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Lifehacks- Der Podcast mit Katrin

Gefangen auf dem Nil- Corinna über die Bootstour, die zum Alptraum wurde

In dieser Podcast-Folge geht es um Corinnas gefährliche Reiseerlebnisse und ihren Sicherheits-Baukasten mit praktischen Travel-Lifehacks.

Lifehacks mit Katrin

In dieser Podcast-Folge geht es um Corinnas gefährliche Erlebnisse auf Reisen – von einer eskalierten Segeltour auf dem Nil bis zu einer brenzligen Nacht in Chile – und um ihren persönlichen Sicherheits-Baukasten mit praktischen Travel-Lifehacks.

Corinna: Ja, wir wollten quasi eine kleine Segeltour machen auf dem Nil über eine Nacht und es gibt da eben keine Reiseagenturen im sprichwörtlichen Sinn. Man muss einfach wirklich auf die Straße gehen und so ein bisschen rumfragen, wo es das gibt, weil man kann es sonst nur online buchen. Online ist alles teuer und man weiß, das sind halt die ganzen internationalen Firmen, die da quasi sich dran bedienen und verdienen und nicht unbedingt die Locals. und ich bin Fan davon, mein Geld den Locals zu geben, um ihnen auch noch diese Wirtschaft anzukurbeln. Ja, und sind wir auf die Straße gegangen, haben einen Typen ausfindig gemacht, der eigentlich erstmal supernett war und mehrere Sprachen gesprochen hat, unter anderem auch Deutsch und Englisch und Spanisch und hat einen guten Eindruck gemacht. Leider blieb es halt nicht dabei. Die Reise endete ein bisschen anders als gedacht. Nämlich er war nachher völlig auf Drogen und völlig durchgeknallt. Und wir hingen quasi auf diesem Schiff mit ihm fest. Zu viert. Also meine Freundin, ich, er und noch der Captain. Und kamen so auf eine beschissene Situation, weil er auf einmal völlig durchgedreht und uns gedroht hat.

Katrin: Stell dir vor, du treibst auf einem Segelboot den Nil hinunter. Sonne auf dem Wasser, links und rechts nichts als Ufer und Wüste. Genau die eine Tour, auf die du dich am meisten gefreut hast.

Doch dann kippt die Stimmung an Bord. Der Mann, der euch diese Tour verkauft hat, wird erst seltsam, dann aggressiv. Und dir wird klar: Hier draußen kommt niemand vorbei, der dir helfen könnte.

Corinna hat genau das erlebt. Fünf Stunden Psychoterror auf dem Wasser, ein heimlich gegriffenes Küchenmesser hinter ihrem Rücken, ein Sprint um ihr Leben. Und trotzdem sagt sie heute: Die meisten Menschen sind gut.

Wie passt das zusammen? Darüber reden wir heute.

Corinna ist leidenschaftliche Backpackerin. Sie reist am liebsten allein oder zu zweit, spontan, mit Rucksack, gern auch mal ohne Rückflugticket, und hat dabei mehr erlebt als die meisten von uns in zehn Urlauben. Bevor wir mit ihr nach Ägypten aufbrechen, wollte ich von ihr wissen, wie sie eigentlich am liebsten unterwegs ist.

Es geht um zwei Reisen, die fast schiefgegangen wären, und um die Frage, wie du unterwegs auf dich aufpasst, ohne dir die Freiheit nehmen zu lassen.

Katrin: Wie reist du am liebsten?

Corinna: Am liebsten tatsächlich entweder alleine oder halt mit einer Freundin oder so oder einer Person, wo ich halt weiß das Reisen funktioniert gemeinsam. Und dann am besten spontan. Also, Hinflug ja, die erste Nacht noch okay und ab da am liebsten schon gar nichts mehr. Also am liebsten also am allerbesten ist es ohne Rückflugdatum, weil sobald ein Rückflugdatum steht, man schon irgendwo innerlich gestresst und wenn es Monate voraus ist, aber wenn das Datum steht, ist das schon so, oh Gott, ich muss irgendwie in der Zeit das Land zum Beispiel schaffen. Also ich suche mal immer so ein Land aus und das möchte ich dann auch am Stück quasi bereisen, weswegen ich eigentlich immer so mindestens 1 bis 2 Monate am Stück reisen gehe, dass ich es halt auch schaffe. Und genau, weil halt mit einem Rückreisedatum ist immer so Ich muss es halt einmal rumgeschafft haben.

Katrin: Du bist nach Ägypten gereist und hast da einiges erlebt. Magst du uns davon erzählen?

Corinna: Also die Kurzfassung. Ich bin mit meiner Freundin backpacken gewesen und war der Meinung, ich kann auch Ägypten bereisen mit dem Rucksack, sprich ohne in Ressorts zu bleiben und einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch, was man halt normalerweise nicht so in Ägypten macht. Genau, natürlich vor allem als Frau, kommt ja mal den meisten Ländern dazu. Und so kam es, dass wir eine , wir wollten quasi eine kleine Segeltour machen auf dem Nil über eine Nacht und es gibt da eben keine Reiseagenturen im sprichwörtlichen Sinn. Man muss einfach wirklich auf die Straße gehen und so ein bisschen rumfragen, wo es das gibt, weil man kann es sonst nur online buchen. Online ist alles teuer und man weiß, das sind halt die ganzen internationalen Firmen, die da quasi sich dran bedienen und verdienen und nicht unbedingt die Locals. Und ich bin Fan davon, mein Geld den Lockets zu geben, ihr auch noch diese Wirtschaft anzukurbeln. Ja, und sind wir auf die Straße gegangen, haben einen Typen ausfindig gemacht, der eigentlich erstmal supernett war und mehrere Sprachen gesprochen hat, unter anderem auch Deutsch und Englisch und Spanisch und hat einen guten Eindruck gemacht. Leider blieb es halt nicht dabei. Die Reise endete ein bisschen anders als gedacht. Nämlich er war nachher völlig auf Drogen und völlig durchgeknallt. Und wir hingen quasi auf diesem Schiff mit ihm fest. Zu viert. Also meine Freundin, ich, er und noch der Captain. Ja, und kam halt so in richtig beschissene Situationen, weil er auf einmal völlig durchgedreht ist und uns gedroht hat und Ja, so richtig krasse Psychospielchen, wo ich zum allerersten Mal in meinem Leben nicht wusste, ob ich hier leben wieder rauskomme oder nicht. Und ja, da gehen natürlich verrückte Sachen in deinem Kopf rum, was du jetzt halt machst, was du nicht machst. Und einfach die Hoffnung, dass du tatsächlich wieder lebendig rauskommst.

