Der eigentliche Eingriff dauert meist 30 Minuten bis zwei Stunden, je nach Methode und Umfang. Danach folgt eine Einheilphase von mehreren Monaten, in der sich neuer Knochen bildet (in der Regel drei bis sechs Monate, Einheilung von bis zu neun Monaten sind aber auch möglich). Erst danach kann in vielen Fällen das Implantat eingesetzt werden.
Knochenaufbau und Implantate gehören häufig zu den kostenintensiveren Zahnbehandlungen, bei denen gesetzliche Versicherte den Großteil der Kosten selbst tragen müssen. Mit einer passenden Zahnzusatzversicherung lassen sich viele Leistungen besser absichern.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Knochenaufbau ist notwendig, wenn im Kiefer nicht mehr genügend Knochensubstanz vorhanden ist, um ein Zahnimplantat stabil zu verankern.
- Für den Knochenaufbau kommen verschiedene Materialien infrage, etwa körpereigener Knochen, Fremdknochen, tierische Materialien oder synthetische Knochenersatzstoffe.
- Die Kosten hängen von der gewählten Methode und dem Umfang des Eingriffs ab. Sie werden von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen, von der geeigneten Zahnzusatzversicherung hingegen schon.
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Warum manchmal ein Knochenaufbau nötig ist
Nach Zahnverlust kann es zu Knochenabbau im Kiefer kommen. Sie benötigen ein Zahnimplantat, aber Ihr Kiefer hat nicht ausreichend Knochensubstanz? Dadurch fehlt später oft die stabile Grundlage für ein Zahnimplantat. Dann kommt möglicherweise Knochenaufbau im Kiefer, manchmal verkürzt auch Kieferaufbau genannt, infrage.
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Mehr Sicherheit bei Zahnersatz
Gerade bei umfangreichen Behandlungen wie einem Knochenaufbau lohnt sich ein Blick auf den Versicherungsschutz. Eine Zahnzusatzversicherung mit Zahnersatzleistungen kann Sie dabei unterstützen, die bestmögliche Behandlung zu erhalten.
Welches Verfahren zum Knochenaufbau sich am besten eignet, hängt vor allem davon ab, wo Knochen aufgebaut werden soll: im Ober- oder Unterkiefer bzw. im Front- oder Seitenbereich. Zu den bekanntesten Methoden zählen:
Bekanntesten Methoden zum Knochenaufbau
- Sinuslift/Sinusbodenelevation
- Bone Splitting
- Bone Spreading
Interner und externer Sinuslif
Der Sinuslift, auch Sinusbodenelevation genannt, ist ein Verfahren zum Knochenaufbau im Seitenzahnbereich des Oberkiefers. Mit dieser Methode wird der Oberkieferknochen gestärkt, damit dort ein Implantat gesetzt werden kann. Bei dem chirurgischen Eingriff wird die Schleimhaut der Kieferhöhle von der Wand gelöst und angehoben. Der entstandene Hohlraum zwischen Schleimhaut und Kieferknochen wird mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Das stärkt den Kieferhöhlenboden.
Interner Sinuslift
Der interne Sinuslift wird auch kleiner Sinuslift genannt. Dabei nutzt der Implantologe das für das Implantat gebohrte Loch als Zugang zur Kieferhöhle. Somit besteht der Zugang im Prinzip von unten. Der interne Sinuslift ist das Mittel der Wahl, wenn nur 2 bis 3 mm Knochenhöhe gewonnen werden müssen.
Externer Sinuslift
Beim externen Sinuslift verschafft sich der Implantologe seitlichen Zugang zur Kieferhöhle. Er bohrt ein Loch im Mundvorhof, also im Raum zwischen Wange und Kieferknochen. Dieser aufwendigere Eingriff findet statt, wenn mehr als 3 mm zusätzliche Knochenhöhe benötigt werden.
Bone Spreading und Bone Splitting
Bone Spreading (Knochenspreizung) und Bone Splitting (Knochenspaltung) sind Verfahren zum seitlichen Knochenaufbau des Kieferkamms. Der Kieferkamm ist die erhöhte Leiste des Kieferknochens. Die beiden Verfahren eignen sich, wenn der Kieferknochen zwar ausreichend hoch ist, aber nicht breit genug, um ein Implantat darin zu verankern.
Bone Spreading
Beim Bone Spreading präpariert der Implantologe den Kieferkamm mit Bohrern. Die Knochenpartien werden nach außen gedehnt bzw. gespreizt. Der Bohrer wird dabei wie ein Keil in ein weiches Stück Holz getrieben und verdrängt die Knochenmasse nach links und rechts. Das schafft Raum für das Implantat. Ist es eingesetzt, füllt der Implantologe die Zwischenräume mit Knochenersatzmaterial auf. Das Material wächst dann anschließend mit dem Kieferknochen zusammen. Nach der Einheilung kann der Zahnersatz auf dem Implantat befestigt werden. Bone Spreading wird meist im Oberkiefer eingesetzt, da dieser relativ weich ist. Die Struktur des Unterkieferknochens ist für dieses Verfahren nicht elastisch genug.
