Ergo Versicherung

Sterbephasen und Sterbeprozess

Wenn es zu Ende geht

Wie verarbeiten Todkranke ihre Situation? Wie verlaufen die letzten Monate? Lesen Sie hier über die Sterbephasen und den Sterbeprozess.

Wie verlaufen die letzten Monate, Tage und Stunden des Lebens? Die Sterbephasen bzw. der Sterbeprozess sind bei jedem Menschen anders. Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten, die häufig zu beobachten sind. Erfahren Sie hier, wie Menschen ihr eigenes Sterben verarbeiten und wie es sich körperlich äußert.

Achtung: Die Themen Sterben und Tod werden in diesem Artikel zum Teil detailliert beschrieben. Stellen Sie vor dem Lesen sicher, dass Sie mit diesen Themen umgehen können.

So individuell jedes einzelne Leben ist, so individuell geht es auch zu Ende. Es gibt kein starres Schema, nach dem Menschen sterben. Bei längeren Krankheiten oder im Alter gibt es aber Phasen, die von Sterbenden häufig durchschritten werden – körperlich und seelisch. Abhängig vom Betroffenen und vom medizinischen Verlauf können diese Phasen Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern.

Gut zu wissen: Der Begriff Sterbephasen beschreibt den Umgang mit dem eigenen Tod. Darum geht es im ersten Teil des Ratgebers. Die körperlichen Anzeichen für das schrittweise Versagen des Körpers nennt man Sterbeprozess. Dieser wird im zweiten Teil dieses Ratgebers erläutert.

Die 5 Sterbephasen: So verarbeiten Sterbende den nahenden Tod

Wenn ein Arzt feststellt, dass eine Krankheit nicht mehr geheilt werden kann, führt er mit dem Patienten und Angehörigen ein Aufklärungsgespräch über das Sterben.

Spätestens mit diesem Gespräch beginnt der Todkranke, seinen eigenen Tod zu verarbeiten. Oft beginnt der Prozess aber schon bei der ersten Diagnose einer schweren Krankheit. Auch dann, wenn ein tödlicher Verlauf noch nicht feststeht.

Wie die psychische Verarbeitung des Sterbens abläuft, wurde erstmals 1969 von der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross beschrieben. Nach Gesprächen mit 200 Sterbenden stellte sie fest, dass die meisten von ihnen 5 Phasen des Sterbens durchlaufen. Die Phasen müssen nicht unbedingt aufeinander folgen. Manche werden übersprungen oder treten gleichzeitig auf. Rückfälle in vorherige Phasen sind ebenfalls keine Seltenheit.

Die 5 Phasen des Sterbens werden auch häufig als 5 Phasen des Verlusts oder der Trauer bezeichnet. Der Grund: Viele Eigenschaften der Sterbephasen treten auch bei anderen Verlust- und Trauerphasen auf.

Phase 1: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Die erste Phase des Sterbens beginnt, sobald ein Mensch von einem tödlichen Leiden erfährt. Patienten wollen nicht wahrhaben, dass sie von einer Krankheit betroffen sind, die nicht mehr aufzuhalten ist. Der Schock über den eigenen Zustand führt dazu, dass die Sterbenden verdrängen und sich häufig auch isolieren. Sie hoffen auf einen Irrtum.

Sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen ist emotional sehr belastend. Die erste Phase ist daher ein normales Zeichen von Überforderung, das auch bei Angehörigen ausgeprägt auftritt.

Die erste Sterbephase ihrer Lieben ist für Angehörige oft auch deswegen schwer zu ertragen, weil die Kranken sich gegen eine Behandlung sperren. Nur mit der Zeit kann diese Phase überwunden werden.

Phase 2: Zorn

Die zweite Phase des Sterbens äußert sich in Wut und Zorn über das eigene Sterben. Sterbende fragen sich, warum gerade ihr Schicksal eine tödliche Krankheit ist: „Warum gerade ich?“ In der Zornphase brechen die negativen Emotionen oft aus den Sterbenden heraus. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass sich die Wut nicht direkt gegen die Angehörigen richtet, sondern z. B. gegen alle Gesunden.