Katrin: Verständlich, wie bist du denn aus dieser Situation rausgekommen? Ihr seid ja auf dem Boot. Du kannst nicht einfach springen und schwimmen. Gerade im Nil gibt's ja auch Krokodile.

Corinna: Genau, gibt's Krokodile, ist es richtig. Die sind tatsächlich weiter südlich gewesen, also grundsätzlich wäre das jetzt irgendwo eine Option gewesen, die ich natürlich auch in Betracht gezogen hatte. Aber da der Guide mehrere Sprachen gesprochen hatte, konnte ich mich mit meiner Freundin nicht absprechen, was wir denn machen, in einer Sprache, die er nicht verstanden hätte. Und da er sowieso, also man kann sich das gar nicht vorstellen, ich habe tatsächlich noch Sprachaufnahmen von ihm, die kann ich euch tatsächlich zuspielen, dass ihr eine Idee davon bekommen könntet, was er für ein Aggressivitätslevel an den Tag gebracht hat. Wenn du einen falschen Blick gemacht hast oder einmal falsch geatmet hast, ist der schon ausgerastet. Also reden mit ihr wäre sowieso nicht möglich gewesen. Allein schon Blick austauscht war nicht möglich. Man musste mit dem ganz vorsichtig umgehen und irgendwie habe ich einen Weg gefunden, das so, ja mit ihm so zu kommunizieren, dass er weiterhin einfach nur redet und droht, aber nicht tatsächlich macht. Und nachdem wir fünf Stunden diesem Psychoterror ausgesetzt waren, in dem wir weiterhin einfach den Nil runter entlang geschippert sind, wo weit und breit einfach keine Menschen sehnen zu sehen war, also war auch nichts mit Hilfe rufen oder so, musste meine Freundin tatsächlich einmal ganz dringend auf Toilette und sie war die ganze Zeit eigentlich ruhig und hat sich schlafen gestellt, weil sie gar nicht mit ihm klarkam und er sie auf einmal ja auch physisch quasi fast angegangen hatte. Ja, es gibt ja den anderen Podcast, wo das Ganze bisschen mehr im Detail erzählt worden ist. Ich hatte tatsächlich auch ein Messer hinterm Rücken und so, das ich mir vorher aus der Küche geholt hatte auf die Schnelle. Ja, es ist alles ein bisschen sehr wirrbar gewesen. Auf jeden Fall musste sie so dringen auf Toilette, dass der Captain es dann irgendwie geschafft hat Richtung Ufer zu gleiten, während ich trotzdem noch mit diesem Guide quasi oder ihn halt weiter in meinem Gesicht hatte, sodass er gar nicht mitbekommen hat, dass wir jetzt Ich tatsächlich immer weiter Richtung Ufer navigieren. Er hat es dann erst gemerkt, als es dann schon zu spät war, wir schon quasi an Land angedockt hatten. Es war auch die erste und einzige Stelle, wo tatsächlich Menschen waren, die gerade Wasser geholt haben. Dementsprechend konnte er dann nicht sofort wieder ausrasten, sondern war auch erst kurz perplex und hat geguckt, was ist. Dann ist sie erst mal kurz von Bord gegangen, hat gepinkelt. Ich musste sitzen bleiben, weil ich hatte das Messer hinter dem Rücken. Ich habe gedacht, wenn ich jetzt auch aufstehe, dann sieht er das vielleicht direkt. ja, als sie dann halt wieder kam, bin ich aufgestanden. Also das Messer war so unter meinem Sitz. Man hat es nicht sofort gesehen, aber hätte er halt bisschen genauer hingeguckt, es da gewesen. Und weil sie aber gerade wieder kam und ich aufgestanden bin, war seine Aufmerksamkeit eben auf uns und nicht auf meinen Platz. Und dann bin ich von Bord gegangen, hatte mein Handy, bin auch hinter dem Busch und hab halt da geguckt, okay, was machen wir jetzt? Na, wie kommen wir jetzt weg? Wo befinden wir uns gerade? Und Google Maps hat angezeigt, dass 150 Meter weiter war eine Straße. Hauptstraße. Und dann habe ich beschlossen, ich gehe auf gar keinen Fall wieder zurück auf dieses Boot. Und dann habe ich nur gedacht, ich muss meine Freundin wieder runterbringen, weil die ist ja wieder aufs Boot draufgegangen. Und dann bin ich einfach zurückgegangen und hab gesagt, vielen Dank, bis hierher. Ich habe gesehen, hier oben ist eine Straße, wir müssen ja ganz dringend einen Bus bekommen. Wir steigen hier jetzt aus. Und der Guide wollte uns natürlich zuerst nicht gehen lassen. Ich habe den Captain aber im Hintergrund schon gebeten, unsere Sachen bitte von Bord zu bringen und zwei meiner Freundinnen, von wegen, jetzt komm. Sie hat auch zum Glück zu Wort reagiert und ist dann auch gekommen. Genau, dann kamen alle mit von Bord, der Guide kam natürlich noch mit von Bord und hat weiter diskutiert. Die ganze Zeit stand diese anderen Menschen noch uns herum und haben so bisschen geguckt, alle haben natürlich kein Englisch verstanden. Haben nur gesehen, sind zwei weiße Frauen leicht begleitet mit einem Rucksack. Mit zwei afrikanischen Männern und ein bisschen tumult, so ungefähr von außen halt. Genau. Der Guide wollte dann noch sein Geld haben, was ich ihm auch sehr gerne gegeben habe. Habe ich vorhin schon alles abgezählt. Der ist auch ein Trinkgeld. Ich ihm auch noch was gegeben.

Katrin: Man will in dem Moment auch einfach nur aus der Situation raus.

