Der folgende Podcast bietet einen Einblick in den Rettungsdienst. In dieser Episode spricht Robert Lukasczyk, Notfallsanitäter beim DRK in Berlin, über den Moment, wenn der Alltag zum Ausnahmezustand wird. Er teilt seine Erfahrungen zu Einsätzen, der Rolle von Kommunikation und der Illusion, dass es immer nur andere trifft. Zudem beleuchten wir die Herausforderungen im Umgang mit Krankheit und Unfall. Die zentrale Botschaft: Notfälle kündigen sich oft nicht an, weshalb Vorbereitung essenziell ist.
Katrin: Stell dir vor, du sitzt morgens noch mit deinem Kaffee am Küchentisch. Alles wie immer. Termine im Kopf, Handy in der Hand, Alltag eben. Ein Tag wie jeder andere auch. Und irgendwo da draußen kippt für jemanden gerade die Welt – in nur einer einzigen Sekunde.
Ein falscher Schritt. Ein Moment, der vorher völlig normal war – und danach nie wieder.
Wir reden heute über genau diesen Punkt. Über die „Sekunde Null“. Den Augenblick, in dem Routine zu Ausnahme wird – und plötzlich nichts mehr selbstverständlich ist.
Ich sitze heute hier mit Robert Lukasczyk. Robert ist Notfallsanitäter beim DRK in Berlin, Dozent an der Landesrettungsschule und auf Social Media bekannt als ‚CEO of Vielseitigkeit‘. Auf seinem Account @blaulicht_millieu teilt er ehrlich, humorvoll, aber auch demütig Einblicke aus dem Alltag im Rettungsdienst. Außerdem ist er noch als Finanzdienstleister tätig, in dieser Folge spricht er jedoch ganz bewusst aus seiner Rolle als Notfallsanitäter und damit aus der Perspektive von jemandem, der tagtäglich erlebt, wie schnell sich alles ändern kann, über die Sekunde Null und dem Moment, in dem aus Alltag plötzlich Ausnahme wird.
Robert Lukasczyk: Ich würde sagen, diese Sekunde Null ist individuell für jeden Einzelnen. Also was für dich vielleicht was ganz Normales ist, kann für jemand anderes eine hoch dramatische Situation sein. Ich würde es aber in der Regel so ausdrücken, dass es etwas ist. Also man sagt ja immer so, man hat zwei Leben und das zweite beginnt, wenn man merkt, dass man nur eins hat. Und das kann unterschiedliche Gründe haben, was das auslöst. Kann sein, dass es einem Angehörigen ganz plötzlich schlecht geht. Das kann sein, dass ich einen Unfall habe. Das kann sein, dass ich eine schwere Erkrankung bekomme. Und mein Leben ändert sich plötzlich oder mir wird bewusst, dass ich eigentlich sterblich bin. Und das ist für die meisten eigentlich so diese Sekunde Null. Und es ist eigentlich nie so, dass es etwas ist, womit man vorher gerechnet hat oder was man eingeplant hat.
Katrin: Wie ist es denn, wenn ich einen Notruf absetze? Weil oft hat man das Gefühl, man wartet Ewigkeiten auf den Rettungsdienst. Ist natürlich auch, je nachdem, an welchem Ende des Apparats man ist, dauert es unterschiedlich lang. Was, also ich wähle jetzt den Notruf und sage, ich brauche Hilfe. Was passiert dann auf der anderen Seite?
Robert Lukasczyk: Also erstmal vielleicht um auf die Frage zum Teil einzugehen mit dem Punkt, es dauert ja gefühlt ewig. Ich kann es bestätigen, weil ich weiß ja nun mal wie es auf der Seite ist, wenn man bei Rettungswagen wohin fährt. Aber ich habe auch schon öfter mal einen Notruf gewählt, weil ich jemanden auf der Straße liegen vorgefunden habe oder weil ich bei einem Verkehrsunfall irgendwie dabei war. Und es fühlt sich tatsächlich an wie eine halbe Ewigkeit. Und wenn man dann auf die Uhr guckt, dann sind teilweise auch Kollegen gekommen und ich habe gefragt, was habt ihr so lange gemacht? Und die haben dann gezeigt, Wir haben ja sechs Minuten her gebraucht, entspann dich mal. Man nimmt alles viel genauer wahr. Wir laufen ja sonst durch die Welt und alles rauscht irgendwie so bisschen an uns vorbei und wir sind gar nicht im Hier und Jetzt. Wenn ich dann aber in so einer Situation bin, prasseln so viele Eindrücke auf mich ein, dass ich die Zeit nicht verlangsamt wahrnehme, aber dadurch, dass in dieser Zeit so viel passiert, nehme ich das langsamer wahr.
