oder so diese Lohnabrechnungen irgendwie ab. Manchmal ist da einfach nur irgendwas schiefgelaufen, dann hätte es sowieso schnell geklärt. Auch bei anderen Rechtsstreitigkeiten lohnt es sich immer erst, Gespräch zu suchen. Wenn eine Kündigung bereits ausgesprochen ist, dann würde ich sagen, immer direkt zu einem Anwalt gehen, weil dann Fristen anfangen zu laufen. Es gibt die sogenannte Wirksamkeitsfiktion. Das heißt, wenn man eine Kündigung innerhalb von drei Wochen nicht mit einer Kündigung Schutzklage angreift, dann ist die Kündigung wirksam, selbst wenn überhaupt keine Kündigungsgründe da gewesen sind. Sie gilt dann einfach als wirksam. Deswegen sollte man da immer schnell auch den Weg zum Anwalt suchen.
Katrin: Es ist aber jetzt auch gar nicht so einfach, einen Anwalt zu finden oder eine Anwältin. Ich hatte eine persönliche Erfahrung. Da ging es einen Streitwert, der wahrscheinlich in Anwaltskreisen gering ist, in Studierendenkreisen aber relativ hoch. So mittleren, vierstelligen Betrag. Denn ich musste Gott und die Welt durchtelefonieren und dann hieß es immer, ich kann Sie schon vertreten, aber in meinem Honorar ist allein der Streitwert ja schon nach einem Tag aufgebraucht. Wo ich irgendwann am Verzweifeln war, und mir dachte, krass, dann hat man gar keine Möglichkeit. Es gibt ja dann, glaub ich, auch diese Vergütungsweise, dass sich diese gesetzliche, wo sich's nach dem Streitwert richtet. Aber so bin ich auch letzten Endes zu einem Anwalt gekommen. Aber er dachte mir auch so, das ist nicht fair irgendwie. Was sagst du dazu?
Christian: Ja, das verstehe ich total. Kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist auch so, dass es dann schwierig ist, Anwälte zu finden. Es gibt ja noch die Möglichkeit, wenn man über den Luxus einer Rechtsschutzversicherung verfügt, dass man sich über die Rechtsschutzversicherung dann auch Anwälte empfehlen lässt, die dann so Kooperationsvereinbarungen mit den Rechtsschutzversicherern haben. Das haben eigentlich alle. großen Versicherer. dann kommt man über diesen Weg sicher gut an Anwälte. Und ansonsten, wenn das etwas ist, wo die Honorarvereinbarungen einfach dann das, was da zu erziehen ist oder worum es überhaupt geht, übersteigen, dann könnte es sich vielleicht empfehlen, junge Kolleginnen und Kollegen rauszusuchen, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, die dann nicht so hohe Honorarforderungen haben, aber trotzdem noch hungrig sind und Lust haben, diesen Rechtsschreit zu führen. Das wäre vielleicht noch eine Empfehlung, dass man dann gezielt nach jungen Kolleginnen und Kollegen schaut.
Katrin: Ich habe dann auch was rausgefunden, ist jetzt speziell fürs Arbeitsrecht. Wenn man Verdi-Mitglied ist, und der Beitrag ist überschaubar, hat man automatisch eine Arbeitsrechtsschutzversicherung über die Verdi. Und es ist gar nicht so verkehrt, so eine ganze Gewerkschaft im Rücken zu haben. Natürlich haben die auch ihre drei Monate Wartezeit, aber sobald du Mitglied bist, du sofort Anspruch auf eine Rechtsberatung zumindest. Das kann für viele im ersten Schritt sehr wertvoll sein.
Christian: Ja, voll gut. Etwas Vergleichbares gibt es auch über die Mietervereine. Da sind häufig auch Kolleginnen und Kollegen, die dort tätig sind und die dann die Beratungen machen. Und das ist auch häufig dann vom Mitgliedsbeitrag umfasst. Das macht auch Sinn.
Katrin: Was würdest du sagen, wie viele Leute, die sich an dich wenden, haben denn eine Rechtsschutzversicherung?
