Parodontitis: Symptome, Prophylaxe und Behandlung

Zahnfleischbluten: Was hilft?

Deutschland geht auf dem Zahnfleisch: Jeder zweite Deutsche hat Parodontitis. Doch das muss nicht sein.

Parodontitis: Symptome, Prophylaxe und Behandlung

Ihr Zahnfleisch blutet beim Zähneputzen? Das ist ein sicheres Anzeichen für eine Zahnfleischentzündung. Erfahren Sie, wie Sie Parodontitis vorbeugen und effektiv behandeln können.

Das ist wichtig, denn die Entzündung des Zahnhalteapparats ist der häufigste Grund für Zahnausfall. Viele Betroffene merken über Jahre nicht, was mit ihren Zähnen passiert. Bei einem Drittel kommt es innerhalb von 4 Jahren zum Zahnverlust. Meist sind Menschen über 55 Jahre betroffen. Die Parodontitis-Häufigkeit liegt in dieser Altersgruppe bei mehr als 80 %.

Dieser Ratgeber verrät Ihnen Folgendes:

  • Gibt es einen Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis?
  • Wie lässt sich eine Parodontitis früh erkennen?
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen Parodontitis und Diabetes?

Parodontitis oder Parodontose?

Etwas stimmt mit dem Zahnfleisch nicht – vermutlich Parodontose. Der umgangssprachliche Ausdruck nennt das Problem nicht unbedingt beim Namen. Denn die Endung „-ose“ bezeichnet normale Veränderungen, die mit fortschreitendem Alter auftreten. Eigentlich liegt aber eine durch Bakterien verursachte Entzündung vor. Der medizinisch korrekte Begriff lautet „Parodontitis“. Die Endung „-itis“ deutet auf eine entzündliche Reaktion hin.

Parodontitis ist damit der medizinisch korrekte Ausdruck für Parodontose und bezeichnet eine bakterielle Gewebeentzündung. Betroffen sind Zahnfleisch, Zahnfach, Zahnzement und Wurzelhaut. Diese Komponenten geben dem Zahn Halt. Der Mediziner spricht vom Zahnhalteapparat, dem Parodontium.

Der Begriff Parodontose ist zwar veraltet, aber längst nicht ausgestorben. Zahnärzte verwenden die Bezeichnung häufig für einen Rückgang des Zahnfleisches, der nicht auf einer Entzündung beruht. Nimmt die Parodontitis einen chronischen Verlauf, ist in Fachkreisen auch häufiger von Parodontose die Rede.

Parodontitis und ANUG

Während Parodontitis und Parodontose das gleiche Krankheitsbild beschreiben, grenzt sich ANUG von dieser Definition ab. ANUG steht für Akute Nekrotisierende Ulzerierende Gingivitis und ist eine seltene und sehr schmerzhafte Zahnbettentzündung, die häufig bei jungen Menschen vorkommt. Die Gewebeschädigung ist eine Folge mangelnder Zahnhygiene. Weitere Risikofaktoren einer nekrotisierenden ulzerierenden Gingivitis sind ein geschwächtes Immunsystem, ernährungsbedingte Mangelerscheinungen, bestimmte immunsuppressive Medikamente oder anhaltender Schlafmangel.

Formen der Parodontitis

Parodontitis galt früher als eine auf den Mundraum begrenzte Erkrankung. Heute zählt Parodontitis zu den allgemeinen Entzündungskrankheiten. Seit 1999 existiert eine internationale Klassifikation von Parodontalerkrankungen. Diese Einteilung ist seit 2001 auch in Deutschland geläufig. Die Unterteilung der Erkrankungen erfolgt nach deren Ursache, Verlauf und Erscheinungsbild.

Es gibt 3 Formen:

  • Chronische Parodontitis
  • Aggressive Parodontitis
  • Apikale Parodontitis

Chronische Parodontitis

Die chronische Parodontitis kommt am häufigsten vor. Dabei verursachen Bakterien eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Die Entzündung nimmt einen langsamen Verlauf und tritt in Schüben auf. Die Krankheit kann in jeder Lebensphase auftreten. Am häufigsten erkranken Erwachsene.