Was passiert auf der anderen Seite? Na ja, also die Leitstelle in der Regel, also in Berlin zum Beispiel läuft das so, da telefonierst du halt mit einem Calltaker, mit einer Calltakerin, die geht ein Abfrageprotokoll durch, das macht die auch nicht individuell, das ist immer das Gleiche. Und dann ist das so, als würde man auf einer Kasse alles eintippen und am Ende zieht man am Arm rechts Ring Ring und dann kommt quasi ein Bon raus und auf dem Bon steht quasi drauf, hier muss ein Rettungswagen hin und ein Notarzt zum Beispiel. Und dann kommt da eben diese Einsatzmeldung zu uns innerhalb von ein paar Sekunden. Einmal, wenn wir auf der Wache sind, auf einem Melder und zum anderen kriegen wir noch so einen Ausdruck auf einem DIN A4 und dann haben wir auch so eine iPad und da steht dann alles drauf. Da steht dann eben drauf Mensch, die Patientin ABC hat eben dieses Krankheitsbild, hat deswegen angerufen, wohnt dort und dort, der Anfahrtsweg ist vielleicht der hier und ihr fahrt mit diesen und jenen Einsatzmitteln. Und dann gehen wir, wenn wir auf der Wache gerade sind, in der Regel sind wir gerade unterwegs, es ist nicht immer so, dass wir auf der Wache sitzen, weil wir ja viele Einsätze haben, es ist dann so, dass wir auf dem Weg zum Patienten, nicht auf dem Weg zum Patienten, sondern wenn wir gerade eben zurück zur Wache fahren oder uns frei melden am Krankenhaus direkt den nächsten Einsatz bekommen, zumindest in einer Stadtrettung ist es häufig so, und dann kriegen wir plötzlich diese Meldung und fahren dann direkt los. Also ob ich jetzt gerade eben irgendwie ein Telefonat geführt habe, was gegessen oder getrunken habe, ich muss eigentlich alles stehen und liegen lassen und mache mich dann auf dem Weg zu der anderen Person, die uns jetzt eben benötigt. Und dann stellt man sich das immer so vor, dass die Kollegen da hinfahren, ganz viele große Gedanken machen und vielleicht so ernst sind. Aber in der Regel, für uns sind das so alltägliche Situationen. Wir hören eventuell Musik, wenn das gestattet ist vom Arbeitgeber. Wir schnacken miteinander ganz entspannt. Es bringt auch nichts, dass wir uns da jetzt eine große Angst machen und die da vielleicht irgendwie mitbringen. Aber es gibt ein paar weniger Einsätze, bei denen ist man auf der Einsatzfahrt dann doch schon still und zurückhaltend und fokussiert, weil man weiß, diese Einsatzmeldung, die hat es jetzt doch in sich.
Katrin: Man kann wahrscheinlich auch selten abschätzen, was einen genau erwartet, oder? Weil Leute, anrufen, sind ja auch selbst unter Schock und können es vielleicht auch nicht genau beschreiben, was gerade die Situation ist.
Robert Lukasczyk: Es ist eigentlich nie das, was man erwartet. Es ist immer irgendwie was anderes, bis auf wenige Ausnahmen. Gerade bei den schwereren Sachen oder bei den größeren Notfällen hat man schon ein gewisses Bauchgefühl mit einer Erfahrung, das man mitbringt und womit man dann meistens richtig liegt. Auch nicht immer, nur weil jetzt bei uns auf unserem Alarmzettel auf unserer Einsatzmeldung steht Bauchschmerzen, heißt noch lange nicht, dass wir bei einem Patienten ankommen, der Bauchschmerzen hat. Das kann sich wirklich alles dort vor Ort erst ergeben. Wir sind vor kurzem vor zwei Monaten oder so zu einer Reanimation gefahren, zu der dann öfter auch die Polizei mit alarmiert wird, wenn die in der Nähe ist. Wir sind gemeinsam alarmiert gewesen mit natürlich mit dem Notarzt-Einsatz- und einem Löschfahrzeug. Da geht es darum, wer ist zuerst da und kann helfen. Dann kamen wir an und ein Angehöriger öffnete uns unten von der Haustür die Tür und lief ganz entspannt