Christian: Das sind schon recht viele. Es ist ja keine Pflichtversicherung, so wie eine Krankenversicherung oder so. Aber es sind schon recht viele, die eine Rechtsschutzversicherung haben. Ich selber habe übrigens auch eine, weil das absolut Sinn macht, auch wenn ich mich streite. Was ja auch zwangsläufig mal vorkommt, wenn man irgendwie am Geschäftsleben teilnimmt oder ein gewisses Alter erreicht hat. Irgendwann muss man sich auch mal streiten, auch als Anwalt. Dann kann ich zwar das, wenn es mein Fachgebiet betrifft, selber machen. Aber trotzdem habe ich ja das Risiko der Kosten der Gegenseite genauso, wie jeder Mandant das hat. Und ich habe auch das Risiko von Gerichtskosten und irgendwelchen Sachverständigenkosten oder so. Deswegen habe ich selber auch eine Rechtsschutzversicherung. Und ich würde das auch immer empfehlen, eine abzuschließen. Denn selbst wenn man, ich sage mal, zehn Jahre lang keinen Rechtsstreit hat und immer die Kosten, die ja auch jetzt nicht wahnsinnig hoch sind, für Rechtsschutzversicherungen zahlen muss, dann lohnt es sich spätestens, wenn man dann doch irgendwann einen Rechtsstreit hat, eine zu haben. Jetzt komme ich mal zurück, bin etwas ausgeschweift. Wenn du fragst, wie viele denn über eine Rechtsschutzversicherung verfügen, dann kann ich das so ganz genau auch gar nicht sagen. Vielleicht ist es so etwas mehr als die Hälfte, irgendwie 60 Prozent oder so, würde ich sagen, haben dann schon eine. Also von den Privatleuten.
Katrin: Also im Arbeitsrecht ist es ja dann noch relativ überschaubar, weil anders als im Strafrecht, korrigier mich, anders als im Strafrecht musst du ja nicht die Gerichtskosten der anderen noch mitzahlen. Du hast ja quasi, also du hast ja nicht nur deine eigenen und Kosten für das Gericht, aber nicht quasi die Anwälte der anderen Seite.
Christian: Ja. Allerdings auch nur in der ersten Instanz. Wenn es weitergeht, dann gibt es diese ganz normale Kostentragungspflicht auch. Und man hat ja die eigenen Kosten auch an der Backe. Also egal, wie es ausgeht, der eigene Anwalt muss im Arbeitsrecht dann auch gezahlt werden. Selbst wenn man gewinnt. Das ist bisschen Fluch und Segen zugleich.
Katrin: Das geht ja auch ganz, ganz schnell in die 5.000, 10.000er-Beträge, worüber wir reden. Ich glaube, es ist viel nicht so bewusst, wie schnell sich das leppern kann.
Christian: Ja, es kommt ein bisschen darauf an, worüber man sich streitet. Aber wenn zum Beispiel Sachverständige ins Spiel kommen, dann kosten alleine diese Gutachten schnell 2.000, 3.000 Euro.
Katrin: Viele Leute verbinden jetzt Anwälte eher so mit ganz viel Distanz- und Paragrafenreiterei. Und wie wichtig ist es dir jetzt da ganz bewusst so anders aufzutreten, bisschen nahbarer und…
Christian: Ja, ich bin so einfach nicht. Ich bin kein klassischer Anwalt, der sich morgens in seinen Anzug mit Krawatte schmeißt. Also das klassische Bild, was man da vielleicht vor Augen hat. Ich müsste mich also sehr verstellen, um so zu sein. Und das finde ich anstrengend und das will ich auch nicht. Ich musste das anfangs machen oder habe zumindest gedacht, ich müsste es machen, weil alle so irgendwie machen oder viele. Und habe aber dann im Laufe des Berufslebens gemerkt, dass das eigentlich gar nicht so wirklich eine Rolle spielt und mich auch nicht ausmacht und ich mich verstellen müsste. Und gerade auf Social Media ist das ja auch gar nicht gefragt. Also da geht es Authentizität, ein schwieriges Wort, um Nähe, Sympathie. Die Leute sind ja nicht doof. Die merken es, wenn sich jemand verstellt. Und die merken es auch, wenn es einfach nicht authentisch ist.
Katrin: Gibt es denn auch Möglichkeiten, wenn jemand sich jetzt partout keine anwaltliche Hilfe leisten kann? Steigt da der Staat irgendwie mit ein? Unterstützt der irgendwie?