Wenn Sie einen Sterbenden begleiten, ist es wichtig, den Zorn nicht persönlich zu nehmen und ihm Raum zu lassen.

Auch wenn Phase 2 nach außen nicht sehr positiv wirkt: Sie ist ein erster Schritt der Sterbenden, sich mit ihrem Zustand und dem Verlauf des Sterbeprozesses auseinanderzusetzen.

Phase 3: Verhandeln

In der dritten Phase suchen Sterbende nach einem Weg, den Tod hinauszuzögern. Dazu versuchen sie, mit Ärzten, mit Gott oder Ähnlichem zu verhandeln. Oft wird dabei versucht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie wollen z. B. noch die Hochzeit des Kindes erleben oder ein Projekt abschließen. Im Ausgleich dazu versprechen die Sterbenden, gesünder oder moralischer zu leben.

Dieser Handel ist für die Sterbenden mit der Hoffnung verbunden, das Unumgängliche hinauszuzögern. Für Angehörige ist es wichtig, diese Hoffnung nicht zu zerstören, aber auch keine falsche Hoffnung zu wecken. In der dritten Phase lassen Sterbende viele Behandlungen zu.

Phase 4: Depression

In der Depressionsphase trauern Todkranke um vertane Chancen und auch um das Leben, das bald endet. In dieser vierten Phase wollen viele Sterbende sich um ihre Angelegenheiten kümmern, Kontakt zu nahestehenden Personen haben und vor allem auch viel reden.

Angehörige sollten in dieser Phase zuhören, aber nicht trösten, damit die Kranken ihre Sorgen und Nöte loswerden können. Schwierig für Angehörige in dieser Phase ist, dass die Sterbenden oft Behandlungen ablehnen.

Phase 5: Zustimmung

In der fünften Phase akzeptieren die Kranken, dass sie im Sterben liegen. Sie ziehen sich in sich zurück und gehen dem Tod ruhig entgegen. In dieser letzten Phase wünschen die Sterbenden meistens keine Gespräche mehr und lehnen auch jede Art der Behandlung ab. Allerdings erreichen viele Menschen diese letzte Phase nicht.

Für Angehörige ist es eine schwierige Phase. Denn sie können oft selbst noch nicht akzeptieren, dass ihr geliebter Verwandter oder Freund endgültig im Sterben begriffen ist. Trotzdem sollten Sie als Nahestehender dem Wunsch nach Ruhe nachgeben. Versuchen Sie zumindest, dem Sterbenden die Möglichkeit zum ruhigen Abschied zu geben.

Sterbeprozess: Körperliche Anzeichen des Sterbens

Unabhängig von der psychischen Verarbeitung des eigenen Todes lösen tödliche Krankheiten oder Altersschwäche irgendwann den Sterbeprozess aus. Je nach Betroffenem und Krankheit verläuft dieser natürliche Prozess unterschiedlich. Grob unterteilt man ihn in 3 Phasen:

  • Rehabilitationsphase
  • Terminalphase
  • Finalphase

Ab der Terminalphase spricht man von „im Sterben liegen“. Sie wird häufig zusätzlich in Terminal- und Präterminalphase aufgeteilt.

Der Sterbeprozess kann durch bestimmte Krankheiten oder einen Unfall deutlich kürzer verlaufen. Bei Hirnblutungen oder Herzstillstand z. B. ist der Sterbeprozess sehr schnell vorbei.

Die Rehabilitationsphase: Die Krankheit beginnt, das Leben einzuschränken

In der Rehabilitationsphase beginnt eine tödliche Krankheit, das Leben des Patienten stark einzuschränken. Die Lebenserwartung des Kranken liegt noch bei einigen Monaten oder Jahren. Häufig werden die Sterbenden pflegebedürftig. In dieser Phase wird noch versucht, die Krankheit des Patienten aufzuhalten.