vor uns. Wir haben gesagt, gehen Sie bitte schneller, weil es was Dringendes zu sein scheint. Ja, dem geht es schon lange nicht gut. Hab Ich gefragt, was das Problem sei. Er antwortete nicht seit einiger Zeit. In der Einsatzmeldung stand, Patient reagiert nicht, atmet nicht und macht die Augen nicht auf. So. Und dann kamen wir in der Wohnung an. Da stand uns dann die aufgelöste Ehefrau, es waren Seniorenpärchen, die aufgelöste Ehefrau vor den Augen. Da hat sie gesagt, ja, der spricht nicht mehr mit mir, der macht die Augen nicht mehr auf. Können jetzt bewusstlos sein oder alles andere auch. Und dann sind wir zum Patienten gegangen und der guckte uns dann an und sagte, hallo, was machen Sie denn hier? Und dann sage ich, ist das jetzt unser Patient? Sind wir hier im richtigen Raum? Könnte ja sein, dass irgendwo anders noch jemand ist. Nee, das ist er, der spricht nicht mehr mit mir, seit Tagen geht das so. Am Ende war es so, dass es eine sehr überforderte Ehefrau war mit einem Patienten, der zunehmend dement wird. Sie schaffte es nicht mehr, den zu umsorgen. Wir sind über Blaulicht hingefahren, weil hieß, er lebt nicht mehr, also ein Kreislaufstillstand. Dann sagt sie das meinte ich nicht. Sie saß die ganze Zeit da und hat geweint. Also, das ist ... Es ist nie ... Also nicht nie, aber es ist selten das, was man erwartet. Das ist meistens immer was anderes. Es bringt also auch nichts, sich da auch vorzubereiten. Das heißt, wir kommen in die Wohnung, in die Einsatzsituation und müssen innerhalb von zehn Sekunden erstmal irgendwie feststellen, ist es jetzt was Kritisches, ist es was Unkritisches, was ist hier eigentlich? Also man wird eigentlich ins kalte Wasser geworfen, jedes Mal, auch wenn man so bisschen so Gefühl hat, welche Richtung könnte es gehen.
Katrin: Man hört ja auch immer wieder, dass Leute den Notruf ausnutzen oder fehlalarmieren wegen irgendeinem Quatsch. Was war bisher der Einsatz, wo du am meisten den Kopf schütteln musstest?
Robert Lukasczyk: Es gibt nicht den Einsatz, bei dem ich den Kopf schütteln muss, dafür gibt es zu viele von, wo ich den Kopf schütteln muss, weil es das einfach regelmäßig gibt. In einem Dienst, wenn ich in Berlin fahre, es ist immer noch was anderes, ob man in einer Stadtrettung ist oder Landrettung oder in welchem Bereich man fährt. Wenn ich in Berlin fahre in einer 12-Stunden-Schicht, je nachdem was es für Dienst ist, kann ich so meine 8 bis 12 Einsätze haben. Ich glaube, Rekord war bei mir mal irgendwie 15 Einsätze oder so. Da nimmt man jetzt aber auch nicht jeden Patienten dann mit in dieser Zahl. Vielleicht gibt es eine Veranstaltung, wo man nur von Veranstaltung zum Krankenhaus fährt und hin und her. Aber es ist ein spannendes Thema, was du ansprichst, weil es wird immer wieder diskutiert, wie kann man Patienten deutlich machen, wann wähle ich einen Notruf. Das ist superschwierig. Ich kann ja jetzt schlecht eine Patientenschule aufmachen und den Patienten beibringen, wenn du mal Patient bist, musst du dich so und so verhalten in Notfallsituationen. Und auch im Erste-Hilfe-Kurs reicht das nicht auszusagen, wenn du Luftnot hast, wenn du Brustschmerzen hast, dann musst du das und das machen und dann musst du Notruf wählen. Das ist einfach nicht möglich. Um Arzt zu werden, muss ich sechs Jahre studieren und dann noch meinen Facharzt machen und irgendwann nach zwölf Jahren bin ich vielleicht so weit, dass ich das alles zu einem Großteil verstehe, aber dann maßgeblich für mein Fachgebiet. Jetzt soll ich einem Patienten oder einem potentiellen Patienten innerhalb von ein paar Minuten sagen, wann soll der Notruf wählen.