Es gibt 2 Formen der chronischen Parodontitis:

  • Lokalisierte Parodontitis
  • Generalisierte Parodontitis

Sind weniger als 30 % der Zahnfläche angegriffen, sprechen Mediziner von einer lokalisierten Parodontitis. Ist ein größeres Areal im Mundraum betroffen, liegt eine generalisierte Parodontitis vor.

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine chronische Parodontitis einen leichten, mäßigen oder schweren Verlauf haben.

Aggressive Parodontitis

Die aggressive Form ist selten. Sie ist durch den Abbau des Zahnhalteapparats und die Zerstörung des Knochengewebes gekennzeichnet. Unbehandelt schreitet die Erkrankung schnell fort.

Bei der aggressiven Parodontitis gibt es ebenfalls eine lokalisierte und eine generalisierte Form. An der lokalisierten Form erkranken meist Jugendliche. Die Schädigung konzentriert sich dabei auf die mittleren Schneidezähne und die vorderen Backenzähne. Der generalisierte Verlauf tritt ab dem 30. Lebensjahr auf. Betroffen sind mindestens 3 Zähne, die nicht charakteristisch für den lokalisierten Verlauf sind.

Apikale Parodontitis

Apikal bedeutet „an der Wurzelspitze“. Entsprechend entsteht die Entzündung bei der apikalen Parodontitis an der Spitze der Zahnwurzel und breitet sich auf das umliegende Gewebe aus. Sie kann akut oder chronisch sein.

Jeder Zahn ist mit Zahnmark ausgefüllt. Im Zahnmark verlaufen Blutgefäße und Nervenstränge. Ein Loch an der Spitze der Zahnwurzel stellt die Verbindung zum Zahnhalteapparat und den übrigen Gefäßen und Nerven her.

Durch Karies entzündet sich das Zahnmark. Die Erreger breiten sich über den Wurzelkanal aus und erreichen die Seitenkanäle des Zahnhalteapparats. Das Gewebe entzündet sich und der Kieferknochen löst sich auf. Es entstehen Zysten.

Die Ursachen einer Parodontitis

Parodontitis tritt infolge einer Zahnfleischentzündung auf. Die Ursachen sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Diese Faktoren spielen eine Rolle:

  • Mangelnde Mundhygiene
  • Zahnstein
  • Durchblutungsstörungen
  • Stress
  • Rauchen
  • Behandlungsfehler des Zahnarztes

Mangelnde Mundhygiene führt zur Entstehung von Plaque. Der hartnäckige Belag aus Speiseresten, Bakterien und Speichel verursacht Zahnfleischentzündungen. Dadurch zieht sich das Zahnfleisch von den Zähnen zurück. Es entstehen Ausstülpungen, Taschen genannt. Dort sammelt sich Plaque gehäuft an – ein Teufelskreis. Das Gewebe des Zahnhalteapparats ist angegriffen und entzündet sich ebenfalls.

Parandontitis

Parodontitis durch Bakterien

Bakterien lösen die Entzündungsreaktion aus. Je nach Erreger nimmt die Erkrankung eine andere Form an.

Bakterien, die eine Parodontitis auslösen können, nennen Mediziner Leitkeime oder Markerkeime. Muss eine Parodontitis mit Antibiotika behandelt werden, ist es wichtig, diese Keime zu identifizieren.

Akute Parodontitis

  • Fusobacterium nucleatum
  • Capnocytophaga

Chronische Parodontitis

  • Prevotella intermedia
  • Aggregatibacter actinomycetemcomitans
  • Porphyromonas gingivalis

Die schwersten Schäden verursachen Porphyromonas-Bakterien. Denn diese Erreger beeinträchtigen die Funktion der Abwehrzellen. Aggregatibacter-Bakterien dagegen dringen leicht bis in das Weichgewebe des Zahnhalteapparats vor.

