In der Lifehacks-Episode "Mentale Stärke" spricht unser Host Katrin mit Jolina Bering über die Bedeutung mentaler Gesundheit und die Herausforderungen, mit denen viele Menschen konfrontiert sind. Sie erklärt, wie wichtig es ist, Warnsignale zu erkennen und rechtzeitig Hilfe zu suchen, bevor es zu ernsthaften Problemen kommt. Ein zentraler Punkt ist die Berufsunfähigkeitsversicherung, die oft vernachlässigt wird, obwohl psychische Erkrankungen eine der häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind. Jolina ermutigt dazu, sich um die eigene mentale Gesundheit zu kümmern und rechtzeitig finanzielle Vorsorge zu treffen.
Katrin: Stell dir vor, du wachst morgens auf und merkst: Irgendwas ist anders. Du bist müde, obwohl du geschlafen hast. Du fühlst dich überfordert, obwohl objektiv gar nicht so viel ansteht. Und plötzlich fragst du dich: Ist das einfach ein schlechter Tag… oder rutscht hier gerade etwas aus dem Gleichgewicht?
Genau darüber sprechen wir heute – über mentale Gesundheit. Über diesen unsichtbaren Teil unseres Lebens, der entscheidet, wie wir denken, fühlen, arbeiten und lieben. Und über die Frage, warum es so verdammt schwer ist, sich Hilfe zu holen, bevor alles zu spät ist.
Darüber sprechen wir heute mit Jolina Bering.
Jolina ist Psychologin, arbeitet mit Kreativen, Teams und Unternehmen – und versteht wie kaum jemand, warum so viele Menschen an ihren Grenzen arbeiten, statt frühzeitig gegenzusteuern. Sie nennt sich selbst „Mental Tour Guide“ und zeigt: Sich um die Psyche zu kümmern, ist kein Luxus. Es ist Überlebensstrategie.
Du erfährst heute, wie du Warnsignale erkennst, welche Mythen rund um mentale Gesundheit wirklich gefährlich sind, warum Social Media uns oft mehr verwirrt als hilft – und wie du dir Hilfe suchst, bevor die Sache im schlimmsten Fall beruflich richtig teuer wird.
Am Ende gibt’s wie immer unsere wichtigsten Lifehacks – klar, ehrlich und sofort machbar. Los geht’s.
Jolina Bering: Ja, genau, ich bin Jolina Bering ohne H. Ich bin Psychologin und arbeite jetzt seit vier Jahren in der Selbstständigkeit, viel in der Kreativbranche, das heißt im Gaming- und Content-Creator-Bereich, und biete da psychologische Beratung an, aber eben auch bei Firmen, vor allem auch im Kreativbereich tatsächlich. Die halt, also Redaktionen und Agenturen, genau, und arbeite da mit Mitarbeitern, Führungskräften zusammen, dass alle Leute irgendwie gesund bleiben und gute Entscheidungen treffen.
Katrin: Ich hab mich im Vorfeld auch mit einer Studie beschäftigt, die ist vom RKI, die verlinken wir euch dann gerne in den Show Notes, die dann noch mal deutlich zeigt, dass fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine psychische Erkrankung erlebt. Ich gönne es auch so aus meinem näheren Umfeld, dass es wahnsinnig schwierig ist, Therapieplätze zu bekommen, dass es sehr akut sein muss. Ansonsten wartest du da gerne mal sechs bis acht Wochen drauf. Erlebst du das auch so?
Jolina Bering: Definitiv. 6 bis 8 Wochen ist da teilweise noch optimistisch. Das ist immer so bisschen interessant, wenn man sich so anguckt, ja, die, die, also der Ausschuss, der guckt, wie viele Kassenplätze sind denn eigentlich nötig. Die sagen, ja, das ist doch, das ist doch alles super versorgt. Also man hat doch innerhalb von 6 bis 8 Wochen dann doch irgendwie oder 4 bis 6 Wochen hat man doch irgendwie auch einen Termin. Das Problem ist aber so bisschen, sie haben mal dieses neue System eingeführt, wo man diese Sprechstunden hat.