Christian: Es gibt die sogenannte Beratungshilfe und es gibt die Prozesskostenhilfe. Die Beratungshilfe kann man in Anspruch nehmen. Da kann man einfach bei sich vor Ort zum Amtsgericht gehen. Da gibt es solche Stellen für die Beratungshilfe. Da kann man das beantragen. Da kann man sagen, ich habe den und den Streit. Ich brauche eine Beratung von einem Anwalt. Und dann kriegt man so einen Beratungshilfeschein ausgestellt. Und damit kann man dann zum Anwalt gehen. Und dann werden die Kosten zwar sehr gering, aber zumindest vom Staat übernommen. Man selber hat dann, glaube ich, eine Zuzahlung von 15 Euro, aber mehr eben auch nicht. Und dann gibt es noch die Prozesskostenhilfe, die beantragt man direkt mit der Klageeinreichung zusammen oder zumindest vorher mit einem Entwurf der Klage, damit das Gericht die Erfolgsaussichten prüfen kann. Und wenn Erfolgsaussichten da sind, dann wird und gleichzeitig eine finanzielle Bedürftigkeit da ist, die auch geprüft wird. Man muss also Unterlagen einreichen über die Vermögensverhältnisse. Dann wird Prozesskostenhilfe gewährt und dann werden die Kosten auch von der Staatskasse übernommen.
Katrin: Zeit für den zweiten Boxenstopp – diesmal geht's ums Geld und darum, wie du an Hilfe kommst:
Lifehack 1: Hilfe gibt's auch ohne dickes Konto. Wenn du dir einen Anwalt nicht leisten kannst, gibt es Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe vom Staat. Einfach beim Amtsgericht nachfragen – das fängt dich auf.
Lifehack 2: Deine Mitgliedschaft kann Rechtsschutz sein. Als Gewerkschafts- oder Mietvereins-Mitglied hast du oft automatisch eine Rechtsberatung mit dabei – und das für einen überschaubaren Beitrag.
Lifehack 3: Junge Anwältinnen und Anwälte sind hungrig. Bei kleinerem Streitwert lohnt der Blick auf Berufseinsteiger – oft engagierter, nahbarer und nicht so teuer.
Gut, weiter geht's – denn Christian ist ja nicht nur Anwalt: Da sind auch noch der Social-Media-Kanal, ein eigener Podcast, ein Hund – und hoffentlich ein Privatleben.
Wie stemmt man das alles?
Christian: Ja, das ist schon immer nicht ganz so einfach, da die Balance zu finden, die richtige Balance. Und ich treffe auch nicht immer die richtige Balance. Meistens ist es so, dass mein Privatleben dann darunter leidet. Ganz häufig ist es so, dass ich marschiere und marschiere und arbeite und arbeite. Es macht mir natürlich auch Spaß. Dann bin ich aber abends oft so platt, dass ich es manchmal noch nicht mal zum Sport schaffe. Das ist schon nicht so einfach, die richtige Balance zu finden. Motorradfahren nimmt mir jetzt keine Zeit weg, weil ich es einfach nur benutze, damit von A nach B zu kommen. Aber Social Media und eine Vollzeitkanzlei-Tätigkeit, das da muss man schon so ein Zeitmanagement haben. Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert. Mittlerweile mache ich es so, dass ich einen festen Social-Media-Tag habe in der Woche, wo ich sage, da ist nur Social Media und an den anderen vier Tagen ist eben Kanzleitätigkeit. Das klappt auch nicht immer so 100 Prozentig. Wenn wir zum Beispiel eine Podcastaufnahme haben oder so, dann fällt das auch häufig in diesen Zeitraum mit rein. Aber ich versuche das schon zu strukturieren und das ist auch wichtig, weil sonst verliert man irgendwann da den Überblick und dann wird es zu viel.
Katrin: Würdest du sagen, der Gesellschaft herrscht generell zu wenig Rechtswissen?
Christian: Ne, das würde ich so nicht sagen. gibt viele falsche Annahmen, vielleicht auch nicht richtig, viele Fehlannahmen über das Recht oder über das Also ich habe zum Beispiel, hört man ja immer wieder, Verträge kann man immer zwei Wochen widerrufen oder so. Das stimmt auch, was sofern Absatzverträge oder Haustürgeschäfte oder so angeht. Aber man kann zum Beispiel nicht einen Mietvertrag, der einfach einmal geschlossen ist, oder einen Arbeitsvertrag, sofern die also vor Ort unterschrieben wurden, kann man nicht so einfach sagen, so das ist jetzt ein Vertrag und er ist zwei Wochen widerrufbar. Also es herrscht über manche Dinge ein Irrglaube und hin und wieder gibt es ja auch, ich sehe das auf Social Media, hier hin und wieder auch mal falsche Auskünfte gegeben werden. Dann nicht von Kollegen, aber irgendwelche Leute, die sich da auch aufschwingen, irgendwelche Weisheiten rauszuhauen. Aber generell würde ich jetzt nicht sagen, dass sich alle Leute zu wenig im Recht auskennen. Es gibt ja so was wie ein rechtliches Bauchgefühl, was nicht nur wir Juristen haben. Sondern auch andere Menschen, die jetzt nicht aus diesem Bereich kommen. Man hat da so ein Bauchgefühl. Das kann doch jetzt nicht sein. Das müsste doch so und so sein. Und häufig ist das auch gar nicht so verkehrt. Man weiß dann vielleicht nicht, wie man es durchsetzt, aber man hat so ein Gefühl dafür. Und fürs Durchsetzen sind dann eben wir Anwälte da.
