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Lifehacks- Der Podcast mit Katrin

Über Geld spricht man nicht?

In dieser Podcast-Folge sprechen wir mit Hava Misimi über das Thema Geld und den richtigen Umgang.

Lifehacks mit Katrin

Katrin und Hava Misimi sprechen in dieser Folge darüber, wie man aus dem ersten Gehalt echte finanzielle Sicherheit macht, statt in die Lifestyle- Falle zu tappen. Die Folge will Mut machen, früh Verantwortung für die eigenen Finanzen zu übernehmen, offen über Geld zu sprechen und das eigene Zukunfts- Ich ernst zu nehmen.

Hava: Man vergleicht sich ja auch immer automatisch, wenn man über das Thema Geld spricht. Also deutlich stärker, weil man hat halt Zahlen, mit denen man sich vergleichen kann, als wenn ich irgendwie sag, der hat ein schöneres Auto. Das ist ja wieder Geschmackssache. Aber bei Zahlen, klar, da kann man dann schnell sagen, er oder sie oder xy verdient mehr oder weniger oder wird halt direkt damit bewertet, hat vielleicht auch Angst vor Neid oder hat auch vielleicht Angst vor Mitleid, wenn man weniger verdient und ich glaube, es ist halt ein psychologisches Thema und dadurch, dass wir so wenig darüber sprechen, verändert sich aber auch die Kultur nicht. Also, wenn man jetzt im Kleinen anfangen würde, einfach mal darüber zu sprechen, über Gehalt, sich in den Gehaltsklassen zu vergleichen, mal einfach zu fragen, hey, wie bist du bei deiner Verhandlung vorgegangen und das nicht als Neid zu sehen, sondern was kann ich von jemandem vielleicht lernen, dass ich auch dahin komme und das ein bisschen rationaler zu betrachten, macht man wenig und dadurch ändert sich auch glaube ich die Kultur nicht, dass man darüber spricht, sondern dann sagt man halt einfach, nee, über Gehalt spricht man nicht. Und ich weiß nicht, ob du es kennst in vielen Arbeitsverträgen steht ja oft auch drinnen, man soll nicht mit seinen Kollegen über sein Gehalt sprechen.

Katrin: Ich weiß noch als ich mein erstes richtiges Gehalt bekommen hab, ich dachte ich wäre reich. Ich habe noch daheim gewohnt und hab mir ausgemalt, was ich mit meinem Geld alles so machen kann. Viel reisen auf jeden Fall und shoppen. Und ganz ganz wichtig: Machen was ich möchte. Du musst niemanden fragen. Und plötzlich fühlt sich alles so frei an und so erwachsen. Und jetzt Jahre später frage ich mich: „Was ist mit dem ganzen Geld eigentlich passiert? Irgendwie ist alles mehr geworden und je mehr Geld ich verdient habe, umso mehr Rechnungen sind irgendwie gekommen. Es fühlt sich immer mehr so an, als müsst ich schneller, schneller und schneller laufen nur um letztendlich auf der Stelle zu bleiben. Genau darüber sprechen wir heute. Über den Unterschied zwischen dem ersten Gefühl der Unabhängigkeit und echter finanzieller Ruhe. Also zwischen kann ich mir das gerade leisten mit dem ruhigeren Gedanken „Ja, und meinem Zukunfs-Ich geht’s damit auch gut.“

Ich sitze heute hier mit Hava Misimi, Gründerin und Geschäftsführerin von Femance Finanzen. Vielleicht kennst du sie als @femance_finanzen auf Instagram, wo sie mit klaren, ehrlichen Worten über Geld, Versicherungen und Altersvorsorge spricht. Genau die Themen, bei dem viele von uns denken „Ja, ach, darum kümmere ich mich später.“ Angefangen hat bei ihr alles mit einem Blog. Einfach aus dem echten Bedürfnis heraus, endlich zu verstehen, was mit dem ersten Gehalt eigentlich passieren sollte. Daraus wurde ein Unternehmen, ein Bestseller-Buch, digitale Kurse und vor allem eine Mission: Menschen, besonders Frauen finanziell unabhängig und sorglos zu machen.

Hava ist seit 2021 hauptberuflich in der Finanz- und Versicherungswelt unterwegs, hat Wirtschaft studiert, weiß aus eigener Erfahrung, wie sich der Sprung vom knappen Studentenbudget zum ersten Vollzeitgehalt anfühlt und warum so viele genau dann in die Lifestyle-Falle tappen.

Heute sprechen wir über das erste Gehalt und was es wirklich bedeutet, warum Lifestyle-Inflation so tückisch ist, warum wir über Geld (und vor allem über Absicherung) so schlecht reden, wie Frauen besonders von Altersarmut bedroht sind, und warum echte finanzielle Stabilität nicht mit mehr Ausgeben beginnt, sondern mit klugen 10–20 % für dein Zukunfts-Ich.

Katrin: Wie bist du so draufgekommen oder hast du gemerkt, dass gerade so Female Finance, was ist, wo eine Lücke da ist und wo man so bisschen reingehen kann, blogmäßig und dann später natürlich auch über die anderen Kanäle?