Parodontitis durch Immundefekt

Die Giftstoffe der Bakterien stimulieren die Fresszellen des Immunsystems. Dadurch bilden die Fresszellen Botenstoffe, sogenannte Zytokine. Die Fresszellen wehren Bakterien ab und steuern die Entzündungsfunktion. Sie können Entzündungen als Abwehrreaktion des Körpers auslösen und wieder hemmen.

Bei einigen Menschen ist dieser Mechanismus gestört. Die Zahl bestimmter Botenstoffe ist bei ihnen erhöht. Dadurch treten Entzündungen ungewöhnlich stark auf. Der Gendefekt begünstigt zudem das Fortschreiten der Entzündung. Zwischen Zahnfleisch und Zahnansatz bilden sich Taschen. Darin setzt sich Plaque fest. Das Zahnfleisch geht daraufhin schrittweise zurück und der Knochen verliert an Härte und Substanz.

Liegt eine Grunderkrankung vor, ist das Immunsystem dadurch geschwächt. Chronisch Kranke leiden häufiger unter Parodontitis. Ihre Entzündungsneigung ist höher, da sie weniger Abwehrzellen besitzen.

Diese genetisch bedingten Krankheiten fördern das Erkrankungsrisiko:

  • Down-Syndrom
  • Cohen-Syndrom
  • Albright-Syndrom
  • Ehlers-Danlos-Syndrom
  • Chediak-Higashi-Syndrom
  • Lazy-Leukocyte-Syndrom
  • Antikörper-Mangel-Syndrom
  • Hereditäre oder zyklische Neutropenie
  • Leukozytenadhäsionsdefekt (LADS)
  • Histiozytose
  • Glykogenspeicher-Syndrom
  • Hypophosphatasie
  • Infantile genetische Agranulozytose
  • Morbus Crohn
  • Pelger-Huet-Kernanomalie

Parodontitis und Diabetes

Der Zusammenhang zwischen einer Parodontitis-Erkrankung und erhöhtem Blutzucker ist durch mehrere Studien bestätigt: Diabetiker haben ein höheres Risiko für Entzündungen im Mundbereich. Denn ein hoher Blutzuckerwert hat Einfluss auf die Fresszellen. Dadurch werden mehr entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt. Das bedeutet: Sind die Blutzuckerwerte schlecht eingestellt, ist die Gefahr einer chronischen Parodontitis groß.

Zudem leiden Diabetiker oft an einer gestörten Wundheilung. Die Gefahr: Kleine Risse im Gewebe machen es den Bakterien leicht, einzudringen.

Die Parodontitis-Erreger wiederum setzen die Insulinresistenz herab. Das vom Körper ausgeschüttete Hormon wirkt dadurch schlechter. Diabetiker mit einer Parodontitis-Erkrankung müssen daher ihre Zuckerwerte häufig kontrollieren.

Parodontitis – die schleichende Erkrankung

Parodontitis verursacht anfänglich kaum Beschwerden. Der chronische Verlauf ist meist schmerzlos. Dadurch ist eine Früherkennung kaum möglich. Umso wichtiger ist es, dass Sie die Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt regelmäßig wahrnehmen. Denn dann kann dieser die ersten Anzeichen erkennen und die notwendigen Behandlungsschritte einleiten.

Diese Symptome deuten auf Parodontitis hin:

  • Das Zahnfleisch ist gerötet, weich und glänzend.
  • Das Zahnfleisch blutet leicht und geht zurück.
  • Sie verspüren einen unangenehmen Geschmack im Mund.
  • Ihr Gegenüber macht Sie auf Mundgeruch aufmerksam.
  • Ihre Zähne reagieren empfindlich auf Heißes, Kaltes und Süßes.
  • Aus den tiefen Zahnfleischtaschen tritt ein eitriges Sekret aus.
  • Sie verspüren ein Ziehen am Zahnbett.

Diese Anzeichen kennzeichnen den späteren Verlauf:

  • Im Kieferbereich treten Schwellungen auf.
  • Ihre Zähne schmerzen.
  • Die Zähne lockern sich.
  • Es bilden sich Abszesse.