Wo man sich einmal vorstellen kann bei einem Psychotherapeuten und da ein Gespräch bekommt. Aber das heißt nicht, dass man langfristig eine Therapie bekommt. Sie werden das quasi schon als gut in den Sinn versorgt. Klar, manchmal führt das eben auch zu einer Therapie, wenn man bisschen Glück hat. Aber bei ganz vielen eben auch nicht. Und da sind die Wartezeiten sehr, sehr viel länger. Und von daher würde ich sagen, ist sehr drastische Unterversorgung eigentlich da. Was die Bundespsychotherapeutenkammer auch wahrscheinlich so unterschreibt bzw. auch kommuniziert, aber der Bundesausschuss ist da anderer Meinung.
Katrin: Woran, glaubst du, liegt das, dass es immer mehr Leute sind? Setzen sich Menschen aktiver mit ihren Gefühlen und ihrer mentalen Gesundheit auseinander? Oder ist einfach der Leistungsdruck und das Leben heutzutage herausfordernder als vielleicht früher?
Jolina Bering: Ich glaube, sind mehrere Faktoren. Also einerseits ja, ich glaube, es wird langsam weniger stigmatisiert, irgendwie zur Therapie zu gehen, sich mit seiner psychischen Gesundheit zu beschäftigen. Und daher ist wahrscheinlich auch der Bedarf so ein bisschen höher. die Leute, die halt sich eben um eine Therapie kümmern. Gleichzeitig ist natürlich auch die, stehen wir ja gesellschaftlich vor sehr, sehr vielen Herausforderungen.
Und das macht natürlich auch was mit dem psychischen Erleben und äußert sich auch in erhöhten psychischen Erkrankungen. Von daher ist es beides auf jeden Fall oder sind zwei Faktoren auf jeden Fall zu einem großen, großen Maß.
Katrin: Wann würdest du sagen, ist der Kipppunkt, wann aus einer Ich-bin-schlecht-drauf-Stimmung eine chronischere Erkrankung wird? Dass man sagt, jetzt brauche ich Hilfe.
Jolina Bering: Also es gibt natürlich Kriterien, nach denen man unterscheiden kann, wann eine Erkrankung vorliegt. Also zum Beispiel bei einer Depression, da muss man halt mindestens zwei der Hauptkriterien und mindestens zwei oder drei der Nebenkriterien erfüllen und das für mindestens zwei Wochen oder das ist halt überwiegend. Zum Beispiel, wenn man sagt, hab jetzt schlechte Stimmung, damit das halt klinisch auffällig wird, müsste das an den meisten der Tage innerhalb von zwei Wochen auftreten. Das heißt, wenn ich zwei Wochen konstant schlechte Stimmung habe, dann könnte das der Beginn einer depressiven Episode sein zum Beispiel. Aber das ist dann auch erstmal quasi eine akute, sag ich jetzt mal psychische Erkrankung und von chronischen psychischen Erkrankungen sprechen wir, da gibt es keine einheitliche Regel, aber in den meisten Fällen bei Dingen, die sich über ein halbes Jahr hinziehen, also das sind die Zeitkriterien bei mehr als sechs Monaten.
Katrin: Du bezeichnest dich ja selbst als Mental Tour Guide. ich so gelesen. Das klingt jetzt sehr bildlich. Was bedeutet das genau?
Jolina Bering: Ich verbinde damit so drei Aspekte. Also erstens gibt es auch besonders auf Social Media alle möglichen Inhalte zu Psycho- und psychischer Gesundheit. Vieles ist davon leider auch bisschen gefährliches Halbwissen oder schlichtweg auch falsch oder vielleicht sogar schädlich. Und das hat eben auch eine Studie dieses Jahr gezeigt zum Thema Neurodiversität, wo insbesondere ADHS ja gerade auf TikTok und den Videoplattformen einen Boom erhält an Inhalten. Wo aber eine Untersuchung von Forschern aus Nordamerika dieses Jahr gezeigt hat, dass über 50 Prozent der Inhalte auf TikTok zu ADAS Fehl-Informationen enthalten. Und gerade weil es eben so viele fehlerhafte Inhalte gibt, braucht es eben auch irgendwie einen Guide oder jemanden, der sich so bisschen mit der Sache auskennt, der Fragen und Gedanken nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft einsortieren kann und vielleicht auch oder im besten Fall auch abgeschlossenes Studium und berufliche Erfahrung hat. Auf der anderen Seite oder ein zweiter Aspekt ist, sich mit seiner Psycho- auch psychischen Gesundheit zu befassen, ist halt eben ein Prozess. Das eine kleine Reise, auf die man sich begibt. Und im besten Fall eben auch mit Neugier. Und wenn man eben auch bei dem Bild bleibt, ich bin eben halt auch nur ein Guide. Das heißt, ich helfe dabei, eine Route zu planen, Warnen vielleicht vor Fallstricken, eine Begleitung durch die schwierigen Passagen so auf dem Weg. Aber ich kann niemanden den Berg hochtragen. Das könnte ich gar nicht und wäre auch gar nicht sinnvoll, weil dann die Person gar keine Übung bekommt und immer abhängig davon wäre, getragen zu werden. Sondern es braucht immer eine motivierte Person, die selber Lust hat, zu laufen, diesen Weg oder sich da auf die Reise zu begeben. Sonst funktioniert das Ganze nicht, sowohl in der Beratung als auch in der Therapie.