Katrin: Was hältst du davon, wenn man sein rechtliches Problem oder einen Vertragsentwurf oder ähnliches erstmal in eine KI haut?
Christian: Also ich finde KI kann durchaus hilfreich sein und für ein einfaches Schreiben, zum Beispiel an den Nachbarn oder so, kann man das durchaus auch verwenden. Ich glaube, da kann nicht so viel schiefgehen. Ansonsten muss man da schon noch ein bisschen vorsichtig sein. Ich erlebe das auch immer wieder. Manchmal testen wir es auch selber in der Mittagspause oder so. wir sagen, das hauen wir jetzt mal in die KI rein, mal gucken, was die dazu sagt. Und da haben wir schon alles erlebt. Manchmal erfindet die KI irgendwelche Urteile, die es gar nicht gibt. Und manchmal werden auch falsche Rechtsauskünfte erteilt. Meistens ist es richtig. Ich finde für einfache Schreiben, zum Beispiel eben an den Nachbarn oder sag mal, guck hier ist mein Arbeitszeugnis. Sag mir mal, ist das ein gutes Zeugnis oder irgendwie so. Ich glaube, dafür kann man KI durchaus schon verwenden. da kann man sich sicher hier und da auch ein paar Anwaltskosten sparen, wenn man erstmal die KI fragt. Und Was die KI ja auf jeden Fall hinkriegt, ist, ein Problembewusstsein zu schaffen und so paar Vorinformationen zu leisten, sodass man so bisschen im Bilde ist und sich dann, wenn man dann doch rechtliche Auskunft hat, nicht so bei Null startet.
Katrin: Gibt es denn jetzt irgendwas, was dir wichtig ist, dass unsere ZuhörerInnen aus der Folge mitnehmen? Hast du einen persönlichen Lifehack?
Christian: Einen persönlichen Lifehack. Dieser Lifehack könnte tatsächlich sein, wir haben es vorhin schon angesprochen, überlegt mal vorher, ob es wirklich notwendig ist, da direkt zu irgendwelchen Anwälten zu rennen oder ob es nicht Sinn macht, da vielleicht auch ein bisschen erstmal die Faust in der Tasche zu ballen und das eigene Ego ein bisschen zurückzustellen, dann erstmal das Gespräch zu suchen, denn häufig kann man über das Gespräch auch Differenzen aus dem Weg räumen, häufig stecken auch andere Dinge dahinter, die man vielleicht gar nicht so auf den ersten Blick sieht. Und dann kann man dadurch vielleicht häufig eskalierende Rechtsstreite vermeiden, indem man vorher das Gespräch sucht.
Katrin: An dem Weg zur Anwältin, zum Anwalt sollte eher das letzte Mittel sein statt das erste.
Christian: Ja, es sei denn, es geht nicht anders. Wie schon gesagt, einer Kündigung, laufen Fristen, da muss man. Aber vorher, bei anderen Streitigkeiten lohnt es sich immer, erst mal zu überlegen, ist das wirklich jetzt notwendig, dass man das vollständig eskalieren lässt. Wobei das ja auch nicht zwangsläufig so ist. Nicht unbedingt wird es zur vollständigen Eskalation, wenn man zum Anwalt läuft. Denn auch da kann man sich ja erst mal beraten lassen und überlegen, ob es nicht vielleicht Sinn macht, im Wissen der eigenen Rechte vielleicht doch noch mal das Gespräch mit der Gegenseite zu suchen, ohne dass direkt so ein böses Anwaltsschreiben kommt.
