Privatverkauf im Internet: Vermeiden Sie Fallstricke

So gehts richtig

Haben Sie in den letzten Wochen entrümpelt und wollen nun ein paar Dinge verkaufen? Hier gibt es Tipps zum Privatverkauf im Internet.

Privatverkauf im Internet: Vermeiden Sie Fallstricke

Rechtsfrage des Tages:

Bei vielen ist der Frühjahrsputz besonders gründlich ausgefallen. So mancher mag dabei auf die Idee gekommen sein, überschüssige Dinge auf einer Online-Plattform zu verkaufen. Worauf müssen Sie dabei achten, um keine rechtlichen Probleme zu bekommen?

Antwort:

Bevor Sie in den privaten Online-Handel auf einer Verkaufsplattform einsteigen, sollten Sie die wichtigsten rechtlichen Tipps kennen. Dadurch vermeiden Sie Ärger und gegebenenfalls hohe Kosten. So können Sie ein fehlerhaftes Angebot unter Umständen zurückziehen und als Privatverkäufer die Gewährleistung ausschließen. Achten Sie aber auch darauf, nicht in die Steuerfalle zu tappen oder eine Abmahnung zu riskieren.

Vertippt, geirrt oder reuig?

Bieten Sie auf einer Verkaufsplattform einen Artikel an, sind Sie eigentlich an das Angebot gebunden. Was aber, wenn Sie beim Preis eine Null vergessen haben? Oder Sie entscheiden sich um und wollen das Produkt doch lieber behalten? Haben Sie sich geirrt, können Sie ein Angebot vorzeitig beenden. Dies ist der Fall bei einem sogenannten Erklärungsirrtum. Haben Sie statt 99 Euro als Preis nur 33 Euro eingetippt, liegt ein anfechtbarer Irrtum vor. Gleiches gilt für den Eigenschaftsirrtum. Ein solcher ist gegeben, wenn sich Ihre Luxusuhr nach dem Einstellen des Angebots überraschend als Plagiat entpuppt. Hat schon ein Interessent für Ihren Artikel geboten, müssen Sie ihm gegenüber schnell die Anfechtung erklären. So können Sie das Angebot vorzeitig beenden. Der Nachteil: Ist dem Bieter dadurch nachweislich ein Schaden entstanden, müssen Sie ihm diesen ersetzen. Von Ihrem Angebot lösen können Sie sich hingegen nicht, wenn Sie sich lediglich anders entschieden haben. Nur weil Sie das Gemälde doch lieber behalten möchten, können Sie das Angebot nicht beenden und sind daran gebunden.

Widerrufsrecht ja oder nein?

Bieten Sie als Privatperson Dinge zum Kauf an, müssen Sie dem Käufer kein Widerrufsrecht einräumen. Entsprechend brauchen Sie auch keine Belehrung aufzunehmen. Umgekehrt sollten Sie sogar ausdrücklich darauf verzichten. Unter Umständen haben Sie Ihrem Käufer nämlich sonst freiwillig ein Widerrufsrecht zugestanden. Will der Bieter sich von seinem Angebot lösen, geht dies auch nur bei einem Erklärungs-, Inhalts- oder Eigenschaftsirrtum. Hat er nur das Interesse verloren, ist er trotzdem an sein Gebot gebunden.

Bei Mangel Gewährleistung?

Bei der Gewährleistung handelt es sich um einen gesetzlichen Anspruch des Käufers, wenn die gekaufte Sache bei Übergabe mangelhaft ist. Es ist ein Irrglaube, dass Privatpersonen keine Gewährleistung übernehmen müssen. Das Gesetz unterscheidet insofern nicht zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern. Als Privatverkäufer dürfen Sie allerdings die Gewährleistung ausschließen. Darauf müssen Sie Ihre potentiellen Käufer aber ausdrücklich hinweisen. Achtung! Mit dem pauschalen Satz „Gewährleistung wird nicht übernommen“ kommen Sie nicht weit, wenn Sie mehr als drei Angebote einstellen. Dann gilt dieser Satz auch bei Ihnen als Allgemeine Geschäftsbedingung. Für den wirksamen Ausschluss müssen Sie in diesem Fall eine spezielle Formulierung wählen. Darin müssen Sie klarstellen, dass der Ausschluss nicht für Schadensersatz wegen Verletzung von Gesundheit, Körper oder Leben und grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung von Verkäuferpflichten gilt. Wollen Sie häufiger etwas im Internet verkaufen, sollten Sie den Ausschluss sorgfältig vorbereiten. Übrigens: Handeln Sie arglistig, nützt Ihnen auch der beste Gewährleistungsausschluss nichts. Verkaufen Sie bewusst einen Nachdruck als Originalgemälde um einen höheren Preis zu erzielen, müssen Sie trotz Ausschluss der Gewährleistung für Ihre Schummelei geradestehen.

Von privat zu gewerblich

Haben Sie Gefallen an Ihrem Geschäftsmodell gefunden, müssen Sie vorsichtig sein. Wird aus Ihrem privaten Hobby eine gewerbliche Tätigkeit, fallen Steuern an. Außerdem müssen Sie ein Gewerbe anmelden und diverse Informationspflichten im Internet erfüllen. Wann genau die private Tätigkeit in eine gewerbliche übergeht, kommt auf den Einzelfall an. In vielen Gerichtsentscheidungen haben die Gerichte Anzeichen herausgearbeitet, die für eine gewerbliche Tätigkeit sprechen. Hinweise sind unter anderem der Ankauf von Artikeln zum Weiterverkauf, Verkauf regelmäßig vieler Artikel, eine hohe Zahl an Käuferbewertungen und die Anzahl der aktuellen Verkäufe. Wo genau dabei die Grenze liegt, kann nur im jeweiligen Fall entschieden werden. Verkaufen Sie hingegen einmalig ein paar Gegenstände aus Ihrem Frühjahrsputz und sind den Rest des Jahres nicht auf der Plattform aktiv, handelt es sich eher um eine private Verkaufstätigkeit.

Fotos: Denken Sie an das Urheberrecht

Natürlich lassen sich Artikel mit netten Bildern besser verkaufen. Lassen Sie sich aber nicht dazu verleiten, Bilder aus dem Internet in Ihr Angebot zu kopieren. Damit verstoßen Sie gegen das Urheberrecht und unter Umständen auch das Markenrecht. Bilden Sie ohne deren Einverständnis zudem fremde Personen ab, verletzen Sie deren Persönlichkeitsrecht. Die Folge all dessen: Ihnen droht eine kostspielige Abmahnung. Daher sollten Sie Ihren Artikel selbst fotografieren und auch nicht mit der Markendarstellung werben. Achten Sie auch darauf, dass keine anderen Personen abgebildet sind. Mit ein bisschen Phantasie können Sie auch so eine ansprechende Darstellung gestalten.

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