Corinna: Richtig, genau. Und er wollte uns dann unbedingt zur Straße begleiten. Nur von wegen, hier ist es ja nicht sicher und so mitten im Nirgendwo. Ja, genau. Und dann habe ich auch immer nur wieder versucht, ihn zu beschwichtigen, dass es wirklich okay ist. Also ich sag mal, mein Trick mit ihm war, dass ich ihn tatsächlich die ganze Zeit wie einen normalen Menschen behandle und in einem normalen Ton mit ihm rede. Also weder Panik noch Angst noch sonst irgendwas mitschwingen lass, sondern einfach nur ist ein normaler Mensch, normales Gespräch, so wie du und ich jetzt gerade. Ihn so auf so einem Niveau halt zu halten, wo er nicht noch mehr ausrasselt. hat es schon sehr gut geschafft, sich selber in Rage zu reden. Genau. Und als ich dann mehrfach gesagt hab, wir, vielen Dank, so bis hierhin war nett, du musst nicht mitkommen, das darfst du auch alleine. Und immer, wenn wir ein paar Schritte gegangen sind, ist er uns hinterhergegangen, dann sind wir wieder stehen geblieben, dann wieder weitergegangen, also das ganze Stop and Go ging so drei, vier Mal. Bis dann der Captain sich endlich mal eingeschalten hat und irgendwas auf ihm zu Arabisch gesagt hat, so nach dem Motto, lass sie doch einfach mal gehen. Dann war die Aufmerksamkeit wieder auf dem Captain und derzeit konnten wir uns ein bisschen weiter entfernen, was er nicht gemerkt hat, und dann hatten wir schon 20 Meter oder so was zwischen uns gebracht. Und dann habe ich nur noch gesagt, lauf. Genau, und dann sind wir aber nur noch gerannt, sind zur Straße gerannt. Ich bin der Meinung, dass uns auch irgendjemand hinterhergerufen hat. Ich weiß nicht von den Menschen oder sonst irgendwer, Uber, Uber. Nur so holt ein Uber und ich dachte, ich geh erst mal weg hier. Ja, und dann sind wir wirklich auf die Straße gerannt. Mit hier fuchtelnden Armen wie im Film, irgendjemanden zum Anhalten zu bewegen. Es hat aber keiner angehalten. Es sind einfach alle uns herumgefahren, haben uns nur blöd angeguckt, ausgehubt oder Sonstiges. Und das Gute war aber, da ist noch ein bisschen weiter, war tatsächlich eine Tankstelle. Und dann sind wir eben zu dieser Tankstelle hin. Und ja, ich habe dann schon mal Google Translate eingegeben, dass wir eben Hilfe brauchen, dass uns ein Verrückter auf Drogen versucht zu vergewaltigen, umzubringen oder was auch immer. Ich habe das den Tankstellenangestellten ins Gesicht gehalten. Und die waren natürlich nur völlig perplex und gucken uns an und wussten nicht, was los ist. Und dann kam zum Glück der Tankstellenmanager raus, der perfektes Englisch gesprochen hat, der die Nachricht gelesen hat und uns dann nur anguckt und sagt für wen, you're safe now. Und in diesem Moment hatte Beide nur angefangen zu schluchzen, heulen. Das ganze Adrenalin der letzten fünf Stunden, ist da halt wirklich einmal alles abgesackt und ja. Und dann kam auch schon die Polizei, die zufällig tanken wollte. Ja, sowas. Und ab da nahm alles dann mal drin auf. Genau.

Katrin: Und der wurde dann auch erwischt und das wurde geahndet in irgendeiner Form.

Corinna: Genau, wir haben die nächsten sieben Stunden auf der Polizeiwache verbracht. Er wurde in der Zeit noch gefasst. Also ich hatte einen Ausweis von ihm fotografiert, das heißt, die wussten, wie er heißt. Und wir auch gesagt, der ist hier auf dem Boot unterwegs, die hatten das Boot und haben dann tatsächlich ein Schiff rausgeschickt und haben ihn noch auf dem Wasser festgenommen. Und ja, auch ins selbe Revier gebracht, wo wir waren, deswegen haben wir gehört, dass er da war. Und von den Polizisten später haben wir erfahren, also mit dem wir nachher noch Kontakt standen, dass er drei Jahre Haft bekommen hat.

Katrin: Der Typ sitzt, drei Jahre in Haft. Corinna und ihre Freundin sind in Sicherheit. Zeit, einmal durchzuatmen: drei Dinge, die du dir aus dieser Geschichte mitnehmen kannst.

Lifehack 1: Offline-Karten können der Ausweg sein. Lad dir die Karten deiner Route vorher aufs Handy, der Standort funktioniert auch ohne Netz. Bei Corinna war es die Karten-App, die die rettende Straße 150 Meter hinterm Ufer gezeigt hat.

Lifehack 2: Sichere Beweise, bevor du sie brauchst. Fotografier bei privaten Buchungen den Ausweis deines Gegenübers, das Boot oder das Kennzeichen. Genauso eine Aufnahme hat hier zur Festnahme geführt.

Lifehack 3: Dein Notruf spricht die Landessprache. Schreib dir den Satz für den Ernstfall vorher in einer Übersetzungs-App raus, viele funktionieren auch offline. Im Stress musst du ihn dann nur noch zeigen.

Und eine Figur war die ganze Zeit mit an Bord, über die wir noch gar nicht richtig gesprochen haben: der Captain.

Katrin: Okay, heftig. Aber du hast vorhin kurz den Captain erwähnt. Wo war der die fünf Stunden lang? Hat er sich das so angeguckt, oder?

Corinna: Ja, im Prinzip ja. Der konnte aber nichts machen. Ich mache ihm auch keinen Vorwurf. Er war eben körperlich schon unterlegen. Er war auch bisschen älter. Und immer, wenn er versucht hat, irgendwas zu machen, ist der Typ komplett ausgerastet. Also wirklich so, ich kann das gar nicht nachmachen, ich kann euch echt mal so eine Nachricht schicken. Man hat keine Chance gehabt, sobald du auch nur einen Piepsack oder der Captain hat Beispiel, der hat irgendeine SMS bekommen, sein Handy hat vibriert. Dann hat er nur aufs Handy geschaut, der hat gar nichts gemacht, der hat nur geguckt und da ist das schon komplett ausgerastet. Also es war so ein falsches Wort, ein falscher Blick und du kannst es vergessen und das hat der Captain dann auch gecheckt und hat gewusst, er kann nicht. Das einzige Mal, er tatsächlich eingegriffen hatte war als eben, wie gesagt, ich hatte ja das Messer hinter dem Rücken. Der Guide ist halt einmal in die Küche und wollte halt das Messer holen. Das war kurz bevor meine Freundin halt angehen wollte und dann hat er halt das Messer nicht gefunden. Glücklicherweise war ich es hatte. Und genau, dann wollte ich sie quasi einfach nur so angehen und da ging ja Captain dann zum ersten Mal dazwischen. Und er dann quasi so seinen Teil damit erledigt. Und er hat uns an Ufer gebracht, wo Menschen waren. Also grundsätzlich hat er das getan, was er quasi konnte. Und das ist dann okay gewesen.

Katrin: Und wie macht man von da aus weiter? Ihr werdet danach nicht noch zwei Wochen schöne Ägypten-Urlaub drangehängt haben, oder?

