Arbeiten, wenn das Kind krank ist?

Zu Hause bleiben

Der Spagat zwischen Arbeit und Familie wird besonders schwierig, wenn ein Kind erkrankt. Zum Glück gibt es gesetzliche Regelungen.

Arbeiten, wenn das Kind krank ist?

Rechtsfrage des Tages:

Wer Kinder hat weiß, dass diese immer wieder mit kleineren oder größeren Infekten das Bett hüten müssen. Gerade wenn das Kind noch klein ist, muss ein Elternteil zu Hause bleiben. Dürfen Sie der Arbeit fernbleiben, wenn Sie Ihr Kind betreuen müssen?

Antwort:

Alle Eltern dürften das kennen. Das Kind wacht morgens mit Fieber auf oder der Kindergarten ruft an, dass der Nachwuchs wegen einer Erkrankung abgeholt werden muss. Berufstätige Elternteile stehen dann vor der Frage, wie sie die Kinderbetreuung organisieren sollen. Die gute Nachricht: Sie haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf bezahlte Freistellung oder Kinderkrankengeld.

Vorübergehende Verhinderung

Im Gesetz finden Sie eine Vorschrift, die sich genau mit diesem Thema befasst. Nach § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) muss Ihr Arbeitgeber Sie bezahlt freistellen, wenn Sie unverschuldet eine verhältnismäßig unerhebliche Zeit an der Leistung Ihrer Arbeit verhindert sind. Darunter fällt genau der Fall, dass Sie sich um Ihr erkranktes Kind kümmern müssen. Allerdings müssen Sie in Ihren Arbeitsvertrag oder geltenden Tarifvertrag schauen. Dort kann dieser Anspruch nämlich ausgeschlossen sein.

Wer zahlt?

Ihre Vergütung bekommen Sie entweder vom Arbeitgeber oder der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese zahlt Ihnen in der Regel Kinderkrankengeld in Höhe von 90 Prozent des Nettoverdienstes oder 70 Prozent des Bruttoeinkommens. Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach, ob er das Gehalt weiterzahlt und schauen Sie in Ihren Arbeitsvertrag. Andernfalls müssen Sie bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse Kinderkrankengeld beantragen, sofern Ihr Kind unter 12 Jahren ist. Den Antrag können Sie auch stellen, wenn Sie bei Ihrem Arbeitgeber die Höchstanzahl der Kinderkrankentage bereits ausgeschöpft haben. Sind Sie privat krankenversichert, steht Ihnen kein Kinderkrankengeld zu. Es kann sinnvoll sein, entsprechende Zusatzversicherungen abzuschließen.

Bezahlte Freistellung

Sofern die bezahlte Freistellung wegen vorübergehender Verhinderung nicht in Ihrem Arbeitsvertrag oder einem Tarifvertrag ausgeschlossen ist, können Sie bei üblicher Bezahlung der Arbeit fernbleiben. Der Anspruch auf bezahlte Freistellung benennt, anders als das Kinderkrankengeld, keine Altersgrenze und auch keine genauen Zeiträume. Es kommt auf die Dauer der Verhinderung und die Beschäftigungsdauer an. Als nicht erheblichen Zeitraum sehen die Gerichte meist bis zu fünf Tage an.

Wie lange Kinderkrankengeld?

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld gilt natürlich auch nicht unbegrenzt. Sind beide Elternteile berufstätig, haben Sie Anspruch auf Kinderkrankengeld für jeweils 10 Arbeitstage für die Pflege des erkrankten Kindes unter 12 Jahren. Haben Sie mehrere Kinder unter 12 Jahren, erhöht sich der Anspruch auf maximal 25 Tage pro Elternteil. Alleinerziehende haben bei einem Kind Anspruch auf insgesamt 20 Tage Kinderkrankengeld, bei mehreren Kindern unter 12 Jahren auf maximal 50 Tage. Vergessen Sie nicht, schnellstmöglich ein ärztliches Attest einzuholen und es dem Arbeitgeber vorzulegen. Für den Antrag auf Kinderkrankengeld bei der Krankenkasse brauchen Sie die ärztliche Bescheinigung ebenfalls. 

Sonderregeln wegen Corona

Die bereits in 2021 geltenden Sonderregeln aufgrund der Corona-Pandemie wurden in dieses Jahr übertragen. Aufgrund der besonderen Situation stehen gesetzlich versicherten Eltern in diesem Jahr je Elternteil 30 Kinderkrankentage zu. Bei Alleinerziehenden erhöht sich die Anzahl auf 60 Tage. Bei mehreren Kindern haben Eltern jeweils maximal 65 Tage, Alleinerziehende 130 Tage Anspruch auf Kinderkrankengeld. Übrigens: Der Anspruch besteht selbst dann, wenn Sie von zu Hause aus arbeiten. Und auch wenn die Schule oder Kita geschlossen werden muss, können Sie Kinderkrankengeld beantragen.

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