Und deswegen ist eigentlich nicht die Lösung zu finden, auch wenn sich das viele Kollegen im Rettungsdienst wünschen würden bei den Anrufern, sondern die Lösung ist zu finden in der Leitstelle. Und wenn du vom Bauchgefühl das Gefühl hast, es ist für mich ein dringender Notfall, ich kann das nicht abschätzen, was es jetzt ist, dann wählst du einfach den Notruf mit der 112 und die Leitstelle muss dann entscheiden, soll dein Rettungswagen hin oder nicht. Natürlich gibt es super viele Leute, die anrufen und sagen, ich habe hier einfach Grippesymptomatik und will den Notruf, weil sie nicht aufgeklärt sind darüber. Also Aufklärung ist schon wichtig, gar keine Frage. Aber wenn wir in der Leitstelle die Herausforderung haben, dass die Kollegen eigentlich nur so ein Abfrageprotokoll durchgehen und die Fragen halt, hat der Patient Luftnot? Also wenn ich zum Beispiel für einen Angehörigen anrufe und die sagen dann Ja, dann kommt halt dieses Abfrageprotokoll direkt raus, dass dann ein Rettungswagen hin muss.
Also da muss noch viel dran gefeilt werden. Das ist schon ein ganz gutes System, das wir ja hier in Berlin haben. Da bin ich eigentlich glücklich mit, aber es kann man sicherlich alles optimieren. Aber ich glaube nicht, dass die Lösung bei den Menschen selbst zu suchen ist, die anrufen, sondern eher beim System und bei der Aufklärung.
Katrin: Das heißt, da fehlt auch so ein bisschen das Verständnis füreinander jetzt von den Bürgern und Bürgerinnen, auch, also so gegenseitig habe ich so ein bisschen den Eindruck. Ist das so auch einer der Gründe, warum du deinen Alltag auf Social Media teilst?
Robert Lukasczyk: Ja, definitiv. ich will, also ich möchte halt gern dem Blaulichtmilieu eine Stimme geben, weil ich glaube, eigentlich das Blaulichtmilieu und alle anderen grenzenden Gewerke, die damit zu tun haben, gar nicht so gesehen werden, weil das gegenüber der freien Wirtschaft, in der ich ja sonst auch tätig bin, wenig nach außen getragen wird, weil es da keinen Sinn ergibt großartig Marketing zu machen und was weiß ich nicht, weil es halt nicht bling bling ist. Aber am Ende ist das Blaulichtmilieu mit den angrenzenden Gewerken maßgeblich einer der tragenden Säulen unserer Gesellschaft, die wichtig sind und deswegen möchte ich denen eine Stimme geben. Und gleichzeitig mache ich das, was ich auf Social Media mache, schon in einer Verbindung, dass ich irgendwie ein bisschen Wissen teile und bisschen die Augen öffnen möchte, aber das Ganze natürlich auch humorvoll, irgendwie beide Seiten auch so bisschen verstehen zu können, weil in der Regel...Also das größte Problem, was man meistens hat, ist, dass es irgendwie an der Kommunikation hapert.
Katrin: Verstehe ich. Jetzt wird es... Also kriegt man ja immer wieder in der Nachricht mit, dass auch so Übergriffe gegenüber Einsatzkräften zunehmen. Polizei war ja schon lange ein Thema, dass da Gewalten aufeinander knallen. Aber jetzt zunehmend auch, was den Rettungsdienst angeht. Hast du das auch schon erlebt?
Robert Lukasczyk: Ja, also ich persönlich auch schon glücklicherweise. Ich klopfe auf Holz, aber ich wurde zumindest noch nicht körperlich angegangen. Da muss man auch immer wieder zwei Seiten sehen. Es gibt Kollegen, die haben gefühlt einmal im Monat, die haben irgendwelche Beschwerden, die sie von Patienten bekommen und irgendwie eskaliert das da. Es geht sicherlich auch ein bisschen darum, wie gehe ich mit den Bürgern um auch gar keine Frage. Teilweise kann ich auch einige Kollegen, naja, unterstützen kann ich es nicht, aber verstehen, wenn du halt Vollzeit in dem Beruf arbeitest und du hast Tagschicht, Nachtschicht, Tagschicht, Nachtschicht und ein Patient nach dem anderen ist eigentlich nicht für den Rettungsdienst und alle haben irgendwie eine Anspruchshaltung gegen dich oder an dich, dass man einfach eine viel, niedrigere Reizschwille hat und dass es dann schneller eskalieren kann. Das war auch einer der Gründe, warum ich, ich habe halt gemerkt, ich bin viel zu schnell vom Patienten gereizt, was nicht gut ist. Deswegen bin ich auch für eine Zeit lang rausgegangen und mache das jetzt eben nur einmal die Woche und hab mich auch tatsächlich ganz bewusst gegen Nachtschichten entschieden, weil das auch nicht so gesund ist auf die Dauer. Um zur Frage zurückzukommen, ja, also ich selbst wurde glücklicherweise bis jetzt ja eben nur verbal angegangen, also dass ich halt auch beleidigt wurde, einfach nur weil ich mit meinem Rettungswagen halt in einer