Mindestlohn auch für die Azubis

Endlich mehr Geld

Lehrjahre sind nach wie vor keine Herrenjahre. Dennoch dürfen sich viele Auszubildende seit Januar 2020 über einen Mindestlohn freuen.

Mindestlohn auch für die Azubis

Rechtsfrage des Tages:


Auszubildende werden nur selten reich. Eine angemessene Vergütung steht trotzdem jedem Azubi zu. Was verdienen Azubis und gilt der Mindestlohn?

Antwort:

Wie viel Geld ein Azubi während seiner Ausbildung verdient, kann nicht pauschal beantwortet werden. Es kommt auf die Branche an und ob ein Tarifvertrag gilt. Meist steigt die Vergütung aber mit den abgeschlossenen Ausbildungsjahren. Und seit Januar 2020 gilt der Mindestlohn unter bestimmten Voraussetzungen auch für Auszubildende.

Gehalt, Lohn, Vergütung

Diese Begriffe werden meist einheitlich verwendet. Dabei gibt es tatsächlich einen Unterschied. Ein Lohn wird in der Regel nach den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden berechnet. Daher kann dieser beispielsweise aufgrund von Feiertagen von Monat zu Monat variieren. Ein Gehalt ist hingegen ein fester Betrag, der jeden Monat unabhängig von der tatsächlichen Arbeitszeit ausgezahlt wird. Die Ausbildungsvergütung wird wie ein Gehalt behandelt. Ein Azubi erhält also monatlich einen festen Betrag, unabhängig von etwaigen Feier- oder Sonntagen und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit.

Gilt ein Tarifvertrag?

Eine Ausbildungsvergütung kann in einem Tarifvertrag geregelt sein. Ob dieser für den Azubi gilt, kommt drauf an. Gehört der Ausbilder einem Arbeitgeberverband an, der einen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft ausgehandelt hat, so gilt dieser Tarifvertrag auch für den Auszubildenden. Teilweise übernehmen Arbeitgeber die Regelungen des Tarifvertrags auch freiwillig. Und in manchen Branchen gilt der Tarifvertrag als allgemeinverbindlich. Dann sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber selbst dann daran gebunden, wenn sie nicht Mitglied in den jeweiligen Verbänden sind. Meist enthalten Tarifverträge für die Arbeitnehmer und Auszubildenden günstigere Vereinbarungen als die gesetzlichen Regelungen. Wichtig! Azubis sollen in der Regel keine Überstunden machen. Nur in Ausnahmefällen ist dies zulässig. Die Mehrarbeit muss durch Freizeit ausgeglichen werden.

Mindestlohn

Während in vielen Branchen der Mindestlohn schon länger zum Alltag gehört, hatten Azubis bisher keinen Anspruch darauf. Argumentiert wurde unter anderem, dass die Ausbildung nicht zur Deckung des Lebensbedarfs absolviert werde. Seit Anfang 2020 gelten für viele Auszubildende neue Regeln. Es wurde nämlich nun auch ein Mindestlohn während der Ausbildung eingeführt. Azubis im ersten Lehrjahr haben jetzt (2021) Anspruch auf mindestens 550 Euro monatlich, wenn sie ihre Ausbildung frühestens 2020 begonnen haben. Ebenso wie der Mindestlohn für Arbeitnehmer wird dieser Betrag in den nächsten Jahren weiter steigen. Bis 2023 ist eine Steigerung auf 620 Euro vorgesehen. Im folgenden Lehrjahr erhöht sich die Vergütung um 18 Prozent, im dritten Lehrjahr um 35 Prozent und im vierten um 40 Prozent.

Ältere Ausbildungsverträge

Der Mindestlohn gilt aber nur, wenn die Ausbildung im Jahr 2020 begonnen oder künftig abgeschlossen wird. Auszubildende, die ihren beruflichen Werdegang bis zum 31.12.2019 beendet oder vorher begonnen haben, profitieren nicht vom neuen Mindestlohn. Und haben Unternehmen und Gewerkschaften eigene Vereinbarungen getroffen, gehen diese tarifvertraglichen Regelungen dem Mindestlohn vor. Den Azubi-Mindestlohn werden Sie übrigens im Mindestlohngesetz (MiLoG) weiterhin vergeblich suchen. Geregelt ist er im Berufsbildungsgesetz (BBiG).

Wenn das Geld nicht reicht

Reicht die Ausbildungsvergütung für den Lebensunterhalt nicht aus, können Azubis unter bestimmten Voraussetzungen Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Dafür muss der Azubi einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag vorlegen können, es muss sich um eine Berufsausbildung handeln und er muss in einer eigenen Wohnung wohnen. Ist der Azubi nicht deutscher Staatsangehöriger, gelten spezielle Sonderregelungen. Hat der Berufsstarter keinen Anspruch auf BAB, kann er noch Wohngeld beantragen. Natürlich müssen auch die Eltern einen Auszubildenden im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanziell unterstützen.

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