Corinna: Doch, da waren wir, ich glaube, tatsächlich sogar noch zwei weitere Wochen da. Also wir waren erstmal völlig schockiert und nachts auch noch auf der Polizeiwache. Wir wollten nur diesen Ort hinter uns lassen und wollten weiter. Und ich hatte auch schon, also Luxor war unser nächster Ort. Da hatte ich schon den AirBnB-Menschen, die mir da was wir da gebucht hatten, den hatte ich da schon an Kenntnis gesetzt, dass wir halt nicht pünktlich kommen. Und habe ihm dann nur kurz geschrieben, was passiert ist. Und als wir dann irgendwann von der Polizei dann auch fertig waren, hat er mir so bisschen Updates gegeben, dass wir jetzt halt doch auf dem Weg sind. Und wir haben dann den allerletzten Zug noch geschafft und dann kam dann mitten nachts halb drei kamen wir, glaube ich in Luxor an. Und er hat tatsächlich auch so lange auf uns gewartet und uns abgeholt. Und er hat uns direkt zeigen wollen, dass nicht alle afrikanischen Männer so sind. Und er wollte quasi direkt diese Tat wiedergutmachen. Und das hat natürlich auch richtig gutgetan, dass man sich halt schon irgendwie gesehen fühlt. dass er halt wirklich, er hat sich wirklich uns gekümmert. Wir haben immer so eine kleine Extrawurst bekommen. Und das hat dann auch schon so bisschen geholfen und auch mit ihm drüber zu reden und seine Sicht der Dinge auch. Dass er auch völlig schockiert war, dass es so abgelaufen ist, weil oft denkt man ja von wegen, so, so ist es halt in solchen Ländern. Und gerade mit diesen Mentalitäten und gerade unter Männern und dass aber genauso ein Mann mit dieser Mentalität eben auch gesagt hat von wegen, nein, das war absolute Scheiße und das hätte auf gar keinen Fall passieren dürfen, das hat schon auch geholfen.

Katrin: Wenn dich in so Situationen jemand ernst nimmt und dir zuhört, das ist wahnsinnig viel wert.

Corinna: Hm. Absolut. Genau. Auch dass er auf der Polizei war. Wir waren ja auch nicht bei der Touristenpolizei, wir waren ja bei der echten Polizei. Auch dass wir da ernst genommen worden sind und auch dass die nicht irgendwas Komisches versucht haben. Ich habe ja ab dem Moment auch gar niemand mehr vertraut. Also wir waren ja in diesem Büro auf einmal mit irgendwie fünf oder sieben männlichen Polizisten, wie sagt man immer noch, irgendwie in kurze Hose und Tanktop und so, weil wir vom Boot kamen. Da fühlt man sich am Anfang erst so richtig scheiße. Und dass das aber auch alles dann auch gut gegangen ist und wir uns zugehört haben, wir wurden auch im Ende tatsächlich drei Richtern vorgeführt, was es normalerweise auch nicht gibt, hat man schon gesehen, der Fall wird ernst genommen und das war auch schon wirklich gut.

Katrin: Der war nicht von Anfang an weird. Ihr seid auf das Boot. Hätte da schon rumgebrüllt, wäre der nicht drauf. Das hat sich im Laufe der Fahrt entwickelt. Habt ihr den Drogen nehmen sehen?

Corinna: Also er war schon ein bisschen komisch. Nicht von Anfang an. Also ich sag mal so. Wir haben ihn am Tag vorher kennengelernt. Da war alles cool. Am nächsten Tag kam er auch schon mal nicht zum vereinbarten Zeitpunkt. Und das war alles schon ein bisschen nervig und man konnte ihn nicht erreichen, weil sein Handy war aus. Und da waren wir eigentlich auch schon kurz davor irgendwie das Ganze aufzugeben. Ich hatte aber schon eine Anzahlung geleistet und deswegen haben wir ihn doch noch gewartet. Und irgendwann schickte er dann doch ein Taxi, um uns da hinzubringen, wir hinsollten. Und da haben wir eigentlich schon gedacht von wegen, nee. Der hat uns so blöd behandelt und so lange warten lassen und jetzt irgendwie noch nicht mal eine Entschuldigung. Und das fanden wir tatsächlich schon alles doof. Und als wir da waren, war auch unser Plan, dass wir nur unsere Anzahlung wieder nehmen und gehen. Jetzt war es aber so, dass zum einen wollte ich unbedingt diesen Segelturn machen. Und als wir ankamen, er auch gemeint, dass ich extra für euch das hergerichtet mit schönen Kissen und bla. Und das ist der Captain, der war wirklich sofort ein Symphatieträger. Und der sitzt auch extra für euch und weiter hier. Und guckt doch einfach mal. Ja, und dann haben wir halt wirklich überlegt, sollen wir oder sollen wir nicht. Dann haben wir halt diese Felucca gesehen, die halt schon wirklich ganz süß hergerichtet war. Und genau wie gesagt, der Captain war eben auch sehr nett. Ja, und dann haben wir uns da quasi belabern lassen. Hätten wir auf unser ursprüngliches Bauchgefühl gehört, wären wir nicht drauf gestiegen.

Katrin: Hat dich das, würdest du sagen, auf deinen Reisen vorsichtiger gemacht oder mehr auf dein Bauchgefühl vertrauen?

Corinna: Also grundsätzlich, was Männer angeht, eher ja, aber gar nicht mal so sehr. Also, weil grundsätzlich bin ich immer noch der Meinung, dass die meisten Menschen gut sind und dass die Chance in so einer Situation oder einem wirklich bösen Menschen zu begegnen, zum Glück relativ gering ist. Klar, passiert es oft genug und man kennt bestimmt auch immer über Ecken irgendwelche Menschen, wo was passiert ist, aber Rock'n'Wood, dass es doch hoffentlich eher die Ausnahme ist für die meisten Menschen eben. Und zudem könnte ich sonst auch gar nicht mehr so richtig reisen, wenn ich mich jetzt komplett verstecken würde und gar niemandem mehr vertrauen würde. Also ich bin zum Beispiel auch Fan von Couchsurfing. Ich liebe Couchsurfing. Da übernachtest du bei irgendeiner fremden Person auf der Couch, du kennst dich vorher nicht. Da kann auch wunderbar was passieren. Aber ich habe dadurch schon so tolle Menschen kennengelernt, die ich nicht kennengelernt hätte, wenn ich mich in das nicht getraut hätte. Oder ich bin durch komplett Argentinien per Anhalter gefahren. Gut, da kommt das Schwabeln mir durch, ich wollte die Busse nicht zahlen. Ich habe den Daumen rausgehalten und tatsächlich bin ich mit einem Truckdriver, mit dem ich am Ende gefahren bin, dem ich bin ich heute noch in Kontakt. Fast 10 Jahre später.