Diese Symptome gehen mit 2 weiteren Erkrankungen einher: Viele Patienten hatten vor Ausbruch der Erkrankung eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Besteht die Gingivitis weiterhin, ist das Zahnfleisch empfindlich. Sie verspüren beim Zähneputzen Schmerzen.

Da sich die Zahnsubstanz abbaut, erweitern sich die Furchen zwischen Zahn und Zahnfleisch. Von den Patienten oft unbemerkt, bilden sich Zahnfleischtaschen. Die Bakterien dringen in die Furchen ein, was Entzündungen fördert. Vermehrte Blutungen, Eiter-Absonderungen und Mundgeruch sind die Folge.

Parodontitis und mögliche Komplikationen

Durch Parodontitis bildet sich der Kieferknochen zurück. Das bedeutet, die Zähne lockern sich und fallen aus. Außerdem ist ein Zusammenhang zwischen Gefäßveränderungen und Erkrankungen des Herzens denkbar.

Zahnpflege ist für Menschen mit Parodontitis besonders wichtig, genau wie der Gang zum Zahnarzt: Für die Zahnmedizin gehört Parodontitis zu den chronischen Krankheiten, die regelmäßig zu kontrollieren sind.

Besonders häufig treten folgende Komplikationen bei einer apikalen Parodontitis auf:

Apikale Zyste

Apikale Zysten sind meist harmlos. Dabei entsteht ein Hohlraum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist.

Apikales Granulom

Ein sogenanntes Granulationsgewebe ersetzt das ursprüngliche Gewebe. Diese Wucherung aus Bindegewebe, Gefäßen und Nerven führt zur weiteren Auflösung von Knochen und Zahnwurzel.

Apikaler Abszess

Diese eitrige Entzündung verursacht große Schmerzen. Ein akuter wie chronischer Verlauf ist möglich. Ohne Behandlung greift die Entzündung auf andere Körperbereiche über.

Sklerosierende Ostitis

Bei der sklerosierenden Ostitis verdichtet sich das Knochengewebe im Kiefer. Dadurch geht Knochenmark verloren. Die Erkrankung verläuft ohne Symptome.

Jede Parodontitis muss behandelt werden, denn sie ist ein Gesundheitsrisiko. Belegt ist der direkte Zusammenhang mit Rheuma und Diabetes. Studien haben auch bestätigt, dass Herz-Kreislauf-Probleme bei Patienten mit Parodontitis verstärkt auftreten. Die Erreger von Parodontitis ließen sich in den Herzkranzgefäßen nachweisen.

Einige Erkrankungen der Atemwege gelten ebenfalls als Folge unbehandelter Parodontitis. Patienten, die eine künstliche Beatmung brauchen, müssen zahnmedizinisch sorgfältig versorgt werden. Sonst besteht die Gefahr einer Lungenentzündung.

Das Rückfallrisiko bei Parodontitis

Das Risiko eines möglichen Parodontitis-Rückfalls kann der Zahnarzt ermitteln. Dazu existiert ein entsprechendes Forschungsmodell, das Patienten in 3 Risikogruppen einteilt. Der Zahnarzt bestimmt verschiedene Werte, an denen er ein geringes, mäßiges oder erhöhtes Risiko erkennt. Man unterscheidet 4 Parameter:

1.    Fortschritt des Knochenabbaus – Alter des Patienten

Der Zahnarzt veranlasst eine Röntgenaufnahme. Dadurch kann er erkennen, wie weit der Knochenabbau, gemessen an der Wurzellänge, fortgeschritten ist. Das Ergebnis dividiert er durch das Alter seines Patienten.

