Obstbäume: Wem gehört der Überhang?

Saftige Ernte

Ihr Nachbar hat einen Apfelbaum und ein paar gut gefüllte Zweige hängen in Ihr Grundstück. Dürfen Sie ernten? Und was ist ein Grenzbaum?

Obstbäume: Wem gehört der Überhang?

Rechtsfrage des Tages:

Bäume und Sträucher wachsen wie sie wollen. Und so wachsen nicht selten Äste und Zweige über Zäune hinweg in den Nachbargarten. Hängt an diesen Ästen reifes Obst, ist die Verlockung groß. Dürfen Sie Obst des Nachbarn ernten, wenn es in Ihrem Garten hängt?

 

Antwort:

Die Natur hält sich nicht an die von Menschen aufgestellten Zäune und Grundstücksgrenzen. Und so führen überhängende Äste und wuchernde Büsche nicht selten zu unerfreulichen Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Fallobst zieht Bienen und Wespen an und fault auf dem Rasen. Oder der Eigentümer eines Baumes ärgert sich über die Selbstbedienung des Nachbarn am Obst überm Gartenzaun.

Obst gehört dem Nachbarn

Hängen Äste und Zweige in den Nachbargarten, können reife Früchte zum Ernten verlocken. Die Rechtslage ist aber recht klar. Auch wenn die Äpfel im Luftraum über Ihrem Grundstück wachsen, so gehören sie doch Ihrem Nachbarn. Sie wachsen an dem Baum, der auf dessen Grundstück steht. Ihr Nachbar verliert auch nicht das Eigentum dadurch, dass der Baum einzelne Zweige mit saftigen Äpfeln auf Ihr Grundstück streckt.

Zugreifen verboten

Daher dürfen Sie ohne Erlaubnis Ihres Nachbarn sich nicht an dessen Obst vergreifen. Vielmehr ist Ihr Nachbar berechtigt, mit einem Apfelpflücker die Äpfel vom Ast über Ihrem Grundstück zu ernten. Manchmal reicht der Apfelpflücker aber nicht aus. Muss er für die Ernte Ihr Grundstück betreten, muss er Sie vorher um Erlaubnis fragen.

Anders bei Fallobst

So ist die Rechtslage, solange das Obst am Baum hängt. Etwas anderes gilt, wenn sich die Äpfel lösen und auf Ihr Grundstück fallen. Sie gehen in Ihr Eigentum über (§ 911 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)). Möchten Sie die Äpfel aufsammeln und verwerten, dürfen Sie sich nach Herzenslust bedienen. Allerdings sollten Sie nicht dem noch am Baum hängenden Obst nachhelfen. Werden die Äpfel erst durch kräftiges Schütteln zum Fallobst, gehen sie nicht in Ihr Eigentum über. Im Extremfall müssen Sie sogar Schadensersatz leisten.

Fallobst muss meist geduldet werden

Fallobst muss in der Regel geduldet werden. In Extremfällen kann die Duldung aber auch unzumutbar sein. Beeinträchtigt nämlich Fallobst Ihr Grundstück erheblich, können Sie von Ihrem Nachbarn verlangen, dass er dieses entsorgt. Fallen nur vereinzelt Äpfel in Ihren Garten, werden Sie sich selbst danach bücken müssen. Wirft der Baum hingegen derart viele Äpfel ab, dass Sie im Garten mit einer Wespenplage kämpfen müssen, können Sie Ihren Nachbarn zur Entsorgung auffordern. Es kommt immer darauf an, wie stark der Obstfall Ihr Grundstück tatsächlich beeinträchtigt.

Grenzbaum

Denkbar sind Fälle, in denen ein Baum beiden Nachbarn zu gleichen Teilen gehört. Steht der Baum nämlich auf der Grenze und wird von ihr quasi durchschnitten, handelt es sich um einen Grenzbaum. Beide Grundstückseigentümer haben dann Anspruch auf das Obst zu gleichen Teilen. Umgekehrt sind auch beide für den Baum verantwortlich. Steht ein Baumschnitt an oder ist der Baum krank und muss gefällt werden, müssen sich beide Grundstückseigentümer an den Kosten beteiligen. Dies gilt aber nur, wenn der Baum wirklich auf zwei Grundstücken gleichzeitig wächst. Auch wenn er noch so nah an der Grundstücksgrenze steht: Wächst der Baum im Nachbargarten ist es kein Grenzbaum.

Einigen Sie sich

Schlussendlich sollten Sie aber bei aller Juristerei wie immer den nachbarschaftlichen Frieden im Fokus haben. Sprechen Sie Ihren Nachbarn an. Sind ihm die Äpfel ohnehin lästig, können Sie vielleicht mit seiner Zustimmung den gesamten Baum abernten. Oder er gestattet Ihnen, zumindest die überhängenden Äpfel zu pflücken. So gibt es dann auch keinen Streit über das Fallobst.

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