Bone Splitting
Bone Splitting wird durchgeführt, wenn ein einfaches Spreizen des Knochens nicht funktioniert. Etwa, weil es sich um den Unterkiefer handelt oder weil der Kieferknochen bereits zu stark abgebaut ist. Der Kieferkamm wird nicht gedehnt, sondern in 2 Teile gespalten. Dann werden diese beiden Teile behutsam auseinanderbewegt. So entsteht Platz für das Implantat. Die Zwischenräume werden im Anschluss mit Ersatzmaterial aufgefüllt.
Autogenes Material
Eigenknochen
Allogenes Material
Fremdknochen
Xenogenes Material
Pflanzliches bzw. tierisches Gewebe
Alloplastisches Material
Synthetisches Gewebe
Knochenersatzmaterialien im Detail
Knochenersatzmaterial besteht aus natürlichem oder künstlich erzeugtem Knochen. Meist wird es in Form von Granulat, als Schwamm oder Block eingesetzt. Es füllt den Kieferknochen auf, sodass ausreichend Stabilität für die Implantate geschaffen werden kann.
Eigenknochen zum Knochenaufbau
Für den Knochenaufbau werden häufig körpereigene Knochen genutzt. Diese Art von Knochenersatz nennt sich autogenes Material. Das eigene Gewebe ist ein besonders sicheres Material: Einerseits regt es die Knochenneubildung an, andererseits sind keine Abstoßreaktionen zu erwarten. Infrage kommen Transplantate aus der Hüfte, dem Kinn oder dem hinteren Ober- bzw. Unterkiefer. Die Art des Transplantats hängt von der Größe des Knochendefekts ab. Bei der Verwendung von Knochen aus der Hüfte ist eine Operation mit Vollnarkose im Krankenhaus nötig. Je nach Knochendefekt kann es ein Nachteil sein, dass Eigenknochen nur in begrenzter Menge im Körper vorhanden sind.
Fremdknochen als Knochenersatzmaterial
Bei Fremdknochen, also allogenem Material, handelt es sich um menschliche Knochen aus Knochenspenderbanken. Fremdknochen regen aufgrund der enthaltenen Proteine die Knochenneubildung an. Sie sind vor allem auch für größere Defekte geeignet. Bei Fremdknochen ist allerdings eine Abwehrreaktion möglich. Mit Antibiotika lässt sich zwar einer Entzündung vorbeugen, doch das Risiko der Abwehrreaktion bleibt bestehen.
Pflanzliches und tierisches Gewebe
Pflanzliches bzw. tierisches Gewebe wird auch xenogenes Material genannt. Am häufigsten werden Korallen und Rinderknochen verwendet. Der Grund: Beide ähneln sehr dem Aufbau des menschlichen Knochens. Xenogene Materialien sind gut erforscht. Mit ihnen lassen sich Knochen verlässlich aufbauen. Dazu wird das Material präpariert und alle organischen Substanzen werden entfernt. Die bekannteste Variante heißt „Bio-Oss“ und wird aus Rinderknochen hergestellt. Allerdings kann auch dieses Material eine Abwehrreaktion hervorrufen.
Synthetische Ersatzmaterialien
Synthetisch hergestellte Ersatzmaterialien bestehen aus den drei Werkstoffgruppen: Keramik, Metall und Polymere (z. B. auf Zuckerbasis) Diese Materialien sind schnell verfügbar und in großen Mengen vorhanden. Sie werden in einer Knochenbank gelagert. Da synthetische Materialien das Knochenwachstum nicht anregen können, werden sie häufig mit eigenem Knochenmaterial vermischt.
Welches Material ist das richtige für mich?
Welches Material zum Knochenaufbau bei Ihnen infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ihr Zahnarzt kann am besten beurteilen, welches Material und welche Methode für Sie am besten geeignet ist. Dabei spielen unter anderem folgende Aspekte eine Rolle:
Checkliste
- Wie groß ist der Knochendefekt?
Die Größe des fehlenden Knochenanteils entscheidet häufig darüber, welches Material geeignet ist
- Kommt tierisches Material im Körper für Sie infrage?
Einige Knochenersatzmaterialien werden aus tierischem Gewebe hergestellt. Aus persönlichen, religiösen oder ethischen Gründen möchten manche Patienten darauf verzichten.
- Mit welchen Materialien hat Ihr Zahnarzt besonders viel Erfahrung?
Viele Implantologen arbeiten bevorzugt mit bestimmten Materialien, mit denen sie gute Ergebnisse erzielt haben.
- Kommt körpereigener Knochen für den Aufbau infrage?
Wenn Eigenknochen verwendet wird, ist dafür ein zusätzlicher operativer Eingriff notwendig.