Katrin: Das ist cool. ich denke, weil du vorhin gesagt hast, ist ja eher die Ausnahme, gibt es halt auch immer Personen, die diese Ausnahme sind. Und das tröstet dich dann in dem Moment relativ wenig.

Corinna: Stimmt. Ich will jetzt auch gar nicht schönreden, dass es das nicht gibt, ohne Frage. Ich merke nur selber an mir, dass ich, ich war jetzt auch seit immer schon wieder ein paarmal reisen, ich kam in keine, ich kam vielleicht einmal noch in eine komische Situation, wo ich dann auch im Nachhinein noch gefragt habe, okay ist es hier dann sicher zu laufen und wo ich mich dann auch nachts dazu entschieden habe, nicht zurückzulaufen zum Hostel, sondern tatsächlich mit dem Taxi zu fahren. Was ich früher, glaube nicht gemacht hätte. Also an so Kleinigkeiten. Ich glaube, also ich dann so das Gefühl habe, der Vibe hier irgendwie in dieser Gasse oder in dieser Ecke, wo auch immer ich mich irgendwie befinde oder hin muss oder durch muss, ich glaube, wenn ich da mittlerweile ein komisches Gefühl habe, dann höre ich da mittlerweile drauf. Das habe ich früher so ein bisschen manchmal eher ignoriert.

Katrin: Ich finde auch dieses Couchsurfing finde ich wild, muss ich sagen. Aber da bist du doch auch mal in blöde Situationen gekommen oder lief das immer gut?

Corinna: Ja, da Ich war zwei Nächte bei diesem Typen, der hatte super Referenzen. Und er hatte eine superschöne Wohnung zwischen zwei Orten in einem der riesigen Hochhäuser oben im 23. Stock. Mega geile Aussicht direkt am Meer. Richtig schön. Ich hatte dort mein eigenes Zimmer. Genau. Ich habe gedacht, geil. Richtig cool. Am ersten Abend, man trinkt ja auch immer so bisschen was, man ist ja sozial, bisschen Bierchen und so und wollten dann auch eigentlich feiern gehen. Ja und da kamen wir schon so ein bisschen zu nah und ich trag beim Reisen immer einen Ring, dass ich immer sagen kann, mein Mann und so weiter hält tatsächlich niemanden davon ab. Gar niemanden, aber so hätte man zumindest eine Story, dass man halt sagen kann, ja da ist jemand, also noch besser als im Glas, gar niemand.

Katrin: Ein anderer Mann hat mich schon für sich beansprucht, Nein, reicht nicht, aber jemand hat schon sein Handtuch auf mich gelegt. ja. Ich merk direkt, wie der Halsschlager ein bisschen anspült. Okay, sorry.

Corinna: Leider genauso. Seine Argumentation war dann auch, aber weiß ja andere Postleitzahlen und so. Ich so ach nein. Genau, er hat dann trotzdem versucht mich zu küssen im Aufzug, das heißt enger Raum, war dann ein bisschen doof. Hab ihn natürlich von mir weg. Ich so nein, wirklich nicht. Und er so ja glaub mir, der Sex mit mir ist grandios und so richtig bescheuert auch. Wo ich auch denke, so nein, einfach nein. Ach so, ja wenn du das sagst, ja dann bitte, muss. Ich dachte, der Sex wäre schlecht, deswegen habe ich nein gesagt. Naja. Genau, dementsprechend war die Stimmung auch am nächsten Tag so bisschen komisch erstmal. Wir haben es dann auch so bisschen weg ignoriert und haben einfach normal weiter miteinander wieder gesprochen. Er hat dann tagsüber quasi gearbeitet, also ich war dann auch alleine. Und wir haben dann aber auch weiter normal kommuniziert und dann habe ich gedacht, okay, gut, dann ist das jetzt gegessen. Jetzt war es aber so, an dem Abend hatte sein Bruder Geburtstag. Und er hat mich dazu eingeladen, mit zu dem Geburtstag zu kommen. Was an sich ja mega ist, weil genau deswegen liebe ich auch Couchsurfing, weil du machst, diese Local Experiences und bist bei Einheimischen zu Gast und lernst so eben noch viel mehr Leute kennen und lebst eben das was die leben. Wir ein Riesen-Barbecue veranstaltet und Ja, da waren ganz tolle Menschen und es wirklich richtig schöner, toller Abend. Natürlich haben wir auch wieder was getrunken. Ich hab übrigens seit eineinhalb Jahren trink ich keinen Alkohol mehr. Genau, auf jeden Fall da war ich dann doch, oder wir beide waren ziemlich angetrunken, betrunken, wie man es nehmen möchte. Und sind dann nach der Party halt nach Hause. So, er wollte dann unbedingt weiter Party machen. Er war so richtig in Stimmung. Und ich habe aber gesagt, Ich muss morgen früh 7 Uhr raus, weil ich mir den ersten Bus kriegen, um weiterzufahren. So, dann bin ich quasi in mein Zimmer gegangen, wollte mich gerade umziehen. In dem Moment macht er im Wohnzimmer die Musik auf die lauteste Lautstärke von seiner sehr guten Anlage und kommt in meinem Zimmer während ich mich gerade umziehen wollte und ich so, hallo und er so, hier komm, Party, Party und ich so, nein. Ich habe gesagt, ich muss schlafen, geh raus. So und er ist da wieder rausgegangen, hab die Türe zugemacht, ich mich umgezogen, bin ins Bett gegangen und weil es so mega laut war, habe ich halt die Decke über den Kopf gezogen, dass er halt so bisschen puffert. Weswegen ich auch nicht gehört habe, dass sich meine Türe wieder geöffnet hat, stattdessen habe ich nur gemerkt, wie er auf einmal sich neben mich ins Bett legt.