Katrin: Man muss auch aufpassen, mit was für Begriffen man so schnell sich schmeißt. Jemand, der bei seiner Bachelorarbeit prokrastiniert hat, noch keinen ADHS. Nur weil du deinem Ex-Freund Schluss gemacht hast, ist das noch lange kein Narzisst oder keine Narzisstin. Da wird ja ganz viel mit den Worten toxisch, narzisstisch, ADHS, Depressionen, die werden ja wahnsinnig inflationär benutzt, siehst du da die Gefahr, dass es diese Ernsthaftigkeit der Sache vielleicht bisschen bagatellisiert?
Jolina Bering: Ja, schon. es ist halt, wir sind in so einem Zeitfenster, in dem viele sich eben auch mit der Psyche auseinandersetzen. Und zwar aber leider nicht immer im professionellen Rahmen, irgendwie, sie haben da irgendwie was gesehen und gelesen und dann verwendet man irgendwelche Begriffe, die dann vielleicht nicht mehr so ganz das treffen, was eigentlich damit gemeint ist, wie zum Beispiel auch Triggern ist so ein Wort, was mittlerweile ja auch den Einzug im ja, den täglichen Sprachgebrauch gefunden hat, wo man eigentlich sagt, ja gut, ist ursprünglich eigentlich kommt es aus der Traumatherapie. Und ja, es ist, ich denke nicht, dass es was ist, was man unbedingt aufhalten kann. Sprache entwickelt sich halt irgendwie sehr wild und ich könnte mir vorstellen, dass da irgendwie der Versuch, das zu begrenzen oder der Sprachpolizei zu spielen, so bisschen fruchtlos sein wird. Aber man sollte zumindest irgendwie sich ein bisschen Gedanken darüber machen, wie man seine Worte wählt, gerade wenn man sich so eine Therapie-Jargon bedient.
Katrin: Ja, Worte haben nämlich auch eine unglaubliche Macht. Wenn jetzt jemand merkt, dass er psychisch an seine Grenzen kommt, was sind so die ersten Schritte, würdest du sagen, da wieder rauszufinden?
Jolina Bering: Also theoretisch sind die Möglichkeiten vielfältig. Das kommt so bisschen auf die individuelle Situation an. Sagen wir mal, wenn jetzt eher nicht so viele finanzielle Ressourcen da sind, dann wäre natürlich die erste Anlaufstelle zu gucken, okay, es irgendwelche kostenlosen Beratungsangebote oder gehe ich vielleicht mal zu Hause, Ärztin oder gucke ich vielleicht direkt irgendwie nach einer Therapie, stelle mich da vor oder suche eben zum Beispiel so eine Sprechstunde auf, man einfach auch mal, wenn man irgendwie das Gefühl hat, ich bin mir nicht ganz sicher, ob das jetzt irgendwie ein Thema ist für eine Therapie, dann eignet sich diese Sprechstunde eben auch sehr gut, das abklären zu lassen, in welchem Ausmaß sich das jetzt gerade eigentlich befindet. Ansonsten gibt es halt, es kommt so bisschen drauf an, wie die berufliche Situation ist, aber wenn man halt wie, sage ich jetzt mal, finanziell eher abgesichert ist, dann kann man halt auch überlegen, ob man sich als Selbstzahler zum Beispiel psychologische Beratung oder so ein Coaching oder so was nimmt, da so bisschen drauf zu gucken. Oder manche Unternehmen bieten tatsächlich das auch an als Bonusleistung, dass sie da sogenannte Employee Assistance Programs haben oder mit Mitarbeiterberatung bei externen Firmen anbieten. Das wäre auch ein sehr guter erster Schritt. Ansonsten der minimale erste Schritt ist auf jeden Fall, mit irgendjemandem anders darüber zu reden. Sei es jetzt irgendwie Freunde, Familie, Hausarzt, irgendwer.