Sackkasse stand, jemand anders konnte nicht rausfahren, wir hatten aber eine Patientin, die schwer, an der Lunge erkrankt war und die wir transportieren mussten, stand dann halt 5 cm vor meinem Gesicht und hat gesagt, wenn ich jetzt nicht sofort den Rettungswagen wegfahre, dann passiert ein Unglück und so. Wenn da so ein Typ, irgendwie zwei Köpfe größer ist als du und doppelt so breit, dann da vor dir steht, da geht dir schon der Stift. Und auch andere Situationen, wo Personen einfach die Rettungsmittel blockieren, also...also auch jeglichen Alters. Das war ein Rentner, in einem Seniorenheim der wahrscheinlich Angehörige besuchen wollte. Wir hatten tatsächlich eine Patientin, die wir reanimiert haben und wo wir einen Kreislauf hatten. Dann bin ich schnell zum Rettungswagen runter und wollte die Trage holen. Steht direkt hinten am Rettungswagen in 10 cm Abstand steht ein PKW dahinter und da steht der Rentner. Ich frage ihn, was seine Mission ist. Er sagt, sie dürfen hier nicht parken, hier ist Halteverbot usw. Ich fragte, ob er noch ganz dicht ist und habe ihn darum gebeten das Fahrzeug dort wegzufahren. Ansonsten rufe ich sofort die Polizei. Dann hat er mir noch die Tür zugehalten vom Rettungswagen. Dann habe ich die Polizei gerufen, da war er aber schon weg. Ich hätte jetzt da nochmal sein Kennzeichen notieren können und so weiter. Aber dadurch, dass es so oft vorkommt, also, es ist immer so ein Zwiespalt zwischen, ich will das natürlich irgendwie melden, aber auf der anderen Seite, ich muss dann Aussagen treffen und muss mir den Stress antun und das ist Lebenszeit, die Ich verliere. Wenn ich das in jedem Dienst mache, da bin ich ja nur noch an irgendwie Leute melden. Also das kommt schon vor, weil man, man...
Es wird ja immer nur berichtet von der Gewalt, die körperlich ist. Aber Gewalt ist ja richtig viel mehr. Es ist ja Gewalt in der Kommunikation. Das ist dadurch, dass ich Rettungsmittel den Weg versperre, dass ich einfach mit vielen anderen Dingen auch Gewalt auslöse. Und das wird meistens ja gar nicht gezeigt. Ja, ich kann es auch bestätigen, dass das grundsätzlich mehr wird. Glücklicherweise ist es aber so, dass mittlerweile Rettungsdiensten, Feuerwehr da ähnlich gestellt oder gleichgestellt sind wie die Polizei. Das war früher nämlich auch noch mal anders. Also in der Strafbarkeit, aber da ich da kein Jurist bin, bin ich da bisschen raus. Aber das wurde auch mit der Zeit angepasst, weil es halt mehr geworden ist, dass auch mehr zu verfolgen tatsächlich kam.
Katrin: Wurdest du dann auch schon zu Einsätzen gerufen, wo du gerade viel mit jungen Menschen zu tun hattest, mit Dingen, die vielleicht einfach saublöd gelaufen sind oder vermeidbar gewesen wären? Bestimmt, oder?
Robert Lukasczyk: Ja definitiv. Definitiv. Meistens sind das sogar Dinge, also eigentlich fast immer sind das Dinge, mit denen man eben nicht vorher gerechnet hat, dass das jetzt irgendwie passieren könnte. Bis auf wenige Ausnahmen. Wenn ich jetzt sage, ich bin irgendwie, keine Ahnung, einer Skateboardhalle, dann sage ich, es kann passieren, dass ich mir jetzt heute den Unterarm breche. So, okay. Es gibt so unfassbar viele Menschen, ich trete ja heute als Notfallsanitäter auf und nicht als Finanzdienstleister, aber das muss ich dazu sagen, es gibt so ultra viele Menschen, bei mir auch in der Beratung sitzen und sagen, mir wird ja nichts passieren, das ist ja alles gut, aber ich sehe es ja nun mal im Rettungsdienst ständig, dass es eben doch passieren kann. Dann habe ich plötzlich irgendeine Erkrankung, weil ich mich irgendwo angesteckt habe, ich habe keine Ahnung, irgendwie eine Krebserkrankung, obwohl ich ein gesundes Leben geführt habe, ich habe einen Unfall dadurch, dass jemand anderes Mist gebaut hat. Das ist ja auch häufig so. Einfach Straße überquert, jemand anderes hat es übersehen. Ich war vor kurzem bei einem Einsatz in Berlin. Da ist ein Pkw in einen Rettungswagen gefahren, der auf Einsatzfahrt war mit einem Patienten. Und dann fühlt man sich im Rettungswagen vielleicht so halbwegs sicher. Und dann fährt aber ein anderes Fahrzeug mit 50 kmh, obwohl ich Martinshorn anhabe und Blaulicht und so weiter, voll in die Seite rein. Wo ich jetzt auch nicht vorher mit gerechnet habe. Und da waren ja auch junge Kollegen mit drin. Kann ich natürlich jetzt nicht so viel sagen zu dem Einsatz, also darf ich nicht, aber da passieren schon ständig Dinge, mit denen ich vorher nicht gerechnet habe. Das kann ich bestätigen.