Der Knochenaufbau ist ein chirurgischer Eingriff mit minimalen Risiken. In den meisten Fällen verlaufen sowohl der Eingriff als auch das Verwachsen unkompliziert. Wie bei jedem anderen medizinischen Eingriff bestehen dennoch Restrisiken. Beim Knochenaufbau sind das vor allem Entzündungen, allergische Reaktionen und Wundheilungsstörungen, die zum Abstoßen des (fremden) Knochenmaterials führen können. Dem lässt sich mit Antibiotika vorbeugen.
Gut zu wissen
Welche Kosten kommen beim Knochenaufbau auf Sie zu?
Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt vom Zahnarzthonorar, dem Material, dem Umfang des Knochendefekts und dem Aufwand der gewählten Methode ab. Bei Transplantaten aus Ihrem Becken- bzw. Hüftknochen kommen die Kosten für einen Krankenhausaufenthalt dazu.
Hier eine Kostenschätzung:
- Interner Sinuslift: je Kieferhälfte ca. 300 bis 500 €
- Externer Sinuslift: je Kieferhälfte ca. 600 bis 1.100 €
- Beckenkammtransplantat: ca. 5.000 € (einschließlich Krankenhausaufenthalt)
- Bone Splitting bzw. Bone Spreading: je Kieferhälfte ca. 1.000 bis 1.500 €
Gut zu wissen
ERGO Zahnersatzversicherung
Bei Zahnersatz bis zu 100 % sparen
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für den Knochenaufbau nur in Ausnahmefällen. Hier wird es also schnell teuer. Sie möchten Ihr Geld lieber für etwas anderes ausgeben? Mit unserer Zahnersatzversicherung sparen Sie je nach Vertrag zwischen 75 und 100 % der von Ihnen zu zahlenden Kosten (Eigenanteil).
Sonderform ohne Knochenaufbau: Disk-Implantate
Bei stark abgebautem Kieferknochen können Implantologen sogenannte Disk-Implantate einsetzen, wenn Standardimplantate oder ein Knochenaufbau nicht infrage kommen. Diese speziellen Implantate dienen wie Standardimplantate als künstliche Zahnwurzeln, die in den Kieferknochen eingepflanzt werden.
Das Besondere ist ihre Form: Während Standardimplantate schraubenartig sind, bestehen Disk-Implantate aus einer oder mehreren Scheiben. Sie sehen aus wie ein „T“ oder ein Reißnagel mit Scheibe und Stift.
Der Implantologe setzt sie seitlich in den Kieferknochen ein. Dabei verankert er die Scheibe im Kieferknochen und befestigt den Zahnersatz auf dem Stift.
Vorteile von Disk-Implantaten
Disk-Implantate, auch BOI-Implantate genannt, sind aus reinem und bioinertem Titan. Deshalb werden sie wie körpereigenes Material besser angenommen. Ein weiterer Vorteil: Sie sind schnell belastbar. Bereits nach 10 Tagen kann der Zahnersatz daran befestigt werden. Zudem können Disk-Implantate auch bei stark zurückgegangenem Knochen eingesetzt werden.
Nachteile von Disk-Implantaten
Die einteilige Konstruktion des T-Stückes lässt nur eingeschränkte Anwendungen für den Zahnersatz zu. Außerdem ist dieses Implantat schwer zu entfernen, sodass bei Entzündungen große Knochenschäden möglich sind. Disk-Implantate werden daher in Deutschland selten verwendet. Sollten Sie sich für ein Disk-Implantat interessieren, suchen Sie sich unbedingt einen erfahrenen Implantologen aus.
FAQ – Häufige Fragen zur Knochenaufbau
Die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengefasst.
Ja, in manchen Fällen können Knochenaufbau und Implantat in derselben Behandlung durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass noch genügend stabiler Restknochen vorhanden ist, um das Implantat sicher zu verankern. Der zusätzliche Knochen wird dabei gleichzeitig aufgebaut und heilt gemeinsam mit dem Implantat ein.
Der Knochenaufbau wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist während des Eingriffs nicht schmerzhaft. Bei einem aufwändigen Eingriff oder für Angstpatienten kommt auch eine Behandlung unter Vollnarkose infrage. Nach der Behandlung können Schwellungen oder leichte Wundschmerzen auftreten. Diese lassen sich meist gut mit Kühlung und vom Zahnarzt empfohlenen Schmerzmitteln behandeln.
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt einen Knochenaufbau in der Regel nicht, wenn er im Zusammenhang mit einem Implantat durchgeführt wird. Sie zahlt meist nur den Festzuschuss für Zahnersatz. Eine Zahnzusatzversicherung kann je nach Tarif die Kosten übernehmen.
Nach einem Knochenaufbau sollte eine Prothese meist einige Tage bis Wochen nicht getragen werden, damit die Wunde gut heilen kann und kein Druck auf den behandelten Bereich entsteht. Wie lange genau, hängt vom Umfang des Eingriffs ab. In vielen Fällen kann der Zahnarzt nach der ersten Heilungsphase eine angepasste provisorische Prothese einsetzen, damit Sie während der Einheilung weiterhin normal sprechen und essen können. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, ab wann und in welcher Form eine Prothese wieder getragen werden darf.
Stand: 12.05.2026
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