Corinna: Und dann habe ich natürlich ausgerastet und hab ihn aufs Übelste beschimpft und hab ihn rausgeschmissen wegen was diese Scheiße denn soll, da sollte ich gefälligst verpissen und keine Ahnung und zum Glück ist er dann auch gegangen. Aber ab da habe ich gedacht, okay, irgendwie das war jetzt gerade richtig uncool. Gegenüber von der Tür war quasi mein Bett und dazwischen ebenso einen halben Meter Platz. Und das Einzige, was ich in diesem Zimmer bewegen konnte, war der Nachtisch. Also habe ich den Nachtisch vor die Türe geschoben und habe dann noch meinen Rucksack zwischen Nachtisch und Bett geklemmt, dass er halt nicht aufgeht, weil ich konnte nicht abschließen. Jetzt hat er aber über die nächsten zwei Stunden oder so immer wieder versucht reinzukommen. Er hat teilweise einfach nur immer noch mit der lauten Musik, also richtig terrormäßig. Und ich habe immer nur gesehen, wie sich so dieser Türknopf dreht. Manchmal nur so langsam. Und wenn er dann gemerkt hat, dass er jetzt nicht rein dann hat er auch wieder zurückgedreht und hat aufgehört. Als ich das gesehen habe, habe ich mich tatsächlich noch mit auf meinen Rucksack draufgesetzt und habe mit meinen Füßen auch noch mit zugedrückt. Weil ich ja nicht weiß, was passiert. Und teilweise hat er es auch wirklich mit mehr Kraft versucht, also dass er wirklich dagegen gedrückt hat. Und zum Glück ging es ja aber nicht auf, einfach wegen der Positionierung meiner tollen Sachen. Ja, auf jeden Fall habe ich dann auch gedacht, scheiße, was will der jetzt? Nur so was macht er, wenn er tatsächlich reinkommt. Und wie komme ich hier wieder raus? Wie gesagt, ich befand mich am 23. Stock. Und ich hatte ein Fenster, was aber sehr schmal war, schmal und längs, was man auch nur so nach innen kippen konnte. Und da ging es aber nur, also quasi es ging nach innen rein, Richtung Flur. Von diesem großen Hausprojé, wie auch immer. Und direkt vorm Fenster ging es natürlich erst mal diese 23 Stockwerke runter. Und links und rechts waren jeweils diese, wie so ein Steg, der von der Haustür wegführt, auf den Flur drauf quasi. Und ich habe noch überlegt, wenn ich dieses Fenster öffne, könnte ich es ja schaffen, meinen Rucksack so rüberzuschwingen auf die Seite. Und dass ich halt irgendwie hinterher springe und ans Geländer springe und dann halt rüberkletter. So, wie gesagt, ich war ja betrunken. Und hab dann auch gedacht, bevor ich jetzt irgendwas mach, vielleicht sollte ich jetzt erstmal ein bisschen schlafen, weil ich kann nicht klar denken und jetzt gerade eben kann ich sowieso nichts machen. Ich bin dann auch erstmal weggedöst, weil ich natürlich auch völlig platt war und hab dann geträumt, dass ich genau das umgesetzt hab. Und als ich aber aus dem Fenster klettern wollte, dass dann das ganze Fenster mit Verankerung rausgerissen hab und die 23 Stockwerke runter ist aus, bin dann davon auch wieder aufgewacht. und hab dann beschlossen, keine gute Idee. So, und als ich da wieder wach wurde, war was anders. Es war auf einmal still.

Katrin: Es ist auf einmal still. Genau da lassen wir Corinna einen Moment stehen: nachts, im 23. Stock, hinter ihrer Barrikade aus Nachttisch und Rucksack. Einmal durchatmen, drei Lifehacks.

Lifehack 1: Ein Türkeil wiegt nichts. Ein simpler Gummikeil oder ein Türstopper-Alarm sichert jede Tür ohne Schloss, vom Hotelzimmer bis zur fremden Wohnung. Kostet ein paar Euro und verschafft dir im Ernstfall wertvolle Zeit.

Lifehack 2: Präg dir den Fluchtweg ein. Check beim Ankommen einmal kurz, wo Treppenhaus und Notausgang wirklich sind, nicht erst, wenn du sie brauchst. Das dauert eine Minute und nimmt nachts die Panik raus.

Lifehack 3: Melden schützt die Nächste. Referenzen auf Plattformen sind nur so gut wie die Leute, die Vorfälle wirklich melden. Wenn dir jemand komisch kommt: blockieren, melden, bewerten.

Zurück in die Nacht in Chile: Corinna liegt wach hinter ihrer Barrikade und lauscht. Warum es plötzlich so still ist, hört ihr jetzt.

Corinna: Und ich habe nur gehorcht und hab gedacht, okay, wo ist der? Was macht der? Und ich habe aber unterm Türspalt gesehen, dass immer noch Licht draußen brennt. Und die Wohnung war so aufgebaut, dass sein Zimmer direkt gegenüber von meinem Zimmer war. Links zwischen uns beiden war das Badezimmer, wo ich auch noch Sachen drin hatte, die ich auch noch haben wollte. Und rechts ging es dann direkt Richtung Wohnzimmer und Küche, war so ein großer Raum, wo auch die Haustür war. Und ich war der Meinung, dass ich ganz leise Schnarchen vernommen habe. Ich habe aber gedacht, wenn ich jetzt diese Türe aufmache und der sitzt auf seiner Couch, dann guckt der schräg direkt auf meine Zimmertüre. Ich habe mir so richtig wie so einen Psychofilm vorgestellt, wie er einfach nur dasitzt und auf meine Türe startet und ich die aufmache und er dann losrennt oder keine Ahnung was. Dann habe ich mich erstmal lange nicht getraut. Und als ich mir aber fast sicher war, dass ich Schnarchen vernehme, habe ich ganz, ganz leise meine Parikade abgebaut und hab die Türe geöffnet. Er saß nicht im Wohnzimmer, genau, Fertstagsbeleuchtung war halt noch an. Und ich war aber der Meinung, dass ich in seinem Bett, als ich nur sein Fußende sehen, dass da auch eine kleine Wölbung war von seinen Füßen. Also war ich der Meinung, er liegt tatsächlich auch in seinem Bett. Also bin ich erstmal leise schnell ins Bad, hab meine Sachen rausgeholt, bin wieder mal ins Zimmer, wieder verbarrikadiert, Tür zu und hab erstmal meine Sachen eingepackt. Da war es den Morgen 3. Und ich war auch immer noch völlig Banane. Also ich glaube, ich hatte da vielleicht eine Stunde geschlafen oder so. Und habe gedacht, okay, ich stelle mir jetzt nochmal den Wecker auf 5. Der ist genauso betrunken wie ich. Der wacht auf keinen Fall vorher auf. Der wird eine Karte haben und alles Mögliche. Dann müsste ich ein bisschen Puffer haben und dann habe ich aber noch ein bisschen mehr Schlaf. So, also habe ich das gemacht. Wecker gestellt auf 5, nochmal kurz geschlafen. Und als ich wieder aufgewacht bin, war es immer noch genau gleich. Draußen war noch Licht an und ich habe immer noch sein Schnarchen gehört. Also habe ich gedacht, okay, ich gehe jetzt. Ich hatte einen, mittlerweile reise ich anders, hatte einen großen 60 Liter Rucksack. Hinten einen, ich glaube, 25 Liter Rucksack vorne. Und noch Plastiktüten mit Essen drin, die natürlich schön rastlöten. Auch noch in der Hand. Ich war also schön vollgepackt. Ich habe aber so versucht, so leise wie möglich da rauszuschleichen. So, ich hatte aber noch ein weiteres Problem. Die Terrassentür stand auf und direkt gegenüber war die Haustür. Die Haustür lässt sich nicht leise schließen, weil dieser Schließmechanismus schwerfällig war. Ich konnte die Tür ja nicht offenstehen lassen, weil durch die Terrasse hätte es einen Zug gegeben und die Tür hätte zugeknallt. Also musste ich diese Tür ja wieder zumachen. Ich habe gedacht, ich bin schlau, ich stelle meinen Fuß einfach in die Tür und ziehe die Tür so weit ran, bis dieser kleine Knüppel in der Tür eben schon so halb drin ist, damit ich den Rest leise schließen kann mit einem kleinen Klick. Soweit die Idee. Ich stelle meinen Fuß in die Tür, ziehe die Türe ran. Dummerweise war mein Fuß an der falschen Stelle. Da war nicht weit genug drin und ich habe die Tür mit einem Knall zugemacht. Und ich so, was mache ich jetzt? Ich konnte ja nicht zum Aufzug rennen, weil bis der oben im 23. Stock ist, das dauert. Also bin ich Richtung Salida gerannt. Ausgang, Exit. Hängen ja überall diese Notausgangsschilder. So, hin direkt über eine Tür. Ich renn' da rüber, öffne diese Tür, renn' rein, mach zu. Komplett schwarz. Ich habe so, okay, erstmal nach dem Lichtschalter hab' ich nicht gefunden, hab' ich mein Handy angemacht. Und jetzt seh ich jetzt zwei in der wildsten Kamera. Ich bin in der Besenkammer gelandet und hab gedacht, was ist denn jetzt? Ich habe mich selber gefangen.