Katrin: Woher kommt das, dass wir immer davon ausgehen, so was passiert eigentlich nur den anderen und nicht uns?
Robert Lukasczyk: Naja, ich erkläre meine Dinge gerne so in anderen Bildern. Wenn ich mit meiner Oma spreche, die ist im zweiten Weltkrieg, wurde die aus ihrer Heimat vertrieben mit sieben Jahren. Die hat heute noch, mit der habe ich tatsächlich auch mal Podcast aufgenommen, die hat heute noch ihren Fluchtkoffer unterm Sofa, weil das so in ihr drin ist, dass es ja jederzeit passieren könnte. Da hat sie alle wichtigen Dokumente und so. Liebe Grüße gehen raus.
Und in ihrer Welt ist es absolut realistisch, dass das passieren kann. In unserer Welt so, wer hat irgendwie so Notfallrucksack oder irgendwie was da. Und genauso ist es mit dem Thema Krankheiten. Wenn ich halt jung bin und mein ganzes Leben lang, was ich ja kenne, bin ich irgendwie fit. Ich habe mir nie irgendwie großartig was getan. Ich habe keine Krankheit. Dann gehe ich auch nicht davon aus, dass das noch passiert. Also das ist einfach, weil ich diese Erfahrung noch nicht gesammelt habe. Und wenn ich sie dann aber einmal sammle, weil mir hier im nahen Umfeld oder weil mir selbst was passiert, dann kommt meistens dann das Umdenken. Das ist dann aber oft auch schon ein bisschen zu spät.
Katrin: Würdest du sagen, deine Erfahrungen im Rettungsdienst haben dich selber vorsichtiger gemacht?
Robert Lukasczyk: Es ist lustig, weil vorsichtiger nicht, aber bewusster darin, im Hier und Jetzt zu leben und glücklich zu sein mit dem, was ich habe, mir bewusst zu sein, dass ich sterblich bin und dass ich verletzlich bin und eher sogar noch, wie gesagt, mein Leben zu genießen und das zu tun, wofür ich brenne, anstatt mich die ganze Zeit zurückzuhalten und ich sag mal nur zu Hause rumzusitzen und nichts zu tun. Also, eher ist es so, dass mich das nach draußen treibt und sagt, ich will jetzt das Leben erleben, weil es kann jeden Moment vorbei sein.
Katrin: Das heißt, du gehst lieber all-in statt einen Schritt zurück und umsichtiger zu sein.
Robert Lukasczyk: Das wäre absolut ausgedrückt mit dem All-in. Ich würde sagen, ich finde ein gesundes Maß daraus, sehr viel Adrenalin mitzunehmen, aber bin mir der Gefahren bewusst und bin dann schon sehr sicherheitsorientiert, während ich das mache.
Katrin: Sicherheitsorientiert ist da natürlich ein gutes Stichwort, sicherst du dich dann in irgendeiner Form ab, was so diesen Lebensstil angeht.
Robert Lukasczyk: Ja, Ja, tatsächlich, habe einige Sachen. Das liegt natürlich auch in der Natur, dass ich in dem Bereich auch tätig bin. Es fängt an bei einer Haftpflicht. Ich habe, also wenn es jetzt meine eigenen Absicherungen geht, klar, die Haftpflicht damit sicherlich andere ab. Ich habe eine Haftpflicht, ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung, ich habe eine Grundunfähigkeitsversicherung, ich habe eine schwere Krankheitenvorsorge, weil ich einfach in meinem unternehmerischen Leben auf viele Situationen vorbereitet sein muss und habe das auch von verschiedensten Gesellschaften. Da bin ich quasi für jede Situation auf alles vorbereitet. Ich habe jetzt aber nicht in jedem Bereich so eine maximale Absicherung, sondern habe hier ein bisschen was und da ein bisschen was, so viel, dass es dann auch ausreichen würde, um mich zu versorgen und eben nicht zu wenig, dass eigentlich am Ende das gegengerechnet wird mit irgendwelchen Sozialleistungen.