Hava: Das war eher Zufall. Also ich bin in meinen ersten Job halt so reingestartet und man verdient das erste Mal richtig Geld, sage ich mal in Anführungsstrichen. Also man hat halt den Vollzeitgehalt und nicht nur, was man als Studie irgendwie nebenher immer gemacht hat und dann doch das Studium finanzieren musste. Und ich habe mir selber halt super viele Fragen gestellt wie: Brauche ich jetzt eine BU? Wie gehe ich eigentlich vor bei meiner Altersvorsorge? Was ist wichtig? Wie viel Geld sollte ich eigentlich für Miete ausgeben? Und ich habe das so bisschen einfach angefangen, in diesem Medium zu verarbeiten, in meiner Sprache. Und es war ganz interessant, dass es doch recht viele gelesen haben, weil ich gedacht habe, am Anfang ist es halt irgendwie wie so ein Tagebuch oder so. Und es waren primär auch Frauen, die sich einfach angesprochen gefühlt haben, glaub ich, meiner Art auch Dinge zu erklären. Und da habe ich dann gemerkt, dass es schon auf jeden Fall auch ein Thema ist, das halt viel damals, jetzt ist es ja anders, viel Content draußen gibt, der halt einfach von Banken und Versicherungen ist, aber irgendwie das nicht so richtig auf den Punkt bringt und man trotzdem nur Bahnhof verstanden hat, was man jetzt machen soll. Ja, da habe ich das so das erste Mal für mich gemerkt, dass es doch ein Thema ist. Und 2019 hatte mich dann auch jemand von den Lesern zum Finanzblock Award von der Comdirect nominiert. Und ich hatte auch den ersten Platz dann gewonnen. Aber für mich war das so voll cool, dass das überhaupt jemand liest, und mit Corona kam das halt alles so ein bisschen aus der Nische raus, weil viele Zeit hatten, zu Hause waren und dann ja auch viele größere Kanäle gewachsen sind wie Finanzfluss und Co. Ja.

Katrin: Wie war's denn dann für dich, als du dann tatsächlich mal dein erstes Gehalt bekommen hast?

Hava: Ja, es war ein cooles Gefühl. Ich musste mich immer selber finanzieren und man versucht halt über die Runden zu kommen, sich so zu strukturieren, weil man nicht so viel übrig hat, dass es auf Monatsende halt hoffentlich auf 0-0 rauskommt und man nicht irgendwie im Minus landet und gut über die Runden kommt. Da macht man sich gar nicht so viele Gedanken zu sparen, weil es halt nicht so möglich ist, sage ich mal. Es war auch nie ein Problem für mich, aber dann mit dem ersten Gehalt, wo man dann wirklich außerhalb von diesen Needs noch Geld übrig hatte, war schon ein tolles Gefühl von Unabhängigkeit fand ich und Freiheit, wo man so gedacht hat, ja, es hat sich ausgezahlt, diese Mühen von den letzten Jahren, dass ich jetzt doch irgendwie was verdiene. Also für mich zumindest, klar. Also wenn ich jetzt rückblickend drauf schaue, der erste Job ist jetzt nicht der Job, wo man super viel Geld verdient. Aber im Verhältnis zu dem, wo man herkommt, ist es doch ein bisschen mehr. Und das ist dann doch ein cooles Gefühl, so eine Selbstwirksamkeit auch irgendwie, so ein Gefühl von ich kann was mit meiner Arbeitskraft verdienen wirklich und sie ist was wert und sie ist nicht nur ganz wenig wert, sondern sie hat irgendwie einen gewissen Wert.

Katrin: Ja, und gerade, wenn man noch bisschen jünger ist, dann hat ja Geld noch einen ganz anderen Wert. Also dann sind da die ersten 100 Euro und 100 Euro sind viel Geld, um Gottes willen. Aber wenn du jetzt jemanden fragst, der schon 20 Jahre gearbeitet hat, der schätzt 100 Euro anders als jemand, der das das erste Mal hat. Mein erstes Gehalt, ich habe eine duale Ausbildung gemacht und mein Betrieb hat es immer so ein bisschen, also ich hatte ein sehr niedriges Gehalt, oh Gott, und er hat das immer so ein bisschen begründet mit, ja aber...diese Schule, wo du auch noch hingehst, das zahlen wir ja auch. Ganz schlimm. Und dann gingen von den 500 Euro wirklich wenig und dann ging dann noch die Fahrkarte weg. Und dann 100 Euro oder so was. Und dann musste ich natürlich was zu Hause abgeben. Völlig fair, jetzt nicht die Welt, aber meine Eltern wollten eben schon, dass man das lernt, dass es halt irgendwie so dazu gehört. Und das geht dann schnell runter. Und du denkst dir, aber ich Arbeit doch 40 Stunden. Und dann habe ich doch am Wochenende noch diese Schule. Wieso bleibt denn da wirklich gar nichts? Und wenn mir da noch jemand gekommen wäre mit, also wenn du jetzt hier noch so viel in der B.U. packst, ich hätte geweint, glaub ich.

Hava: Also ich glaube, ein großes Thema ist, was ich eben auch im Freundeskreis oft sehe, ist so ein bisschen dieses Thema der Lifestyle-Inflation. Also du hast ja gerade gesagt, du wolltest, dass deine Eltern wollten, dass du das lernst, dass man auch was für die Miete und Co irgendwann abdrücken muss. Ist halt einfach so. Es gibt gewisse Fixkosten im Leben und ich finde es immer ganz interessant zu sehen, dass viele, wenn sie irgendwie mehr verdienen, egal ob aus dem Studium oder aus dem, weiß ich nicht, herausdenken, ich muss jetzt komplett auch direkt mein Leben und Lifestyle steigern. Also ich brauch eine größere Wohnung, ich brauch eine eigene Wohnung, ich muss ganz viele Sachen einkaufen, ganz viel Einrichtung, dies das. Und dann lernt man eigentlich nie, Geld zu sparen, weil man dann immer, sobald man mehr verdient, ja auch sein Lifestyle anpasst. Das heißt, man ist immer in diesem Rad drin, was du gerade gesagt hast. Komm mir nicht mit Absicherung oder Altersvorsorge oder sonstiges. Ich habe kein Geld dafür. Das heißt, man kann auch unendlich viel verdienen. Und wenn man halt nie gelernt hat, mit kleinem Geld irgendwie was beiseitezulegen, zu packen, auch an sein Zukunfts-Ich zu denken, rutscht man halt immer in dieses Lifestyle-Inflation-Rad. Und ich glaube, das sollte man vermeiden, indem man lernt, von früh auf so zu budgetieren. Also dass man sagt, irgendwie 50 Prozent von meinen Einnahmen gebe ich für fixe Kosten aus, vielleicht auch etwas mehr, wenn ich in einer teuren Stadt wohne. 20 % ist alles, was mir Spaß macht im Hier und Heute, variable Kosten, die ich halt irgendwie habe für meine Hobbies und Co. Und 10 % versuche ich irgendwie immer beiseitezusparen für mein Zukunfts-Ich. Weil dieses Zukunfts-Ich wird es auch geben. Es ist nicht so priorisiert wie mein jetziges Ich, weil ich gebe ja eigentlich mehr Geld aus für mein Hier und Heute. Aber mein Zukunftsich kommt ja auch irgendwann in der Zukunft. Es kann was passieren. Man geht in Rente. Es können aber auch ganz andere Themen irgendwie passieren, die nicht so schön sind. Und dann hat man irgendwie vorgesorgt. Und wenn man das schafft, in jeder Lebensphase beizubehalten, dann ist man eigentlich immer gut unterwegs, auch wenn man vielleicht weniger verdient oder mehr verdient und hat das wirklich gelernt, dass man nicht in so einen Lifestyle-Trap kommt, sag ich mal.