Katrin: Und das ist, glaube ich, auch ein wichtiger Punkt, dass eine Berufsunfähigkeit, wie man vielleicht zuerst denken würde, nicht nur unbedingt mit körperlicher Beeinträchtigung zu tun hat, sondern eben auch mit mentaler. So, und das ist ein Aspekt, den wir da auf keinen Fall außen vor lassen dürfen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, habe ich das Gefühl, wird von vielen ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Und ich habe mich dann auch mit verschiedenen Leuten ausgetauscht, die meinten, naja, also ganz ehrlich, wir versichern unser Auto, wir versichern unser Handy, unseren Laptop, unsere Wohnung, aber uns selber, Arbeitsleistung, von der wir ja komplett abhängig sind und wo auch kein Weg dran vorbei führt, das wird irgendwie so, ach naja, passiert mir doch nicht, mäßig angeschaut.
Jolina Bering: Ja, es ist, ja, es macht einerseits nicht so viel Sinn, aber ich glaube, es ergibt gerade dadurch Sinn, dass es halt ein Thema ist, was sehr nah an uns dran ist. Unsere eigene mentale Gesundheit und der Gedanke daran, dass wir vielleicht irgendwann nicht mehr in der Lage sind, unseren Beruf nachzugehen oder unser Leben so zu leben, wie wir wollen, ist halt ein bisschen gruselig. Und das ist, etwas, das wir so bisschen wegschieben und vielleicht daher auch einfach so damit umgehen, so dass ja gut, passiert schon nicht. Also wieso soll das passieren? Man möchte das einfach von sich so ein bisschen auf Distanz halten. Es macht aber natürlich trotzdem eigentlich also es ist nicht der sinnvollste Umgang damit, sondern der sinnvollste Umgang ist damit eigentlich das anzuerkennen, sagen ja, es könnte passieren. Möchte ich oder wie möchte ich vielleicht damit umgehen, dass so was passieren könnte?
Katrin: Aber ist das nicht ein Denkfehler im System? Also eigentlich sollte man doch froh sein, wenn sich jemand früher mit auseinandersetzt und sich Hilfe holt, bevor es zum Crashout kommt. Oder?
Jolina Bering: Ja, ja schon. Das ist, da ist wieder alles so bisschen die Kostenfrage. Wenn halt irgendwie eine gewisse psychische Erkrankung vorliegt, wo halt irgendwie Risikofaktoren bestehen oder wo das Risiko sehr hoch ist, dass eine Berufsunfähigkeit eintritt, dann sagen wir natürlich die Versicherungsfirmen, ja gut, da machen wir wahrscheinlich einen Draufleger irgendwann. Das ist nicht so ganz in unserem Interesse und das ist halt so ein bisschen schwierig. Wir müssen da auch so bisschen gucken, weil auch im Gesundheitssystem, gerade in der ärztlichen Versorgung, oft irgendwie unnötig viele Diagnosen gegeben werden, die dann, wo man vielleicht teilweise auch gar nicht davon weiß, dass man irgendeine Diagnose bekommen hat, die dann halt eben auf die Versicherung schwerer machen oder das schwerer machen, da Versicherungsstatus einzutreten.
Katrin: Gibt es eine Situation, der du selbst gemerkt hast, jetzt brauche ich eine Pause? Und wie bist du damit umgegangen?