Aber so bin ich da breit aufgestellt. Also ohne würde ich mich dann auch nicht so sicher fühlen, muss ich sagen. Also auch, weil ich es ja auch ständig sehe. So und auch bei meiner privaten Krankenversicherung, die ich glücklicherweise habe, wofür ich sehr dankbar bin. Auch da ist ein Schutz mit einem Krankentagegeld dabei, falls ich krankgeschrieben bin, dass ich da weiter eine Lohnfortzahlung bekomme. Das zahle ich natürlich auch noch mal extra, was in der gesetzlichen Rentenversicherung quasi mit drin ist nach sechs Wochen ab dem 43. Tag oder je nachdem, wo ich halt arbeite. Ja, also das ist mir schon wichtig. Genauso ist mir aber auch wichtig vorzusorgen im Sinne von Vermögen aufbauen. nur eine Versicherung, wenn die halt nie leistet, weil ich halt nie was habe, dann habe ich da immer Geld für bezahlt. Aber so ist es nun mal. Es ist halt am Ende eine Wette mit der Versicherung. Ich wette, dass mir da mal was passiert und wenn mir was passiert, kriege ich halt Geld von dir. Also nichts anderes ist eine Versicherung. Und das ist schlau, das in gewissen Maßen zu machen. Aber viel, viel wichtiger ist eigentlich Vermögensaufbau. Weil da haben wir sowieso bei dem demografischen Modell im Bereich Altersvorsorge ein viel größeres Thema. Aber das eine bedingt das andere. Die Absicherung ist schon das Fundament für den Vermögensaufbau, den man betreiben sollte. Ohne den geht es halt nicht. Und ein Punkt, der mir dazu noch einfällt, weil da ultra viele Menschen immer sagen, ja mir passiert doch nichts und es ist alles gut. Und die Wahrscheinlichkeit, dass mir was passiert ist sowieso gering und dann kriege ich das schon irgendwie hin.
Meine Lieblingsfrage, die ich dann immer stelle, ist alles klar, bei welcher Krankenkasse bist du denn? Bei der Krankenkasse XY. Dann sage ich alles klar, wenn das möglich wäre, würdest du diese Krankenversicherung kündigen? Da gucken mich immer alle komisch an und sagen, hä, nee. Dann sage ich, okay, aber diese Krankenversicherung kostet dich 300 Euro und dem Arbeitgeber 300 Euro, das heißt, du zahlst 600 Euro von deinem Einkommen dafür. Du wärst nicht bereit, die zu kündigen, weil du ja sagst, es könnte ja was passieren. So. Aber in dem Rahmen sollte es ja wahrscheinlich möglich sein für dich, vielleicht 200 Euro im Monat beiseite zu packen, dein Vermögen aufzubauen, falls dir mal was passiert. So und dann kann man meistens irgendwie die Menschen im Kopf ein bisschen öffnen, den Weg zu bereiten, zu sagen, vielleicht ist es ja, wenn ich meine Krankenkasse nicht bereit wäre zu kündigen, wäre es vielleicht schlau mich in anderen Bereichen auch abzusichern.
Katrin: Wenn du jetzt die Gelegenheit hättest, zu deinem jüngeren Ich nochmal was mitzugeben in dem Bereich, was wäre das?
Robert Lukasczyk: Also ich zitiere immer wieder gerne meinen Opa, der mir das eigentlich nie direkt gesagt hat, sondern der hat immer gesagt, lass doch mal den Jungen in Ruhe. Und der hat das immer gesagt, also meine Mama und Oma haben mich total liebevoll erzogen, auch mein Opa und so, die wollten auch immer nur das Beste für mich. Aber oft, also meine Mama ist Lehrerin, meine Oma war Lehrerin, war es dann so, das musst du noch besser machen und das geht hier noch höher und schneller und so. Ist auch alles gut. Das hat mich ja auch zu dem gemacht, was ich bin oder wer ich bin. Aber mein Opa war immer so, dass er gesagt hat, lass doch mal den Jungen in Ruhe, lass den mal machen, der wird das schon machen. Und das ist aber eine Sache, die ich ganz, ganz lange nicht aus mir rausbekommen habe, weil ich es immer allen recht machen wollte in meinem Leben. Und ich habe dann irgendwann festgestellt, dass es mich überhaupt nicht glücklich macht. Und mich macht glücklich, wenn ich das tun kann, wofür ich brenne. Und wenn ich das tue, dann ist schon mal ganz viel Stress weg. Und insbesondere hat mir da der Rettungsdienst bei geholfen, weil er mir gezeigt hat, wie schnell das eben vorbei sein kann. Dass es nur Sinn ergibt, einfach glücklich zu sein.