Diese Werte geben Aufschluss:

  • Wert zwischen 0 und 0,5 = geringes Parodontitis-Risiko
  • Wert zwischen 0,5 und 1,0 = mäßiges Parodontitis-Risiko
  • Wert von 1,0 und darüber = hohes Parodontitis-Risiko

2.    Bluten der Zahnflächen

Bluten auf Sondieren (Bleeding on Probing, BOP) ist ein auf der ganzen Welt angewandtes Verfahren, um Zahnfleischentzündungen und Parodontitis zu diagnostizieren. Dabei führt der Mediziner eine Parodontalsonde in die zu untersuchenden Zähne ein. Ist das Zahnfleisch entzündet, haftet der Sonde ein Blutstropfen an. Bei schweren Entzündungen zeigen sich stärkere Blutungen. Gesundes Zahnfleisch zeigt beim Sondieren keine Reaktion.

3.    Vorliegen von Grunderkrankungen

Bei bestimmten Erkrankungen besteht ein Zusammenhang mit Parodontitis. Die Rückfallquote steigt bei Diabetespatienten, deren Blutzucker schlecht eingestellt ist. Auch HIV-Infektionen oder Rheuma begünstigen das (erneute) Auftreten der Erkrankung. Eine Rolle spielen auch genetische Faktoren.

4.    Rauchen als Risikofaktor

Ein geringes Risiko für einen Parodontitis-Rückfall haben Patienten, die nicht rauchen oder vor mehr als 5 Jahren zum Nichtraucher geworden sind. Wer maximal 19 Zigaretten pro Tag raucht, für den besteht ein mäßiges Risiko. Ab einem Konsum von 20 Zigaretten täglich steigt das Risiko deutlich an.

Parodontitis feststellen – die Diagnose

Zunächst untersucht der Zahnarzt Zähne und Zahnfleisch. Der Patient schildert seine Beschwerden.

Mögliche Fragen beim Patientengespräch:

  • Wie häufig putzen Sie Ihre Zähne?
  • Nutzen Sie Zahnseide für die Reinigung der Zahnzwischenräume?
  • Sind Sie Raucher?
  • Schmerzen Ihre Zähne bei Kontakt mit heißen oder kalten Substanzen?
  • Sind die Zähne druckempfindlich?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Sind Sie Diabetiker?
  • Treten ähnliche Beschwerden in Ihrer Familie häufig auf?

Dieser Dialog mit dem Patienten kann den Verdacht auf Parodontitis erhärten. Dann sind weitere Untersuchungen nötig. Der Zahnarzt misst z. B. die Tiefe der Zahntaschen aus und röntgt den Kiefer, um einzuschätzen, wie viel Knochensubstanz verloren gegangen ist.

Der parodontale Screening-Index (PSI)

Diese Untersuchungsmethode hilft dem Zahnarzt, den Zustand des Zahnhalteapparats zu beurteilen. Bei Erwachsenen untersucht er jeden Zahn. Bei Kindern genügen ein Schneidezahn im Ober- und Unterkiefer sowie die ersten Backenzähne. Der Zahnarzt führt die Untersuchung mit einer WHO-Sonde durch. Diese Sonde besitzt eine angewinkelte Spitze mit der Funktion eines Lineals. Auf der Skala zwischen 3,5 und 5,5 mm ist eine schwarze Markierung angebracht. Die Spitze mündet in eine kleine Kugel.

Der Zahnarzt überprüft an 6 Stellen, wie weit die Sonde in die Zahnfleischtasche vordringen kann. Dies bezeichnen Mediziner als 6-Punkte-Messung.

Der PSI-Code hat verschiedene Abstufungen:

  • Stufe 0 = intakte Verhältnisse in der Mundhöhle
  • Stufe 1 und Stufe 2 = Zahnfleisch ist entzündet und blutet leicht
  • Stufe 3 und Stufe 4 = Zahnfleischtasche ist entstanden, Parodontitis liegt vor

Parodontitis behandeln

Mit Medikamenten lassen sich bei Parodontitis nur kurzzeitig die Symptome lindern. Die Behandlung von Parodontitis ist zeitaufwendig und umfasst mehrere Sitzungen beim Zahnarzt. 

Karies

Dieser entfernt zunächst Plaque und Zahnstein. In manchen Fällen ist ein operatives Vorgehen angezeigt. Dann entfernt er das entzündete Gewebe und glättet die Zahnwurzel. Da dies normalerweise sehr schmerzhaft ist, bekommt der Patient eine örtliche Betäubung. Lockere Zähne befestigt der Zahnarzt an anderen Zähnen, damit sie nicht ausfallen.