Katrin: Lifestyle-Inflation ist auch ein schönes Wort. Es ist dieses, ein bisschen dieses Fußballer-Phänomen. Du kriegst mit sehr jungen Jahren sehr viel Geld und dann ist halt irgendwie mit Mitte 30 rum und du hast aber ja trotzdem deine fünf Autos und dein Haus und dann plötzlich zurückzuschrauben oder sich... Also ich glaube, das ist schwer. Letztens ‚nen Buch gelesen, den finde ich eigentlich ganz smart. Wenn du es dir nicht zweimal kaufen kannst, dann kaufst du ja gar nicht. Und da muss ich drüber nachdenken, weil dann... Dann übersteigst du dich ja oder übernimmst du dich ja in dem Moment komplett mit deinen Ausgaben. So das ist vielleicht so eine ganz gute Regel.

Hava: Ja, total. Das mit dem Fußballern ist echt ein Paradebeispiel. Es gibt, glaube ich, die Fußballer, die sehr klug mit ihrem Geld umgehen, dann auch so ihr Geld anlegen, dass sie den Lifestyle auch in der Zukunft leben können, für ihr Zukunfts-Ich. Und dann gibt es halt die, die sagen, wow, so viel Geld, aber halt nicht dran denken, dass die Karriere als Sportler ja relativ früh auch schon vorbei ist und das Zukunfts-Ich noch recht lange besteht, sage ich mal.

Es ist glaube ich auch ein Thema von finanzieller Bildung. was man mitbekommt von seinen Eltern, dem Drumherum, dass man da so ein bisschen Bescheid weiß und sich Gedanken dazu macht oder dass man halt gar nichts dazu weiß. Und leider lernen wir ja in der Schule nichts dazu, was ist wichtig, welche Versicherungen sind wichtig, wie viel Geld sollte ich einsparen, wie viel sollte ich für Miete ausgeben, sodass viele eigentlich sehr blank dann mit 18, 19 dastehen und sagen, ja, ich kann halt irgendwie fünffach ableiten, irgendwelche Formeln, aber ich weiß eigentlich gar nicht, was so zum Alltagsleben in Sachen Finanzen wichtig ist. Ich glaube, das führt auch zum Teil eben dazu.

Katrin: Was wir bisher schon für wichtige Lifehacks mitgenommen haben:

Dein erstes richtiges Gehalt fühlt sich krass an – plötzlich hast du Geld übrig nach den Basics. Das ist der Moment, in dem du merkst: Meine Arbeit hat Wert und ich kann echt was bewegen. Nutz dieses Gefühl, um direkt clever anzufangen, statt es nur schnell auszugeben.

Und:

Lifestyle-Inflation ist die größte Falle, in die fast alle tappen. Mehr Gehalt, sofort größere Wohnung, bessere Möbel, mehr Klamotten, teurer Urlaub… und am Ende fühlst du dich trotzdem immer noch knapp bei Kasse. Die Lösung: Lerne früh, dein Geld aufzuteilen.

50–60 % Fixkosten (Miete, Essen, Versicherungen etc.)

20–30 % Spaß & Leben im Jetzt

mind. 10 % direkt weg für dein Zukunfts-Ich (Notfall, Altersvorsorge, Investieren).

Wenn du das Prinzip einmal drin hast, bleibst du entspannt.

Egal ob du 1.800 oder irgendwann 5.000 netto verdienst. 

Dein Zukunfts-Ich dankt es dir später!

Weiter geht’s!

Ja, also das verstehe ich auch nicht. Ich frag mich, also oder vielleicht weißt du das auch, woher kommt es, dass die Schulthemen so wenig reformiert werden? Also ich kann ja auch, wie du schon sagst, so ein Daktylus und ein Jambus klatschen irgendwie in einem Gedicht. Aber wenn jemand kommt und sagt, hey, weißt du überhaupt, wie du eine Schufa-Auskunft kriegst, wenn du dir eine Wohnung suchst? Das ist so schwer.

Hava: Ja, voll. Ich hoffe, dass sich da was ändert in der Zukunft. Aber ich glaube, es liegt halt einfach daran, dass wir dieses Bundeslandsystem haben und jedes Bundesland ja für die Bildung verantwortlich ist. Und manche Lehrer streuen das ja schon so ein bisschen in ihre Stunden irgendwie rein, wenn man zum Beispiel Wirtschaft hat oder so. Aber wenn man, weiß ich nicht, auf einem Musikgymnasium ist, dann macht man sowas halt doch weniger, obwohl es eigentlich für alle wichtig ist, weil wir gehen ja alle jeden Tag raus, Geld zu verdienen am Ende. Klar, auch irgendwie einen Job zu machen, der uns Spaß macht, aber auch Geld zu verdienen.

