Bon: Ist das Mitnehmen Pflicht?

Zettelwirtschaft

Seit Beginn des Jahres müssen elektronische Kassen immer einen Bon ausdrucken. Müssen wir unsere Portemonnaies damit verstopfen?

Bon: Ist das Mitnehmen Pflicht?

Rechtsfrage des Tages:

Seit Jahresbeginn gelten für Verkäufer neue Pflichten. Diese müssen seitdem Kassenbons immer an den Kunden aushändigen. Aber muss der Kunde diese auch annehmen und aufbewahren?

Antwort:

Egal, ob Sie mit Karte oder bar bezahlen – die Kasse antwortet mit einem auch mal längeren Papierstreifen. Seit dem 01. Januar 2020 sind Verkäufer verpflichtet, diesen an den Kunden herauszugeben. Als Kunde sind Sie aber nicht verpflichtet, den Kassenbon mitzunehmen.

Beleg-Ausgabepflicht

Seit dem Stichtag gilt die Beleg-Ausgabepflicht. Grundlage ist das Inkrafttreten der Kassensicherungsverordnung. Elektronische Kassen müssen fälschungssicher umgerüstet sein und jede Aktivität aufzeichnen. Außerdem müssen die Kassen automatisch einen Beleg erstellen, den der Verkäufer dem Kunden zur Verfügung stellen muss. Das gilt vom Kauf eines Brötchens beim Bäcker bis hin zum Erwerb eines teuren Fernsehers im Elektronikmarkt.

Auch elektronisch möglich

Die Verordnung sieht neben der Belegpflicht in Papierform auch eine elektronische Übermittlung vor. Unternehmen haben demnach die Möglichkeit, Belege elektronisch in einem standardisierten Dateiformat zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist, dass der Kunde vorab seine Zustimmung erteilt und der Beleg auch wirklich übermittelt wird. Es reicht nicht aus, diesen auf dem Kassendisplay sichtbar zu machen.

Ausnahmen möglich

In Einzelfällen kann von der Belegpflicht allerdings auch abgesehen werden. Voraussetzung ist eine sachliche oder persönliche Härte beim Verkauf von Waren an eine Vielzahl unbekannter Personen. Einzelhändler können in diesen Fällen einen Antrag bei der zuständigen Behörde stellen.

Notwendiger Inhalt

Haben Sie sich einen Bon schon einmal genauer angesehen? Sie werden darauf viele unterschiedliche Informationen finden. Der notwendige Inhalt eines Beleges ist nämlich ebenso wie die Ausgabepflicht in der Verordnung geregelt. Neben Name und Anschrift des Unternehmens müssen sie Datum und die Zeiten des Vorgangsbeginns und -endes aufzeichnen. Außerdem müssen die Art der Leistung, das Entgelt und die enthaltene Steuer aufgeführt werden.

Was passiert bei Verstoß?

Ein Bußgeld muss ein Verkäufer nicht befürchten, wenn er seinen Kunden keine Belege aushändigt. Allerdings kann der Verstoß als Indiz für Missachtung der Aufzeichnungspflicht gewertet werden. So sollen Kassenprüfer durchaus Testkäufe durchführen und ohne Bon deutlich genauer hinschauen.

Bon mitnehmen vorgeschrieben?

Keine Sorge. Sie als Kunde sind nicht verpflichtet, den Kassenzettel mitzunehmen. Statt Ihr Portemonnaie zu überfüllen, dürfen Sie den Bon einfach liegen lassen. Dem Umweltschutz dient die neue Regelung daher nicht gerade.

Andere Länder, andere Sitten

Zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung besteht unter anderem in Österreich und Slowenien bereits die Pflicht für Verkäufer, einen Kassenbon an den Kunden auszugeben. Dieser wiederum ist zur Mitwirkung verdonnert. Er muss nämlich den Beleg aufbewahren und auf Verlangen den Finanzbehörden vorzeigen können. In Italien ist seit Anfang des Jahres der elektronische Beleg Pflicht. Dadurch sollen nicht nur Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung geahndet, sondern auch ein Anreiz zum Verzicht auf Bargeld geschaffen werden. Eine solche Regelung gab es in Deutschland bisher nicht.

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