Bei Parodontitis an den Wurzelspitzen entfernt er die Bakterien und führt eine Wurzelkanalbehandlung durch. Schlimmstenfalls muss der Zahnarzt Zähne ziehen.

Nach der Behandlung kommt es auf eine konsequente Mundhygiene an. Darüber hinaus empfiehlt sich eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung.

Die Parodontitis-Behandlung im Detail

Die Vorbereitung

Kommt der Patient zum ersten Termin in die Praxis, reinigt der Zahnarzt zunächst die Oberflächen der Zähne. Die Zähne erhalten eine Politur und eine Fluoridierung. Dieses Vorgehen kennen Sie von der professionellen Zahnreinigung, die jährlich durchgeführt werden sollte. Fluoride kann der Zahnarzt als Lack oder Gel auftragen. Die Versorgung mit Fluorid stärkt den Zahn und unterstützt die Einlagerung wichtiger Mineralien. Bakterieller Zahnbelag und Zahnstein werden gründlich entfernt. Der Zahnarzt schaut auch auf den Aufbiss des Patienten. Überstehende Füllungen oder Kronen reizen das Zahnfleisch und führen zu Druckstellen.

Am Beginn einer Parodontitis-Behandlung steht das Patientengespräch. Dabei erhält der Patient wertvolle Tipps, wie er seine Mundhygiene verbessern kann. Die Technik beim Zähneputzen und die Handhabung von Zahnseide oder Zungenschaber stellen viele Betroffene vor Probleme. Parodontitis verlangt nach speziellen Pflegeprodukten. Der Zahnarzt empfiehlt geeignete Zahncremes und Mundspülungen. Damit der Patient den Fortschritt seiner Bemühungen bei der Zahnpflege überprüfen kann, gibt es spezielle Zahnfärbetabletten.

Die Entfernung von Plaque

Bei einem weiteren Termin entfernt der Zahnarzt die Ablagerungen aus den Zahnfleischtaschen. Er nutzt dazu dünne Küretten, notfalls auch Ultraschall. Auch den bakteriellen Biofilm auf den Zahnhälsen entfernt er.

Fragen Sie Ihren Zahnarzt, ob eine Laserbehandlung möglich ist. Laserstrahlen entfernen das Gewebe, besitzen eine antibakterielle Wirkung und können starke Blutungen eindämmen.

Häufig genügen diese beiden Behandlungsschritte. Vor allem, wenn sie möglichst früh durchgeführt werden. Dann lässt sich die Parodontitis stoppen. In vielen Fällen ist keine weitere Behandlung notwendig. Der Patient muss allerdings eine angemessene Mundhygiene betreiben, damit es nicht zu einem Rückfall kommt.

Parodontose operativ behandeln

Zeigen die beschriebenen Maßnahmen keinen Erfolg, handelt es sich wohl um eine fortgeschrittene Parodontitis. Eine oberflächliche Reinigung reicht dann nicht mehr aus. Ein operatives Vorgehen kann Zahnfleischtaschen beseitigen und damit Parodontitis in ihrer Ausbreitung stoppen.

Dabei betäubt der Zahnarzt zunächst den Mundbereich. In die erweiterten Zahnfleischtaschen setzt er einen kleinen Schnitt. Das vereinfacht die intensive Reinigung des offengelegten Wurzelbereiches. Nach der Reinigung legt der Zahnarzt das Zahnfleisch wieder an die Zähne an und näht den Schnitt zusammen.

Die Möglichkeit der Transplantation

Parodontitis verläuft i. d. R. schleichend und kann sich dadurch ungehindert ausbreiten. In den meisten Fällen merken Betroffene nichts davon. Ist das Zahnfleisch dann zerstört, muss es wieder aufgebaut werden. Unter Umständen ist dazu eine Gewebetransplantation notwendig.