Jolina Bering: Ja, ich habe jetzt in der Psychotherapie-Ausbildung gemerkt, dass mir das irgendwie nicht so richtig guttut und habe da auch dann für mich entschieden, ja, ich brauche eine Pause. Und es war aber auch ein sehr, langer Prozess, also ein jahrelanger Prozess, wo ich mich da so bisschen immer so durchgebissen habe und sage, nee, komm, du ziehst jetzt durch und beißen irgendwie die Zähne zusammen. Und es war halt auch so bisschen das, was ich sage mal von der Generation meiner Eltern auch so diese Stimmung war, sag ich jetzt mal, ja, schon okay, wenn man es nicht so ... wenn man merkt, dass es einen nicht so ist, man muss auch irgendwie so bisschen die Zähne zusammenbeißen. man muss auch mal so, genau, hab dich mal nicht so, von nichts kommt nichts und ohne Fleiß keinen Preis. Und diese ganzen schönen Sätze, man da, oder die vielleicht über viele Generationen eben auch so handlungsleitend waren.
Jolina Bering: Und die sind eben nicht gut. Die sind psychologisch gesehen nicht gut. Weil, wie gesagt, die Gefühle, die wir haben oder die Empfindungen, die wir haben, die sind Signale. So, und wenn wir die nicht hören, dann ist das ein Problem. Wenn wir irgendwie zum Beispiel einen Schmerzreiz verspüren und wir würden da nie darauf achten, was das ist, dann können wir uns auch schlimme Verletzungen oder so zuziehen. Und so ähnlich verhält es sich eigentlich auch so ein bisschen mit Gefühlen und deswegen, ja, es hat sehr lange gedauert bei mir, aber dafür habe ich jetzt so ein bisschen ein besseres Gespür dafür, wann, ja, wann irgendwie eine Belastungsgrenze da ist und was, dass ich da dann eher hingehen muss, statt davor wegzulassen.
Katrin: Ich finde es auch wahnsinnig wichtig, auf seine Gefühle zu hören. Oft ist der Grad ein bisschen schmal zwischen ich reflektiere mich selber und ich glaube meinen Gefühlen. Ich würde sagen, jeder reflektierte Mensch schaut erst mal auf sich, wenn er kritisiert wird und sagt, vielleicht habe ich was. Niemand ist perfekt. Wenn ich mich blöd verhalten habe, dann stehe ich ja dazu. Aber ich finde, da rutscht man auch ganz schnell in so ein Verhalten, dass man wie so auf Eierschalen geht und seinen eigenen Gefühlen nicht mehr glaubt und nicht mehr vertraut. Man denkt sich, ich wurde schlecht behandelt, aber vielleicht hab ich das rausprovoziert, weil vielleicht war ich unfair in einer Situation vorher. Das ist eine Spirale, die wahnsinnig schwer ist, wieder zu durchbrechen und wieder auf sich zu vertrauen und auf sich zu hören.
Jolina Bering: Ja, total. Also das kann ich komplett nachvollziehen. ist halt, ne, gerade wenn man irgendwie in einem Umfeld ist, was einem vielleicht auch nicht so guttut oder was vielleicht nicht so sensibel ist, vielleicht auch für Emotionen oder Bedürfnisse, dann wird es oft rückgemeldet auf eine Art und Weise, die nicht so hilfreich ist, wo man dann sich selber sogar so bisschen in Zweifel zieht. Aber im Endeffekt spielt es keine Rolle, ob es für andere, ob die auch so reagieren würden oder nicht. Du und dein Körper haben so reagiert. Also solltest du dich damit beschäftigen und solltest du das ernst nehmen.
Katrin: Wäre das auch direkt was, was du deinem jüngeren Ich sagen würdest, wenn du heute mit all deinen Erfahrungen zurückblickst? So, hör auf deine Gefühle und... ...“acte“ danach.
Jolina Bering: Ja, total. Also das ist, wenn ich meinem Jüngeren ich so eine Botschaft mitgeben sollte, dann wäre das: Erlaub dir, irgendwie deinen eigenen Weg zu finden und das, was für andere richtig ist, ist nicht immer auch für dich richtig. Und du darfst es dir wert sein, deine Gefühle zu hören.
Katrin: Am Ende geht’s um eine Sache: Wie erkennst du früh genug, dass deine mentale Gesundheit Aufmerksamkeit braucht?
Erster Lifehack: Gefühle sind Warnsignale, keine Störgeräusche. Jolina hat’s klar gesagt: Wenn schlechte Stimmung zwei Wochen am Stück bleibt, ist das nicht „nur Stress“, sondern ein Hinweis. Dein Körper sendet dir keine Nachrichten aus Langeweile – hör drauf.