Katrin: Ja, und ich meine, gerade beim Arbeitsrecht, man darf sich ja, glaub ich, auch selbst vertreten. Da gibt's ja gar keine Anwaltpflicht. Wie klug das ist, das muss dann jeder für sich entscheiden. Aber da gibt's ja auch erst mal so einen Güte-Termin, wo sich der Richter oder die Richterin erst mal beide Seiten anhört und dann wird mal so überlegt, ob man sich nicht außergerichtlich in irgendeiner Form einigen kann. Und erst wenn dann nichts passiert, dann geht's ja wirklich dann in die Kammer. Ist das in anderen Rechtsgebieten auch so?
Christian: Also Güteversuche werden immer unternommen. Selbst wenn das kein klassischer Güte-Termin ist wie vor dem Arbeitsgericht, dann wird immer gefragt seitens der Richter, könnt ihr euch nicht irgendwie einigen oder gibt es Möglichkeiten einer Einigung? Das liegt zum einen daran, dass die Gerichte natürlich versuchen, Rechtsfrieden herzustellen, indem man sich irgendwie einigt. Dazu gehört tatsächlich, dass beide immer irgendwie bisschen die Faust in der Tasche ballen, weil sonst kann man sich nicht auf der Mitte treffen. Und auf der anderen Seite erleichtert das natürlich den Gerichten auch die Arbeit, denn so ein Vergleich, also so eine Einigung ist schnell protokolliert und ein Urteil zu schreiben ist richtig Arbeit. Deshalb sind die Gerichte schon auch daran interessiert, Vergleiche zu schließen.
Katrin: Muss man sich das vor Gericht so vorstellen wie in US-amerikanischen Filmen, dass dann da große Reden geschwungen und Plädoyers gehalten werden und ein Richter mit dem Hammer die ganze Zeit haut? Oder wie schaut so eine richtige Gerichtshandlung aus?
Christian: Also wir haben alle diese Roben an, die man so kennt, die schwarzen, sowohl das Gericht als auch die Anwälte. Ein Hammer gibt es nicht bei uns. Es gibt manchmal, aber auch nicht immer, Schöffen. Das kommt immer bisschen darauf an, worum es geht.
Katrin: Dass es quasi wirklich auf die Sache sich runterbricht und nicht auf die rhetorische Begabung der Anwältinnen und Anwältinnen.
Christian: Ja, darauf kommt es häufig nicht mehr an. Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die dann da wie so eine Art Schauspiel noch veranstalten. Das kennen wir aber. Man weiß schon, okay, die haben jetzt die Mandanten dabei und da wird jetzt noch ein bisschen rumdiskutiert. Letztlich ist das aber nicht mehr als ein bisschen Show, ein bisschen Schauspiel für die eigene Mandantschaft, damit die das Gefühl haben, sie sind da vernünftig vertreten worden. Obwohl man eigentlich hätte sagen können, ich beantrage dies und das und dann war es das. Aber das weiß man dann und das nimmt man den Kollegen dann auch nicht übel.
Katrin: Christian, gibt es noch irgendwas, was du gerne loswerden möchtest?
Christian: Nein, bleibt immer auf dem Boden der Rechtsordnung. Alles, was Recht ist, sage ich immer. Und ansonsten bleibt mir eigentlich nur, allen Leuten alles Gute zu wünschen.
Katrin: Was ich aus dem Gespräch mit Christian mitnehme: Der Gang zur Anwältin oder zum Anwalt ist meistens nicht der erste Schritt, sondern der letzte. Bevor du eskalierst, lohnt sich fast immer das Gespräch – Ego runter, einmal tief durchatmen und schauen, ob hinter dem Konflikt nicht eigentlich ein Missverständnis steckt.
Aber – und das ist die wichtige Ausnahme – wenn eine Kündigung im Briefkasten liegt, läuft die Uhr. Drei Wochen, dann gilt sie. Da heißt es: nicht verdrängen, nicht liegen lassen, sondern schnell handeln.
Und das vielleicht Beruhigendste: Du stehst nicht allein da. Es gibt Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe vom Staat, es gibt Gewerkschaften und Mietervereine, und es gibt Wege, sich abzusichern, bevor überhaupt etwas passiert. Recht haben und Recht bekommen sind zwar zwei Paar Schuhe – aber je früher du weißt, welche Möglichkeiten du hast, desto ruhiger gehst du in so eine Situation.
Also: beim nächsten unangenehmen Brief erst mal durchatmen. Dann das Gespräch suchen. Und wenn es ernst wird, weißt du jetzt, wohin.