Katrin: Warum würdest du sagen, dass Geld so ein Tabuthema bei Leuten immer noch? Also jeder kennt ja, über Geld spricht man nicht, bei Geld hört die Freundschaft auf. Warum ist das so?

Hava: Das ist eine sehr gute Frage. Also ich glaube, zum einen natürlich psychologisch in Deutschland war, dass man wenig darüber spricht. Ich habe ja auch einen Background. Meine Eltern kommen aus dem Kosovo. Da spricht man schon bisschen offener über das Thema als jetzt hier. Deshalb glaube ich, es so auf so bisschen Prägung. Und ich glaube, es liegt auch so ein bisschen an dem Thema Neid, dass man Angst hat. Man vergleicht sich ja auch immer automatisch, wenn man über das Thema Geld spricht. Also deutlich stärker, weil man hat halt Zahlen, mit denen man sich vergleichen kann, als wenn ich irgendwie sag, der hat ein schöneres Auto. Das ist ja wieder Geschmackssache. Aber bei Zahlen, klar, da kann man dann schnell sagen, er oder sie oder xy verdient mehr oder weniger oder wird halt direkt damit bewertet, hat vielleicht auch Angst vor Neid oder hat auch vielleicht Angst vor Mitleid, wenn man weniger verdient und ich glaube, es ist halt ein psychologisches Thema und dadurch, dass wir so wenig darüber sprechen, verändert sich aber auch die Kultur nicht. wenn man jetzt im Kleinen anfangen würde, einfach mal darüber zu sprechen, über Gehalt, sich in den Gehaltsklassen zu vergleichen, mal einfach zu fragen, hey, wie bist du bei deiner Verhandlung vorgegangen und das nicht als Neid zu sehen, sondern was kann ich von jemandem vielleicht lernen, dass ich auch dahin komme und das ein bisschen rationaler zu betrachten. Macht man wenig und dadurch ändert sich auch glaube ich die Kultur nicht, dass man darüber spricht, sondern dann sagt man halt einfach, nee, über Gehalt spricht man nicht. Und ich weiß nicht, ob du es kennst in vielen Verträgen, Arbeitsverträgen steht ja oft auch drinnen, man soll nicht mit seinen Kollegen über sein Gehalt sprechen.

Katrin: Ja, da macht man sich schon leicht als Arbeitgeber, so rede nicht drüber, braucht ihr uns nicht drauf ansprechen.

Hava: Genau, das schürt ja auch, wenn so was in so einem Arbeitsvertrag ja sogar drinsteht, trägt es ja auch kulturell was dazu bei oder macht mit einem, wenn man das liest, dann denkt man so, ja, vielleicht ist es nicht so angebracht, über solche Themen zu sprechen.

Katrin: Da gibt's ein ganz spannendes Gedankenexperiment, weil man kauft sich ja oft auch dann ein schlechtes Gefühl ein. Da soll man sich so vorstellen, du kriegst eine Gehaltserhöhung, aber dein Kollege oder deine Kollegin, von der du jetzt nicht so viel hältst, kriegt das Doppelte. Und wenn du nein sagst, kriegt keiner was. Was macht man dann? Du könntest dich auf der einen Seite freuen, ja, aber ich krieg ja mehr, also ich kann ja nur gewinnen, aber ich kaufe mir dieses schlechte Gefühl ein, dass ich weiß, hä, aber die andere Person hat es gar nicht verdient. Und da finde ich es wahnsinnig spannend, drauf rumzudenken, weil das auch viel dann aussagt, wie wir Menschen eigentlich ticken am Ende.

Hava: Ja, total. Und es wertet ja auch dann das so bisschen ab, was man bekommen hat, wenn man es immer in den Vergleich setzt. Weißt du, wie ich meine? Wenn man nicht sich selber vergleicht, wo komme ich eigentlich her, sondern sich immer mit anderen in den Vergleich setzt. Und dadurch entsteht dann auch, glaube ich, viel diese Neidkultur oder dieses, hm, der andere kriegt ja dann noch mehr oder noch weniger oder was weiß ich.

Katrin: Ja voll, dabei kriegst ja du mehr als gerade noch. Es ist so eigentlich, wenn man es in rein nüchtern betrachtet, könntest du dich ja froh, aber ja, das ist schwierig. Aber Geld ist halt einfach ein wahnsinnig sensibles Thema. Wenn man mehr Geld hat, sagt man, hat man auch weniger Probleme. Würdest du das unterstreichen?

Hava: Ja, also auf jeden Fall. Man hat weniger finanzielle Probleme, weil finanzielle Sorgen führen ja auch dazu, dass einem mental vielleicht nicht gut geht, dass man sich mehr Gedanken macht, in Gedankenspiralen verliert. Es ist ja nicht so gesund, die ganze Zeit Sorgen zu haben. In dem Sinne kann ich mir das leisten, komme ich diesen Monat über die Runden oder die Miete steigt, kann ich das irgendwie finanzieren. Deshalb glaube ich insofern ja, teils, teils. Es gibt aber ja auch Studien, die zeigen, dass Geld an Nutzen auch abnimmt oder Glücksgefühl. Also wenn man sich so Glücksstudien anschaut, dann sieht man ja immer, dass das Gehalt, das steigt, auch das Glück ansteigt im gleichen Maße. Aber ich habe mir die Zahl rausgesucht. Nur bis knapp 64.000 Euro brutto ist die aktuelle Zahl in Deutschland ungefähr.

Und wenn ich danach eine Gehaltsteuerung habe, dann nimmt mein Glück nicht mehr im gleichen Maße zu, sondern bleibt eigentlich auf diesem Niveau. Das heißt, diese Aussage würde ich sagen, ja, aber begrenzt. Also es macht mich irgendwie ein bisschen glücklicher. Dadurch habe ich weniger Sorgen, habe weniger Geldsorgen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Es hebelt jetzt nicht Themen aus wie, dass ich vielleicht einsam bin oder andere psychische Themen, die ich habe. dieses Grundthema würde ich mal sagen ja begrenzt.

Katrin: Die Probleme werden quasi einfach andere. Und dieses Existenzielle fällt weg, was ja schonmal wichtig ist. Ich glaube, ab den 64.000, die du gerade erwähnt hast, ab dann internalisiert man ja dieses Gefühl so ein bisschen. Wenn Geld immer natürlicher für dich wird, wir denken ja auch nicht mehr drüber nach, wie gut es ist, Sauerstoff in der Luft ist, weil der ist halt einfach da. Vielleicht funktioniert das so.

Hava:  Stimmt, ja. Da, ja. Stimmt, ja.

Katrin: Jetzt hatten wir gerade schon, dass die Leute nicht so über Geld reden, aber andersrum über Absicherung reden sie ja auch nicht miteinander. Würdest du sagen, hat einen ähnlichen Hintergrund, dass man sich da nicht vergleichen möchte?

Hava: Ich glaube, dass da gar nicht der Vergleich unbedingt eine Rolle spielt, sondern eher so, dass man sich nicht vorstellen kann, dass einem was passiert. Zum Beispiel, wenn jemand Krebs bekommt, dann denkt man so, oh mir passiert das nicht. Nein, ich bin davon ganz weit weg. Insbesondere wenn man jetzt niemanden in der Familie hatte oder in einer nahestehenden Familie oder Freundeskreis. Das man sich das vorstellen kann, dass einem wirklich was passiert oder ein schwerer Unfall oder so. Nee, das passiert mir nicht. Bandscheibenvorfall. Nee, ich habe doch hier einen ganz entspannten Bürojob oder so. Dass man das eher von sich wegschiebt, weil man sich nicht mit diesen negativen Gedanken auseinandersetzen will. Was wäre wenn? Also was wäre, wenn Fall XY eintritt? Zum einen natürlich gesundheitlich, ja, dass man dann drunter leidet. Aber zum anderen auch, was wäre finanziell? Und dann denkt man sich so, wird schon nichts passieren und hofft es so ein bisschen dadurch, dass man es sich immer wieder sagt und dann doch wenig darüber gesprochen wird. Also noch weniger finde ich sogar als das Thema Geld. Übers Gehalt, glaube ich, spricht man tendenziell sogar ein bisschen mehr als über so Themen. Ja, passt so eine Berufsunfähigkeit. Und wenn zum Beispiel jemand sagt, nee, ich habe keine, weil mir wird nichts passieren, dann denkt man selber so, ja, vielleicht hat er recht, mir passiert auch nicht so nett, lass uns über das nächste Thema sprechen.

Katrin: Ja. Man hat dann so einen ganz komischen Bezug zu Wahrscheinlichkeiten. Es ist ja gestern nichts passiert, warum soll morgen was passieren? Ich glaube, das Problem ist auch so ein bisschen die Attraktivität von Absicherungen. Man denkt sich auch, muss ja bisschen leben und bisschen atmen. Wobei das ja auch sich gegenseitig bedingt. Wenn ich abgesichert bin und wenn ich weiß, mir kann nichts passieren im schlimmsten Fall, beziehungsweise wenn stehe ich nicht allein da, eigentlich sollte man nicht meinen, dass das das eigentliche ist, was so frei und unbeschwert macht.

Hava: Ja, es gibt auch einige Studien oder man sieht es ja auch am Verhalten der Menschen, die zeigen, dass wir sind ja eigentlich in Deutschland Versicherungsweltmeister. Ja, wir versichern schon recht viel. Aber wir haben irgendwie die Tendenz dazu, Dinge zu versichern, die wir glauben, die sehr wahrscheinlich sind. Also Beispiel, dass ich mal eine Zahnfüllung brauche oder so, als ein Beispiel. Dann mache ich auf jeden Fall eine Zahnzusatzversicherung. Und über Zahnzusatz spricht man dann auch, weil das ist ja was, das kann jedem passieren, dass man mal ein Loch hat oder mal eine Krone braucht oder so. Aber man denkt eigentlich immer bei diesem Thema Versicherung, weil man dann nicht das finanzielle Risiko sieht, weil das ja eigentlich das Wichtige ist. Also Beispiel, wenn ich jetzt ein Loch habe, einen Zahnersatz oder so habe, ja, dann kostet mich das vielleicht 200, 300 Euro, weil die gesetzliche Krankenversicherung nur einen Teil davon bezahlt. Aber es ist für die meisten von uns nicht existenzbedrohend. Und was wir aber nicht so gut können, ist über so existenzielle Risiken nachzudenken. Also wegzugehen von diesem, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit und kann ich mir das vorstellen, hin zu der Frage zu stellen, wie hoch ist mein finanzielles Risiko, wenn zum Beispiel passiert, dass ich nicht mehr arbeiten kann. Dass ich zum Beispiel Krebs bekomme oder Sonstiges. Und dann sag, okay, das ist richtig viel Geld, was mir da flöten geht. Und ein richtig großes Risiko, was ich selber gar nicht tragen könnte, eigentlich muss ich das versichern, bevor ich Themen versichern, die ich finanziell schon tragen kann. Also weg von diesen Wahrscheinlichkeiten ein bisschen wegzugehen, hinzu, wie hoch ist eigentlich die finanzielle Belastung, wenn man wirklich in seiner Finanzplanung drüber nachdenkt. Also Beispiel, wenn wir keine Krankenversicherung hätten in Deutschland, ist die finanzielle Belastung riesig hoch, weil ja, wenn man zum Beispiel einen Autounfall hat oder mal ins Krankenhaus muss oder so, sind das super hohe Kosten. Es kann aber auch sein, dass ich mein ganzes Leben immer gesund bin und vielleicht nur zur Zahnvorsorge muss oder so. Trotzdem ist es gut, dass wir das als Gesellschaft sozusagen haben, weil die Risiken davon existenzbedrohend sind. Und das ist ja auch nicht immer nur mit einer Wahrscheinlichkeit berechnet. Man sagt ja auch, die private Haftpflichtversicherung, einer der wichtigsten Versicherungen, die man haben sollte. Warum? Nicht weil jeden Tag, das passieren kann, dass wir irgendwie bei Rot über die Ampel laufen und dann alles zusammenbricht und ich einen riesigen Unfall verursache, der dann Schäden in Millionenhöhe irgendwie hat, sondern es geht ja den Wert, was kann passieren und kann ich dieses Risiko auch selber tragen, finanziell gesehen. Und ich glaube, das ist immer so ein bisschen ein Denkfehler, den wir haben, weil man sichert das ab, was man halt sieht, und oft sieht man, Fahrraddiebstahl oder was weiß ich, Glasbruch, solche Sachen. Aber nicht diese großen Themen, diese existenzbedrohenden Themen, wenn sie eintreten.

Katrin: Hier ’ne kurze Pause – die zwei wichtigsten Punkte aus dem letzten Teil:

Redet einfach mal über Geld:

Das Tabu ist doof und hält uns alle zurück. Fang locker an: Frag Freund*innen oder Kolleg*innen, wie sie verhandelt haben oder was bei ihnen rauskommt. Je normaler das wird, desto besser für alle.

Und: Absichern nach Schaden, nicht nach Wahrscheinlichkeit:

Statt „mir passiert nix“ lieber fragen: Wie teuer wird’s, wenn’s wirklich schiefgeht? Die richtig großen Risiken (Berufsunfähigkeit, Haftpflicht etc.) zuerst abdecken.

Das nimmt dir den größten Druck raus. Warum würdest du sagen, dass die Leute eher so ihr materielles Zeug absichern? Also du meintest jetzt vorhin schon, naja, Fahrraddiebstahl ist ja wirklich so was, dass man direkt vor der Nase hat. Aber bis es wirklich zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung kommt, hab ich das Gefühl, dauert das oft ewig. Wobei es ja eigentlich so logisch ist, ne? Ich sicher das ab, was mir Geld bringt und mein Lebensstandard ja in der Form überhaupt erst ermöglicht.

Hava: Ich glaube zusätzlich zu den Sachen, die ich vorhin schon gesagt habe, also dieses Thema weg von den Wahrscheinlichkeiten hin zum finanziellen Schaden, muss man den finanziellen Schaden ja erst kennen. Das heißt, vielen ist, glaube ich, nicht bewusst, wie hoch der Wert ist von der eigenen Arbeitskraft zum Beispiel über die Zeit, die ich arbeite. Oder wir uns schätzen den Wert zum Beispiel von einem Fahrrad oder von einem Laptop in dem Moment höher ein, weil es halt irgendwie in dem Moment weh tut. Als jetzt, sag ich mal, langfristig an die Arbeit gedacht. Und wenn man sich das da anschaut, haben wir ja Vermögenswert irgendwie von über, meistens über sechsstelligen Bereich, meist im siebenstelligen Bereich, im Millionenbereich bin ich da, wenn ich wirklich meine Arbeitskraft mal hochrechne über die Zeit, bis ich in Rente gehe, wie viel Einkommen mir das bringt, wie viel quasi auch zum Beispiel der Arbeitgeber dann auch in die gesetzliche Rente für mich einbezahlt. Mit Gehaltssteigerungen gerechnet, bin ich da schon in einem sehr hohen Wertebereich, der ja gar nicht dem nahekommt, was ein Verbrauchsgegenstand ist, wie ein Fahrrad oder ein Laptop. Ich glaube, das ist vielen nicht so bewusst einfach, weil man es nie hochrechnet.

Katrin: Jetzt hast du ja dein Unternehmen Femance genannt. Das lässt ja drauf schließen, dass du dich sehr auf Female Finance konzentrierst. Wieso tun sich gerade Frauen da manchmal so schwer?

Hava: Also ich glaube, das große Thema ist natürlich, dass man nicht so einen geradlinigen Erwerbsbiografie hat, wie es jetzt zum Beispiel meistens ein Mann hat. Leider ist es immer noch so, dass eben insbesondere Frauen eher in Teilzeit arbeiten, wenn Kinder da sind, viel unbezahlte Care-Arbeit dann machen. Und unbezahlt bedeutet, ich habe halt kein Einkommen, ich habe weniger Einkommen, ich verzichte. Und entsprechend habe ich dann meistens Probleme mit Altersarmut. Wir haben ja eine Gender Pension Gap, also quasi von der Altersvorsorge von knapp 50 Prozent im Vergleich zu Männern. Das ist total krass. Das passiert eben durch diese Erwerbsbiografien, die nicht geradlinig sind. Und zusätzlich dazu habe ich halt auch im Privaten immer wenig Budget, privat vorzusorgen und mich auch privat abzusichern, weil dafür braucht es ja auch Geld, gewisse Risiken dann abzusichern. Und das, obwohl eigentlich Frauen, sage ich mal, wenn wir beim Thema Berufsunfähigkeit sind, selbst wenn man Teilzeit arbeitet, stärker auch gefährdet sind, zum Beispiel von psychischen Erkrankungen, weil ich halt so Themen habe wie Doppelbelastungen. Ich habe den Job, ich habe die Kinder, ich habe Care-Arbeit und dann habe ich noch irgendwie total den Mental-Load oder so. Und dann steigt hier auch wieder die Wahrscheinlichkeit, dass man gar nicht mehr kann oder gar nicht mehr arbeiten kann oder halt krank wird und auch psychisch krank wird. Auch das ist im Vergleich interessant. Berufsunfähigkeit im Gesamten bei Psyche liegt ja so bei 36 bis 37 Prozent. Bei Frauen sind wir da schon bei über 40 Prozent. Das ist halt krass, also was die Gründe angeht, warum ich zum Beispiel nicht mehr arbeiten kann. Und dazu gibt es jetzt keine Studien, aber das ist was, was meine persönliche Meinung ist. Ich denke, dass es daher kommt. Woher soll es sonst kommen? Also einfach diese ganze Doppelbelastung die ich über Jahrzehnte habe, ja oft auch als Frau.

Katrin: Und dann leben ja Frauen noch oft länger als Männer. Und ja, es ist wahnsinnig schwieriger. Das kann ich nachvollziehen. Wann würdest du sagen, hat jemand so seine Finanzen wirklich im Griff? Das haben wir jetzt schon paar Mal benutzt, dass man dann gut aufgestellt ist. Aber wann ist so der Punkt, dass man wirklich sagt, der hat dieses Game bisschen durchgespielt?

Hava: Also zum einen würde ich sagen, einen Überblick, wenn jemand einen Überblick hat über seine Einnahmen und Ausgaben und wirklich weiß, wohin geht mein Geld den ganzen Monat über, wo Variable kosten, was sind meine fixen Kosten, wenn er oder sie alle wichtigen Versicherungen hat. Also Must-have-Versicherungen sind Privathaftpflichtversicherungen, Krankenversicherung ist ja gesetzlich vorgeschrieben. Und dann eben eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Alles andere ist dann immer nice to have, je nachdem in welcher Lebensphase ich mich auch befinde, dass ich meine Ziele definiert habe. Beim Thema Altersvorsorge, dass ich wirklich mal meine Rentenlücke ausgerechnet habe und weiß irgendwie, okay, das ist mein Fahrplan, so viel lege ich jeden Monat dafür weg und dafür ist mein Zukunfts-Ich auch gut ausgerüstet und da halt einfach so bisschen dran denke. Und ja, das würde ich sagen, da riesige Haken dran. Hat jemand auf jeden Fall seine Finanzen im Griff, sehr gut im Griff. Und wenn man es dann auch noch schafft, darüber hinaus irgendwie Vermögen aufzubauen, weiter zu sparen und zu sagen, ich habe noch andere gewisse Ziele, die ich erreichen möchte, wie eine Fortbildung oder ich will mich selbstständig machen oder teilselbstständig oder ich habe einen großen anderen Traum von der Immobilie oder so. Wenn man das dann auch noch zusätzlich schafft, dafür Geld zur Seite zu legen, dann ist man der Ober-Bro oder, Genau, hat es einfach super im Griff. Aber die drei Themen würde ich sagen, wenn man da einen Haken dahinter machen kann, dann ist man echt super gut aufgestellt.

Katrin: Wie berechnet man denn seine Rentenlücke?

Hava: Also das ist natürlich nicht ganz immer so trivial, aber am einfachsten ist es mal sein Rentenbescheid oder Rentenauskunft nennt man das, die jedes Jahr kommt. Wenn man mindestens 27 Jahre alt ist und mindestens fünf Jahre eingezahlt hat in die gesetzliche Rente, bekomme ich ja immer einen Bescheid, der so eine Hochrechnung zeigt. Und das ist immer brutto. Das heißt, davon ziehe ich dann quasi noch Kranken- und Sozialversicherungsbeiträge ab und Steuern. Dann habe ich den Nettobetrag, den ich in der Rente herausbekommen würde. Denn dieser Nettobetrag ist ja dann quasi ohne Inflation. Wir haben ja jedes Jahr eine Inflation von zwei Prozent. Das heißt, ich muss das auf die Kaufkraft runterrechnen. Wenn ich jetzt mit einer Inflation von zwei Prozent im Schnitt dann rechne, habe ich den Faktor, den ich da ansetze. Und dann habe ich wirklich so eine Kaufkraft als Rente, die ich rausbekomme. Und dem gegenüber lege ich das, was ich zum Leben brauche. Also man sagt immer so, man braucht 80 Prozent von seinem letzten Netto-Gehalt, um auch im Alter gut über die Runden zu kommen. Da wäre ich immer ein bisschen vorsichtig, weil je nachdem, wenn ich jetzt zum Beispiel auch schon viel im Homeoffice arbeite, gar nicht so viel auswärts essen, Mittagessen und solche Sachen irgendwie viel habe, dann kann es auch sein, dass ich vielleicht mehr Bedarf habe als diese Faustformel, aber sich mal Gedanken zu machen, wie will ich im Alter denn eigentlich leben, was ist realistisch auch und dann quasi das abzuziehen. Dann hat man seine Lücke und kann eben auf der Basis gucken, okay, wie kriege ich die abgedeckte im Alter und wie viel muss ich heute dafür investieren. Und viele denken dann immer so, boah, wenn meine Lücke hier schon bei 2000 Euro ist, dann muss ich heute ja 600, 700 Euro im Monat zur Seite legen, schaffe ich nicht. Aber so ist es gar nicht. Denn wenn ich dieses Geld ja irgendwie intelligent anlege, smart spar, ETFs irgendwie mit in meine Altersvorsorge mit einbinde, dann kann ich auch mit kleinen Beträgen relativ viel erreichen. Insbesondere wenn ich früh anfange. Und ich glaube...das ist für viele auch dann immer so ein Hindernis, weil sie denken, die Rentenlücke ist ja mega groß, ich schaffe es nicht, die abzudecken, dann lasse ich es einfach ganz bleiben, so ungefähr. Aber das stimmt nicht. Es ist nur nicht so smart gedacht, weil wir auch so bisschen, ja, auch Kapitalmarkt natürlich in Deutschland nicht so eine Rolle spielt. Noch nicht. Wie jetzt zum Beispiel in den USA oder so, wo man eher sein Geld auch anlegt, wirklich.