Zweiter Lifehack: Hol dir Informationen aus verlässlichen Quellen. Social Media ist voll mit halbgaren Diagnosen, die eher verwirren als helfen. „Ich bin halt so“, „Das ist sicher ADHS“, „Toxisch!“ – das bringt niemanden weiter. Wenn du unsicher bist, check professionelle Stellen: Erstgespräch, Hausarzt, Beratungsangebote. Fakten statt Feeds.
Dritter Lifehack: Reden ist der erste Schritt – immer. Egal ob mit Freunden, Familie, Ärztin oder einem neutralen Profi. Du musst nicht sofort eine Therapie starten, aber du musst anfangen, nicht alles mit dir selbst auszumachen. Schweigen hat noch niemanden gesund gemacht.
Vierter Lifehack: Deine Belastungsgrenze ist kein Makel. Dieses „Reiß dich zusammen“ und „Augen zu und durch“ ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Gefühle sind nicht peinlich, sie sind Richtungsweiser. Und wenn sich alles nach Zuviel anfühlt, hat das einen Grund. Nimm dich ernst.
Fünfter Lifehack: Hilfe suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern gute Steuerung. Ob kostenlose Beratungsstellen, Sprechstunden, Coaching oder EAP über den Arbeitgeber – jede Option hilft dir, bevor es richtig kritisch wird. Du musst nicht erst zusammenbrechen, um berechtigt zu sein.
Und ein letzter Punkt, der oft vergessen wird: Mentale Gesundheit ist auch ein Risiko im Job. Viele denken bei Berufsunfähigkeit nur an körperliche Probleme – aber psychische Belastungen sind einer der häufigsten Gründe, warum Menschen längere Zeit ausfallen. Es lohnt sich also, nicht nur emotional vorzusorgen, sondern auch finanziell. Einfach als Schutzschirm, falls es wirklich mal nicht anders geht.
Also: Hör auf dich. Sprich aus, was dich beschäftigt. Und such dir Hilfe, bevor du sie dringend brauchst. Dein Kopf trägt dich jeden Tag durchs Leben – der verdient denselben Schutz wie alles andere, was dir wichtig ist.
Katrin: Stell dir vor, dein Leben läuft eigentlich gut – Job, Routine, Alltag. Und dann passiert’s: Du kannst plötzlich nicht mehr so arbeiten wie vorher. Nicht wegen einem gebrochenen Bein, sondern weil deine mentale oder körperliche Gesundheit dich ausbremst. Genau dann zeigt sich, wie wichtig es ist, sich selbst abzusichern – nicht nur Handy, Laptop und Auto.
Die ERGO Berufsunfähigkeitsversicherung sorgt dafür, dass dein Einkommen geschützt ist, wenn du wegen Krankheit oder psychischen Belastungen länger ausfällst. Egal ob Burnout, Depression, Rücken, Unfall oder eine Diagnose, die dich aus dem Job reißt: Du bekommst jeden Monat eine feste Rente – und kannst dich aufs Gesundwerden konzentrieren, statt auf Rechnungen.
Das Gute: Du kannst flexibel wählen, wie hoch deine monatliche Rente sein soll und wie lange du abgesichert bist. Und ERGO prüft nicht, ob du deinen Beruf noch in irgendeiner Form ausüben könntest – ausschlaggebend ist dein tatsächlicher Job. Wenn du den nicht mehr schaffst, greift der Schutz.
Und noch ein Vorteil: Es gibt Tarife, die bereits greifen, wenn du zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig bist. Außerdem kannst du deinen Vertrag später anpassen – etwa wenn du mehr verdienst, eine Familie gründest oder dich beruflich veränderst.
Alle Infos, den Tarifrechner und die Möglichkeit zur persönlichen Beratung findest du wie immer in den Shownotes.
Schütze das Wichtigste, was du hast – deine Arbeitskraft. Wir hören uns in der nächsten Folge.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll, weil sie finanzielle Sicherheit bietet, falls man aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf auszuüben. Sie schützt das Einkommen und sorgt dafür, dass man weiterhin seinen Lebensstandard halten kann, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Gerade psychische Erkrankungen sind häufige Ursachen für Berufsunfähigkeit, weshalb eine BU auch für Menschen in stressreichen Berufen oder mit hohen emotionalen Belastungen wichtig ist.
*Dieses Transkript kann leicht von der Podcast Folge abweichen.