Katrin: Wo ist dieser Salida?

Corinna: Genau, sind diese Treppen? Ich so, hä? So in einem Feuer wäre das richtig scheiße gewesen. Naja, auf jeden Fall habe gedacht, gut, jetzt erstmal hier drin. Erstmal Türe ist ja zu. Also habe ich mich erstmal gegen die Türe gestemmt, habe die auch schön zugehalten und war still und dunkel, habe erstmal nur gelauscht. Und dann hörte ich auch was im Flur. Irgendjemand hat eine Türe aufgemacht, ist im Flur rumgelaufen. Ich wusste jetzt nicht, war es er, war es ein Nachbar. Auf jeden Fall habe ich erst mal relativ lange noch da drin verharrt. glaube mindestens 10 Minuten oder so bis ich sicher war, dass er wieder weg ist. Und dann habe ich ganz vorsichtig die Tür aufgemacht und habe rausgeguckt. Der Flur war leer und da sehe ich auch die Türe. Es ging die Ecke, nicht geradeaus. Ja, so, also bin ich aus meinem Versteck raus, bin die Türe raus und bin dann, glaube, 10 Stockwerke so zu Fuß runter und dann man unten noch den Fahrstuhl geholt bei den restlichen. 15 Etagen oder so, dann mit Fahrstuhl runter und einfach nur raus und Richtung Straße und hab dann einfach nur noch das nächste Taxi gerufen und bin zur Bushaltestelle.

Katrin: Und nie wieder was von dem gehört, hoffentlich.

Corinna: Tatsächlich. Er hat mir kurz danach, irgendwann ich ging 9 oder so glaube ich, hat er mir geschrieben von wegen, ach, dass ich ja schon weg sei, und er hoffte es geht mir gut. Also als wäre nichts gewesen. Also wenn mich verarschen hier. Ja, ich habe ihn natürlich sofort Couchsurfing gemeldet und alles uns blockiert und dann wurde auch sein Profil wurde auch gelöscht.

Katrin: Ja, weiß ich gar nicht, was ich dazu sagen soll, muss ich sagen. Also das sind ja genau die Ängste, man vielleicht als alleinreisende Person hat und sich dann denkt, muss ich jetzt auch nicht verrückt machen. das Böse lauert auch nicht hinter jeder Ecke. Und dann erzählst du so eine Geschichte und ich denke mir, ja, das klappt.

Corinna: Ja, kann, kann muss nicht. Alles kann, nichts muss. Ja, ich meine auch da rein theoretisch nur, meine am ersten Abend hat er ja schon so getan und hat es nicht unbedingt akzeptieren wollen. Ich hätte natürlich auch einfach am nächsten Tag schon gehen können. Aber der Schwabe bleibt bequem, hat eine Nacht noch kostenlos dort und möchte ja auch da noch eine Nacht bleiben, weil er war ja eigentlich ganz hübsch dort. Ja, bleib auf Schuld, würde ich sagen.

Katrin: Das ist wahrscheinlich in Relation zu den vielen, vielen Reisen, du schon gemacht hast. Ist es wahrscheinlich auch ein überschaubares Risiko. Zwar ein dolles, aber so relativ gesehen.

Corinna: Aber ich muss auch sagen, also auch die ganze Scheiße, ich schon erlebt habe, egal ob es das einfach nur durch diese lange Zeit vom Reisen war, weil es unbequem war oder eben tatsächlich unangenehm durch Menschen, ich bin überall größer rausgekommen. Also ich bin durch alles gewachsen. Ich habe durch alles immer noch viel mehr das Gefühl, dass ich alles schaffen kann. Du kannst mich irgendwo in der Welt aussetzen und ich weiß, ich werde klarkommen. Und das ist ein richtig schönes Wissen zu haben über einen selber.

Katrin: Triffst du denn von zu Hause aus schon irgendwelche Vorkehrungen, ein bisschen was zu kontrollieren? Also sagst ich habe eine Auslandskrankenversicherung oder eine Unfallversicherung für das Ausland, also sowas? Oder lässt das wirklich alles komplett auf dich zukommen, auf gut Glück?