Die Präterminalphase: Immer mehr Pflege notwendig

Sobald es keine Möglichkeiten mehr gibt, die Krankheit zu stoppen, beginnt die Präterminalphase. Die Sterbenden sind immer mehr auf Pflege und Unterstützung angewiesen, ihr Zustand verschlechtert sich zusehends. Sie werden bettlägerig und schwach.

In der Präterminalphase haben sie noch eine Lebensprognose von wenigen Wochen oder Monaten.

Die Terminalphase: Das Ende ist abzusehen

In der Terminalphase werden Sterbende sehr blass, vor allem um Mund und Nase. Die Blässe im Gesicht wird auch Dreieck des Todes oder Todesdreieck genannt. Die Sterbenden erleiden häufig Angstzustände und verlieren den Appetit.

Die Terminalphase dauert wenige Tage bis zu etwa einer Woche.

Die Finalphase: Die letzten Stunden eines Sterbenden

Die Finalphase ist die eigentliche Sterbephase. Die im Sterben Liegenden verweigern nach und nach Essen und Trinken und bekommen eine flache Atmung. Stoffwechsel und Durchblutung fahren herunter und die Muskulatur erschlafft. Die Organe beginnen zu versagen.

Deutlich zu erkennen ist die Finalphase an der blassen, trockenen Haut und dunklen Flecken auf der Haut. Die Haut um die Augen und an den Wangen sinkt ein, die Gesichtsknochen treten hervor. Der Atem beginnt zu rasseln, weil die Lunge nicht mehr freigehustet werden kann.

In dieser letzten Phase trocknet der Körper aus. Das klingt schrecklich, führt aber zur Ausschüttung von Hormonen, die die Sterbenden beruhigen und Schmerzen lindern. Nach wenigen Stunden tritt der Tod ein.

Wie verhält man sich am Sterbebett?

Angehörige sind oft unsicher, wie sie sich am Sterbebett verhalten sollen und was sie zu dem Sterbenden sagen sollen. Dabei gibt es nicht die eine richtige Verhaltensweise. Wichtig ist nur, einfühlsam zu sein.

Mit persönlichen, passenden Gesten Trost spenden

Angehörige kennen ihre todkranken Familienmitglieder oder Freunde am besten. Um Sterbenden Trost zu spenden, vertraut man am besten auf seine Erfahrung mit der Person. Hat der sterbende Vater oft körperliche Nähe gesucht, z. B. Umarmungen? Hat sich die Partnerin wohlgefühlt, wenn man mit ihr ruhig gesprochen hat? Gesten sind häufig wichtiger als die richtigen Worte. Ein liebevoller Tonfall oder eine beruhigende Berührung können Sterbenden sehr guttun.

Wie spricht man mit einem Sterbenden?

Am Sterbebett sind lange Reden fehl am Platz. Wichtiger ist es beim Gespräch mit Sterbenden, Sprache als liebevolle Geste zu verwenden. Lassen Sie Ihr Herz sprechen – ein „ich bleibe bei dir“ oder Ähnliches kann dem Sterbenden Geborgenheit geben.

Angehörige haben am Sterbebett die letzte Möglichkeit, sich zu versöhnen. Entschuldigen Sie sich oder vergeben Sie, solange es noch möglich ist. Das spendet dem Sterbenden Trost und tut auch Ihnen gut.

Wie verabschiedet sich ein Sterbender?

Sterbende äußern häufig Wünsche nach körperlicher Nähe. Rechnen Sie aber auch damit, dass der Sterbende womöglich nicht viel redet. Denn Sprechen ist sehr anstrengend, weshalb in den letzten Stunden die Fähigkeit zu sprechen sehr eingeschränkt sein kann.

Todkranke versuchen aber auch, mit Gesten und kurzen Wörtern Nähe zu Angehörigen herzustellen, sich zu bedanken, um Vergebung zu bitten oder selbst zu vergeben. Und selbst wenn der Sterbende schweigen sollte, heißt das nicht, dass er Sie nicht hören kann.

Das könnte Sie auch interessieren: