Was kostet der Anwalt?

Kommt darauf an ...

Wenn ein Anwalt benötigt wird, hat das meist keinen positiven Hintergrund. Gut, wenn Sie dann wenigstens auf die Kosten gefasst sind.

Was kostet der Anwalt?

Rechtsfrage des Tages:

Es gibt Streitigkeiten, die lassen sich nicht durch ein Gespräch klären. Manchmal ist der Gang zum Anwalt unerlässlich. Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen, wenn Sie sich rechtlichen Rat einholen?

Antwort:

Viele scheuen den Gang zum Rechtsanwalt, weil sie Angst vor hohen Kosten haben. Dabei wissen die wenigsten, wie sich Rechtsanwaltsgebühren eigentlich berechnen. Grundlage ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), das die einem Anwalt zustehenden Gebühren genau festlegt. Tatsächlich sind die Anwaltsgebühren seit Anfang des Jahres etwas teurer geworden, da das RVG nach acht Jahren mal wieder angepasst wurde.

RVG oder Honorarvereinbarung

Wer meint, ein Anwalt verdient grundsätzlich mehrere hundert Euro die Stunde, hat sich in den meisten Fällen geirrt. Verlangt ein Anwalt mehr als die festgelegten Mindestgebühren, muss er mit seinem Mandanten eine Honorarvereinbarung abschließen. Umgekehrt brauchen Sie bei der Suche nach einem geeigneten Rechtsvertreter keinen Preisvergleich vorzunehmen. Das Gesetz legt nämlich Mindestgebühren fest, die ein Anwalt verlangen muss. Was geht: Viele Rechtsanwälte bieten eine kostenlose Ersteinschätzung an. Unzulässig ist hingegen die Vereinbarung eines Erfolgshonorars. Das ist nur in wenigen engen Ausnahmefällen möglich. Im Klartext heißt das üblicherweise: Ein Anwalt hat immer Anspruch auf seine Gebühren, egal wie ein Rechtsstreit ausgeht.

Der Streitwert

Um die Höhe der Rechtsanwaltsgebühren zu bestimmen, müssen Sie zunächst einen Blick auf den Streitwert oder auch Gegenstandswert richten. Worum geht es? Verlangen Sie von einem Bekannten die Erstattung eines Darlehens in Höhe von 10.000 Euro, ist die Sache einfach. Der Gegenstandswert beträgt 10.000 Euro und bildet die Basis für die Berechnung der Gebühren. Schwieriger wird es, wenn es um Streitigkeiten geht, bei denen sich nicht ein konkreter Wert ermitteln lässt wie beispielsweise einer Wohnungsräumung oder der Unterlassung ehrverletzender Äußerungen. Für solche Auseinandersetzungen haben die Gerichte Regeln aufgestellt, die sich beispielsweise bei mietrechtlichen Streitigkeiten an der Miete orientieren. Lässt sich partout kein geeigneter Wert finden, gilt der Auffangstreitwert von 4.000 Euro.

Gebührentatbestände

Nach dem RVG lösen bestimmte Tätigkeiten unterschiedliche Gebühren aus. So verdient ein Anwalt eine Geschäftsgebühr, wenn er sich in Ihrem Namen mit der Gegenseite in Verbindung setzt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob er einen Brief schreibt oder die Korrespondenz später eine dicke Akte füllt. Die Geschäftsgebühr fällt für die außergerichtliche Tätigkeit nur einmal an. Als Mittelgebühr nennt das RVG eine 1,3 Geschäftsgebühr. Bei besonders einfachen Tätigkeiten kann sich diese auch auf eine 1,0 Gebühr reduzieren. Ist die Sache hingegen hoch kompliziert, besonders aufwendig und schwierig, darf der Anwalt auch einen höheren Gebührensatz berechnen. Aber keine Angst. Darüber muss er Sie rechtzeitig aufklären. Auch wenn die Tätigkeit eine weitere Gebühr wie zum Beispiel eine Vergleichsgebühr auslöst, müssen Sie das vorher erfahren.

Wie viel kostet es konkret?

Kennen Sie den Streitwert und wissen, welche Gebühr anfällt, haben Sie aber noch keine konkreten Kosten auf dem Papier. Dafür müssen Sie einen Blick in die Gebührentabelle des RVG werfen. Wie ein Koordinatensystem können Sie genau schauen, welcher Gebührensatz bei welchem Streitwert fällig wird. So kostet die außergerichtliche Vertretung durch den Anwalt bei einem Streitwert von 5.000 Euro und Anwendung der Mittelgebühr 443,20 Euro. Hinzu kommt eine Auslagenpauschale von 20 Euro und die Mehrwertsteuer. Natürlich müssen Sie nicht vor dem Besuch in der Kanzlei das RVG zu studieren.

Erstberatung

Es gehört nämlich zu den Pflichten eines Anwalts, Mandanten über die möglichen anfallenden Kosten ausführlich zu informieren. Sinnvoll ist es daher immer, zunächst einen Termin für eine Erstberatung zu vereinbaren. Diese kostet höchstens 190 Euro plus Mehrwertsteuer. Entscheiden Sie sich anschließend für die Beauftragung, wird diese Gebühr in der Regel auf die Geschäftsgebühr angerechnet. Im Rahmen einer Erstberatung können Sie sich auch zunächst über die Rechtslage und Ihre möglichen Erfolgsaussichten informieren, ohne eine hohe Rechnung befürchten zu müssen.

Wer schuldet die Vergütung?

Kostenschuldner eines Anwalts ist immer sein Mandant. Es gibt aber viele Fälle, in denen dieser trotzdem nicht zum Portemonnaie greifen muss. So kann es sein, dass der Gegner nicht nur die Hauptforderung zahlen muss. Auch die Anwaltskosten muss er übernehmen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn er mit einer Leistung in Verzug ist oder Schadensersatz schuldet. War die Beauftragung eines Rechtsanwalts notwendig, muss der Gegner die Kosten übernehmen. Hatten Sie zum Beispiel einen unverschuldeten Verkehrsunfall, muss die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers nicht nur Ihren Blechschaden zahlen. Auch die Kosten Ihres Anwalts muss die Versicherung übernehmen. Landet ein Rechtsstreit vor Gericht, zahlt am Ende die unterlegene Partei sämtliche Verfahrenskosten. Einigen Sie sich, werden die Kosten zwischen den Parteien aufgeteilt. Und verlieren Sie Ihren Prozess, müssen Sie nicht nur Ihren eigenen Anwalt, sondern auch den der Gegenseite bezahlen. Hiervon gibt es aber auch Ausnahmen. Beispielsweise vor dem Arbeitsgericht trägt jede Partei in der ersten Instanz ihre Kosten selbst, unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits.

Beratungs- und Prozesskostenhilfe

Für manchen mag aber bereits die Erstberatungsgebühr kaum zu stemmen sein. Auch solche Leute brauchen nicht auf einen Rechtsbeistand zu verzichten. Wer unter anderem Anspruch auf Sozialleistungen hat, Arbeitslosengeld II bezieht oder Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommt, kann sich beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein holen. Mit diesem Beratungshilfeschein müssen Sie beim Anwalt nur eine Schutzgebühr von 10 Euro zahlen. Weitere Gebühren rechnet der Anwalt über die Staatskasse ab. Kommt es zu einem gerichtlichen Verfahren, können Bedürftige Prozesskostenhilfe beantragen. Auch in diesem Fall trägt die Staatskasse die Kosten des Gerichtsverfahrens einschließlich der Rechtsanwaltsgebühren. Aber Achtung! Geht der Prozess verloren, werden die Kosten des gegnerischen Anwalts nicht übernommen.

Neues Jahr, neues RVG

Zum 01. Januar 2021 ist die Anpassung des RVG in Kraft getreten. Neben einigen inhaltlichen Änderungen, beispielsweise bei der sozialrechtlichen Vertretung, wurden die Gebühren linear um rund 10 Prozent angehoben. Daher wird der Gang zum Anwalt künftig etwas teurer. Haben Sie Ihren Rechtsanwalt hingegen bereits im vergangenen Jahr beauftragt und seine Gebühr ist angefallen, muss er noch nach der alten gesetzlichen Regelung abrechnen. Es kommt nämlich nicht darauf an, wann die Rechnung geschrieben wird. Entscheidend ist, wann die Gebühr angefallen ist.|

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