Es gibt 2 Formen der Transplantation:

·        Freies Schleimhauttransplantat

·        Verschiebelappen

Das freie Schleimhauttransplantat

Der Zahnarzt schneidet mit einer zurechtgeschnittenen Zinnfolie ein Stück Schleimhaut aus dem Gaumen seines Patienten. Das Transplantat legt er auf den offenen Bereich des Zahnes und vernäht es sofort. Die Wunde im Gaumenbereich reagiert einige Wochen druck- und reizempfindlich, ist aber nach etwa 4 Wochen ausgeheilt. Bis sich die transplantierte Schleimhaut mit dem Zahnfleisch verwachsen hat, vergehen 3 bis 4 Monate.

Der Verschiebelappen

Bei dieser chirurgischen Methode gewinnt der Zahnarzt den Gewebelappen aus einer unversehrten Stelle des Zahnfleisches. Der Gewebelappen sitzt auf dem krankhaften Kieferbereich auf wird dort festgenäht.

Es gibt 2 Formen:

  • Laterale Verschiebelappen sind seitlich verschoben.
  • Koronale Lappen stammen aus dem Zahnfleisch ober- oder unterhalb der freiliegenden Zahnhälse.

Viele operative Eingriffe kombinieren Verschiebelappen mit Transplantaten. Dadurch lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

Parodontitis mit Antibiotika behandeln

Parodontitis muss unbedingt behandelt werden. Ist die Erkrankung besonders aggressiv und bereits weit fortgeschritten, verschreibt der Zahnarzt Antibiotika. Vor allem, wenn der Patient über Schmerzen und Fieber klagt. Doch Antibiotika allein bringen keine Heilung. Sie reduzieren lediglich schädliche Bakterien im Mundraum.

Parodontitis und Zahnersatz

Bevor der Zahnarzt einen Zahn ersetzt, muss die Zahnfleischentzündung behandelt und abgeklungen sein. Dann kommt es auf den individuellen Zustand des Gebisses an: Sind die Zähne nur leicht gelockert und ist der Knochen weitgehend intakt, kann der Zahnarzt eine Brücke oder ein Implantat einsetzen. Wenn der Gebisszustand schlechter ist und die Zähne dadurch kaum belastbar sind, rät Ihnen der Zahnarzt vermutlich zu einem herausnehmbaren Zahnersatz.

Nach der Behandlung

Die Zahnhälse bleiben nach der Behandlung mehrere Wochen empfindlich. Die Zähne wirken zunächst länger, da sich der Zahnfleischrand zurückbilden kann. Mit der Zeit strafft sich das Zahnfleisch wieder und die Zähne festigen sich.

Damit der Behandlungserfolg hält, ist eine konsequente Zahnpflege nötig. Zähneputzen allein genügt nicht – Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten sind angesagt. Der Zahnarzt kontrolliert mehrmals jährlich die Umsetzung der Maßnahmen und den Zustand des Gebisses.

Etwa 5 % der geschilderten Erkrankungen betreffen Kieferknochenschwund und Zahnverlust im Alter. Ein wirksames Mittel dagegen gibt es nicht. Es ist aufwendig, Knochen anzulagern oder mit Knochenersatzmaterial aufzufüllen. Dieser Aufwand steht nicht im Verhältnis zu dem zu erwartenden Therapieerfolg.

Parodontitis bei Kindern

Auch Kinder können Parodontitis bekommen. Dafür gibt es viele Ursachen. Der Hauptgrund ist ein schwaches Immunsystem. Schwerwiegende Immundefekte sind ebenfalls ein möglicher Auslöser. Aber auch Medikamente können die Erkrankung verursachen.

Die Krankheit verläuft bei Kindern schnell und aggressiv. Es drohen umfangreiche Knochenverluste.

Ist Parodontitis ansteckend?

Parodontitis ist eine bakterielle Infektionskrankheit und damit ansteckend. Die Bakterien sind bei der gemeinsamen Benutzung von Gläsern oder Besteck übertragbar. Auch Küssen ist ein Risiko. Bei Säuglingen können beide Eltern die Erkrankung an das Kind weitergeben.