Katrin: Und was genau definiert für dich, smart zu sparen? Ist das meine Sparbüchse auf dem Kachelofen, oder?

Hava: Ne, das eben nicht, genau, dass man sein Geld effektiv anlegt. Also, dass ich mir Gedanken mache, wenn ich so einen langfristigen Zeithorizont habe, über zehn Jahre, was für die meisten bei uns ja bei der Rente der Fall ist, dass ich mir auch mal den Aktienmarkt anschaue und gucke, wie ich den eingliedern kann in meine Finanzplanung, weil der halt im Durchschnitt sechs bis sieben Prozent Rendite mit sich bringt und das natürlich deutlich lukrativer ist, als wenn ich es einfach in die Sparbüchse bringe, wo es eigentlich 0 Prozent sogar minus 2 Prozent irgendwie hat, wenn wir an die Inflation denken, die es jedes Jahr ja da draußen gibt. Deshalb, ja, das verstehe ich unter Smart Sparen, sich wirklich Gedanken zu machen, wo kann ich dieses Geld irgendwie gewinnbringend anlegen, ohne auch zu viel Risiko einzugehen.

Katrin: Welchen Tipp zu dem Thema würdest du jetzt deinem 20-jährigen Ich auf den Weg geben? So mit dem Wissen von heute.

Hava: Also einmal, dass man wirklich so früh wie möglich anfangen sollte. Ich weiß, dass diese Themen unangenehm sind, vielleicht, aber es zahlt sich wirklich ein Vielfaches aus, wenn ich früh anfange. Das ist so krass, zum einen natürlich in Zinseszinseffekt, aber zum anderen auch in Geld, was ich mir spare, weil ich gar nicht mehr so viel irgendwie jeden Monat abdrücken muss oder so für mein Zukunfts-Ich. Das ist halt ein riesiger Hebel und macht das Leben im Gesamten einfacher, finde ich, auch im Hier und Heute, weil ich halt einfach nicht so viel von meinem Gehalt dann irgendwie wegpacken muss. Und auch das Thema Berufsunfähigkeit, sich so früh wie möglich darum zu kümmern. Es ist wirklich eine richtig wichtige Absicherung und unsere Arbeitskraft hat einen riesigen Wert, der wichtig ist für einen selber, für die eigene Finanzplanung und man weiß nie, was im Leben passieren kann. Und je jünger ich mich absichere, desto günstiger ist es ja auch. Das dann quasi mein Leben lang, also die Absicherung entlang. Und desto einfacher ist es auch, BU zu bekommen, weil die BU ist ja auch abhängig von Gesundheitsthemen. Und wenn ich gewisse Vorerkrankungen schon habe, vielleicht mal in Therapie war oder so, wird es immer schwieriger und mühsamer, eine Absicherung zu finden. Und wenn ich halt noch nicht so viel gesundheitliche Themen hatte, dann ist es einfacher. Und auch das macht das Leben dann einfacher, da bin ich gut abgesichert. Muss nicht so viel vom Gehalt dafür bezahlen für diese Absicherung, für mein Zukunfts-Ich sozusagen und kann mein Leben hier und heute genießen.

Katrin: Was ich aus diesem Gespräch mit Hava mitnehme:

Finanzielle Ruhe beginnt nicht mit dem ersten großen Gehalt, sondern mit der Entscheidung, dein Zukunfts-Ich ernst zu nehmen. Das erste Einkommen fühlt sich wie Freiheit an, aber ohne Struktur wird daraus schnell der Lifestyle-Trap: Mehr verdienen, mehr ausgeben, immer knapp bleiben. Stattdessen: Früh lernen, Geld aufzuteilen, Fixkosten decken, im Jetzt genießen, und mindestens 10 % konsequent für später wegpacken.

Es geht um den echten Wert deiner Arbeitskraft (oft Millionen über ein Leben), um Absicherung nach Schaden statt nach Wahrscheinlichkeit, um offenes Reden über Geld statt Tabu und Neid und besonders für Frauen: um den Schutz vor ungeraden Biografien, Doppelbelastung, Gender Pension Gap und höherem Risiko bei psychischen Erkrankungen. Am Ende geht’s darum, bewusst vorzusorgen, statt nur zu reagieren. Früh starten, klug sparen (nicht Sparbüchse, sondern smart anlegen mit Zinseszins), die Rentenlücke checken und die großen Risiken zuerst abdecken. So baust du echte Stabilität auf für dein Heute und dein Morgen.

Und genau da lohnt sich auch ein Blick auf die wichtigste Absicherung: die Berufsunfähigkeitsversicherung. Schau gern bei ERGO vorbei und informier dich

Danke Hava, für die klaren Worte und die vielen Aha-Momente. Bis zum nächsten Mal!

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist gerade für junge Menschen wichtig, weil sie ihre Arbeitskraft absichert – und die ist ihr größtes „Vermögen“. Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, verliert oft einen Großteil seines Einkommens, während laufende Kosten wie Miete, Kredite oder Ausbildung weiterbezahlt werden müssen. Staatliche Leistungen reichen in der Regel nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Je früher man eine BU abschließt, desto günstiger sind meist die Beiträge und desto besser sind die Chancen, ohne Ausschlüsse versichert zu werden, weil man in jungen Jahren oft gesünder ist.

*Dieses Transkript kann leicht von der Podcast Folge abweichen.