Jetzt können wir ganz philosophisch werden, weil die Frage an dem Punkt manchmal aufkommt. Zum Thema Sinn des Lebens. Was bringt das eigentlich, wenn es jederzeit vorbei sein kann? Man kann ja quasi auch aus dem Rettungsdienst rausgehen und sagen, ich bin total depressiv, weil ich sehe, es bringt alles nichts. Es ist sowieso alles vorbei. Wir kommen ja alle nicht lebend raus. Aber ich glaube, dass der Sinn des Lebens ist, dem Leben einfach einen Sinn zu geben und glücklich zu sein. Eine andere Chance habe ich ja gar nicht, weil ich habe nur die Zeit hier für mich und die sollte ich nutzen.
Katrin: Schicksalsschläge, Unglücke und Katastrophen passieren selten mit Vorlaufszeit. Wenn man ehrlich ist braucht es manchmal nur eine Sekunde und alles ist anders. Und genau das macht es so schwer sich darauf vorzubereiten. Ein paar Sachen hast du aber in der Hand:
Erstens: Im Notfall musst du nicht perfekt reagieren. Du musst nicht wissen was es genau ist und brauchst keine präzise medizinische Diagnose. Wenn es sich richtig anfühlt, ruf an, wenn es sich ernst anfühlt, dann ruf an. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Denn genau dafür gibt es die Leitstelle. Die entscheidet dann, was gebraucht wird.
Zweitens: Zeit fühlt sich im Notfall anders an. So ein paar Minuten kommen dir vor wie eine Ewigkeit. Und trotzdem ruhig bleiben, klar sprechen, Fragen beantworten. Panik lähmt und das hilft keinem. Hangle dich am besten an den fünf W-Fragen entlang. Wo ist der Notfall? Was ist passiert? Wie viele Personen sind betroffen? Wer ruft an? Und warten auf Rückfragen. So verhinderst du, dass du in Panik verfällst, bleibst ganz bei der Sache und sorgst dafür, dass alle relevanten Informationen bei der Leitdienststelle ankommen.
Drittens: Wie wir miteinander sprechen macht extrem viel aus. Es ist eine Ausnahmesituation, die erstmal überfordert. Stress führt zu Missverständnissen. Auch im Umgang mit Einsatzkräften. Klar bleiben, respektvoll bleiben. Sie Sind gerufen worden, um zu helfen und nicht um dich zu ärgern.
Viertens: Sicherheit beginnt vor der Krise. Haftpflicht, Einkommensabsicherung, Rücklagen – nicht, weil man mit dem Schlimmsten rechnet. Sondern weil man weiß, dass es passieren kann.
Die „Sekunde Null“ fragt nicht nach deinem Terminkalender. Darauf vorbereiten ist fast unmöglich. Was du aber machen kannst, ist dafür zu sorgen, dass du nicht völlig allein dastehst.
Katrin: Wenn du nach all dem denkst: „Ganz ehrlich, vorbereitet sein fühlt sich besser an“, dann lohnt sich ein Blick auf die Unfallversicherung der ERGO.
Sie bietet dir finanziellen Schutz bei dauerhaften Unfallfolgen – weltweit und rund um die Uhr. Je nach Tarif sind auch Leistungen wie Unfallrente, Bergungs- und Rettungskosten oder zusätzliche Assistance-Leistungen möglich.
Denn ein Unfall passiert schnell.
Die Frage ist nur, wie gut du danach abgesichert bist.
Unfallversicherungen sind essenziell, um dich vor den finanziellen Folgen unerwarteter Ereignisse zu schützen. In nur einer Sekunde kann sich dein Leben ändern – ein Unfall oder eine plötzliche Erkrankung können jederzeit eintreten. Eine gute Unfallversicherung sorgt dafür, dass du im Notfall nicht allein dastehst und unterstützt dich mit Leistungen wie einer Unfallrente oder Übernahme von Rettungskosten. Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen, ist entscheidend, um für den Fall der Fälle gut abgesichert zu sein.
*Dieses Transkript kann leicht von der Podcast Folge abweichen.