Parodontitis muss nicht unmittelbar ausbrechen. Eine geschwächte Immunabwehr und andere Risikofaktoren können aber dazu führen.

Ist Parodontitis erblich?

Eine klassische Erbkrankheit ist Parodontose nicht. Damit die Erkrankung ausbrechen kann, müssen die entsprechenden Bakterien vorhanden sein. Schweregrad und Verlauf der Erkrankung werden aber durch genetische Faktoren beeinflusst. Internationale Wissenschaftler gehen davon aus, dass erbliche Faktoren zu etwa einem Drittel bei der Entstehung von Parodontitis eine Rolle spielen.

Macht Parodontitis unfruchtbar?

Der schleichende Verlauf der Erkrankung hat auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Die Universität Halle-Wittenberg hat eine entsprechende Studie an Männern mit unerfülltem Kinderwunsch durchgeführt. Aggressive Keime aus der Mundhöhle ließen sich bei 70 % der Probanden nachweisen. Nach einer Parodontitis-Behandlung erholten sich auch die Spermien.

Frauen sind sogar in doppelter Hinsicht gefährdet. Betroffene benötigen im Durchschnitt 2 Monate länger, bis sie schwanger sind. Außerdem belastet eine chronische Entzündung wie Parodontitis die Schwangerschaft: Viele Frauen erleiden eine Frühgeburt. Oder das Baby kommt untergewichtig und kränklich zur Welt.

Parodontitis vorbeugen – gesund leben

Sie können einiges tun, um einer Parodontitis vorzubeugen. Beispielsweise senken Sie als Nichtraucher das Risiko einer Erkrankung. Denn Tabakrauch führt zu einer Verengung der Gefäße im Mundraum. Dadurch baut sich der Kieferknochen schneller ab. Schon 10 Zigaretten am Tag reichen aus, um Nikotin in den Zahnfleischtaschen anzulagern.

Auch Abnehmen kann bei Parodontitis helfen. Denn Fettzellen fördern Entzündungen. Über die Ursache ist sich die Wissenschaft noch nicht einig.

Viele Zahnerkrankungen beginnen damit, dass Zucker den Zahnschmelz angreift. Daher kann eine gesunde und zuckerarme Ernährung die Zahngesundheit zusätzlich fördern. 

Parandontitis

Stress hat ebenso Auswirkungen auf Entzündungen im Körper. Die Erkrankung kann sich dadurch verschlimmern.

Die Behandlungskosten

Die Parodontose-Behandlung übernimmt die Krankenkasse. Dies betrifft sowohl die geschlossene Therapie als auch die offene Therapie, bei der der Zahnarzt das Zahnfleisch aufschneidet.

Wichtig: Beantragen Sie die Therapie vorher bei Ihrer Krankenkasse. Die Kassen kommen auch für eine Früherkennung alle 2 Jahre auf. Die Nachsorge müssen Sie aus eigener Tasche finanzieren.

Zum Leistungsumfang gehören:

  • Befundaufnahme
  • Antragstellung
  • Röntgen
  • Lokale Betäubung
  • Geschlossene Parodontitis-Behandlung
  • Offene Parodontitis-Behandlung
  • Lokale Behandlung der Mundschleimhaut mit Spülungen, Salben oder Tinkturen, verabreicht vom Zahnarzt

Diese Leistungen sind privat:

  • Professionelle Zahnreinigung vor der Parodontitis-Behandlung
  • Bakterientest, um die Markerkeime zu bestimmen
  • Laserbehandlung
  • Schmerzarme Parodontitis-Behandlung mit dem Vector
  • Gewebe-Regenerationen
  • Papillenrekonstruktionen

Diese Vorbehandlungen müssen Sie selbst bezahlen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur, wenn der Zahnstein entfernt ist und keine Reizfaktoren mehr vorliegen. Die Beseitigung von Karies oder eine nötige Wurzelkanalbehandlung zahlt die Krankenkasse.

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