Corinna: Also eine Auslands-Krankenversicherung habe ich immer. Ich zähle nämlich leider auch zu den Menschen, ich nehme alles mit, was es so gibt und ich war auch schon sehr vielen Ländern im Krankenhaus. Dementsprechend, ja, das ist bei mir Prior auch eins, die muss immer existieren und die sind ja auch zum Glück mittlerweile echt günstig. Ich suche mir die meistens raus nach wo der längste Versicherungszeitraum am Stück ist. Dadurch, dass ich immer gerne 1-2 Monate am Stück reise, reicht es mir nicht, wenn mir eine Versicherung nur 30-40 Tage greift, wenn ich da drüber komme. genau das habe ich. Ich habe eine Reiserücktrittsversicherung. Einfach nur, weil die aufs Jahr gesehen auch ultragünstig ist und ich schon viel reise. Und dann kann ich auch mit gutem Gewissen immer das Ganze beim Flugzeug nur noch die Versicherung oder die noch oder die noch oder das ist nicht abgesichert. Ne, das habe ich alles abgesichert, weil ich das sowieso schon separat habe. Dann habe ich eine Kreditkarte, mit der ich die meisten Sachen buche, wo dann auch zusätzlich noch mal so eine Reiserücktritt inkludiert ist, einfach nur weil ich diese Kreditkarte verwende. Das heißt, da bin ich dann immer schon so bisschen abgesichert. Und wenn ich jetzt zum Beispiel weiß, ich fliege in Richtung Krisengebiet oder wo man so ein, wo vielleicht einzelner Nähe sein könnte oder wo vielleicht auch keine Ahnung, gerade Hurricane Season sein könnte, wo immer es sein könnte, dann gibt es auch diese deutsche Website vom Auswärtigen Amt, dieser Elefant, also wie der Elefant nur mit D hinten, wo man ja auch seinen Namen und alles registrieren kann und reinschreiben kann, wo man hingeht und wie man zu erreichen ist. und wenn dann tatsächlich Rückrufaktionen sein sollen oder so, dann wird man von denen auch kontaktiert. Wissen die quasi, du bist irgendwo da.

Corinna: Genau, also PolarSteps ist grundsätzlich eine App, du dir aufzeichnest, wo du bist, wo du dich aktuell befindest, aber auch deine Route. Das heißt, wenn du zum Beispiel eine Wanderung machst oder so, kannst du dann sehen, wie du gelaufen bist. Wenn du auch schon irgendwo hinfährst, ist es schön zu sehen, wo du tatsächlich entlanggefahren bist. Die funktioniert so ein bisschen abgehackt, also meistens so gerade Striche, jetzt nicht so super akkurat. Aber es reicht. Und genau, man kann eben Fotos hochladen, Videos, Text und so weiter. Also viele benutzen das auch. als Tagebuch so ein bisschen für die Familie zum Beispiel. genau, ich schicke es quasi immer den Link für mein Profil, weil das auf Privatgestellt ist. Das schicke ich dann eben in meine Reisegruppe, wo meine Familie mit drin ist. Und da schreibe ich mir dazu, dass sie hier meinen Stalker-Link haben können, damit sie immer gucken können, wo ich mich gerade befinde, falls eben mal irgendwas da an soll, dass sie mich nicht erreichen.

Katrin: Welches Land steht denn jetzt als nächstes auf deiner Liste?

Corinna: Also ich habe tatsächlich einen Kurztrip im November nach Tromsø, Norwegen. Einfach nur weil ein Kumpel hingehen möchte und gefragt hat, ob ich mitmöchte. Und ansonsten ist bis jetzt der nächste größere Trip geplant, nächstes Jahr Dominika. hauptsächlich, weil, also eins meiner Hobbys ist, ich gehe mit Walen schwimmen. Das ist Ja, wie gesagt, ich liebe ja das Meer und irgendwie war es für mich immer so unerreichbar und auf einmal habe ich es mir erreichbar gemacht. Und ich habe das jetzt auch schon ein paar Mal gemacht und sag mal, ich habe das Gefühl der Potwahl ist so mein Seelentier und dem werde ich hoffentlich begegnen.

Katrin: Hast du noch irgendwas, was du unseren Hörern sagen möchtest? Irgendeinen Tipp, irgendein, das müsst ihr beachten, wenn ihr jetzt alleine oder mit Freunden auf Reisen geht.

Corinna: Also grundsätzlich würde ich einfach sagen macht einfach. Weil am Ende bereut man eigentlich immer nur die Sachen, die man nicht getan hat. Egal ob es jetzt ums Finanzielle geht oder Sachen, die man sich vielleicht nicht getraut hat. Wenn es Sicherheit geht, habe ich noch so einen Mini-Reisehack, wenn man zum Beispiel weiß, man wandert jetzt von A nach B mit seinen gesamten Sachen, mit allem Backpack und hat alles bei sich. leg ich zum Beispiel auf eine Kreditkarte in meinem Schuh, vorne unter meinem Fuß oder unter die Sohle. Da liegt die relativ gut flach, da bricht sie nicht durch und falls ich ausgeraubt werde, habe ich immer noch eine Kreditkarte bei mir. Weil ich glaube unter die Sohle im Schuh wird keiner.

Katrin: Okay, dann, Corinna, ich danke dir, dass du da warst. Ich hoffe, dass du von deinen weiteren Reisen gut wiederkommst und ja, alles Gute, bis dahin.

Corinna: Sehr gerne. Ja, danke, hoffe ich auch. Danke schön, bis dann. Tschüss.

Katrin: Was für eine Folge. Zwei Geschichten, bei denen man beim Zuhören die Luft anhält, und eine Corinna, die trotzdem sagt: Die meisten Menschen sind gut. Das ist keine Naivität, das ist eine Entscheidung. Und sie hat sie getroffen, obwohl sie es besser wissen könnte.

Was ich mitnehme: Dein Bauchgefühl ist kein Spielverderber, es ist dein Frühwarnsystem. Corinna hat es einmal wegargumentiert, wegen einer Anzahlung und schöner Kissen auf einem Boot. Heute hört sie drauf, auch bei Kleinigkeiten: lieber das Taxi als die dunkle Gasse.

Und ganz ehrlich: Solche Situationen passieren nicht nur am Nil oder im 23. Stock in Chile. Dass jemand zudringlich wird oder die Kontrolle verliert, kann dir auch beim Weggehen in deiner eigenen Stadt passieren. Vorsicht ist keine Frage des Reiseziels, sondern der Vorbereitung. Corinnas Baukasten dafür hast du gehört: abgesichert losfahren, den Standort mit Menschen teilen, denen du vertraust, ein Plan B im Kopf.

Am Ende bleibt Corinnas Satz hängen: Du kannst mich irgendwo auf der Welt aussetzen, und ich weiß, ich komme klar. Dieses Wissen über dich selbst bekommst du nicht geschenkt, du bekommst es, wenn du losgehst. Also, in Corinnas Worten: Macht einfach. Bis zum nächsten Mal bei ERGO Lifehacks.

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